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Die Principal Agent-Problematik bei Venture Capital-Finanzierung

Eine vergleichende Analyse europäischer und US-amerikanischer Lösungskonzepte

Die Principal Agent-Problematik bei Venture Capital-Finanzierung
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Sven Hattwig
  • Abgabedatum: März 2003
  • Umfang: 101 Seiten
  • Dateigröße: 794,0 KB
  • Note: 1,3
  • Institution / Hochschule: Bayerische Hochschule Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-7604-5
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-7604-5 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-7604-5 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Hattwig, Sven März 2003: Die Principal Agent-Problematik bei Venture Capital-Finanzierung, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Interessendivergenzen, Informationsaysmmetrien, Hands-on Approach, Staged Capital Infusion, Spzialisierung

Diplomarbeit von Sven Hattwig

Zusammenfassung:

Das im Vergleich zu den USA geringe Volumen der Venture Capital-Investitionen in Europa ist nicht nur auf schlechtere Rahmenbedingungen sondern insbesondere auch auf interne Faktoren im Sinne von nachteiligen Management- und Investitionsstrategien in der europäischen Venture Capital-Industrie zurückzuführen, die auftretenden Problemen und Herausforderungen im Venture Capital nicht gerecht werden. Probleme und Herausforderungen ergeben sich speziell in der Beziehung zwischen Venture Capitalist und Unternehmensgründer, die im Rahmen der Diplomarbeit anhand der Principal Agent-Theorie erläutert werden. Spezifisch für junge innovative Unternehmen ist hierbei das Ausmaß der auftretenden Informations- und Anreizproblematik: Erfahrungen der Vergangenheit mit dem Unternehmer, der Technologie und dem relevanten Markt gibt es kaum oder überhaupt nicht. Je innovativer das Unternehmen desto schwieriger ist das mit einer Investition verbundene Risiko einzuschätzen. Je jünger und je wachstumsorientierter das Unternehmen ist, desto mehr Entscheidungen sind noch zu treffen und desto mehr Entscheidungsspielraum hat der Unternehmer als Kapitalnehmer, den er auch so nutzen kann, dass er die Interessen des Venture Capitalist als Kapitalgeber verletzt.

Allgemein wird der Unternehmer versuchen, Projekte oder Investitionen durchzuführen, die für ihn einen hohen privaten Nutzen haben, aber nicht zwingend den Unternehmenswert und damit den Nutzen des Venture Capitalist maximieren. Aufgrund des erheblichen Informationsvorsprungs, den der Unternehmer gegenüber dem Venture Capitalist hat, ergibt sich für letzteren nicht nur ein anfängliches Identifikationsproblem, sondern es wird auch schwer, eigennützige Verhaltensweisen des Unternehmers aufzudecken und zu reduzieren.

Für eine Reduzierung der Principal Agent-Problematik bedarf es spezieller Investitions- und Managementstrategien, die ausgedehnte Kontroll- und Überwachungsmaßnahmen ermöglichen und gleichzeitig ein kooperatives Umfeld schaffen. Derartige Ansätze finden sich insbesondere in der US-amerikanische Venture Capital-Industrie, die weltweit nicht nur die älteste sondern auch die erfolgreichste ist. Für Europa gilt jedoch, dass sie nur in wenigen unabhängigen Venture Capital-Gesellschaften genutzt werden.

Im Rahmen der Diplomarbeit wird gezeigt, dass eine Anwendung derartiger US-amerikanischer Investitions- und Managementstrategien in den weniger entwickelten europäischen Märkten theoretisch möglich ist, um zur Lösung der auftretenden Principal Agent-Problematik beizutragen. Im Vordergrund stehen hierbei die drei folgenden Strategien:

Eine Hands-on Betreuung der Beteiligung, die eine aktive und intensive Involvierung des Venture Capitalist im Unternehmen vorsieht.

Die Spezialisierung auf ein Technologie- oder Branchensegment und auf eine bestimmte Unternehmensphase.

Die gestaffelte Kapitalzufuhr (Staged Capital Infusion) unter Anwendung von Meilensteinen und Convertible Debt Contracts, durch die eine Rationierung und Konditionierung der Kapitalzufuhr erreicht wird.

In europäischen Venture Capital-Märkten, in denen Venture Capital-Finanzierungen von Banken abhängig sind oder durch öffentliche Fördergelder dominiert werden, herrscht eine im amerikanischen Sinne geringe Professionalität vor. Dies trifft insbesondere auf Deutschland zu. Eine Förderung der europäischen Venture Capital-Industrie sollte daher nicht an der Erhöhung staatlicher Subventionen ansetzen sondern zunächst Rahmenbedingungen schaffen, die es unabhängigen, d.h. nicht von Banken dominierten oder von öffentlichen Fördergeldern abhängigen, Venture Capitalists ermöglicht, umfangreiche Finanzmittel bei Investoren einzuwerben. Im Rahmen der Diplomarbeit wird gezeigt, dass hierin eine wesentliche Voraussetzung für eine im amerikanischen Sinne höhere Professionalität in der europäischen Venture Capital-Industrie besteht und somit zu einer Verbesserung der Rahmenbedingungen für Unternehmensneugründungen führt.

Inhaltsverzeichnis:

Abkürzungsverzeichnis IV
Abbildungsverzeichnis V
Anhangsverzeichnis V
1. Ziel und inhaltlicher Aufbau der Arbeit 1
2. Einführung in die Venture Capital-Finanzierung 4
2.1 Definition und Eingrenzung des Venture Capital-Begriffs 4
2.1.1 Venture Capital als Frühphasen- und Expansionsphasenfinanzierung 7
2.1.2 Abgrenzung des Venture Capital vom Private Equity 9
2.2 Venture Capital als aufstrebende Finanzierungsform 11
2.2.1 Entwicklung des Venture Capital in Europa und in den USA 11
2.2.2 Bedeutung der Venture Capital-Finanzierung 15
2.3 Unterschiedliche externe Rahmenbedingungen für Venture Capital 17
2.3.1 Nachfrage nach Venture Capital 18
2.3.2 Angebot an Venture Capital 21
3. Die Principal Agent-Problematik 24
3.1 Die Principal Agent-Problematik als allgemeiner Ansatz 24
3.2 Agenturkosten des externen Eigenkapitals 26
3.2.1 Der alleinige Eigentümer-Manager - Expansion ohne externes Kapital 26
3.2.2 Verkauf von Unternehmensanteilen an einen Investor 28
3.2.3 Moral Hazard bei der Expansion mit externem Eigenkapital 30
3.2.4 Adverse Selection bei der Expansion mit externem Eigenkapital 32
3.3 Besonderheiten der Principal Agent-Problematik im Venture Capital 33
3.3.1 Interessendivergenzen zwischen Unternehmer und Venture Capitalist 34
3.3.2 Informationsasymmetrien zwischen Unternehmer und Venture Capitalist 35
4. Strategien und Maßnahmen zur Reduzierung der Principal Agent-Problematik im Venture Capital 39
4.1 Der Venture Capital-Vertrag 39
4.1.1 Das Problem der unvollständigen Verträge 40
4.1.2 Ausgestaltung des Venture Capital-Vertrages 40
4.2 Aktive Beteiligungsbetreuung - Hands-on Approach 43
4.2.1 Unterscheidung zwischen aktivem und passivem Ansatz 43
4.2.2 Umsetzung des aktiven Ansatzes in den USA und in Europa 45
4.2.3 Bedeutung der rechtlichen Möglichkeiten 48
4.2.3.1 Preferred Securities beim Hands-on Approach 48
4.2.3.2 Vorteilhaftigkeit der Corporate Governance-Struktur in den USA 49
4.2.3.3 Problematik des Trennungsmodells 51
4.2.4 Bedeutung der Bereitschaft des Unternehmers 53
4.2.4.1 Anreize zur Erhöhung der Bereitschaft 53
4.2.4.2 Abhängigkeit von der Finanzmarktstruktur 55
4.2.5 Bedeutung des Verhältnisses zwischen Venture Capitalist und Investor 57
4.2.5.1 Hohe Unabhängigkeit des Venture Capitalist in den USA 57
4.2.5.2 Hohe Abhängigkeit und öffentliche Förderung in Europa 58
4.2.5.3 Konsequenzen der Abhängigkeit und öffentlichen Förderung 60
4.3 Spezialisierung 62
4.3.1 Umsetzung der Spezialisierung in den USA 64
4.3.2 Umsetzung der Spezialisierung in Europa 66
4.4 Gestaffelte Kapitalzufuhr - Staged Capital Infusion 68
4.4.1 Convertible Securities bei der Staged Capital Infusion 71
4.4.2 Meilensteine bei der Staged Capital Infusion 73
4.4.2.1 Praktische Probleme bei der Verwendung von Meilensteinen 74
4.4.2.2 Meilensteine in Verbindung mit Convertible Securities 75
4.4.3 Umsetzung der Staged Capital Infusion in den USA 76
4.4.4 Umsetzung der Staged Capital Infusion in Europa 77
5. Zukünftige Herausforderungen und Perspektiven 79
Literaturverzeichnis 82
Anhang 92

Automatisiert erstellter Textauszug:

Da der Venture Capitalist bei einer aktiven Betreuung stärker in den Managementprozess involviert ist und enger mit dem Unternehmer zusammenarbeitet, werden die Managementqualitäten des Unternehmers schneller sichtbar, d.h. Informationsasymmetrien werden reduziert. Durch die umfangreiche Beratungs- und Unterstützungsleistung, die ein Hands-on Approach vorsieht, können aufgedeckte Defizite kompensiert werden, ohne dass es zu größeren zeitlichen Verzögerungen kommt.28 „In der Literatur besteht Einigkeit darüber, dass aufgrund des Beratungs- und Unterstützungsbedarfs von JTU [jungen Technologieunternehmen] das Hands-OnManagement, d.h. die intensive Betreuung in allen unternehmerischen Bereichen, eine zentrale strategische Orientierung für Frühphaseninvestments ist.“29 Voraussetzung hierfür ist allerdings, dass die jeweiligen Rahmenbedingungen einen aktiven Beteiligungsansatz zulassen. Insbesondere ist erforderlich, dass der Unternehmer gewillt ist, die Notwendigkeit eines Hands-on Approach und die daraus resultierenden Veränderungen anzuerkennen. Des weiteren muss sowohl die Geschäftspolitik als auch das Know-how des Venture Capitalist ein aktive Betreuung und Beratung erlauben. [...]

Durch eine derartige aktive Betreuung und intensive Unterstützung, die mit einer hohen Präsenz des Venture Capitalist im Portfoliounternehmen verbunden ist, können sowohl auftretende Informationsasymmetrien als auch die Gefahr der Ausnutzung von Interessendivergenzen reduziert werden.23 Grisebach (1989) hingegen stellt fest, dass sich die Betreuung durch den Venture Capitalist generell mehr auf grundsätzliche Fragen und nicht auf Tagesprobleme beziehen und somit eher passiver Natur sein soll. In einer aktiven und intensiven Betreuung sieht er die Gefahr einer Lähmung unternehmerischer Initiative und empfiehlt diese daher nur für den Krisenfall.24 Admati u. Pfleiderer (1994) argumentieren zwar, dass die Principal Agent-Problematik durch ein intensives Monitoring und eine enge Zusammenarbeit zwischen Unternehmer und Venture Capitalist reduziert werden kann, weisen aber gleichzeitig auch auf Probleme hin, die sich hieraus ergeben können. Bei einer starken Involvierung des Venture Capitalist im Unternehmen besteht die Gefahr, dass aufgrund der mangelnden Objektivität suboptimale Investitionsentscheidungen getroffen werden.25 Die Notwendigkeit eines Hands-on Approach ergibt sich allerdings auch aus der bereits erwähnten Überlegung, dass den Managementqualitäten der Unternehmensgründer eine hohe Bedeutung für den Erfolg des Unternehmens beigemessen wird. Für den Venture Capitalist ist es jedoch durch die diesbezüglich vorliegenden Informationsasymmetrien schwierig, derartige Fähigkeiten richtig einzuschätzen.26 Häufig stellt sich heraus, dass die Unternehmensgründer und somit oft das gesamte Management aufgrund des vorhandenen technisch-naturwissenschaftlichen Hintergrunds und der fehlenden Managementerfahrung erhebliche Defizite in den unternehmerischen Fähigkeiten aufweisen. Hieraus ergibt sich ein Beratungs- und Unterstützungsbedarf in strategischen und operativen Fragen.27 [...]

„No contract between an entrepreneur and venture capitalist can anticipate every possible disagreement or conflict. Partly for this reason, the venture capitalist typically plays a role in the operation of the company.”17 Die Rolle des Venture Capitalist bewegt sich hierbei zwischen den beiden theoretischen Extremen einer aktiven (Hands-on) und einer passiven (Hands-off) Beteiligungsbetreuung.18 4.2.1 Unterscheidung zwischen aktivem und passivem Ansatz „Bei passiven Ansätzen beschränkt sich die Zusammenarbeit im Extremfall auf die Überwachung der Monats- oder Quartalsberichte ...“.19 Häufig beinhaltet dies die Budgetierung von Geschäftsausgaben und ein Berichtswesen über kurze Zeiträume. Der Fokus liegt somit auf der reinen Kontrolle; eine Unterstützung und Beratung des Portfoliounternehmens erfolgt hingegen nicht.20 Bei einer aktiven Beteiligungsbetreuung, dem Hands-on Approach, erfolgt über die Kontrolle durch Berichtssysteme und Budgetierung hinaus ein aktives Engagement und eine intensive Involvierung des Venture Capitalist im Management des Portfoliounternehmens. Hierbei unterstützt und berät er in allen Aspekten der strategischen und operativen Unternehmensführung und wird in hohem Maße in Unternehmensentscheidungen involviert.21 „Venture capitalists are typically well connected in the specific industry, they help to recruit key personnel, they negotiate with suppliers and customers, they advise the entrepreneur on strategic decisions, … and sometimes they are even engaged in the day to day operations of the firm.”22 [...]

Arbeit zitieren:
Hattwig, Sven März 2003: Die Principal Agent-Problematik bei Venture Capital-Finanzierung, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Interessendivergenzen, Informationsaysmmetrien, Hands-on Approach, Staged Capital Infusion, Spzialisierung

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