Bachelor + Master Publishing
811 Bachelorarbeiten, 533 Masterarbeiten, 10.103 Diplomarbeiten

Pricing der pharmazeutischen Industrie im europäischen Binnenmarkt

Bestandsaufnahme, Erklärungsfaktoren und kritische Beurteilung

Pricing der pharmazeutischen Industrie im europäischen Binnenmarkt
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Maurice Eschweiler
  • Abgabedatum: September 1999
  • Umfang: 86 Seiten
  • Dateigröße: 2,2 MB
  • Note: 1,7
  • Institution / Hochschule: Westfälische Wilhelms-Universität Münster Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-2536-4
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-2536-4 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-2536-4 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Eschweiler, Maurice September 1999: Pricing der pharmazeutischen Industrie im europäischen Binnenmarkt, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Pharmamarkt, forschende Arzneimittelhersteller, Graue Märkte, europäischer Binnenmarkt, Preispolitik

Diplomarbeit von Maurice Eschweiler

Einleitung:

Mit Beschluß der Einheitlichen Europäischen Akte einigten sich 1986 die (seinerzeit 12) Mitgliedsstaaten der Europäischen Gemeinschaft darauf, einen Binnenmarkt zu installieren, der durch vier Grundfreiheiten – freier Personen-, Dienstleistungs-, Kapital- und vor allem Warenverkehr – definiert ist. Die Verschmelzung der nationalen Märkte unter Fortbestand der territorialen Grenzen der Mitgliedsstaaten erfordert von europaweit auftretenden Unternehmen insbesondere in preispolitischer Hinsicht Koordinationsmaßnahmen. Wenn jedoch ein Unternehmen wie der Automobilhersteller Ford auf eine koordinierte Preispolitik verzichtet, indem er z.B. sein Modell Mondeo in Dänemark 40% günstiger anbietet als in Deutschland, entstehen unweigerlich Arbitrageprozesse, die die Preisdifferenzen im Binnenmarkt in Form von Parallelimporten (vom Hersteller nicht autorisierte Warenströme) überbrücken.

Ein im Frühjahr 1999 angekündigter Börsengang eines deutschen Pharma-Parallelimporteurs deutet an, daß es auch im Pharmamarkt lukrative und nicht nur sporadische Preisunterschiede gibt, die entsprechend den Gesetzmäßigkeiten des Binnenmarktes Arbitrageprozesse hervorrufen. Es wäre jedoch vorschnell, das Phänomen der Arbitrage im Pharmamarkt - in Analogie zu anderen Branchen - lediglich einer womöglich preispolitisch rückständigen Pharmaindustrie zuzurechnen. Wenn ein deutscher Kunde und Patient bei seinem Einzelhändler - einem Apotheker - für ein neuartiges Arzneimittel nur 9 DM zahlen muß, obwohl es 130 DM kostet, oder wenn ein britischer Pharmahersteller alle 5 Jahre mit einer Behörde über seinen maximal erzielbaren Ertrag verhandeln muß, dann weist dies auf die besonderen Rahmenbedingungen in Teilen des europäischen Pharmabinnenmarkts hin:

Insbesondere innovative Arzneimittel sind - im Gegensatz zu Automobilen und anderen Konsumgütern - in hohem Maße länderspezifischen Regulierungen ausgesetzt, die sich direkt oder indirekt auf die Preisgestaltung eines Pharmaherstellers auswirken. Unter einem innovativen Arzneimittel ist dabei ein rezeptpflichtiges und patentgeschütztes Medikament zu verstehen. Da auch das Phänomen der Parallelimporte fast nur bei den Innovationen auftritt, stellt sich die Frage, ob die Pharmaindustrie überhaupt die Verantwortung für die Preisdifferenzen bei diesem Arzneimitteltyp trägt. Dieser Frage soll diese Arbeit zunächst nachgehen und untersuchen, ob die Preisunterschiede bei innovativen Arzneimitteln durch die besonderen Rahmenbedingungen in der EU oder durch weiterhin länderspezifisch ausgerichtete Preispolitiken der Pharmahersteller verursacht werden.

Viele Pharmahersteller haben als Reaktion auf die zunehmenden Rückkopplungen zwischen den nationalen Ländermärkten Koordinationsstrategien entwickelt. Der Umstand, daß Parallelimporteure inzwischen Börsengänge in Erwägung ziehen, läßt jedoch darauf schließen, daß sie ihre Geschäftsgrundlage durch diese Koordinationsmaßnahmen auch langfristig nicht gefährdet sehen. Daher will diese Arbeit in einer weiteren zentralen Aufgabenstellung prüfen, ob die bisher angewendeten preispolitischen Koordinationsmaßnahmen geeignet sind, die Interdependenzen zwischen den Ländermärkten zu beherrschen.

Inhaltsverzeichnis:

Abkürzungsverzeichnis III
Abbildungsverzeichnis VI
Tabellenverzeichnis VII
1. Einleitung 1
2. Preispolitik für innovative Arzneimittel im europäischen Binnenmarkt 4
2.1 Klassifikation von Arzneimitteln 4
2.2 Preisvergleich entlang des Pharmadistributionskanals 5
2.3 Graue Märkte als Resultat von Preisdifferenzen im europäischen Pharmabinnenmarkt 8
2.3.1 Typologisierung der Grauen Pharmamärkte 8
2.3.2 Rechtliche Grundlagen der Grauen Pharmamärkte unter besonderer Berücksichtigung der Rechtsprechung des EuGH 9
2.3.3 Empirische Analyse der Parallelimporte 11
3. Erklärungsfaktoren der Preisdifferenzen bei innovativen Arzneimitteln 14
3.1 Die Rahmenbedingungen des europäischen Pharmabinnenmarktes als Erklärungsansatz 14
3.1.1 Preisregulierungen bei innovativen Arzneimitteln 14
3.1.1.1 Begründung von Preisregulierungen im Pharmamarkt 14
3.1.1.2 Regulierung der Herstellerabgabepreise 17
3.1.1.2.1 Direkte Preisregulierungen 18
3.1.1.2.2 Indirekte Preisregulierungen 20
3.1.1.3 Regulierung der Handelsspannen und unterschiedliche Mehrwertsteuersätze 24
3.1.1.4 Auswirkungen der Preisregulierungen auf die Preispolitik eines Pharmaherstellers 26
3.1.2 Einfluß der Wechselkursschwankungen 27
3.2 Die länderspezifisch ausgerichteten Preispolitiken der Pharmahersteller als Erklärungsansatz 28
3.2.1 Preispolitiken im Verlauf des Produktlebenszyklusses eines innovativen Arzneimittels 29
3.2.1.1 Preispolitiken bei Markteinführung 30
3.2.1.2 Preispolitiken bis zum Patentablauf 34
3.2.1.3 Preispolitiken nach Patentablauf 37
3.2.2 Ramsey-Theorem als volkswirtschaftliche Rechtfertigung von länderspezifischen Preispolitiken 38
3.2.2.1 Hintergrund des Ramsey-Pricing 38
3.2.2.2 Ramsey-Pricing im europäischen Pharmabinnenmarkt 40
4. Kritische Analyse der Preiskoordination bei innovativen Arzneimitteln 42
4.1 Unmittelbare Preiskoordinationsstrategien der Pharmahersteller im europäischen Binnenmarkt 42
4.1.1 Konzeption der unmittelbaren Preiskoordinationsstrategien 42
4.1.1.1 Duale Preisstrategie 42
4.1.1.2 Europäischer Einheitspreis 43
4.1.1.3 Preiskorridorstrategie 45
4.1.2 Implementierung der unmittelbaren Preiskoordinationsstrategien 49
4.1.2.1 Implementierungsmaßnahmen der Pharmahersteller bei regulierten Preisen 49
4.1.2.2 Anpassung der Geschäftsprozesse 53
4.2 Mittelbare Preiskoordinationsstrategien der Pharmahersteller im europäischen Binnenmarkt 54
4.2.1 Einführungsverzögerung der Pharmainnovationen 54
4.2.2 Modifikation der Pharmaprodukte und der Verpackung 55
4.2.3 Steuerung des Pharmaangebots 57
4.3 Zusammenfassende Beurteilung der Koordinationsstrategien 58
5. Zusammenfassung und Ausblick 61
Anhang 63
Anhang I: Ausführliche Darstellung einer von der Unternehmensberatung NERA durchgeführten Umfrage bei neun Pharmaherstellern zum Problem der Parallelimporte 63
Literaturverzeichnis 66

Automatisiert erstellter Textauszug:

Bestimmung länderspezifisch optimaler Preise Von dieser Prämisse ausgehend sind zwei Schritte notwendig, um den optimalen Preis eines innovativen Arzneimittels in einem Ländermarkt festlegen zu können.106 Zuerst muß das therapeutische Profil des betreffenden Medikaments, das dem vom Kunden wahrgenommenen Nutzen entspricht, im Vergleich zu den Konkurrenzprodukten gemessen werden. Handelt es sich um Schrittinnovationen (∆Nutzen eher gering), wird sich der Hersteller unmittelbar am Preisniveau der Wettbewerber orientieren müssen. Bei Sprunginnovationen (∆Nutzen hoch) jedoch ist das Potential einer angemessenen Prämie auf das Preisniveau eines bislang angewandten Therapeutikums entsprechend höher.107 Anschließend muß der wahrgenommene Nutzen des innovativen Arzneimittels in einen optimalen Preis übersetzt werden. Hierzu bedarf es der Bestimmung der Preiselastizität und der Grenzkostenkurve, da im allgemeinen gilt:108 [...]

Die auf preispolitische Problemstellungen spezialisierte Unternehmensberatung Simon · Kucher & Partners kommt zu der Erkenntnis, daß Preisentscheidungen bei Arzneimitteln bis vor wenigen Jahren oftmals infolge von reinen „Aus-demBauch-heraus-Entscheidungen“ getroffen wurden. Die Preisfindung in international tätigen Unternehmen verlief entweder so, daß die Zentrale einen Preis vorgab, oder die Preiskompetenz wurde gleich an die Ländergesellschaften abgetreten.103 Preisdifferenzen im europäischen Binnenmarkt waren aufgrund dieser unkoordinierten Vorgehensweise die Konsequenz. In jüngerer Vergangenheit sind die Pharmahersteller in den einzelnen Ländern des europäischen Binnenmarktes mehrheitlich dazu übergegangen, ihre Preise am Markt auszurichten.104 Ausgangspunkt dieser systematischeren Preisfindung ist der Grundgedanke, daß der Preis eines Arzneimittels seinen vom Kunden wahrgenommenen Wert oder Nutzen reflektieren soll. Nach betriebswirtschaftlichen Grundsätzen muß der zusätzliche Nutzen eines innovativen Arzneimittels stets größer sein als der zusätzliche Preis (∆Nutzen > ∆Preis), damit sich für den Kunden ein Kaufanreiz ergibt. Ist ∆Nutzen ≤ ∆Preis, neutralisiert der höhere Preis den Nutzengewinn vollständig.105 [...]

Neben den extern vorgegebenen Rahmenbedingungen kommen als Erklärung für die Preisdifferenzen bei innovativen Arzneimitteln im europäischen Binnenmarkt auch länderspezifisch ausgerichtete und damit unkoordinierte Preispolitiken der Pharmahersteller in Betracht. Die von der Pharmaindustrie vielfach aufgestellte These, die dargestellten Regulierungen seien allein für die Preisdifferenzen ausschlaggebend, hält einer genaueren Untersuchung nicht stand.98 Zwar ist die Preisfreiheit der Hersteller erheblich eingeschränkt, ein beträchtliches Maß an preispolitischem Handlungsspielraum bleibt dennoch erhalten.99 Schließlich ist es den Herstellern - sowohl bei direkten als auch bei indirekten Regulierungen der Herstellerabgabepreise - weiterhin vorbehalten, zunächst ihre eigenen Preisvorstellungen in den einzelnen Mitgliedsstaaten darzulegen, bevor es zu den eigentlichen Regulierungen kommt. [...]

Arbeit zitieren:
Eschweiler, Maurice September 1999: Pricing der pharmazeutischen Industrie im europäischen Binnenmarkt, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Pharmamarkt, forschende Arzneimittelhersteller, Graue Märkte, europäischer Binnenmarkt, Preispolitik

Entdecken Sie mehr zum Thema

diplom.de
Bachelor + Master Publishing

Hermannstal 119 k
22119 Hamburg

Fon: +49 (0) 40 655992-0
Fax: +49 (0) 40 655992-22

Service-Telefon

Rufen Sie uns an:
+49 (0) 40 655992-0

Mo-Fr
09.00-16.00 Uhr

diplom.de in den Medien

Folgen Sie uns bei Twitter & werden Sie diplom.de-Fan bei Facebook!
Schreibtipps unserer Lektoren, Neuigkeiten aus dem Verlagsalltag und das Expertenwissen unserer Autoren als Tweet & Post!
Wir freuen uns auf Sie!

diplom.de BACHELOR + MASTER PUBLISHING

Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Magisterarbeiten, Dissertationen und andere Abschlussarbeiten aus allen Fachbereichen und Hochschulen können Sie bei uns als eBook sofort per Download beziehen oder sich auf CD oder als Buch zusenden lassen. Seit mehr als 15 Jahren ist diplom.de der seriöse, professionelle und erfolgreiche Partner für die Veröffentlichung wissenschaftlicher Abschlussarbeiten.

© Diplomica Verlag GmbH 1996-2011, AG Hamburg HRB 80293 - GF Björn Bedey, USt-IdNr.: DE214910002 - Verkehrsnummer: 12285 - Impressum
Index der Arbeiten - Index der Autoren