Preismanagement im Personenverkehr
Dargestellt am Beispiel des neuen Preissystems der DB AG
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Jérôme Boellinger
- Abgabedatum: Dezember 2002
- Umfang: 88 Seiten
- Dateigröße: 1,3 MB
- Note: 2,0
- Institution / Hochschule: AKAD Wissenschaftliche Hochschule Lahr GmbH Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-6358-8
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-6358-8 P - ISBN (CD) :978-3-8324-6358-8 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Boellinger, Jérôme Dezember 2002: Preismanagement im Personenverkehr, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Preis, Preismodifizierung, Yield Management, Erfolgsfaktoren, Tarif
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Diplomarbeit von Jérôme Boellinger
Problemstellung:
Wie jedes privat-rechtliche Unternehmen verfolgt die Deutsche Bahn AG (im Folgenden als DB AG abgekürzt) seit Ihrer Privatisierung im Jahr 1994 das langfristige Ziel der Gewinnerreichung- und maximierung. Dabei sehen sich die Betriebe mit einer Vielzahl von Problemen konfrontiert, die direkt mit der Globalisierung der Wirtschaft zusammenhängen. Neuere Meldungen berichten zunehmend über gesättigte Märkte, homogenere Produkte und Leistungen oder fehlender Wille der Betriebe zur Differenzierung. Die Tendenz globaler Märkte verstärkt die Konkurrenz zwischen den Unternehmen, besonders wenn diese den gleichen Absatzmarkt bedienen.
Die Folge des steigenden Wettbewerbs, dem sich auch die DB AG auf dem Personenverkehrsmarkt zuwenden muss, um sich im Konkurrenzgefüge erfolgreich absetzen zu können, ist eine steigende Bedeutung der Preisstruktur. Die Differenzierung des Preises (oder Tarifs) stellt in Bezug auf das Gewinnziel einen wesentlichen strategischen Erfolgsfaktor dar. Allerdings ist diese Erkenntnisse kein Garant für den tatsächlichen Erfolg, was Befragungen belegen, die die Schwierigkeit der richtigen Preisfestsetzung regelmäßig in den Vordergrund stellen. Die Problemstellung für ein erfolgsstrebendes Unternehmen liegt in der Findung eines Tarifs, der einerseits eine Differenzierung von den Konkurrenten und andererseits eine Lösung der Schwierigkeit der Preisfindung ermöglichen soll.
Speziell bei der DB AG ist das aktuelle Tarifsystem in Bezug auf langfristige Ziele zunehmend von der Unternehmensleitung als nicht adäquat erkannt worden. Eine grundlegende Neugestaltung zum 15.12.2002 stellt das Ergebnis einer Preismodifizierung dar, die nicht zuletzt zum Teil durch den steigenden Druck außenstehender Bezugsgruppen herbeigeführt worden ist. Wie bei jedem anderen Unternehmen ist natürlich, neben der Gestaltung, eine Prognose der Erfolgsaussichten eine Entscheidungsvariable, die auf die endgültige Struktur Einfluss ausübt. Diese Prognosedaten sind aufgrund ihres Zukunftscharakters äußerst problematisch. Generell bietet sich den Unternehmen als Ansatzpunkte für die Gestaltung eine Vielzahl von Verfahren und Methoden. Diese werden ständig aufgrund einer zeitlichen Entwicklung von Preisbildungsverfahren, die jede für sich eigene Anwendungsvoraussetzungen, Ziele und Probleme mit sich bringen, erweitert.
Das Preismanagement ist mehr denn je ein Erfolgsfaktor, da es den Gewinn als eines der wichtigsten Ziele prägt. Wenn auch im Laufe der Zeit der Gewinn nicht mehr als das einzige Oberziel der Unternehmen angesehen wird, bleibt es sehr hoch in der Zielhierarchie angesiedelt. Doch Preismanagement war und wird nicht zuletzt aufgrund der neuen und vielen Preisbildungsverfahren schwieriger. Dabei kommt der Beurteilung der Erfolgsaussichten eine steigende Bedeutung im Rahmen des Entscheidungsprozesses zu.
Inhaltsverzeichnis:
| Inhaltsverzeichnis | Seite | |
| Inhaltsverzeichnis | I | |
| Abkürzungsverzeichnis | II | |
| Abbildungsverzeichnis | III | |
| Tabellenverzeichnis | IV | |
| Verzeichnis des Anhangs | IV | |
| 1. | Einleitung | 1 |
| 1.1 | Problemstellung | 1 |
| 1.2 | Persönlicher und aktueller Themenbezug | 2 |
| 1.3 | Ziele der Arbeit | 3 |
| 1.4 | Methodisches Vorgehen und Aufbau der Studie | 4 |
| 2. | Theoretische und begriffliche Grundlagen | 5 |
| 2.1 | Preis | 5 |
| 2.1.1 | Definitionen | 5 |
| 2.1.2 | Merkmale | 7 |
| 2.1.3 | Optimaler Preis | 9 |
| 2.1.3.1 | Zeitliche Determinante | 9 |
| 2.1.3.2 | Marktform | 11 |
| 2.1.3.3 | Die Bedeutung der Preis-Absatz-Funktion | 14 |
| 2.1.4 | Vielfalt an Preisformen | 16 |
| 2.2 | Alternativen zur Preisfestsetzung | 17 |
| 2.2.1 | Basisstrategien | 17 |
| 2.2.2 | Exakte Verfahren | 19 |
| 2.2.3 | Approximative Methoden und Verfahren | 20 |
| 2.3 | Preismodifizierung durch Differenzierung der Basispreise | 21 |
| 2.3.1 | Anwendungsvoraussetzungen | 21 |
| 2.3.2 | Ziele der Preisdifferenzierung | 23 |
| 2.3.3 | Differenzierungskriterien | 24 |
| 2.3.4 | Mögliche Problemfelder | 26 |
| 2.4 | Yield-Management als Erfolgsfaktor | 27 |
| 3. | Preismanagement dargestellt am Beispiel „Preis und Erlösmanagement im Personenverkehr“ der DB AG | 30 |
| 3.1 | Kurzpräsentation der DB AG | 30 |
| 3.2 | Besonderheiten des Produktangebots | 32 |
| 3.2.1 | Dienstleistungscharakter der angebotenen Leistung | 32 |
| 3.2.2 | Das Kapazitätsproblem als Merkmal der Verkehrsunternehmen | 33 |
| 3.3 | Ausgangssituation vor der Einführung des neuen Systems | 35 |
| 3.3.1 | Tarifvielfalt | 35 |
| 3.3.2 | Problematisches Preisimage | 35 |
| 3.3.3 | Fehlende Komponenten des bisherigen Tarifsystems | 37 |
| 3.3.4 | Angestrebte Ziele | 38 |
| 3.3.4.1 | Konzernweite Ziele | 38 |
| 3.3.4.2 | Preissystemziele | 39 |
| 3.4 | Skizzierung der Säulen zum neuen Tarifsystem | 40 |
| 3.4.1 | Der Grundpreis | 41 |
| 3.4.2 | Sonderpreise | 42 |
| 3.4.2.1 | Plan&Spar 10 | 42 |
| 3.4.2.2 | Plan&Spar 25 | 43 |
| 3.4.2.3 | Plan&Spar 40 | 44 |
| 3.4.3 | Kundenbindungselemente | 46 |
| 3.4.3.1 | BahnCard | 46 |
| 3.4.3.2 | Bahn.Comfort-Programm | 48 |
| 3.5 | Darstellung der Erfolgsfaktoren | 50 |
| 3.5.1 | Erfolgsfaktoren beim Preissystem | 50 |
| 3.5.2 | Faktoren bei den Konzernzielen | 52 |
| 3.6 | Handlungsempfehlungen für die Weiterentwicklung | 55 |
| 4. | Kritische Würdigung und Ausblick | 57 |
| 5. | Zusammenfassung | 59 |
| Anhang | 61 | |
| Literaturverzeichnis | 77 |
Die DB AG bietet als größtes europäisches Verkehrsunternehmen keine materielle Leistung in Form eines Produktes an, sondern eine Beförderungsleistung, die abgesehen von einigen materiellen Bestandteilen, wie z.B. Fahrkarten, hauptsächlich den Charakter einer Dienstleistung aufweist. Diese Tatsache hat Auswirkungen auf das Preismanagement, weil durch die Merkmale einer Dienstleistung die theoretischen Empfehlungen gestützt oder geschwächt werden können. Es wird von Dienstleistung gesprochen, wenn folgende Kriterien bei einer Leistung vorliegen108: • Abstrakte, immaterielle Leistung (Einsatz von Ersatzindikatoren für Qualitätsbeurteilung, wie z.B. Preisimage des Anbieters, das bei 70 % der Kunden als Indikator gilt109) • • • • • • • • • Nicht Lagerfähigkeit (und somit keine Carry-Over-Effekt Gefahr) Nicht transportierbar/übertragbar (Möglichkeit der personenbezogenen Preisdifferenzierung) Individualisierte, einmalige Leistung Personalintensiv Schwer standardisierbar Leistungsbeteiligung des Kunden Schwierige Nutzen-/Preistransparenz Leistungskomplexität (d.h. eingeschränkte Preistransparenz) Spezifische Kostensituation mit hohen Fix- und geringen Grenzkosten (somit scheiden exakte Verfahren der Preisbestimmung aus) Da der Schienenpersonenverkehr die Mehrzahl der aufgezählten Merkmale aufweist kann daraus geschlossen werden, dass ein speziell auf Dienstleistungen zugeschnittenes Preissystem aufgebaut werden sollte. Es gibt eine Reihe von Vorteilen, die berücksichtigt werden müssen, vor allem die fehlenden Kannibalisierungseffekte, Mög- [...]
Die DB AG wurde im Jahr 1994 privatisiert und in 9 operative Unternehmensbereiche gegliedert (Personenverkehr, Güterverkehr, Bahnhöfe, Fahrweg, DB Services, DB Telematik, DB Projektbau, DB Energie und DB Systems)104 und hat weiterhin mit ca. 30493 Personenzügen pro Tag eine monopolähnliche Stellung im Schienenverkehr. Der Umsatz im Jahr 2001 stieg auf 15,7 Mrd. € (+1,7 % im Vergleich zum Vorjahr), davon betrug der Anteil der DB Reise&Touristik AG (DB R&T) 3,142 Mrd. € (+0,4 % zum Vorjahr)105. Der Fernverkehr spielt im Rahmen dieser Studie deshalb eine herausragende Rolle, weil dieser Bereich am weitgehensten vom neuen „Preis- und Erlösmanagement im Personenverkehr“ (PEP) betroffen ist. Die DB AG konnte im Jahr 2001 in einem gewichteten durchschnittlich 1 % rückläufigen Markt ein Wachstum von +0,1 % verzeichnen, während Straße und Luft mit ca. 1,0 % und 5,9 % im negativen Bereich waren106. Diese positive Entwicklung wurde bei DB R&T trotz sinkender Fahrtgastzahlen von 5,9 % (zum Vorjahr) nur mittels einer ErEin Organisationsdiagramm findet sich im Anhang 9. Daten aus den Geschäftberichte DB AG und DB R&T 2001, Berlin, 2002. 106 Daten aus dem Anhang „Daten und Fakten“ zum Geschäftbericht der DB AG 2001, Berlin, 2002, S. 12. [...]
Elemente eines YM-Systems: Ein YM-System besteht hauptsächlich aus 3 Teilen, die aufeinander aufbauen und sich gegenseitig bedingen98. Das erste Element ist eine Datenbasis, die Angaben zur Kapazität, Vergangenheitsbuchungen, aktuelle Buchungen und No-Shows99 in der Vergangenheit enthält. Das zweite Element ist der Prognoseteil bezüglich der Nachfrage und der Stornierung, worauf ein dritter Teil aufbaut. Dieser beschäftigt sich mit der Optimierung des Systems durch Angaben bezüglich den Zuordnungen zu Teilklassen und Möglichkeiten zur Überbuchung. Besonders Überbuchungen sind ein Element zur besseren Auslastung, so gelang es der Lufthansa im Jahr 1997 dadurch 630.000 Passagiere mehr zu befördern, weil man wusste dass einige Fluggäste den Flug nicht antreten werden100. Das YM-System gibt Preisauskünfte immer in Abhängigkeit von der vorhandenen und geschätzten Nachfrage, wodurch es eine generell gültige Preishöhe nicht gibt. Der Preis wird zu einer situativen Größe, die Konsumentenrente abschöpfen soll. Probleme/Nachteile: Das Dilemma des YM besteht im Umsatzverlust durch freigehaltene jedoch nicht genutzte Kapazitäten (Leerkosten) und im Umsatzverdrängungsrisiko durch die Nichtnutzung höherwertiger Nachfrage wegen frühzeitigem und billigem Verkauf, hervorgerufen durch preissensitive Kunde, die früher kaufen101. Die Überbuchung soll einen Ausgleich dieses Problemfeldes bewirken. Psychologisch betrachtet sind günstige Einstiegspreise wichtig, um den Nachfragern positive Signale zu übermitteln. Das führt jedoch zu einem der Nachteile des Systems, der darin besteht, dass die Kundenzufriedenheit sinkt, wenn nicht alle in den Genuss der reduzierten Preise kommen102. Weitere Problem sind103: • [...]
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http://www.diplom.de/ean/9783832463588
Arbeit zitieren:
Boellinger, Jérôme Dezember 2002: Preismanagement im Personenverkehr, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Preis, Preismodifizierung, Yield Management, Erfolgsfaktoren, Tarif



