Predatory Pricing
Preiskampf im Wettbewerb
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Rocco Bräuniger
- Abgabedatum: April 2000
- Umfang: 101 Seiten
- Dateigröße: 878,5 KB
- Note: 2,0
- Institution / Hochschule: Universität Bayreuth Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-2511-1
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-2511-1 P - ISBN (CD) :978-3-8324-2511-1 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Bräuniger, Rocco April 2000: Predatory Pricing, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Spieltheorie, Verdrängung, Preiskampf, Preis, Wettbewerb
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Diplomarbeit von Rocco Bräuniger
Einleitung:
Beim Predatory Pricing versucht ein Unternehmen, durch aggressiven Preiskampf Konkurrenten vom Markt zu verdrängen, um so eine Monopolposition zu erlangen, die es ihm ermöglicht, durch Abschöpfen der Konsumentenrente langfristig seinen Gewinn zu steigern. Um diese Strategie erfolgreich durchführen zu können, ist es Voraussetzung, daß sich das entsprechende Unternehmen in einer dominanten Marktposition befindet. Problematisch ist, daß beim Predatory Pricing die Preise unterhalb der eigenen Kosten gesenkt werden, damit Verluste entstehen, die die des zu verdrängenden Unternehmens, aufgrund des höheren Marktanteils und einer erforderlichen Outputerhöhung übersteigen. Diese Verluste müssen nach erfolgreicher Verdrängung wieder kompensiert werden, wobei jederzeit die Gefahr des Markteintritts eines neuen potentiellen Konkurrenten besteht.
Von aktueller Brisanz ist das Thema aufgrund der anhaltenden Privatisierung von Staatsbetrieben und der zunehmenden Anzahl von Fusionen großer Unternehmen. Die auf diese Weise entstehenden Unternehmen haben meist eine überaus dominante Position und können durch Ausnutzen dieser Marktmacht versuchen, Monopolposition zu erlangen. Eine mögliche Strategie dafür ist Predatory Pricing.
In dieser Arbeit soll kritisch analysiert werden, unter welchen Bedingungen ein Preiskampf im Sinne des Predatory Pricing für ein Unternehmen erfolgreich sein kann. Neben Einleitung, Grundlagen und Schlußbetrachtung ist die Diplomarbeit in drei Hauptteile gegliedert.
Gang der Untersuchung:
Nachdem die Grundlagen und die Idee des Predatory Pricing erörtert worden sind, wird im ersten Hauptteil auf theoretische Modelle und experimentelle Untersuchungen eingegangen. Die Modelle werden in drei Hauptgruppen bezüglich ihres speziellen Untersuchungsgegenstandes eingeteilt. Es wird gezeigt werden, daß die jeweiligen Ergebnisse stark von den Ausgangsannahmen abhängig sind.
Der zweite Hauptteil wird sich mit der wettbewerbspolitischen Problematik befassen. Das Augenmerk liegt hierbei auf der Schwierigkeit des Nachweises von Predatory Pricing, das allgemein als unlauterer Wettbewerb gilt. In diesem Teil werden auch zwei Fälle vorgestellt, die sowohl bedeutend als auch umstritten waren bzw. sind.
Im dritten Hauptteil geht es um die Implikationen für das Marketing und somit darum, welche Voraussetzungen günstig sind und welche Handlungsmöglichkeiten einen erfolgreichen Preiskampf unterstützen. In diesem Teil wird auch aufgezeigt, welche Abwehrreaktionen einem Unternehmen, das durch Predatory Pricing vom Markt verdrängt werden soll, zur Verfügung stehen.
In der Schlußbetrachtung sollen die Ergebnisse zusammengefaßt und ein Ausblick gegeben werden.
Inhaltsverzeichnis:
| I. Teil: Problemstellung | 1 | |
| II. Teil: Grundlagen | 4 | |
| 1. | Gedanke des Predatory Pricing | 4 |
| 1.1 | Mathematische Grundlagen | 4 |
| 1.2 | Interpretation | 7 |
| 2. | Wohlfahrtseffekte | 8 |
| III. Teil: Rationalität des Predatory Pricing | 11 | |
| 1. | Modelle | 11 |
| 1.1 | Modelle unter Annahme einer "dicken Brieftasche" | 12 |
| 1.2 | Modelle unter Annahme eines Reputationsaufbaus | 16 |
| 1.3 | Modell unter Annahme einer Signalwirkung | 31 |
| 2. | Experimentelle Betrachtung | 35 |
| 2.1 | Experiment von Isaac und Smith | 36 |
| 2.2 | Experiment von Jung, Kagel und Levin | 39 |
| 2.3 | Würdigung der Experimente | 42 |
| IV. Teil: Wettbewerbspolitische Problematik | 43 | |
| 1. | Rechtslehre | 43 |
| 1.1 | Regeln zur Identifizierung des Predatory Pricing | 43 |
| 1.2 | Würdigung der Regeln | 48 |
| 2. | Gesetzgebung | 48 |
| 2.1 | Rechtliche Grundlagen in Deutschland | 49 |
| 2.2 | Rechtliche Grundlagen in der Europäischen Union | 49 |
| 2.3 | Vergleichende Betrachtung internationaler Regelungen | 50 |
| 3. | Bedeutende Fälle des Predatory Pricing | 50 |
| 3.1 | Historisch - Standard Oil | 51 |
| 3.2 | Aktuell - Microsoft | 51 |
| V. Teil: Implikationen für das Marketing | 53 | |
| 1. | Spieltheorie als Technik zur Lösung von Marketingproblemen | 53 |
| 2. | Günstige Voraussetzungen für Predatory Pricing | 53 |
| 2.1 | Gewicht der Unternehmen im Markt | 54 |
| 2.2 | Asymmetrische Informationsverteilung | 55 |
| 2.3 | Produkteigenschaften | 56 |
| 2.4 | Flexibilität in den Kapazitäten | 56 |
| 2.5 | Strategische Orientierung | 58 |
| 3. | Die Rolle der Marktzutrittsschranken | 59 |
| 4. | Preisentscheidungen aus der Sicht des Unternehmensmanagements | 63 |
| 4.1 | Principal - Agent Problematik | 63 |
| 4.2 | Die Rolle der Ungewißheit | 64 |
| 5. | Predatory Pricing und Übernahme des kleineren Unternehmen | 65 |
| 6. | Reaktionsmöglichkeiten auf Predatory Pricing | 67 |
| 6.1 | Mehrstufiger Ansatz | 68 |
| 6.2 | Abbau der Preissensitivität | 69 |
| 6.3 | Beeinflussung des Konkurrenzverhaltens durch Täuschung | 75 |
| 6.4 | Würdigung der Maßnahmen | 76 |
| VI. Teil: Schlußbetrachtungen | 77 | |
| 1. | Fazit | 77 |
| 2. | Ausblicke | 79 |
2.3 Würdigung der Ergebnisse In den Experimenten von Isaac und Smith sind eine Vielzahl von theoretischen Voraussetzungen hinsichtlich des Predatory Pricing erfüllt. Daß dieses dennoch nicht nachgewiesen werden konnte, lag sicher daran, daß der Monopolist in jeder Periode demselben Konkurrenten im gleichen Markt gegenübersteht. Damit wird nicht gezeigt, daß Predatory Pricing unmöglich ist, sondern vielmehr, daß es in diesem engen Konzept eines einzigen Marktes mit nur zwei Spielern unwahrscheinlich ist156. Dahingehend gab es bei Jung, Kagel und Levin eine Weiterentwicklung. Aufbauend auf dem Reputationsmodell von Kreps und Wilson werden in jeder Periode andere potentielle Markteinsteiger in jeweils verschiedenen Märkten betrachtet. Dies entspricht auch der Theorie des Chain - Store Spiels. Unter diesen Gegebenheiten war Predatory Pricing zu beobachten. Mit zunehmender Erfahrung der Spieler wurde sogar eine starke Annäherung an das Gleichgewicht des Kreps und Wilsons Modells nachgewiesen. Als negativer Punkt kann erneut angeführt werden, daß die Annahme des Auftretens eines Monopolisten, der sich durch Predatory Pricing in jeder Periode ökonomisch besser stellt als durch Kooperation (Typ Y), realitätsfremd ist. Die unterschiedlichen Ergebnisse der beiden Experimente sind auf deren unterschiedlichen Versuchsaufbau zurückzuführen. Gleiches gilt für Laborexperimente anderer Ökonomen. Welcher Aufbau allerdings richtiger oder vielmehr realitätsgetreuer ist, läßt sich nur schwer sagen. Es ist jedoch festzustellen, daß Predatory Pricing unter gewissen Gegebenheiten äußerst wahrscheinlich und unter anderen Voraussetzungen wieder eher unwahrscheinlich ist. Somit kann zumindest eine Richtlinie für die jeweiligen Marktbedingungen gegeben werden. Anzumerken ist, daß bei den experimentellen Untersuchungen zum Predatory Pricing trotz des Anspruchs realitätsnaher Marktbedingungen, der Einsatz anderer Instru-mente des Marketing-Mix ausgeblendet wird. Diese können jedoch durchaus hilfreich aber auch, wenn sie vom zu verdrängenden Unternehmen eingesetzt werden, hinderlich sein157. [...]
Die Wahrscheinlichkeit 0,265 drückt somit aus, daß schwache Monopolisten im ersten Teilexperiment zu 26,5% in den ersten drei Perioden auf Markteintritt durch Kooperation reagierten, obwohl Preiskampf zu 100% die rationalere Entscheidung entsprechend dem Gleichgewicht gewesen wäre. Um genau zu sein, wurde auf 287 Markteintritte 76 mal durch Kooperation reagiert. Ist der Erfahrungsgrad höher (2. Teilexperiment), so ähneln die Wahrscheinlich-keiten mehr den zu erwartenden. Es wird allerdings auch deutlich, daß die Erfahrung bei B ebenfalls stieg, dieser in Anfangsperioden nicht mehr so häufig in den Markt eintrat und sich somit ebenfalls der Strategie im Gleichgewicht annäherte. So tratenin den ersteb drei Perioden zu Anfang des ersten Teilexperimentes noch 60% der B in den Markt ein, wohingegen dieser Wert am Ende des zweiten Teilexperimentes aufgrund größter auf 0% sank155. [...]
(Typ Y), respektive zu 67% schwach (Typ X) im Sinne des Modells von Kreps und Wilson ist149. Laut diesem antwortet Typ Y auf Markteintritt stets durch Predatory Pricing, weil er sich damit in jeder Periode ökonomisch besser stellt. Typ X muß sich zwischen dieser Option und der Möglichkeit zur Kooperation und damit zur friedlichen Marktteilung entscheiden. Ein Spieldurchlauf umfaßte acht Perioden, in denen A verschiedenen B gegenübersteht150. Die Probanden repräsentieren innerhalb des Experiments in mehreren Spieldurchläufen A bzw. B. Damit wächst ihre Erfahrung im Verlauf des Experimentes. Diesbezüglich wurde noch eine weitere Unterscheidung zwischen erfahrenen und unerfahrenen Spielern gemacht. Hierzu wurde das Experiment in zwei identische Teilexperimente aufgeteilt. Die Spieler des ersten Teilexperiments wurden mit exakt denselben Instruktionen im zweiten Teil konfrontiert und galten somit als erfahrener. Die Gewinnverteilung der Spieler A und B wurde so gewählt, daß es im Gleichgewicht in den ersten drei Perioden theoretisch nicht zum Markteintritt kommt. Sollte dies allerdings doch der Fall sein, so wird A durch Predatory Pricing reagieren, da dies eine Reputation aufbaut und zukünftigen Markteintritt zumindest zeitlich verschiebt. Sollte A nicht aggressiv reagieren, so ist bekannt, daß er vom Typ X ist und B müßte (theoretisch) in allen folgenden Perioden in den Markt eintreten. Im Gleichgewicht wird B dies ab der vierten Periode tun. Daraufhin hat A beide Reaktionsmöglichkeiten offen151. In den weiteren Perioden erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, daß A mit B kooperiert. In der letzten Periode beträgt diese 1, da A durch Predatory Pricing seinen Gewinn bekanntlich nicht mehr erhöhen kann152. 2.2.2 Ergebnisse Im gesamten Experiment wurde eine Vielzahl von Predatory Pricing Aktionen beobachtet. Insbesondere nachdem die Spieler Erfahrung gesammelt hatten, kam es zu Verhaltensweisen, die denen des theoretisch ermittelten Gleichgewichts sehr nahe kamen153. In der folgenden Tabelle wird dies deutlich. Es ist dargestellt, wie wahrscheinlich eine Kooperati149 150 [...]
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783832425111
Arbeit zitieren:
Bräuniger, Rocco April 2000: Predatory Pricing, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Spieltheorie, Verdrängung, Preiskampf, Preis, Wettbewerb



