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Zum Potential strategischer Gesellschaftsspiele zur Förderung der Ausbildungsreife

Eine Analyse am Beispiel des Berufsgrundbildungsjahres und des Spiels 'Die Siedler von Catan'

Zum Potential strategischer Gesellschaftsspiele zur Förderung der Ausbildungsreife
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Martin Horsten
  • Abgabedatum: Mai 2008
  • Umfang: 133 Seiten
  • Dateigröße: 4,5 MB
  • Note: 1,7
  • Institution / Hochschule: Universität zu Köln Deutschland
  • Bibliografie: ca. 135
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-2056-7
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Horsten, Martin Mai 2008: Zum Potential strategischer Gesellschaftsspiele zur Förderung der Ausbildungsreife, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Ausbildungsreife, Berufsbildung, Berufsgrundbildungsjahr, Gesellschaftsspiel, Siedler von Catan

Diplomarbeit von Martin Horsten

Einleitung:

Für Jugendliche in Deutschland ist es in den letzten Jahren deutlich schwieriger geworden, eine Ausbildungsstelle zu bekommen; seit Mitte der 90er Jahre hat sich die Lage auf dem Lehrstellenmarkt erheblich verschlechtert: Während die Anzahl der Bewerber vor allem aus demographischen Gründen stark gestiegen ist, sind die angebotenen Ausbildungsstellen hingegen deutlich rückläufig. Als Reaktion auf die angespannte Situation und den mittelfristig drohenden Fachkräftemangel schlossen die Bundesregierung und die Spitzenverbände der Wirtschaft im Jahr 2004 den Nationalen Pakt für Ausbildung und Fachkräftenachwuchs in Deutschland. Dennoch verlief im Jahr 2004 die Lehrstellensuche für mindestens 150.000 Jugendliche erfolglos, 2006 waren es sogar 160.000 und seit der Wiedervereinigung wurden in Deutschland noch nie so wenige neue Ausbildungsverträge geschlossen wie 2005. Gemäß dieser Zahlen konstatierte der Bundesrechnungshof im Jahr 2007 nur eher geringe Integrationserfolge in betriebliche Ausbildungsverträge, wohingegen die Bundesagentur für Arbeit (BA) und die Wirtschaft eine positive Zwischenbilanz des Ausbildungspakts zogen und ihn daher um drei weitere Jahre bis 2010 verlängerten.

Zwischen Wirtschaft und Gewerkschaften gibt es kontroverse Diskussionen um die Schwierigkeiten auf dem Ausbildungsmarkt. Die Gründe für die Lehrstellenlücke werden jeweils im Verantwortungsbereich des anderen gesehen, sodass gegenseitige Schuldzuweisungen die Auseinandersetzung prägen. Für die Arbeitnehmerseite liegt die Problematik in den rückgängigen Ausbildungsstellenangeboten durch die Wirtschaft begründet. Die Arbeitgeberseite hingegen weist die Schuld von sich und fordert, das Augenmerk auf die geringen Kompetenzen der Jugendlichen zu richten. Allgemein klagt die Wirtschaft über die mangelnde Ausbildungsreife der Jugendlichen: Man habe große Probleme, kompetente Auszubildende zu finden, was dazu führe, dass viele angebotene Stellen nicht besetzt werden könnten. Daher halten die Betriebe die Verbesserung der Ausbildungsreife für eine zentrale Maßnahme, um mehr Ausbildungsplätze zu schaffen.

Eine erhebliche und zunehmende Zahl von Jugendlichen, die keine Ausbildungsstelle finden, absolviert nach der allgemein bildenden Schule Berufsvorbereitungsmaßnahmen (BAV-Maßnahmen), um die Lücke zwischen den Anforderungen der Betriebe und ihrer eigenen (mangelnden) Ausbildungsreife zu schließen.

Jedoch sind auch die Chancen, nach der Absolvierung einer solchen Maßnahme in ein Ausbildungsverhältnis überzugehen, nicht groß. Die Zahl der Altbewerber steigt stetig, im Jahr 2006 machten sie bei der BA/BIBB-Bewerberbefragung 40 Prozent aller Bewerber aus, von den Altbewerbern gingen aber lediglich 34 Prozent in eine betriebliche Ausbildung über, sodass sich die Problematik im Laufe der Jahre immer mehr erhöht. Bereits 1997 kam LEX bei der Untersuchung von Bildungsbiografien Jugendlicher zu dem Ergebnis, dass nur knapp die Hälfte der Jugendlichen, die mindestens eine Maßnahme besucht hatten, vier oder weniger Stationen benötigten, bevor sie einen Einstieg in eine Existenz sichernde Beschäftigung fanden. Somit kann festgehalten werden, dass das Übergangssystem seit einigen Jahren große Probleme hat seinen Zweck zu erfüllen, nämlich Jugendliche an den Ausbildungsmarkt heranzuführen, und es scheint die Etikettierung des Übergangssystems als Warteschleife oder als eine vom Berufsausbildungssystem vor sich hergeschobene ‚Bugwelle unbefriedigter Nachfrage einen Kern von Wahrheit zu enthalten. Daher ist zu vermuten, dass das Ziel der Schließung der Lücke zwischen Anforderungen der Wirtschaft und (fehlender) Ausbildungsreife der Jugendlichen aktuell durch die BAV-Maßnahmen nicht oder zumindest nur unzureichend erfüllt wird.

Oftmals besuchen die Jugendlichen Berufsvorbereitungsmaßnahmen nicht freiwillig, sondern nutzen sie als Notlösung , wenn sie keinen Ausbildungsplatz gefunden haben. Als Folge sind die Schüler unzufrieden mit ihrer Situation, der Frustrationsgrad ist hoch und die Motivation somit gering. Spielerische Lernformen könnten aus motivationalen Aspekten hier einen wichtigen Beitrag leisten, weil sie Freude und Spaß am Lernen verbinden können mit kognitiven und intellektuellen Lernbemühungen.

Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, zu überprüfen, ob strategische Gesellschaftsspiele einen Beitrag zur Verbesserung der Ausbildungsreife leisten können. Exemplarisch werden dafür als Zielgruppe Schüler des Berufsgrundbildungsjahres (BGJ) im Bereich Wirtschaft und Verwaltung und das Spiel Die Siedler von Catan (SvC) untersucht.

Die Entscheidung für diese spezielle Zielgruppe liegt zum einen darin begründet, dass diese Form der BAV-Maßnahmen in NRW eine herausragende Rolle einnimmt. Zum anderen stellt sich die Situation der Absolventen des BGJ als besonders prekär dar, sodass daher in diesem Bereich ein großer Handlungs- und Verbesserungsbedarf gesehen wird. Die Zielgruppe wird weiter eingegrenzt auf den Bereich Wirtschaft und Verwaltung , da deren Ausbildung ins Feld der Wirtschaftspädagogik fällt. SvC wurde gewählt, da es ein außerordentlich erfolgreiches Spiel ist, um das seit seiner Markteinführung im Jahr 1995 ein immer noch anhaltender Kult entstanden ist. In den ersten zehn Jahren wurden allein zehn Millionen deutsche Exemplare verkauft und jedem zweiten Deutschen ist der Begriff Catan bekannt.

Zum Erreichen des Ziels wird wie folgt vorgegangen: In Kapitel 2 wird das Konstrukt der Ausbildungsreife thematisiert und kontrovers diskutiert. Hierzu werden zunächst verschiedene Ansätze vorgestellt, die Merkmale ausbildungsreifer Jugendlicher beschreiben, um die Ansätze anschließend zu bewerten. Darüber hinaus wird dargestellt, welche Defizite in der Ausbildungsreife der heutigen Jugendlichen gesehen werden. Kapitel 3 beschäftigt sich mit der in der Arbeit betrachteten Zielgruppe der Jugendlichen im BGJ. Daran anschließend findet in Kapitel 4 eine Zusammenführung der Erkenntnisse zur Ausbildungsreife und den Defiziten auf Bewerberseite mit den Besonderheiten der speziellen Zielgruppe statt. Es werden Merkmale herausgearbeitet, von denen in Kapitel 6 überprüft werden soll, ob sie durch den Einsatz von SvC gefördert werden können und damit die Ausbildungsreife der Zielgruppe erhöht werden kann. Hierzu wird zuvor in Kapitel 5 das Spiel im Allgemeinen und im Speziellen das Spiel SvC thematisiert. Die Arbeit endet mit einem Fazit (Kapitel 7).

Inhaltsverzeichnis:

1 Ausgangslage, Zielsetzung und Vorgehen in der Arbeit 1
2 Ausbildungsreife 5
2.1 Zum Definitions- und Operationalisierungsproblem von Ausbildungsreife 5
2.2 Verschiedene Ansätze zum Konstrukt der Ausbildungsreife 6
2.2.1 Ansatz zur Ausbildungsreife seitens des Ausbildungspaktes 7
2.2.2 Ansatz zur Ausbildungsreife seitens der Wirtschaft 12
2.2.3 Ansatz zur Ausbildungsreife seitens des BIBB 14
2.3 Vergleich und Bewertung der vorgestellten Ansätze 16
2.4 Mängel in der Ausbildungsreife 21
2.4.1 Tests der Industrie- und Handelskammern 22
2.4.2 Ergebnisse aus Unternehmensbefragungen 23
2.4.3 Die Ergebnisse der BASF-AG 24
2.4.4 Ergebnisse von PISA 25
3 Zielgruppe der vorliegenden Arbeit: Die Schüler des BGJ 26
3.1 Entstehung, Intention und Entwicklung des BGJ 27
3.2 Heutige Bedeutung des BGJ 29
3.3 Lernvoraussetzungen im BGJ 31
4 Analyse mangelnder Ausbildungsreife bei Jugendlichen im BGJ 34
4.1 Besonderes Verständnis von Ausbildungsreife bei Schülern des BGJ 34
4.2 Zwischenspiel: Zur wirtschaftspädagogischen Relevanz von Ausbildungsreife, Berufseignung und beruflicher Zufriedenheit 35
4.3 Kontroverse Auseinandersetzung mit den beschriebenen Mängeln in der Ausbildungsreife der Bewerber vor dem Hintergrund der Zielgruppe des BGJ 39
4.4 Abgeleitete Merkmale zur Überprüfung des Potentials des Spiels SvC zur Erhöhung der Ausbildungsreife und Berufseignung bei Schülern des BGJ 46
4.4.1 Strukturierung der Merkmale 47
4.4.2 Legitimation der ausgewählten Merkmale 48
5 Das Spiel im Allgemeinen und Die Siedler von Catan im Speziellen 51
5.1 Das Spiel im Allgemeinen 52
5.1.1 Zur Definitionsproblematik des Spielbegriffs 52
5.1.2 Spielen und Lernen 53
5.1.3 Motivationstheoretische Hintergründe zum Spiel 58
5.1.4 Zur Definition des strategischen Gesellschaftsspiels 61
5.2 Das Spiel im Speziellen: Das strategische Gesellschaftsspiel Die Siedler von Catan 65
5.2.1 Spielbeschreibung 65
5.2.2 Beschreibung einzelner Spielsituationen 67
6 Potential des Spiels Die Siedler von Catan zur Erhöhung der Ausbildungsreife und Berufseignung bei Schülern des BGJ (Bereich Wirtschaft und Verwaltung) 71
6.1 Zum Transfer vom Spiel in die Realität 71
6.2 Analyse der Spielsituationen 75
6.2.1 SpS 1: Erlernen der Regeln, Vorbereiten des Spiels 75
6.2.2 SpS 2: Die Standortwahl für die ersten beiden Siedlungen 77
6.2.3 SpS 3: Anfangsphase, Handeln für die ersten Bauaktivitäten 79
6.2.4 SpS 4: Zwei Spieler planen dieselbe Kreuzung zu besiedeln 82
6.2.5 SpS 5: Siedlungen werden zu Städten umgebaut 84
6.2.6 SpS 6: Ein Spieler wird vom Handeln ausgeschlossen 85
6.3 Einschätzung des Potentials von SvC zur Förderung der Ausbildungsreife und Berufseignung bei Schülern im BGJ 87
7 Schlussbemerkung 91
Anhang 93
Abbildungsverzeichnis IV
Abkürzungsverzeichnis V
Zur Bedeutung von Zeichen und Schrifttypen V

Textprobe:

Kapitel 2, Ausbildungsreife:

Um eine Berufsausbildung aufzunehmen, muss ein Jugendlicher die nötige Reife mitbringen. Doch trotz der Brisanz, die der Ausbildungsreife in der Diskussion um die Lehrstellenproblematik zukommt, findet sie kaum Beachtung in der deutschen Forschungslandschaft. Im Folgenden wird zunächst auf die Definitionsproblematik rund um das Thema Ausbildungsreife eingegangen (Kapitel 2.1). Danach werden einzelne ausgewählte Ansätze vorgestellt, welche Merkmale ausbildungsreifer Jugendlicher beschreiben (Kapitel 2.2.1 bis 2.2.3). Anschließend erfolgen ein Vergleich und eine Bewertung der vorgestellten Ansätze (Kapitel 2.3), um abschließend in Kapitel 2.4 die seitens der Wirtschaft wahr genommenen und in der Literatur beschriebenen Defizite in der Ausbildungsreife heutiger Jugendlicher vorzustellen.

Kapitel 2.1, Zum Definitions- und Operationalisierungsproblem von Ausbildungsreife :

Bei der in Kapitel 1 geschilderten Problematik in der Diskussion um die Ausbildungsreife der Jugendlichen zwischen Vertretern der Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseiten kommt erschwerend hinzu, dass es keine allgemein gültige oder anerkannte Definition des Begriffes Ausbildungsreife gibt. In der Literatur findet sich allein seit den 1990er Jahren vielfältige Begrifflichkeiten zu diesem Thema und im alltäglichen Sprachgebrauch werden Bezeichnungen wie Ausbildungsreife , Ausbildungsfähigkeit und Ausbildungseignung oftmals synonym verwendet. Die genannte Begriffs- und Bewertungsvielfalt wird nicht überraschen, wenn man bedenkt, dass für die Aufnahme einer Berufsausbildung in einem anerkannten Ausbildungsberuf weder das Berufsbildungsgesetz noch die Handwerksordnung notwendige Bildungsvoraussetzungen benennen […].

Die Verständigung und eine Operationalisierung werden auch dadurch erschwert, dass Ausbildungsreife als ein relationaler Begriff aufzufassen ist. Damit ist zum einen gemeint, dass Ausbildungsreife immer in Relation zu einem bestimmten gesellschaftlichen und historischen Zeitpunkt steht, und zum anderen, dass die Argumentationen jeweils durch die Sichtweisen und Standpunkte der an der Berufsbildung Beteiligten geprägt und gefärbt werden. Veränderungen im Arbeits- und Beschäftigungssystem und in der Gesellschaft erfordern daher immer eine Neubestimmung, in der es nicht nur um eine objektive Auslegung, sondern auch um das Aushandeln von Interessen geht.

Kapitel 2.2, Verschiedene Ansätze zum Konstrukt der Ausbildungsreife:

In der Literatur hat es verschiedene Versuche gegeben, sich dem Konstrukt der Ausbildungsreife zu nähern. Im Folgenden werden die aus meiner Sicht bedeutendsten Ansätze vorgestellt. Dabei handelt es sich um den Ansatz des Ausbildungspaktes (Kapitel 2.2.1), eine Analyse der Meinungen seitens der Wirtschaft (Kapitel 2.2.2) und einen Ansatz des Bundesinstituts für berufliche Bildung (BIBB) (Kapitel 2.2.3). Die Auswahl ist wie folgt begründet: Mit dem Ausbildungspakt wird ein aktueller Konsens von Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite unter Mitwirkung der Bundesregierung vorgestellt, die Position der Wirtschaft als Anbieter von Ausbildungsplätzen wird zusätzlich gesondert betrachtet und mit dem Ansatz des BIBB wird außerdem die Sichtweise einer öffentlichen und als objektiv einzuschätzenden Forschungseinrichtung in die Betrachtung aufgenommen.

Kapitel 2.2.2, Ansatz zur Ausbildungsreife seitens des Ausbildungspaktes:

Im Juni 2004 wurde der so genannte Pakt für Ausbildung und Fachkräftenachwuchs in Deutschland (im Folgenden kurz: Ausbildungspakt) geschlossen. Ein Expertenkreis unter Leitung der BA wurde damit beauftragt, ein Konzept für eine allgemein anerkannte Einschätzung der Ausbildungsreife zu entwickeln. Dieses Konzept umfasst einerseits eine definitorische Grundlegung und andererseits einen Kriterienkatalog zur Ausbildungsreife.

Definitorische Grundlegung:

Nach dem Verständnis des Ausbildungspaktes sind in der Behandlung des Themas folgende drei verschiedene Stufen zu unterscheiden: die Ausbildungsreife, die Berufseignung und die Vermittelbarkeit :

Ausbildungsreife:

Eine Person kann als ausbildungsreif bezeichnet werden, wenn sie die allgemeinen Merkmale der Bildungs- und Arbeitsfähigkeit erfüllt und die Mindestvoraussetzungen für den Einstieg in die berufliche Ausbildung mitbringt. Dabei wird von den spezifischen Anforderungen einzelner Berufe abgesehen, die zur Beurteilung der Eignung für den jeweiligen Beruf herangezogen werden (Berufseignung). Fehlende Ausbildungsreife zu einem gegebenen Zeitpunkt schließt nicht aus, dass diese zu einem späteren Zeitpunkt erreicht werden kann.

Mit dieser Definition werden zwei zentrale Aspekte herausgestellt: Zum einen wird eine Abgrenzung der Ausbildungsreife gegenüber der Berufseignung vorgenommen, zum anderen wird indirekt eine Begründung für die von der BA vertretene Bevorzugung des Begriffes Ausbildungsreife gegenüber dem Begriff der Ausbildungsfähigkeit geliefert. Während Fähigkeit ein statischer Begriff sei, werde mit dem dynamischen Begriff der Reife dem Umstand Rechnung getragen, dass die Jugendlichen Entwicklungspotenziale haben und durch Reifungs- und Anpassungsprozesse eine zu einem bestimmten Zeitpunkt fehlende Ausbildungsreife im Laufe der Zeit immer noch erreichen können.

Die beiden weiteren zentralen Begriffe Berufseignung und Vermittelbarkeit werden im Pakt für Ausbildung wie folgt definiert:

Berufseignung: Eine Person kann dann für einen Ausbildungsberuf, eine berufliche Tätigkeit oder Position als geeignet bezeichnet werden, wenn sie über die Merkmale verfügt, die Voraussetzungen für die jeweils geforderte berufliche Leistungshöhe sind, und der (Ausbildungs-)Beruf, die berufliche Tätigkeit oder die berufliche Position die Merkmale aufweist, die Voraussetzung für berufliche Zufriedenheit der Person sind.

Vermittelbarkeit: Vermittelbar ist eine Person, wenn bei gegebener beruflicher Eignung ihre Vermittlung in eine entsprechende Ausbildung oder berufliche Tätigkeit nicht durch Einschränkungen erschwert oder verhindert wird. Solche Einschränkungen können marktabhängig und betriebs- bzw. branchenbezogen bedingt sein, sie können auch in der Person selbst oder ihrem Umfeld liegen.

Somit stellt die Ausbildungsreife die Basis und notwendige Bedingung für eine erfolgreiche Lehrstellensuche dar, ist aber nur der erste Schritt für den Jugendlichen auf dem Weg in die Ausbildung. Aufbauend auf der generellen Reife für die Aufnahme (irgend-)eines Ausbildungsverhältnisses bedarf es des Weiteren der spezifischen Eignung für den bestimmten vom Bewerber angestrebten Beruf (bzw. angestrebtes Berufsfeld/angestrebten Berufsbereich). Diese Eignung wiederum ist auf der letzten Stufe Voraussetzung für die Vermittelbarkeit in eine konkrete Ausbildungsstelle.

Kriterienkatalog zur Ausbildungsreife: Weiterhin wurde in oben genanntem Expertenkreis des Ausbildungspaktes ein Kriterienkatalog mit verschiedenen Merkmalen erstellt, mit welchem das Ziel verfolgt wird, die Kooperationsmöglichkeiten der an der Ausbildung beteiligten Akteure zu verbessern.

Die Anwendung und Akzeptanz der von den Paktpartnern im Kriterienkatalog zusammengefassten Merkmale und Indikatoren der Ausbildungsreife bietet eine Basis dafür, dass über diese Standards künftig nicht mehr zwischen den kooperierenden Akteuren (Schulen, Betrieben, Arbeitsagenturen etc.) immer wieder neu verhandelt werden muss.

Der Kriterienkatalog basiert einerseits auf wissenschaftlichen Erkenntnissen der Psychologie, Pädagogik und Kompetenzforschung und andererseits auf bereits vorhandenen Anforderungskatalogen seitens der Wirtschaft. Nach einem Abgleich mit Erfahrungen aus der Praxis (Betriebe, Berufsberatung, Berufsschulen) wurde er durch die Experten auf die nach ihrer Meinung unverzichtbaren Kriterien komprimiert. Der Katalog gliedert sich in fünf verschiedene Kompetenz-/ Merkmalsbereiche, die durch einzelne Merkmale konkretisiert werden. Die einzelnen Merkmalsbereiche und ihre zugehörigen Merkmale lauten:

Schulische Basiskenntnisse: (Recht)Schreiben, Lesen – mit Texten und Medien umgehen, Sprechen und Zuhören, Mathematische Grundkenntnisse, Wirtschaftliche Grundkenntnisse.

Psychologische Leistungsmerkmale: Sprachbeherrschung, Rechnerisches Denken, Logisches Denken, Räumliches Vorstellungsvermögen, Merkfähigkeit, Bearbeitungsgeschwindigkeit, Befähigung zu Daueraufmerksamkeit.

Physische Merkmale: Altersgerechter Entwicklungsstand und gesundheitliche Voraussetzungen.

Psychologische Merkmale des Arbeitsverhaltens und der Persönlichkeit: Durchhaltevermögen und Frustrationstoleranz, Kommunikationsfähigkeit, Konfliktfähigkeit, Kritikfähigkeit, Leistungsbereitschaft, Selbstorganisation/Selbstständigkeit, Sorgfalt, Teamfähigkeit, Umgangsformen, Verantwortungsbewusstsein, Zuverlässigkeit.

Berufswahlreife: Selbsteinschätzungs- und Informationskompetenz.

Um die Merkmale operationalisierbar zu machen, ist im Kriterienkatalog zu jedem Merkmal eine Beschreibung aufgeführt. Weiterhin werden Indikatoren/Kriterien für die Merkmale sowie Verfahren zu ihrer Feststellung genannt. Diese sind in der Einschätzung der Relevanz aufsteigend aufgelistet (die wichtigsten Merkmale stehen also oben) und sind nochmals farblich unterteilt in Indikatoren, welche unbedingt zu Beginn der Ausbildung vorhanden sein müssen (rot), und solche, die zwar auch wichtig sind, aber auch noch im Laufe der Ausbildung erworben werden können (schwarz). Des Weiteren werden Beispielfragen sowie Medien und Hilfsmittel zur Messung des Merkmals angegeben.

Arbeit zitieren:
Horsten, Martin Mai 2008: Zum Potential strategischer Gesellschaftsspiele zur Förderung der Ausbildungsreife, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Ausbildungsreife, Berufsbildung, Berufsgrundbildungsjahr, Gesellschaftsspiel, Siedler von Catan

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