Bachelor + Master Publishing
811 Bachelorarbeiten, 533 Masterarbeiten, 10.103 Diplomarbeiten

Postmoderne Wirklichkeitskonstruktion und Identitätsstiftung in den Filmen Blow Up, The Draughtsman`s Contract und Memento

Postmoderne Wirklichkeitskonstruktion und Identitätsstiftung in den Filmen Blow Up, The Draughtsman`s Contract und Memento
Über dieses Buch
  • Art: Magisterarbeit
  • Autor: Esther Freudenthal
  • Abgabedatum: Oktober 2008
  • Umfang: 86 Seiten
  • Dateigröße: 7,0 MB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Carl-von-Ossietzky-Universität Oldenburg Deutschland
  • Bibliografie: ca. 43
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-3378-9
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Freudenthal, Esther Oktober 2008: Postmoderne Wirklichkeitskonstruktion und Identitätsstiftung in den Filmen Blow Up, The Draughtsman`s Contract und Memento, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Postmoderne, Wirklichkeitskonstruktion, Konstruktivismus, Filmanalyse, Identität

Magisterarbeit von Esther Freudenthal

Einleitung:

‘Wirklichkeit ist eines der wenigen Worte, die ohne Anführungszeichen bedeutungslos sind’.

Das Zitat von Nabokov meint im übertragenen Sinn, dass es keinen erkenntnisunabhängigen Zugriff auf Wirklichkeit gibt. Somit ist Wirklichkeit subjektiv und konstruiert und bedeutet auch eine Pluralität an Wirklichkeitsversionen. Die heutige Zeitspanne der ‚Postmoderne’ verändert die Bedingungen hinsichtlich der Wirklichkeitskonstrukte und Identitätsstiftung von ‚Subjekten’. Die meiner Arbeit zugrunde liegenden Filme Blow Up ‚The Draughtsman’s Contract und Memento zeichnet ein ‚postmodernes’ Spiel mit Wirklichkeitskriterien und damit ein Ringen um Bedeutung, um Fakt und Fiktion und Sein und Schein aus. In allen drei Filmen geht es um ein Verbrechen, das von den Protagonisten überhaupt erst über Medien festgehalten wird und auch über diese entschlüsselt werden soll. Darüber wird die Dominanz und Macht der Medien im Verhandeln um Bedeutung thematisiert. Die Filme lassen sich jedoch nicht auf das Genre des Thrillers festlegen, da es nicht zur eindeutigen Auflösung kommt und die Täter der jeweiligen Filme am Ende gefasst werden. Vielmehr handelt es sich um einen ‚postmodernen Genremix’ in den einzelnen Filmen.

In Blow up wird das Verbrechen über Fotografien festgehalten, wobei Roland Barthes und Susan Sontag zu den speziellen Eigenschaften von Fotografie herangezogen werden. In The Draughtsman’s Contract werden Zeichnungen für das Verbrechen relevant, wobei auf den Abbildbegriff genauer eingegangen wird. Memento, der von einem Mann ohne Kurzzeitgedächtnis handelt, hält das Verbrechen oder vielmehr die vermeintliche Erinnerung daran ebenfalls auf Fotografien, aber auch Notizen und über Tätowierungen auf seinem Körper fest. Die Bedeutung von Tätowierungen früher und heute wird ebenfalls beleuchtet.

Blow up und Memento spielen in der Zeit, in der sie gedreht wurden, 1966 und 2001. The Draughtsman’s Contract , erschienen im Jahr 1982, spielt jedoch im 17. Jahrhundert. Man könnte meinen, es handle sich um die Rekonstruktion einer geschichtlichen Epoche im Sinne eines historischen Kostümfilms – doch der Schein trügt. In ‚postmoderner’ Art und Weise wird das Reale mit fiktiven Geschichtsdaten vermischt und malerische Vorbilder und Ausstattung entstammen unterschiedlichen Epochen. Geschichte dient wie die Zeichnungen im Film als Repräsentation.

Alle drei Filme zeichnen sich durch eine große formale und vor allem inhaltliche Komplexität und Vielschichtigkeit aus. Der Rezipient kann die Filme je nach Weltwissen auf verschiedenen Ebenen deuten. Entweder sieht er zum Beispiel nur einen Film über zwölf Zeichnungen oder er versteht die komplexen Allegorien und Andeutungen und erkennt das Verbrechen.

Gang der Untersuchung:

In dieser Arbeit soll der Hauptfokus auf den Filmen liegen, die unter ‚postmodernen’ Aspekten untersucht werden. Hinzu kommt ein den jeweiligen Film betreffender Blick auf Identitätsstiftung. Die dargestellte ‚postmoderne’ Welt hat erhebliche Einflüsse auf die Individuen, deshalb wird hauptsächlich die Identitätsstiftung der Filmprotagonisten untersucht. Da drei Filme aus verschiedenen Jahrzehnten aufgegriffen werden, stellt sich schon die Frage nach einer Entwicklung hinsichtlich ‚postmoderner Wirklichkeitskonstruktion’ in den Filmen. Zunächst wird auf den ‚Konstruktivismus eingegangen, da die Arbeit von einer Konstruktivität der Welt/en ausgeht. Die Rolle der Medien wird daran anschließend ausgeführt. Die Methodik betreffend gehe ich die Untersuchung auf Basis des dekonstruktivistischen Ansatzes nach Jacques Derrida an.

Inhaltsverzeichnis:

Einleitung 05
1. Wirklichkeitskonstruktion 07
1.1 Konstruktivismus 07
1.2 Medien und Wirklichkeitskonstrukte 11
1.3 Dekonstruktivismus als Methode 17
2. Postmoderne 19
2.1 Postmoderne und Moderne 19
2.2 Postmoderne aus philosophischer Sicht 23
2.3 Postmoderne Aspekte im Film 27
3. Identitätsstiftung 29
3.1 Subjektbildung 29
3.2 Identitätsstiftungund Moderne 32
3.3 Identitätsbildung als Projekt der Adoleszenz: E. H. Erikson 34
3.3.1 Der Begriff des Selbst 34
3.3.2 Identitätsdiffusion als ‘dunkle Seite’ der Identitätsbildung 35
3.3.3 Die Krise der organisierten Moderne 36
4. Blow Up (Antonioni, 1966) 39
4.1 Hintergrund zum Film 39
4.2 Inhalt 40
4.3 Filmanalyse unter postmodernen Aspekten 42
4.4 Identitätsstiftung im Film 51
5. The Draughtsman's Contract (Greenaway, 1982) 53
5.1 Hintergrund zum Film 53
5.2 Inhalt 55
5.3 Filmanalyse unter postmodernen Aspekten 57
5.4 Identitätsstiftung im Film 67
6. Memento (Nolan, 2001) 68
6.1 Hintergrund zum Film 68
6.2 Inhalt 68
6.3 Filmanalyse unter postmodernen Aspekten 69
6.4 Identitätsstiftung im Film 79
Fazit 82
Verzeichnisse 84

Textprobe:

Kapitel 3, Identitätsstiftung:

Subjektbildung:

Die Subjektbildung betreffend bezieht sich dieser Abschnitt auf ein Werk aus der feministischen Praxis. Dieses wurde verwendet, da es einen guten Überblick bietet und nicht, um einen feministischen Fokus in diese Arbeit zu bringen und zu verfolgen. Der Begriff Subjekt taucht schon in griechischen und lateinischen Quellen auf, wird aber erst mit der Aufklärung Ende des 17. Jahrhunderts zum zentralen Konzept philosophischen Denkens. Häufig wird der Begriff Subjektivität zum Definitionsmerkmal der Moderne gemacht. ‚Subjekt’ wird in Abgrenzung von humanistischen Begriffen wie Selbst, Persönlichkeit, Individuum verwendet. Das ‚Subjekt’ ist der Ausgangspunkt für Erkenntnis; Subjektivität ist Bedingung, aber auch Grenze von Erkenntnisfähigkeit. Bis zur idealistischen Tradition sieht die neuzeitliche Philosophie im ‚Subjekt’ die substanzielle Voraussetzung von Erkenntnis. Die Einheit dieses ‚transzendentalen’, freien und selbstreflexiven ‚Subjekts’ begründe die Identität des Menschen und die Einheit seiner Erfahrung. Die nachidealistische Tradition betont hingegen die Abhängigkeit des ‚Subjekts’ von seiner Umgebung. Zentral ist in beiden Auffassungen die Frage nach dem Verhältnis des ‚Subjekts’ zu Objekten und anderen ‚Subjekten’ und damit letztlich die Frage nach Selbst-Erkenntnis. Nach Hegel erkennt sich das Ich durch die Reflexion im Anderen (Alterität). Fichte argumentiert dagegen, dass die Wahrnehmung von Ähnlichkeit immer schon eine Vorstellung vom Ich voraussetzt. In der nach-idealistischen Philosophie wird die Autonomie und Intentionalität des ‚Subjekts’ infrage gestellt.

Zunehmend wird ‚Subjektivität’ als Gegenpol zu empirischer Objektivität verstanden, sie bezeichnet nur noch die Grenze beziehungsweise Unmöglichkeit von Erkenntnis.

Diese anti-subjektive Tendenz führt im 20. Jahrhundert jedoch nicht zur Aufgabe, sondern zu einer verstärkten Auseinandersetzung mit dem ‚Subjektbegriff’. Edmund Husserl und Jürgen Habermas betrachten ‚Subjektivität’ primär im Kontext der Intersubjektivität, die nach Habermas die ‚Aporien klassischer Subjektphilosophie vermeidet’. Die ‚Kritische Theorie’ führt den Begriff erneut auf seine etymologische Wurzel zurück. Das unterworfene ‚Subjekt’ existiere nur innerhalb eines vorgegebenen Netzes von Sprache, Herrschaft und Ideologie oder, wie bei Michel Foucault, von Diskursen. Neben diesen gesellschaftskritischen Ansätzen ist für das ‚postmoderne’ Verständnis von ‚Subjektivität’ auch die Theorie Jacques Lacans von Bedeutung.

Während bei Hegel das Selbstbewusstsein durch Reflexion im Anderen entsteht, betont Lacan, dass dieses Spiegelbild nicht mit dem Ich übereinstimmt. (Spiegel/Spiegelstadium). Aufgrund dieser Verkennung ist das ‚Subjekt’ gespalten, das wahrnehmende und das wahrgenommene Ich sind nicht mehr deckungsgleich. Lyotard radikalisiert die ‚postmoderne’ Subjektskepsis und spricht in Anlehnung an Barthes ‚Tod des Autors’ vom Tod des ‚Subjekts’. Neuere Studien verteidigen hingegen das ‚Subjekt’ als Ort sprachlicher Innovation und Kreativität, welche sich nicht nur als Effekte von Sprachmechanismen erklären lassen.

Die feministische Kritik setzt bei der vermeintlichen Geschlechtsneutralität des rationalen (‚cartesianischen’) ‚Subjektbegriffs’ an, der die Frau vordergründig einschließt, sie tatsächlich aber als angeblich nicht-rationales Wesen ausschließt. Neben der Dichotomie rational/emotional werden auch Oppositionen wie Geist/Körper, Subjekt/Objekt als Konstrukte kritisiert, mit deren Hilfe die Frau als das Andere des männlichen ‚Subjekts’ definiert wird. Die Erkenntnis, dass ‚Subjekte’ sozial, sprachlich und biologisch determiniert sind, ermöglicht nach Simone de Beauvoir, die Auffassung des so genannten natürlichen Geschlechts infrage zu stellen. Da Vorstellungen von Weiblichkeit kulturell vorgegeben sind, ist auch weibliche ‚Subjektivität’ zumindest zum Teil ein Produkt von Diskursen.

Die liberale, aufklärerische Subjektkonzeption findet sich in der Rezeption und Entwicklung postmoderner Ansätze wieder.

Das ‚Subjekt’ der Aufklärung wird aus heutiger Sicht als autonom im Innersten gesehen, als vernünftig, wenngleich Druck von außen ausgeübt wurde. Die Subjektkonzeption der Aufklärung beinhaltet eine spezifische politische Haltung der Interessendurchsetzung.

Das ‚Subjekt’ wird demnach von Anfang an von der sozialen Umwelt mitbestimmt und steht nicht für sich. Durch diese Schwierigkeiten findet sich anstelle der liberalen Subjektvorstellung die Idee, dass das ‚Subjekt’ schon immer ein Produkt der Gesellschaft war und damit historisch bedingt und nicht als Einheit zu sehen ist. Das Individuum besteht demnach aus mehreren konfligierenden Formen von ‚Subjektivitäten’ und wird ständig prozesshaft reproduziert durch und in der Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Bedingungen unter denen es existiert. Gesellschaftliche Konstruktion wurde häufig so verstanden, dass diese sich als äußere Kraft in das ‚Subjekt’ einschreibt.

Bei einer diskursiven Subjektkonstitiuierung ist sich das ‚Subjekt’ der Diskurse bewusst und kann sich mit ihnen auseinandersetzen und diese produktiv nutzen. Gegen Möglichkeiten der Subversion gibt es folgende Einwände: Zum einen ist das ‚Kollektivsubjekt’ nötig, um politisch handeln zu können, zum anderen kann ein diskursiv geprägtes ‚Subjekt’ nicht wirklich Umstände ändern durch die es geprägt wurde. Die Handlungsfähigkeit eines ‚Subjektes’ steht somit infrage. Die Vorstellung, dass ein diskursiv konstituiertes ‚Subjekt’ nicht mehr handlungsfähig ist, beruht auf einem bestimmten Verständis von diskursiver Konstituiertheit. Die Annahme ist eine utopische vollkommen gelungene Subjektkonstitution, wobei der Diskurs, der es prägt, monolithisch, widerspruchsfrei und abgeschlossen sein müsste. Das ‚Subjekt’ ist indes aus verschiedenen konfligierenden Diskursen konstituiert und nicht determiniert, womit Widerständigkeit und Handlungsfähigkeit angesprochen werden und möglich sind. Die diskursive Subjektkonstituierung bedeutet nicht die Vernachlässigung des Materiellen, sondern über den Diskursbegriff sollen materielle wie ideelle Faktoren mitgedacht werden. Die Unterscheidung zwischen naturhaft Gegebenem und Gemachtem wird damit aufgehoben.

Erreicht werden soll eine erhöhte Sensibilität für Differenzen – gegenüber einem leichtfertigem Rückgriff auf ‚Frauen’ als Kollektiv, nicht der Norm entsprechenden Praxen und gegenüber Ausgrenzungen durch Definitionen von Kollektivsubjekten. Über Umformulierungen gibt es einen Verlust an politischer Legitimation, da humanistische Begriffe wie Unterdrückung/Entfremdung auf dieser Diskursgrundlage so nicht mehr haltbar sind. Möglich ist der Wegfall einer möglichen privilegierten Erkenntnisperspektive, da das forschende Subjekt durch eben diese Diskurse konstituiert ist, die es kritisieren will.

Arbeit zitieren:
Freudenthal, Esther Oktober 2008: Postmoderne Wirklichkeitskonstruktion und Identitätsstiftung in den Filmen Blow Up, The Draughtsman`s Contract und Memento, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Postmoderne, Wirklichkeitskonstruktion, Konstruktivismus, Filmanalyse, Identität

Entdecken Sie mehr zum Thema

diplom.de
Bachelor + Master Publishing

Hermannstal 119 k
22119 Hamburg

Fon: +49 (0) 40 655992-0
Fax: +49 (0) 40 655992-22

Service-Telefon

Rufen Sie uns an:
+49 (0) 40 655992-0

Mo-Fr
09.00-16.00 Uhr

diplom.de in den Medien

Folgen Sie uns bei Twitter & werden Sie diplom.de-Fan bei Facebook!
Schreibtipps unserer Lektoren, Neuigkeiten aus dem Verlagsalltag und das Expertenwissen unserer Autoren als Tweet & Post!
Wir freuen uns auf Sie!

diplom.de BACHELOR + MASTER PUBLISHING

Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Magisterarbeiten, Dissertationen und andere Abschlussarbeiten aus allen Fachbereichen und Hochschulen können Sie bei uns als eBook sofort per Download beziehen oder sich auf CD oder als Buch zusenden lassen. Seit mehr als 15 Jahren ist diplom.de der seriöse, professionelle und erfolgreiche Partner für die Veröffentlichung wissenschaftlicher Abschlussarbeiten.

© Diplomica Verlag GmbH 1996-2011, AG Hamburg HRB 80293 - GF Björn Bedey, USt-IdNr.: DE214910002 - Verkehrsnummer: 12285 - Impressum
Index der Arbeiten - Index der Autoren