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Info Poor & Info Rich - Das Dilemma der Wenig-Informierten und der Viel-Informierten in der modernen Medienlandschaft

Hintergründe, soziale und pädagogische Folgen und eine exemplarische Untersuchung der Info-Poor und Info-Rich Situation von Jugendlichen im Raum der Stadt Essen

Info Poor & Info Rich - Das Dilemma der Wenig-Informierten und der Viel-Informierten in der modernen Medienlandschaft
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Dirk van Leewen
  • Abgabedatum: Juni 2003
  • Umfang: 145 Seiten
  • Dateigröße: 769,1 KB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Universität Duisburg-Essen, Standort Essen Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-8045-5
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-8045-5 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-8045-5 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: van Leewen, Dirk Juni 2003: Info Poor & Info Rich - Das Dilemma der Wenig-Informierten und der Viel-Informierten in der modernen Medienlandschaft, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Medienpädagogik, Internet, Informationsgesellschaft, Globalisierung, Wissenskluft

Diplomarbeit von Dirk van Leewen

Einleitung:

Das Internet ist das einzige Massenmedium, das in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts neu entstanden ist. Die Beschleunigung der technologischen Entwicklungen im Kommunikationsbereich in den vergangenen fünf Jahren hat Auswirkungen auf Staaten, Gesellschaft, Wirtschaft und global zusammenhängende Prozesse. Sie werden zu Beginn des 21. Jahrhunderts einer der zu erwartenden bestimmenden Faktoren für den Wandel unseres Umfeldes sein. Das Internet ist als der Dreh- und Angelpunkt einer vernetzten Welt zu betrachten und kann als Spiegelbild der Realität gelten. In den 90er Jahren hat sich das einst militärische, dann akademische Netz in ein weltweites großwirtschaftliches Projekt der Kommunikations-, Computer- und Unterhaltungsindustrie verwandelt, in das eine dreistellige Millionenzahl als Nutzer und Produzenten eingezogen ist. Anders als bei den klassischen Großtechnologien (Atom, Weltraum, Militär) ist die Geschichte des Internets ebenfalls in kürzester Zeit von einer Vielzahl Prophezeiungen und Hiobsbotschaften begleitet.

Wie jede Technik oder anwendungsorientierte Wissenschaft, setzt sich auch das Internet der Diskussion um seine positiven und negativen Potenziale aus, worauf auch Andy Müller-Maguhn vom Chaos Computer Club hinweist. Er betrachtet wertneutral Computer als Werkzeuge und Netze als Strukturverstärker. Das bedeutet für ihn, dass man mit Computern auch Strukturen verstärken kann, die einerseits vielleicht einen Überwachungsstaat bringen, andererseits aber auch Tendenzen sein können, um freiheitlich Wissen und Informationen miteinander auszutauschen. Oder simplifizierend kann es auch nichts weiter sein als ein globaler Supermarkt, wie sich das einige Unternehmen vorstellen. Da derzeit viele Akteure aus verschiedensten Bereichen und Interessengruppen mit ihrem eigenen Leitbild an die Sache herangehen und versuchen, irgendetwas aus dem Netz zu machen, hat man zum jetzigen Zeitpunkt eine große Vielzahl an Paralleluniversen, die sich sozusagen im Internet abspielen. In solch einer vernetzten Welt entstehen so ständig neue Chancen und Gefahren.

Nun ist die Welt im Internet. Sie ist drin.

Seit der Existenz des weltumspannenden digitalen Netzes sind seine Auswirkungen auf die Gesellschaft umstritten. Welchen Einfluss hat das Netz tatsächlich auf unsere Gesellschaft?

Kritisch werden von Soziologen die neuen Informationstechnologien bezüglich eines Szenarios eines „Digital Divide“, eine Spaltung unserer Gesellschaft in Angeschlossene und Ausgeschlossene, in Info-Rich und Info-Poor beobachtet. Die Gefahr einer solchen Spaltung der Gesellschaft ist nicht von der Hand zu weisen. Dafür reicht allerdings die einfache Forderung „Zugang für alle“ nicht aus, wenn sich diese allein auf die Frage der technischen Ausstattung beschränkt. Das Aufstellen von leistungsfähigen Computern in Schulen kann ein erster Schritt sein. Aber darüber hinaus sind auch die Bürger der bereits dem Schulalter entwachsenen Generationen zu berücksichtigen.

Info-Poor oder Info-Rich ist eine Bezeichnung für Menschen mit Zugang zum Internet und zu allgemeinen Informationen beziehungsweise ohne Zugang und den daraus möglicherweise erwachsenden Konsequenzen. Das Online-ABC definiert Info-Rich, Info-Poor folgendermaßen:

„Info-Poor“: „Menschen, deren gesellschaftlicher Status durch „Informationsarmut“ und Analphabetismus bestimmt ist. Das Schlagwort entstammt der Theorie der Informationsgesellschaft, die eine bisher nicht dagewesene gesellschaftliche Wirkungsmächtigkeit der Ware Information prognostiziert. Die „Infogesellschaft“ produziert eine „Klassenteilung“ zwischen Menschen, die in der Mehrzahl keinen Zugang zum „Herrschaftswissen“ haben werden und denjenigen, die als Information Rich ökonomische Macht konzentrieren. Info-Poor sind die Konsumenten, die lediglich vorgefertigte „Info-Häppchen“ über Fernsehen, Video und Computerspiele konsumieren können, aber keinen Einfluss auf die Verteilung von Information haben. Info-Poor sind auch die Arbeiter der Zukunft, die an einfach zu bedienender Software lediglich zu mechanisch ausführenden Helfern der Verteilung und Verarbeitung von Information degradiert werden.“ Im Gegensatz dazu stehen die „Info-Rich“: „Eine neue Elite in der prognostizierten Informationsgesellschaft. Sie herrscht in den Manager-Etagen dank ihrer Macht über die Ware Information. Ihr gegenüber steht ein zunehmend größer werdendes Heer von Info-Poor (Informationsarme). Info-Rich bestimmen über die Verteilung und den Wert der Information und besitzen die Technik und das Know-How zur Verarbeitung und Verteilung der stetig wachsenden Informationsmengen.“ Eine ganze Reihe von Lebensumfeldern wird durch Info-Poor- und Info-Rich-Effekte mit umwälzender Wirkung verändert oder zumindest erheblich berührt.

Die Frage, ob das Internet emanzipatorische Möglichkeiten eröffnet, wird umstritten bleiben. Die bestehende Kluft zwischen Info-Rich und Info-Poor wächst. National und staatenübergreifend zeigt sich nämlich ein Gefälle hinsichtlich der Verfügbarkeit über Informations- und Kommunikationssysteme zwischen den Geschlechtern einerseits und Armen und Reichen andererseits. In den Industrieländern wird das Internet hauptsächlich von Schichten mit höherem Einkommen und besserer Bildung - vorwiegend Männern – genutzt, während die Bevölkerung in vielen Entwicklungsländern gänzlich vom Zugang zum Internet ausgeschlossen ist. Kritiker weisen auch auf die staatlichen Überwachungsmöglichkeiten durch die zunehmende Vernetzung personenbezogener Daten und elektronischer Kommunikation hin.

Um ein Bewusstsein für die Komplexität des Gegenstandes dieser Arbeit zu schaffen, also Info-Poor- und Info-Rich-Effekte, wird der Gegenstand aus verschiedenstartigen gesellschaftlichen Blickwinkeln, globalen Bereichen und soziologischen und pädagogischen Feldern beleuchtet. Die vorliegende Arbeit gliedert sich wie folgt:

Vorweg sei gesagt, dass in dieser Arbeit eine Zusammenschau verschiedenster Bereiche im Mittelpunkt steht, aber dies im Rahmen einer Diplomarbeit nur ansatzweise geschehen kann.

Basis und Ausgangslage von Info-Poor- und Info-Rich-Effekten ist die Gesellschaft. Die oft zitierte neue Form der Gesellschaft wird mit dem Begriff der Informationsgesellschaft etikettiert.

Zunächst werden die Entstehung und der Begriff der Informationsgesellschaft ergründet und daraus entstehende Einflussnahmen auf Gesellschaft beschrieben. Die Entstehung gliedert sich in eine technische und eine gesellschaftliche Komponente. Innerhalb der technischen Komponente werden unterschiedlichste Interessengruppen aus Wirtschaft und Politik betrachtet, die maßgeblich an der Entwicklung des Internets beteiligt sind und somit auch als einflussnehmende Machtfaktoren gesehen werden können. Innerhalb der gesellschaftlichen Komponente ist eine Definition zu finden für die Begriffe Information und daran anschließend Informationsgesellschaft. Im Folgenden werden Wechselwirkungen der Technik und der Gesellschaft betrachtet.

Nach diesem Umriss einer Informationsgesellschaft ist der Stellenwert des Internets als Massenmedium vor dem Hintergrund der Info-Poor-/Info-Rich-Debatte zu ermitteln. Nachfolgend wird der Frage nachzugehen sein, inwieweit und ob Meinungsfreiheit im Medium Internet gegeben ist und ob sich Meinungsführerschaften bezüglich einer Info-Rich-Fraktion herauskristallisieren.

Um das Feld Info-Poor-/Info-Rich enger fassen zu können, gilt es, anschließend statistische Angaben über Nutzungsverhalten des Internets zu betrachten. Es werden sowohl Daten für Deutschland als auch über die globale Situation und möglicher daraus resultierender Folgen beleuchtet. Die statistische Beleuchtung steht auch vor dem Hintergrund einer kurzen Darstellung Info-Poor-/Info-Rich-Konflikt-Felder.

Es gilt dann zu erörtern, wie ausgewählte Lebensfelder im Informationszeitalter beeinflusst oder nachhaltig verändert werden.

Zur Betrachtung gelangen die Bereiche Lernen, Bildung, Schule, die Arbeitswelt, der Wirtschaftsbereich, Politik, Kriminalität und Schutz. Abschließend wird dort der Frage nach der Abhängigkeit von Netzen in Lebensfeldern nachgegangen.

Um andererseits aber auch die Mächtigkeit der technischen Neuerungen und den darin verborgenen Machtmöglichkeiten der Informationsgesellschaft auf dem globalen Parkett aufzuzeigen, werden drei ausgewählte Beispiele vorgestellt. Die drei Beispiele sind zum einen eingebettet in die zuvor beschriebenen ausgewählten Lebensfelder die im Informationszeitalter beeinflusst oder nachhaltig verändert werden, zum anderen stehen sie im Spannungsfeld der Globalisierung. Anhand der Info-Poor-/Info-Rich-Situation in Afrika auf dem Bildungs- und Wirtschaftssektor wird kurz umrissen, welche Möglichkeiten sich für Entwicklungsländer ergeben können.

Folgend wird die Macht der Politik von oben anhand der Internetzugangskontrollen in China erörtert, wie diese politische Macht aufweicht aufgrund übergeordneter Strukturen und wie sie der Informationsgesellschaft immanent ist. Umkehrend wird im dritten Beispiel die Macht der Politik von unten dargestellt. Anhand der politischen Zapatisten Bewegung in Mexiko wird kurz umrissen, wie aufgrund der Möglichkeiten einer Informationsgesellschaft von der Volksbasis her politische Strukturen verändert werden konnten.

Besonderes Augenmerk ist dem Begriff der Wissenskluft zu widmen. Gerade dies ist bezeichnend für die sich darstellende Info-Rich-/Info-Poor-Entwicklung. Daher wird der „Digital Divide“ – die Wissenskluft – näher erörtert.

Die Informationsgesellschaft ist nicht nur ein soziologisches Gebilde, sondern wird auch als eine Herausforderung der Pädagogik aufgefasst. Besonderes Augenmerk wird dann auf das Feld der Medienpädagogik geworfen. Das Internet, als ein „Über“-Medium beeinflusst die Wahrnehmung der Rezipienten, sodass hier unter anderem Fragen nach Kritikfähigkeit und Wahrheitsbeurteilungsfähigkeiten nachgegangen wird. Die Medienkompetenz wird vor dem Hintergrund von Info-Poor-/Info-Rich-Effekten betrachtet. So kann ein „Internet-Analphabetismus“ wegen mangelnder Kulturaneignung bei beispielsweise vielen Senioren zu Info-Poor-Effekten führen. Aber auch bei Kindern und Jugendlichen sieht sich die Medienpädagogik herausgefordert, wenn es beispielsweise um Fragen der Fähigkeit geht, Glaubwürdigkeit bei medial, insbesondere über das Internet, verbreiteter Information zu beurteilen.

Inhaltsverzeichnis:

Vorbemerkung 4
1. Einleitung 5
2. Die Informationsgesellschaft als Ursprung der Info-Poor- und Info-Rich-Problematik 10
2.1 Technik : Das Internet 10
2.1.1 Eine kurze Geschichte des Internets 11
2.1.2 WWW – Das World Wide Web 13
2.1.3 Organisationale Internetmacht-Wem „gehört“ eigentlich das Internet? 15
2.2 Gesellschaft : Die Informationsgesellschaft 21
2.2.1 Die Informationsgesellschaft 21
2.2.2 Der Begriff „Informationsgesellschaft“ – Definitionsansätze 23
2.2.3 Die Begriffe „Information“, „Daten“ und „Wissen“ in der Informationsgesellschaft 28
2.3 Technik und Gesellschaft: Computernetze als Sozialsystem 31
2.4 Zusammenfassung 33
3. Ein Massenmedium und die Meinungsfreiheit 34
3.1 Internet – Ein Massenmedium? 34
3.2 Meinungsfreiheit und Zugangskontrolle 37
3.3 Meinungsführerschaft im Internet 39
3.4 Zusammenfassung 40
4. Internet in Zahlen –Statistisches 41
4.1 Das Internetwachstum 41
4.1.1 Internetwachstum - global betrachtet 41
4.1.2 Internetwachstum in Deutschland 42
4.1.3 Internetwachstum - extreme Ungleichheit bei der geographischen Verbreitung 43
4.2 Die Nutzerstruktur 44
4.2.1 Die Nutzerstruktur – Sozio-demografische Faktoren global betrachtet 44
4.2.2 Die Nutzerstruktur – Sozio-demografische Faktoren für Deutschland 44
4.3 Gründe für Internetnutzung 48
4.3.1 Nutzung des Netzes in Deutschland 48
4.3.2 Gründe für Internetnutzung bei Kindern und Jugendlichen 52
4.4 Zusammenfassung 53
5. Nachhaltig beeinflusste Felder im Rahmen der Informationsgesellschaft 54
5.1 Bildung, Lernen, Schule 54
5.2 Arbeitswelt 61
5.3 Wirtschaft und E-Commerce 62
5.4 Politik und E-Governement 65
5.5 Kriminalität, Sicherheit, Kontrolle und Öffentlichkeit 73
5.6 Abhängigkeit von Netzen 76
5.7 Zusammenfassung 78
6. Info-Poor und Info-Rich Effekte durch Globalisierung 80
6.1 Informationsgesellschaft und Globalisierung 80
6.2 Ausgewählte Entwicklungen vor dem Hintergrund der Globalisierung 83
6.2.1 Entwicklungsländer: Beispiel Afrika 83
6.2.2 Kontrolle: Beispiel China – Politische Kraft von oben 86
6.2.3 Macht: Beispiel Mexikos Zapatisten, die erste informationelle Guerillabewegung – Politische Kraft von unten 88
6.3 Zusammenfassung 90
7. Wissenskluft – Digital Divide 91
7.1 Was ist Wissenskluft? 91
7.2 Wodurch kommt Wissenskluft zustande? 92
7.3 Das dramatische an der Wissenskluft 93
7.4 Programme gegen die Wissenskluft 93
7.5 Zusammenfassung 96
8. Medienkompetenz - Definition, Anforderungen und Einordnung in die Erziehungswissenschaft 97
9. Generation @ - Kinder und Jugendlichein der Informationsgesellschaft 102
10. Die Untersuchung zur Info-Rich, Info-Poor- Situation 105
10.1 Begründung der Untersuchung zur Info-Rich, Info-Poor- Situation 105
10.2 Begründung der Forschungsmethode - Warum eine Umfrage? 106
10.3 Probleme bei Umfragen zum Gegenstand „Internet“ 107
10.4 Forschungsleitende Fragen und Hypothesen 108
10.5 Planung und Aufbau der Untersuchung 109
10.5.1 Die Zielgruppe 109
10.5.2 Ablauf 110
10.5.3 Der Fragebogen 110
10.6 Warum kein klassischer Pretest? 112
10.7 Ziele der Voruntersuchung 112
10.8 Zusammenfassung 113
11. Auswertung der Untersuchung 113
12. Schlusswort 125
13. Literatur 127
14. Anhang 136
A) Anschreiben an Schulen 136
B) Lehrer-Information für die teilnehmenden Schulen 137
C) Eltern-Information und Einverständniserklärung 138
D) Fragebogen 139
E) Datenmatrix der Untersuchung auf beigelegter Diskette

Automatisiert erstellter Textauszug:

In den 90er Jahren forderte man Programme, um die „digitale Spaltung“ (Digital Divide) der Gesellschaft zu verhindern, sodass nicht zwei Klassen entstehen: Diejenigen, die die neuen Technologien nutzen (Information Rich) und diejenigen, die es nicht können oder wollen (Information Poor). Ein „digitaler Graben“ kann nicht nur zwischen Personen, sondern auch zwischen Ländern existieren. Den Digital Divide zu verhindern ist Aufgabe der E-Policy. Das englische Wort „policy“ bedeutet dabei in etwa politischer Kurs, Grundsatz. E-Policy ist daher alles, was der Staat macht, um die Informationsgesellschaft zu gestalten, zum Beispiel sämtliche Rechtsetzung und -sprechung, Bildungspolitik und Infrastruktur, die sich auf die Nutzung der elektronischen Medien zur Kommunikation beziehen. Denn Menschen sollen [...]

„Ein wesentliches Problem bei Online-Diensten, die sich direkt an die Bürgerinnen oder den Bürger oder Unternehmen wenden, ist die lange Amortisationszeit der erforderlichen Investitionen. Die Fälle, in denen der Normalbürger bewußt Kontakt zu kommunalen Verwaltung aufnimmt, lassen sich schließlich an zwei Händen abzählen. Von Ausnahmen einmal abgesehen beschränkt sich dies auf die Ausstellung irgendwelcher Dokumente, die Anmeldung eines Autos oder singuläre, meist familiäre Anlässe. Wenn einzelne Angelegenheiten zukünftig auf elektronischem Weg erledigt werden können, ist dies für viele Bürger sicherlich eine enorme Erleichterung. Für die Verwaltung aber kann dies einen unverhältnismäßigen Aufwand bedeuten, wenn die für nennenswerte Einspareffekte erforderliche Menge an elektronischen Transaktionen nicht erreicht wird.“ (Brinckmann, Wind, 1999, S. 56) [...]

„Aber E-Commerce ist eben nur eine von vielen Möglichkeiten, Vertrieb zu betreiben und nicht unbedingt die originellste. Wenn Sie sich anschauen, wie sich der Handel entwickelt, dann stellen Sie fest: Wo Sie zeitknappe Gesellschaften wie zum Beispiel England und Amerika haben, da findet sich ein hoher e-commerce-Anteil. Die Leute haben schlicht keine Zeit mehr, in Geschäfte zu rennen. Ich zum Beispiel bestelle über Amazon meine Bücher, weil ich sehr viel lese und nicht jedes Jahr 150 Mal in den Buchladen rennen will, klar. e-commerce funktioniert aber auch bei Produkten, die man normalerweise wie die Stecknadel im Heuhaufen suchen muss oder bei denen man über das Netz deutliche Preisvorteile bekommen kann. Es gibt also sinnvolle Anwendungen, aber der mächtige Gegentrend ist natürlich der zum sinnlichen Konsum. Die Menschen wollen anfassen, fühlen, riechen. Wenn sie schon einkaufen gehen, wollen sie dabei ein viel positiveres Erlebnis haben als bisher. Daher die vielen Konzepte für Erlebniswelten, Einkaufstempel mit Freizeitwert. Diese beiden Trends - e-commerce und Erlebniseinkauf - existieren nebeneinander her.“ (Englert: "Wir sind einfach analoge Wesen" Ein Interview mit dem Zukunftsforscher Matthias Horx über die Grenzen der Virtualisierung. URL: www.changeX.de) [...]

Arbeit zitieren:
van Leewen, Dirk Juni 2003: Info Poor & Info Rich - Das Dilemma der Wenig-Informierten und der Viel-Informierten in der modernen Medienlandschaft, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Medienpädagogik, Internet, Informationsgesellschaft, Globalisierung, Wissenskluft

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