Politische Ökonomie der Makroökonomischen Reformen
Inflationsbekämpfung am Beispiel ausgewählter Länder Lateinamerikas und Osteuropas
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Gabi Fischermann
- Abgabedatum: Juli 1997
- Umfang: 100 Seiten
- Dateigröße: 1,3 MB
- Institution / Hochschule: Universität zu Köln Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-0208-2
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-0208-2 P - ISBN (CD) :978-3-8324-0208-2 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Fischermann, Gabi Juli 1997: Politische Ökonomie der Makroökonomischen Reformen, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Inflationsbekämpfung, Lateinamerika, Makroökonomische Reformen, Politische Akteure, Politische Ökonomie
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Diplomarbeit von Gabi Fischermann
Einleitung:
Hohe Inflation war in Lateinamerika seit der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts für viele Länder kennzeichnend und hat seit dem Niedergang der sozialistischen Systeme am Anfang dieser Dekade auch in Osteuropa Einzug gehalten. Zahlreiche Stabilisierungsprogramme hatten häufig nur kurzfristig Erfolg, weil sie politisch nicht konsequent durchgeführt wurden. Der Erfolg von Deinflationsprogrammen hängt also nicht nur von ökonomischen Aspekten ab, sondern auch von politischen. Die Verbindung dieser beiden Wissenschaften stellt die Ökonomische Theorie der Politik her.
Die politökonomischen Reformvorschläge berücksichtigen in besonderem Maße die Problematik der politischen Durchsetzbarkeit von Stabilisierungsprogrammen. Häufig fürchten Politiker ökonomische Reformen, weil sie ihnen unpopulär erscheinen und somit die eigene Wiederwahl gefährden könnten. Der Politischen Ökonomie wird darum die Aufgabe gestellt, Stabilisierungsprogramme zu entwickeln, deren Nutzen für die Bevölkerung schon kurzfristig offensichtlich wird, damit die Politiker die Bereitschaft zeigen, die Reformen durchzusetzen.
Um solche makroökonomischen Reformen zu entwickeln, müssen zunächst die Inflationsmechanismen auf die Frage hin analysiert werden, inwieweit die Wirtschaftspolitik der Regierung die Geldentwertung beschleunigt. Dann ist zu untersuchen, welchen Einfluß die organisierten Interessen und die Verwaltungsstruktur eines Landes auf die Geldwertstabilität haben und wie diese Einflußmomente zusammen wirken. Wenn diese Gründe für die Inflation bekannt sind, können makroökonomische Reformprogramme auf einer politökonomischen Basis entwickelt werden, die auf das Wirtschaftssystem so einwirken, daß wieder Preisniveaustabilität erreicht wird, indem sie neben den ökonomischen auch die politischen Beschleunigungsfaktoren der Inflation beseitigen.
Gang der Untersuchung:
Zuerst untersuche ich die Gründe von Inflation mit Methoden der Ökonomischen Theorie der Politik, indem ich die Interessen der Akteure und ihren Einfluß auf die Finanzpolitik der Regierung beschreibe. Dann lege ich die politischen und ökonomischen Bedingungen dar, unter denen es zu Wirtschaftsreformen kommt und gehe auf die Anforderungen an die zu erarbeitenden Stabilisierungsprogramme ein, indem ich die Wirkungsweise der einzelnen Reformen auf die Wirtschaft darlege und die Vor- und Nachteile für die einzelnen Akteure untersuche. Anhand dieser Ergebnisse wird ein Maßnahmenkatalog erarbeitet, der bei konsequenter Durchführung die Währungsstabilität in von Hyperinflation bedrohten Ländern erreichen kann. Daß solch eine Stabilisierung auch nach jahrzehntelanger Inflation möglich ist, haben viele erfolgreiche Reformprogramm in den achtziger Jahren in Lateinamerika bewiesen.
Die Analyse der Politischen Ökonomie makroökonomischer Reformen unterstütze ich deshalb mit Beispielen aus ausgewählten Ländern Lateinamerikas. Osteuropa steht heute vor währungspolitischen Problemen, die in vielen Ländern Lateinamerikas schon Mitte der achtziger Jahre beseitigt worden sind. In Osteuropa spielten nach der Beseitigung der sozialistischen Wirtschaftssysteme häufig andere ökonomische Faktoren bei der Inflationsentwicklung eine Rolle als in Lateinamerika, weshalb auf einen ausführlichen Situationsvergleich der Länder in dieser Arbeit verzichtet wird. Osteuropa kann aber heute auf die in Lateinamerika mit der Inflationsbekämpfung gemachten Erfahrungen zurückgreifen und Stabilisierungsprogramme auf einer politökonomischen Basis entwickeln, die langfristig die Währungsstabilität wieder herstellen können.
Inhaltsverzeichnis:
| Verzeichnis der Abbildungen und Tabellen | III | |
| Abkürzungsverzeichnis | IV | |
| Verzeichnis der verwendeten Symbole | IV | |
| Verzeichnis der verwendeten griechischen Symbole | VI | |
| Einleitung | 1 | |
| 1. | Die Inflation und die Notwendigkeit zur Stabilisierung | 4 |
| 1.1 | Der ökonomische Hintergrund von Stabilisierungskrisen | 4 |
| 1.2 | Zuordnung der Begriffe Inflation und Hyperinflation | 7 |
| 1.3 | Die Entstehung von Inflation und Hyperinflation | 8 |
| 1.4 | Die Notwendigkeit der Stabilisierung | 13 |
| 2. | Die Interessen der Akteure | 14 |
| 2.1 | Regierung | 14 |
| 2.1.1 | Modell der Wirtschaftszyklen in Verbindung mit Wahlzyklen | 18 |
| 2.1.2 | Das Auftreten von Regierungswechseln in Verbindung mit Wirtschaftskrisen und Hyperinflation | 19 |
| 2.2 | Verwaltung und Institutionen | 22 |
| 2.2.1 | Bürokratie | 22 |
| 2.2.2 | Zentralbank | 23 |
| 2.3 | Interessengruppen | 24 |
| 2.4 | Internationale Organisationen | 27 |
| 2.5 | Zwischenfazit | 29 |
| 3. | Bedingungen für Wirtschaftsreformen | 30 |
| 3.1 | Stabilitätspolitik der Regierung | 30 |
| 3.2 | Einfluß der Interessengruppen | 33 |
| 3.3 | Druck durch internationale Organisationen | 34 |
| 4. | Die Politische Ökonomie der Stabilisierung | 36 |
| 4.1 | Anforderungen an Stabilisierungsprogramme | 36 |
| 4.2 | Die Wirkungsweise staatlicher Stabilisierungsprogramme | 37 |
| 4.2.1 | Einflüsse durch die Struktur des politischen Systems | 37 |
| 4.2.2 | Modell für Regierungsverhalten in Abhängigkeit von Popularität und Repressalien in verschiedenen politischen Systemen | 38 |
| 4.2.3 | Schema politökonomischer Interaktionen bei Reformen | 42 |
| 4.3 | Die Frage der Zeitabfolge: Schocktherapie oder Gradualismus | 45 |
| 4.4 | Reaktion der Bevölkerung auf Stabilisierungsprogramme | 49 |
| 5. | Erfolgsbedingungen von Stabilisierungspolitik | 50 |
| 5.1 | Zielstrebige Durchführung der Stabilisierung | 52 |
| 5.1.1 | Institutionelle Absicherung | 53 |
| 5.1.2 | Liberalisierung der Wirtschaft | 55 |
| 5.2 | Beschaffung von Unterstützung | 57 |
| 5.2.1 | Interessengruppen | 58 |
| 5.2.2 | Arme Bevölkerungsschichten | 60 |
| 5.2.3 | Bürokratie | 61 |
| 5.2.4 | Internationale Unterstützung | 62 |
| 5.2.5 | Allgemeiner Konsens über Vorteile von Stabilität | 64 |
| 6. | Fazit | 66 |
die Mehrheit erzielte. Banzer hatte sich am 22. August 1971 an die Macht geputscht und danach mit Hilfe zahlreicher Repressionen das Land bis 1978 regiert. Unter zunehmendem wirtschaftlichem und politischem Druck setzte Banzer für das Jahr 1978 demokratische Wahlen an (Kahle u.a. 1989, S. 182f.). Er verstand es, sich im Nachhinein als derjenige Präsident darzustellen, der aus zwingender Notwendigkeit Bolivien mit harter Hand regiert hat, es aber dadurch auf den Weg zur Demokratie führte. 55 Dieses Programm hat kaum tragbare Härten für die Bevölkerung mit sich geführt und konnte daher nur starken politischen Repressionen durchgesetzt werden. Eine demokratische Regierung hätte einen solchen Weg nicht gehen können (Kappel 1990, S. 211f). Die amtierende Militärjunta rief mehrfach den Ausnahmezustand aus, verfolgte die Opposition und deportierte und tötete Regierungsgegner. 1977 wurde Chile von der UNO-Vollversammlung aufgrund andauernder Verletzung der Menschenrechte verurteilt (Kahle 1989, S. 207ff.). [...]
34 gierungszeit mit Hilfe ihrer starken Macht noch ein konsequentes Reformprogramm auf den Weg zu bringen, das eine demokratische Regierung nicht hätte durchsetzen können. Damit demonstrieren sie ihre Absicht, immer nur das beste für ihr Land gewollt zu haben und setzen sich vor dem Einsetzen demokratischer Wahlen ein Denkmal. Die jahrelange Zeit der Unterdrückung wird als Rettung für das Land, das andernfalls in Chaos versunken wäre, propagiert. Als solch eine geschichtsträchtige Aktion kann man z.B. das Reformprogramm Chiles 1975 unter General Pinochet55 bezeichnen (Williamson/Haggard 1994, S. 577). Beispiele für ähnliche Vorgehensweisen sind die Stabilisierungsprogramme in Argentinien und Venezuela in den achtziger Jahren, im Rahmen derer Regierungschefs, die zuvor interventionistische Politik betrieben hatten, ihre Meinung änderten und auf Stabilität bei gleichzeitigem Rückzug des Staates aus der Wirtschaft achteten (Haggard/Kaufman 1995, S. 357). Da es sich in diesen Fällen aber um demokratische Regierungen handelte, wird auch die These Douglass Norths gestärkt, der staatliche Stabilisierungsversuche dann als wahrscheinlich sieht, wenn unter Fortführung der alten Politik die demokratische Ordnung des Landes gefährdet ist (North 1981, S. 31f.). Wirtschaftskrisen sind aber, wie in Kapitel 2.1.2 bereits dargelegt wurde, keine notwendige, sondern nur eine ausreichende Bedingung für die Einführung von Reformen (Williamson/Haggard 1994, S. 565). Vor allem Diktatoren setzen sich jahrelang mit Hilfe ihrer Macht über wirtschaftliche Probleme hinweg. Schwere Konsolidierungsprobleme nehmen aber dennoch starken [...]
Transformationskrise: Zum einen zerbrachen die vom kommunistischen System ererbten Strukturen, während die der Marktwirtschaft unter gewaltigen Schwierigkeiten neu entstehen. Zum anderen vollzog sich eine Umorientierung der außenwirtschaftlichen Bindungen, die bisher durch Zugehörigkeit zum kommunistischen Block geprägt waren (Holzer 1996, S. 137). 53 Schwierige Reformen werden von einer Exekutive zumeist dann eingesetzt, wenn die Führungsperson neu gewählt ist und sich noch eines Vertrauensvorschusses erfreut. Dann sind ökonomische Interessengruppen und politische Institutionen relativ unwichtig zum Machterhalt (Haggard/Kaufman 1992b, S. 320ff.). 54 Daß ihnen dies durchaus gelingen kann, zeigt die Wahl in Bolivien vom 1. Juni 1997, bei der die von Ex-Diktator Hugo Banzer Suárez geleitete Partei ADN mit 22 % der Stimmen [...]
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783832402082
Arbeit zitieren:
Fischermann, Gabi Juli 1997: Politische Ökonomie der Makroökonomischen Reformen, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Inflationsbekämpfung, Lateinamerika, Makroökonomische Reformen, Politische Akteure, Politische Ökonomie



