Politik im Fernsehformat
Die politische Berichterstattung im privaten Fernsehen am Beispiel der Hauptnachrichtensendung ‚RTL Aktuell‘
- Art: Magisterarbeit
- Autor: Jörg Machacek
- Abgabedatum: März 2003
- Umfang: 157 Seiten
- Dateigröße: 842,3 KB
- Note: 1,7
- Institution / Hochschule: Technische Universität Darmstadt Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-0096-5
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-0096-5 P - ISBN (CD) :978-3-8324-0096-5 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Machacek, Jörg März 2003: Politik im Fernsehformat, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Politik, Medien, Nachricht, Privatfernsehen, Bericht
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Magisterarbeit von Jörg Machacek
Einleitung:
In dieser Arbeit steht das Fernsehen als audiovisuelles Medium im Mittelpunkt. Es soll untersucht werden, inwieweit es durch seine spezifische Darstellungslogik auf die politische Berichterstattung innerhalb von ‚RTL Aktuell‘ Einfluss nimmt. Dabei sind Einwirkungen aus zwei Richtungen zu beachten. Zum einen die Einflüsse von außen, zum anderen die Einflüsse von innen, die internen Bestimmungsfaktoren der Nachrichtenproduktion.
Bei den äußeren Einflüssen handelt es sich um die Unterhaltungsfunktion des Fernsehens, die zunehmende (Eigen-)Inszenierung der Politik sowie die Konkurrenzsituation der Nachrichtensendungen untereinander. Die Bestimmungsfaktoren der Nachrichtenproduktion können dem synchron als innere Einflüsse angesehen werden. Dazu zählt vor allem die Nachrichtendarstellung anhand von fernsehspezifischen Arbeitskriterien, den sogenannten Nachrichtenfaktoren. Der Hintergrund dieser Betrachtung besteht darin, dass fernsehspezifische Aspekte die Komplexität politischer Zusammenhänge prägen, indem sie die Auswahl der Themen und ihre Reihenfolge festlegen. In der konkreten exemplarischen Überprüfung am Beispiel einer Nachrichtensendung von ‚RTL Aktuell‘ stehen diese fernsehspezifischen Aspekte in Erscheinung der Nachrichtenfaktoren im Vordergrund.
Aus den bisherigen Ausführungen hervorgehend orientiert sich die gewünschte Erkenntnis dieser Arbeit an der Leitfrage, wie die Nachrichtensendung eines privaten Fernsehsenders, verdeutlicht in der exemplarischen Betrachtung an ‚RTL Aktuell‘, die von ihr aufgegriffenen politischen Ereignisse bzw. Themen darstellt. Der Verständlichkeit und besseren Operationalisierung wegen ist die Leitfrage nachfolgend aufgeschlüsselt in zwei Teilfragen und untergliederten Aspekten. Sie sollen primär einen Orientierungsrahmen vorgeben, der Auskunft darüber gibt, auf welche Fragen dieser Arbeit in ihren Kapiteln und Abschnitten eingehen bzw. welche erwünschten Erkenntnisse sie liefern soll:
In welchem übergeordneten Kontext bewegt sich die Nachrichtenproduktion eines privaten Programmanbieters? Welche Einflüsse von außen wirken auf die Berichterstattung? Welche inneren Faktoren bestimmen die Nachrichtenproduktion? Muss politische Berichterstattung ähnlich attraktiv sein wie die sonstige Unterhaltungsorientierung im Programm eines Leitmediums – mit entsprechenden Konsequenzen für Präsentation, Aufbereitung und Dramaturgie, also der Darstellung des Ereignisses bzw. des Themas? Wie wirken sich die äußeren Einflüsse und inneren Faktoren am konkreten Beispiel von ‚RTL Aktuell‘ aus? In welcher Wertigkeit (Plazierung innerhalb der Sendung, Beitragslänge, etc.) werden die einzelnen Politikthemen behandelt? Inwieweit beeinflussen Nachrichtenfaktoren Inhalte und erzeugen so ein inszeniertes Nachrichtenprodukt, d.h., ein vorgefertigtes Bild von Politik?
‚RTL Aktuell‘ wird täglich im Zeitfenster um 18.45 Uhr ausgestrahlt. Das Datenmaterial zur Beantwortung insbesondere der letzten Teilfrage liefert die Auswertung der exemplarischen Sendung vom 20.09.2002, die nach dem Zufallsprinzip ausgewählt wurde. Als Bewertungsansatz für die gesammelte Datenlage dient eine Untersuchung auf inhaltsanalytischer Basis, orientiert an denen im weiteren Verlauf zu formulierenden Kriterien. Die Konzentration liegt dabei, dem Charakter des Mediums Fernsehen entsprechend, vor allem auf den visuellen und textlichen Bestandteilen der Sendungen.
Trotz eines exemplarisch-analytischen Teils stellt diese Ausarbeitung keine empirische Nachrichtenanalyse im strengeren Sinne dar. Vielmehr versucht sie in einem umfassenden Überblick zu belegen, welchen weitreichenden Hintergründen, Zusammenhängen und Einflüssen die politischen Fernsehberichterstattung unterliegt. So gesehen bilden die Kapitel zwei bis vier nicht alleinig eine theoretischen Vorarbeit für die exemplarische Betrachtung ab Kapitel fünf, sondern tragen durch die gewonnenen Ergebnisse bereits in maßgeblichem Umfang an den sich ergebenden Schlussfolgerungen bei.
Insgesamt betrachtet bezieht diese Arbeit ihre Erkenntnisse also aus den Ausführungen diverser Wissenschaftler und Autoren, aus der exemplarischen Untersuchung sowie den aus beiden Teilen sich ergebenden Schlüssen.
Aufbau der Arbeit:
Im dem Einleitungsteil sich anschließenden zweiten Kapitel dieser Ausarbeitung wird eingangs der gesellschaftliche Bedeutungshintergrund des Mediums Fernsehen durch die ihm zentral zugeschriebenen Begriffe ‚Leitmedium‘ (2.1) und ‚Politikvermittlung‘ (2.2) charakterisiert und präzisiert. Unter Verwendung von öffentlich zugänglichem Datenmaterial aus der kontinuierlichen Fernsehforschung sowie publizierten Untersuchungsberichten soll das Fernsehen in Bezug auf seinen Stellenwert als Medium der politischen Informationsvermittlung eingeordnet werden. Das Nutzungsverhalten und die Sichtweisen der großen Rezipientengruppen (2.3) bilden die Basis hierfür. Die Fokussierung auf die grundsätzliche Bedeutung von Nachrichtensendungen für eine breite Öffentlichkeit (2.4) bildet die Überleitung zu dem Hauptgegenstand der Untersuchung.
Mit dem nachfolgenden Kapitel beginnt die Beschäftigung mit den Determinanten der Programmleistung. Es stellt sich zunächst die Frage, welchen generellen Einflüssen die Politikdarstellung in den Fernsehnachrichten unterliegt. In der Vergangenheit haben sich verschiedene Autoren mit dieser Frage beschäftigt. Ihnen ging es primär nicht nur darum, die Faktoren zu benennen, sondern diese auch zu strukturieren. Dabei wurden leicht differierende Begrifflichkeiten verwendet, die letztendlich jedoch das Gleiche meinen.
So sind die im dritten Kapitel formulierten Einflüsse synchron den exogenen bzw. extrinsischen Faktoren. Beispielhaft für einen exogenen Faktor ist die keineswegs passive Rolle der Politik in der Berichterstattung. Mediale Eigeninszenierungen sowie das Anpassen an die spezifischen Fernsehgesetzmäßigkeiten stehen dabei im Vordergrund. Aber auch der Wandel des Fernsehen hin zu einem Unterhaltungsmedium, in dem häufiger nach Zerstreuung und Entspannung als nach politischen Informationen gesucht wird, ist ein wesentlicher exogener Faktor. Nicht zuletzt nimmt auch die stetige Konkurrenzsituation verschiedener Nachrichtensendungen untereinander und die daraus resultierende Wettbewerbssituation Einfluss auf die Anbieter. Die drei wesentlichen Einflüsse, die von außerhalb auf das Medium einwirken, sind also die Unterhaltungsfunktion (3.1), die medialen Anpassungs- und (Eigen-)Inszenierungsprozesse der Politik im Verhältnis zu den Medien (3.2), die Wettbewerbssituation mit konkurrierenden Nachrichtensendungen (3.3). Eine Ausführung dieser Aspekte ist deshalb von Relevanz, da die wachsenden Steuerungsversuche durch die Politik für das Fernsehen bzw. die zunehmende Beeinflussung der politischen Berichterstattung durch die Unterhaltungslogik des Mediums nicht ohne Konsequenzen für die Darstellung von Politik im Fernsehen bleiben (können).
In diesem Kontext wird das Thema bzw. das Ereignis, über das berichtet wird, nicht als äußerer Einflussfaktor in dem gleichen Zusammenhang betrachtet, wie dies für die anderen thematisierten Einflüsse gilt. Unbestritten wirkt ein Ereignis bzw. ein Thema von außen auf das Nachrichtenangebot ein, indem es sich beispielsweise durch seine Wichtigkeit aufdrängt. Allerdings ist selbst dann die Art der Darstellung des Ereignisses bzw. des Themas als Nachricht (darum geht es in dieser Arbeit) vielmehr als das durch die äußeren und inneren Einflüsse der Nachrichtenproduktion entstandene Resultat der Berichterstattung zu sehen.
Darüber hinaus muss bedacht werden, dass alles, was Nachrichtensendungen in jeglicher Weise vermelden, als Information, also als Nachricht oder Meldung zu betrachten ist. Verbreitet eine Nachrichtensendung keinerlei Informationen, so ist sie keine Nachrichtensendung mehr. Folglich gibt es keine Nachrichtensendung ohne Nachricht – die Nachricht ist somit eine Konstante. Dies gilt nicht in gleichem Maße für die Einflussfaktoren, gleichgültig ob es sich um äußere oder innere Einflussfaktoren handelt. Sie sind abhängig von gesellschaftlichen und temporären Veränderungen und damit variabel.
Die unmittelbaren Bestimmungsfaktoren, die in stärkerem Maße für das für das Produkt ‚Nachrichtensendung‘ verantwortlich sind, werden im vierten Kapitel thematisiert. Es handelt sich hierbei den Definitionen folgend um die endogenen bzw. intrinsischen Faktoren, die innerhalb des Mediums Fernsehen angesiedelt sind. Im Einzelnen sind dies die Auswahl- und Darstellungsmechanismen anhand der fernsehspezifischen Arbeitskriterien, den Nachrichtenfaktoren (4.2 sowie 4.3), die telegene Präsentation mit ihren Darstellungsformen und Gestaltungselementen (4.4). Das Verhältnis von äußeren und inneren Faktoren kann am treffendsten folgendermaßen charakterisiert werden: Die inneren Bestimmungsfaktoren verarbeiten die von außen kommenden Einflüsse anhand der Nachrichtenfaktoren, die eine Art fernsehspezifisches Muster vorgeben.
In diesem Kontext setzt sich dieses Kapitel daher auch zu Beginn mit dem grundlegenden Verhältnis von Ereignis und Nachricht (4.1) auseinander.
Das fünfte Kapitel bereitet die Analyse der konkreten ‚RTL Aktuell‘-Ausgabe vom 20.09.2002 vor, indem es die spezifischen Aspekte zur Anwendung eines geeigneten Untersuchungsinstrumentarium erläutert (5.1), die genauen formalen und inhaltlichen Merkmale der Betrachtung festlegt (5.2) sowie das Sendeprotokoll der exemplarisch zu betrachtenden Sendung (5.3) vorlegt.
Das sechste Kapitel wertet die Daten des Sendeprotokolls auf ihre formalen Merkmale hin aus (6.1). Die Analyse der inhaltlichen Merkmale der Politikberichterstattung erfolgt anhand einer tabellarischen Auflistung (6.2). Anschließend werden die gewonnenen Befunde strukturiert dargestellt und unter Überschriften thematisch zusammengefasst.
Zu Beginn des abschließenden siebenten Kapitels erfolgt eine Zusammenfassung aller bisherigen Ergebnisse dieser Arbeit (7.1). Die Bewertung dieser Erkenntnisse unter den Gesichtspunkten einer zunehmenden Boulevardisierung sowie das Zeihen weitgehenderer Schlüsse und Auswirkungen für die Darstellung von Politik im Fernsehen über die vorliegenden Erkenntnisse hinaus ist Bestandteil des letzten Abschnittes (7.2) dieser Arbeit.
Inhaltsverzeichnis:
| 1. | Einleitung | 1 |
| 1.1 | Ausgangssituation | 4 |
| 1.2 | Wahl des Untersuchungsgegenstands | 7 |
| 1.3 | Fragestellungen und Untersuchungsaufbau | 8 |
| 1.4 | Strukturierung der Arbeit | 11 |
| 1.5 | Abgrenzung des Themas | 14 |
| 2. | Das Fernsehen als Medium der politischen Darstellung | 14 |
| 2.1 | Zum Begriff des Leitmediums | 17 |
| 2.2 | Fernsehen unter dem theoretischen Aspekt der Politikvermittlung | 21 |
| 2.2.1 | Normativer Bezugsrahmen nach Sarcinelli | 22 |
| 2.2.2 | Politikvermittlungsleistung privater Anbieter | 25 |
| 2.3 | Nutzungsverhalten und Sichtweisen zu Informationsangeboten | 27 |
| 2.4 | Bedeutung von Nachrichtensendungen | 32 |
| 3. | Äußere Einflüsse auf die Politikdarstellung in Fernsehnachrichten | 32 |
| 3.1 | Die Unterhaltungsfunktion des Fernsehens | 37 |
| 3.1.1 | Inhaltliche Schwerpunktsetzung in der Programmstruktur | 37 |
| 3.1.2 | Politische Information im Kontext von Unterhaltungsorientierung und Entpolitisierung | 43 |
| 3.2 | Berichterstattung unter dem Einfluss der medialen Inszenierung | 46 |
| 3.2.1 | Zum Verhältnis von Medien und Politik | 47 |
| 3.2.2 | Politische Adaption und Eigeninszenierung als Wechselwirkung zwischen Politik und Fernsehen | 50 |
| 3.3 | Fernsehnachrichten im Wettbewerb | 58 |
| 4. | Innere Bestimmungsfaktoren der Nachrichtenproduktion | 65 |
| 4.1 | Ereignis und Nachricht | 65 |
| 4.1.1 | Begriffsbestimmungen | 65 |
| 4.1.2 | Beziehungsmuster | 67 |
| 4.2 | Fernsehnachrichten als Produkt | 69 |
| 4.2.1 | Aufmerksamkeitsregeln und Medienlogik als Selektionskriterien | 69 |
| 4.2.2 | Theorien der Nachrichtenselektion | 71 |
| 4.3 | Nachrichtenwert und Nachrichtenfaktoren | 75 |
| 4.3.1 | Entwicklung der Nachrichtenwerttheorie | 76 |
| 4.3.2 | Operationalisierung von geeigneten Nachrichtenfaktoren | 80 |
| 4.4 | Kontext der Nachrichtenwiedergabe bei ‚RTL Aktuell' | 87 |
| 4.4.1 | Darstellungsformen und Gestaltungselemente | 87 |
| 4.4.2 | Die Rolle der Nachrichtensprecher/Moderatoren | 90 |
| 4.4.3 | Präsentationsweise und Sendungsablauf | 92 |
| 5. | Überprüfung der theoretischen Befunde am Beispiel von ‚RTL Aktuell' | 94 |
| 5.1 | Untersuchungsinstrumentarium | 96 |
| 5.2 | Methodisches Vorgehen | 98 |
| 5.3 | Sendeprotokoll ‚RTL Aktuell' vom 20.09.2002 | 100 |
| 6. | Auswertung der exemplarischen Sendung | 103 |
| 6.1 | Formale Sendungsmerkmale | 103 |
| 6.2 | Inhaltliche Merkmale der politischen Berichterstattung | 107 |
| 7. | Politik im Fernsehformat: Zusammenfassung und Ausblick | 128 |
| 7.1 | Zusammenfassung der Befunde dieser Arbeit | 127 |
| 7.2 | Auswirkungen der fernsehspezifischen Berichterstattung | 130 |
| 7.2.1 | Boulevardisierung der Berichterstattung | 130 |
| 7.2.2 | Von der Politikdarstellung zur Politikherstellung | 136 |
| 7.2.3 | Wie entwickelt sich die politischen Berichterstattung? | 141 |
| 8. | Quellenverzeichnis | |
| 8.1 | Literatur | 145 |
| 8.2 | Artikel und Internet-Veröffentlichungen | 152 |
| 8.3 | Statistiken und Untersuchungsberichte | 155 |
| 8.4 | TV-Materialien | 156 |
| Anhang | ||
| Erklärung zur Magisterarbeit |
Dabei ist wichtig zu betonen, daß dies nicht zwangsläufig vor dem Hintergedanken einer gewollten Beeinflussung stattfindet. Ein simples und zugleich klassisches Beispiel ist ein amerikanische Studie von Lang/Lang (1953).196 Sie verglichen eine Live-Reportage des Fernsehens über eine Militärparade mit den unmittelbaren Eindrücken von Beobachtern am Straßenrand. Die Fernsehperspektive unterschied sich erheblich von dem, was die teilnehmenden Beobachter wahrnahmen und zu berichten wußten, so daß die Fernsehzuschauer und die Zuschauer, die der Parade direkt beiwohnten, mit jeweils unterschiedlichen Realitäten konfrontiert waren. Auch wenn diese Untersuchung schon älter ist, hat sich am festgestellten Muster bis heute nur wenig verändert. Das eigentliche Entstehungsproblem einer Nachricht liegt in der Aufbereitungsphase. Schulz sieht die Problematik unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten. „In allen […] Fällen läßt sich die Frage nach der Beziehung zwischen Ereignis und Bericht als ein methodisches Problem definieren, nämlich als Problem der Gültigkeit der gewählten Indikatoren.“197 Nach Schulz wird so ein abweichendes Bild von Ereignis und Nachricht, von Realität und Darstellung erst möglich. Konkretisiert findet sich das methodische Problem wieder in der redaktionellen Praxis. Ruhrmann beschreibt die dort stattfindenden Vorgänge folgendermaßen: „Journalisten beobachten und beschreiben die zeitlichen, sozialen und sachlichen Dimensionen von Ereignissen, indem sie bestimmte Merkmale oder Kriterien definieren, die Ereignis aufweisen muß, um zur Nachricht zu werden.“198 Der hiesige Ansatz, Ereignisse anhand von Merkmalen oder Kriterien in verschiedenen Dimensionen zu definieren, erklärt im wesentlichen die nachfolgend thematisierten Vorgänge der Nachrichtenselektion und –darstellung. [...]
„Leichte Nachrichten sind nicht immer sachlich formuliert; vielmehr schlagen sie oft einen persönlicheren, farbigeren, affektiveren Ton an. Sie müssen nicht nach der Wichtigkeit der mitgeteilten Information geordnet sein, sondern stellen vielfach eine reizvolle Einzelheit an den Anfang.“189 Das von Noelle-Neumann et al. beschriebene Phänomen ist nichts anderes als die Präsentation der Nachricht als Unterhaltung, nichts anderes also als Infotainment.190 4.1.2 Beziehungsmuster Es gibt eine weitverbreitete Theorie über die Beziehung von Ereignis und Nachricht zueinander, die in ihren Grundzügen bereits im vorausgegangenen Unterabschnitt angeschnitten wurde. Für Kleppinger ist sie gleichzusetzen mit der Beziehung von Realität und Darstellung zueinander.191 Dies setzt voraus, daß sich analytisch zwischen Ereignis und Nachricht zwar durchaus eine Unterscheidung treffen ließe, jedoch „die Realität, über die die Massenmedien berichten, z.T. eine Folge der zu erwartenden Berichterstattung ist“ und damit gleichzeitig ein indirektes Produkt einer Nachricht.192 Schulz schließt sich dem weitgehend an, indem er eine implizierte Annahme der Nachrichtenforschung äußert: „Hier die ‚objektive Realität‘, da die verfälschte Nachricht; durch den medialen Verarbeitungsprozeß wird das ‚reale Ereignis‘ zur ‚verzehrten‘ Nachricht.“193 Schulz kommt somit zu einem Urteil über die Beziehung von Realität und Darstellung zueinander. „Faßt man alle Befunde zusammen, so ergibt sich als Resümee aus der Forschungsliteratur die Feststellung, daß die Massenmedien die Wirklichkeit nicht repräsentieren und schon gar nicht abbilden.“194 Noch drastischer formuliert es Schmitz: „Der schwerwiegendste Einfluß des Fernsehens ist darin zu sehen, daß es allen Ereignissen die Realität entzieht und dafür die eigene (Fernseh-)Realität setzt.“195 [...]
„naive Vorstellung“ zu glauben, die Massenmedien seien bloß der Spiegel der Wirklichkeit.183 Vor diesem Hintergrund erklären sich die Begriffe. Unter dem Ereignis ist das eigentliche Geschehen zu verstehen, wie es sich darstellt, ohne verbalisiert, visualisiert oder in sonstiger Art und Weise erfaßt oder aufbereitet zu werden. Auf dem Weg zur Nachricht unterliegt das Ereignis einem Veränderungs- und Bearbeitungsprozeß.184 Die Nachricht ist dem folgend die nach bestimmten Regeln gestaltete Information über das Ereignis. Sie ist nach Wulff-Nienhüser ein konzipiertes Produkt, das in und durch die Medien wiedergegeben wird. „Eine Nachricht ist nicht das Ereignis, von dem berichtet wird. Berichtet wird vielmehr von einer Wahrnehmung eines Ereignisses.“185 Unabdingbares Kriterium, daß eine Ereignis überhaupt wahrgenommen wird, ist daß sie zumindest eine Botschaft mit Neuigkeitswert enthalten muß. Diese auf den ersten Blick naheliegende Nachrichtenlogik birgt jedoch auch gleichzeitig Risiken. „Die Stärke der Nachrichten, daß sie an aktuelle Ereignisse anknüpfen, ist auch ihre Schwäche. Sie informieren nämlich in der Regel nur über das, was sich aufdrängt.“186 In der Hauptsache befassen sich Nachrichten mit öffentlichen Angelegenheiten von politischer, wirtschaftlicher, gesellschaftlicher und kultureller Bedeutung. Noelle-Neumann et al. unterschieden dabei in gewichtige oder harte Nachrichten (hard news) und in weiche oder leichte Nachrichten (soft news). Während für eine Rezipientengruppe eine bestimmte Nachricht eine gewisse Relevanz oder Orientierungswert aufweisen kann, besitzt sie für eine andere Gruppe möglicherweise nur Unterhaltungswert.187 Dementsprechend orientieren sich Nachrichtenproduzenten auch an der Erwartungshaltung der Rezipienten. Insbesondere für die Gruppe, welche sich „aus Unterhaltungs- und Sensationslust“188 informiert, werden auch harte Nachrichten mit Stilmitteln der ‚soft news‘ angereichert. [...]
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http://www.diplom.de/ean/9783832400965
Arbeit zitieren:
Machacek, Jörg März 2003: Politik im Fernsehformat, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Politik, Medien, Nachricht, Privatfernsehen, Bericht




