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Das Phänomen der begrenzten Rationalität

Konkretisierung und Implikationen für die Hersteller-Handel-Beziehung

Das Phänomen der begrenzten Rationalität
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Anna Westebbe
  • Abgabedatum: Februar 2004
  • Umfang: 70 Seiten
  • Dateigröße: 360,7 KB
  • Note: 1,1
  • Institution / Hochschule: European Business School Schloß Reichartshausen, Oestrich-Winkel Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-8208-4
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-8208-4 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-8208-4 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Westebbe, Anna Februar 2004: Das Phänomen der begrenzten Rationalität, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: ECR (Efficient Consumer Response), Maximierung, NIÖ, Agent, Prinzipal

Diplomarbeit von Anna Westebbe

Zusammenfassung:

Die Beziehung zwischen Hersteller und Handel im Lebensmitteleinzelhandel zeichnete sich in der Vergangenheit durch Machtgewinn des Handels aus. Gefördert wurde dieser Machtgewinn durch Konzentration aufgrund von Übernahmen und Zusammenschlüssen auf der Handelsseite. Regalplatzverknappung aufgrund diversifizierter Hersteller-sortimente schwächte die Verhandlungsposition der Hersteller zusätzlich.

Nach Zeiten der Konfrontation ist das Verhältnis von Hersteller und Handel heute zunehmend kooperativ geprägt. Bedingt durch starken Wettbewerb um Konsumenten und damit verbundenen Marktanteilen haben die Akteure erkannt, dass Zusammenarbeit im Absatzkanal zur Verbesserung der Position des Herstellers, des Handels und des Konsumenten beitragen kann, weshalb hier auch von Win-Win-Win Strategie gesprochen werden kann. Das 1993 in den USA entwickelte Konzept des Efficient Consumer Response (ECR), welches zur Verbesserung der Geschäftsbeziehung dienen soll, vereint die bereits bekannten Elemente der direkten Produktrentabilität, Business Process Reengineering, Just-In-Time-Distribution und Space Management um den Austauschprozess zwischen Hersteller und Handel systematisch zum besseren Konsumenten-nutzen zu verbessern.

In der durch mehr äußeren Wettbewerb geprägten Hersteller-Handel-Beziehung kommt Gewinnung und Austausch relevanter Informationen eine immer bedeutendere Rolle zu. Gleichsam verspricht Zusammenarbeit u.a. in Logistik, Vertrieb, Verpackung und Verkaufsförderung Einsparpotentiale. Begründet werden diese Sachverhalte durch sich schnell verändernde Rahmenbedingungen wie Gewohnheiten der Konsumenten, gesellschaftliche Entwicklungen und internationale Konkurrenz, welche in zeitlich engen Abständen wichtige Entscheidungen fordern. Zeitliche, finanzielle und kognitive Restriktionen auf sowohl Hersteller- als auch Handelsseite erfordern Zusammenarbeit mit dem Ziel, gemeinsam mehr zu erreichen. Die Qualität der Zusammenarbeit wird dabei am Wettbewerb mit anderen Kooperationsgemeinschaften gemessen. Es kann daher auch von einem Wettbewerb der Absatzkanäle gesprochen werden.

Vergangene und zu erwartende Entwicklungen in und um die Geschäftsbeziehung von Hersteller und Handel rücken den Restriktionenaspekt ins Blickfeld des Interesses. Da dem Akteur der Realität entgegen den Annahmen der Neoklassischen Theorie nur begrenzt Informationen zur Verfügung stehen, deren Suche mit Kosten verbunden ist, und überdies Zeit und kognitive Grenzen eine Rolle spielen, können Entscheidungen nur unter Berücksichtigung dieser Restriktionen als rational gelten. Simon entwickelte 1955 das Konzept der begrenzten Rationalität, welches sich mit Annahmen befasst, die dem Modell des unbegrenzt perfekt rational handelnden homo oeconomicus entgegenstehenden. Der Gegensatz der traditionellen normativen Modellannahme, nach der ein Akteur rationale und sogar für ihn nutzen- bzw. gewinnmaximale Entscheidungen treffen kann, und der eher deskriptiven Vorstellung Simons, wonach ein Akteur nur begrenzt rationale Entscheidungen zu treffen in der Lage und dabei eine Maximierung nicht möglich ist, wird dabei offenkundig. Dieser Gegensatz ist Ausgangspunkt für den Verlauf der Arbeit.

Das durch die Praxis induzierte Problem durch Veränderungen der Hersteller-Handel-Beziehung wird auf Ebene der Theorie behandelt. Es wird versucht durch Simons Verständnis begrenzter Rationalität Erkenntnisse auf Basis des Prinzipal-Agenten-Ansatzes zu erweitern. Diese können in einem weiteren Schritt auf die praktische Ebene zurückgeführt werden, indem aus gewonnenen Erkenntnissen Handlungsempfehlungen für die Gestaltung der Geschäftsbeziehung zwischen Hersteller und Handel abgeleitet werden. Ein durch die Praxis induziertes Problem wird damit in einem ersten Schritt auf Modellebene durch Veränderung von Annahmen betrachtet und in einem zweiten Schritt durch Rückwärtsinduktion in Form von Handlungsempfehlungen zur Problemlösung in die Praxis zurückgeführt. Vorliegende Arbeit beschränkt sich auf den ersten Schritt.

Inhaltsverzeichnis:

Abbildungsverzeichnis III
Abkürzungsverzeichnis IV
1. Einleitung 1
1.1 Problemstellung 2
1.2 Gang der Untersuchung 6
2. Delegationsproblematik durch Zieldivergenzen in Hersteller-Handel-Beziehungen 7
2.1 Unterschiedliche Ziele von Hersteller und Handel im Absatzkanal 7
2.2 Entwicklung der Geschäftsbeziehung zwischen Hersteller und Handel und die Bedeutung von Win-Win-Win 10
3. Heterogenes Begriffsverständnis begrenzter Rationalität - Konzeptionalisierung traditioneller Annahmen und neuer Modelle 11
3.1 Begrenzte Rationalität in der Neuen Institutionenökonomie 12
3.1.1 Wichtige Ansätze in der Neuen Institutionenökonomie 12
3.1.1.1 Property-Rights-Ansatz und Annahmen begrenzter Rationalität 13
3.1.1.2 Transaktionskosten-Ansatz und damit verbundenes Menschenbild 14
3.1.1.3 Prinzipal-Agenten-Ansatz: Perfekte Rationalität unter Restriktionen 15
3.2 ‚Optimising' ausgeschlossen: Begrenzte Rationalität nach Simon 19
3.2.1 Inhaltliche Abgrenzung von Simons Annahmen 20
3.2.2 Ziel der Theorie begrenzter Rationalität nach Simon 22
3.2.3 Modellierung begrenzter Rationalität in der Tradition Simons 22
3.2.3.1 Anspruchanpassungstheorie- Modell begrenzter Rationalität nachSelten und Sauermann 22
3.2.3.2 Adaptive Toolbox - Verarbeitung von Hinweisen und Zeichen nach Gigerenzer 25
4. Vertragsgestaltung in Prinzipal-Agenten-Beziehungen unter Annahme begrenzter Rationalität traditionellen Verständnisses 28
4.1 Opportunismus in dynamischen Geschäftsbeziehungen 28
4.2 Sequentielles Monopol und eindeutige Rollenzuteilung im Prinzipal-Agenten-Ansatz 30
4.3 Dyadisches Verhältnis zwischen Hersteller und Handel 34
5. Austausch der Annahmen: Modelle in Simons Tradition begrenzter Rationalität und Implikationen für die Prinzipal-Agenten-Beziehung 35
5.1 Von ergebnis- zu prozessgesteuerten Entscheidungen der Akteure 37
5.1.1 Neue Annahmen im Prinzipal-Agenten-Ansatz: Selten und Sauermanns Anspruchanpassungstheorie 37
5.1.2 Neue Annahmen im Prinzipal-Agenten-Ansatz II: Gigerenzers Adaptive Toolbox 40
5.2 Entscheidungsqualität unter Annahme begrenzter Rationalität nach Simon 43
5.3 Kritik an Simons Verständnis begrenzter Rationalität und dessen Bedeutung im Prinzipal-Agenten-Ansatz 45
6. Zusammenfassung und Schluss 50
Verzeichnis des Anhangs 54
Anhang 55
Literaturverzeichnis 57

Automatisiert erstellter Textauszug:

Unter der traditionellen Annahme, dass Prinzipal und Agent in der Lage sind ihren Nutzen zu maximieren und damit zu optimieren, wird vorausgesetzt, dass eine Funktion existiert, welche dieses Ziel erreicht, und die darüber hinaus den Akteuren bekannt ist. Zudem müssen für Variablen einer solchen Funktion Werte gefunden werden, welche zum einen für den betreffenden Akteur realisierbar sind und zum anderen im Hinblick auf ihre Wirkungsweise auf das angestrebte Ziel kontrollierbar sind. Konsequenzen aus der Wechselwirkung verschiedener Variablen müssen überdies antizipiert werden können. Folgen Prinzipal und Agent den für die Optimierung ihrer individuellen Nutzenfunktion notwenigen Schritten, welche nicht ausschließlich Umsatz und Gewinnmaximierung spiegeln müssen, so kann ihr Verhalten im traditionellen Verständnis des PAA als perfekt rational unter Restriktionen bezeichnet werden. Ein Prinzipal verfolgt i.d.R. das Ziel, unter minimalem Aufwand, den Agenten zu einer maximalen Arbeitsleistung zur optimalen Erfüllung seiner Interessen zu bewegen. [...]

Es stellt sich schließlich die Frage, wie Werte von Hinweisen und Zeichen verbunden werden und zu einer Entscheidung führen, welche wiederum Auswirkungen auf Wahl oder Bewertung von Entscheidungsalternativen hat.192 Gigerenzer ist hier der Auffassung, dass durch einfache Entscheidungsprinzipien193, welche sich unter Umständen auf nur einen Hinweis beziehen, keine notwendigerweise schlechteren Entscheidungen getroffen werden, als bei Einbeziehung vieler Informationen und deren aufwendiger Berechnung.194 Dabei hängt die Genauigkeit stark mit der sozialen und physikalischen Umwelt zusammen, in deren Kontext die Entscheidung getroffen und gesehen werden muss.195 Eine Entscheidungsregel beinhaltet somit, unter der Annahme begrenzter Rationalität bei der Bewertung von Hinweisen auf Alternativen nach Gigerenzer, nicht notwendigerweise nachvollziehbare Kalkulationen, sondern kann auf einfachen Prinzipien aufbauen, welche u.U. aus einer Emotion bestehen. Emotionen196 können so in den Entscheidungsprozess im Modell integriert werden.197 Entgegen Meinungen, welche in Emotionen eine Gefährdung von Rationalität sehen, führt Gigerenzer an, dass Emotionen u.a. die Zahl zu berücksichtigender Alternativen beschränken198, und Akteure so ihre begrenzten kognitiven Ressourcen besser auf relevante Optionen anwenden können. [...]

Kognitive und emotionale Einheiten, aus welchen Prinzipien konstruiert sind, lassen sich in drei Regelgruppen einteilen. Suchregeln, Stoppregeln und Entscheidungsregeln helfen Akteuren im Umgang mit Hinweisen und Zeichen, welche in einem weiteren Schritt zur Bewertung von Alternativen genutzt werden können. Suchregeln können dabei z.B. eine Zufallssuche, eine geordnete Suche oder eine Suche in Anlehnung an das Suchverhalten anderer Akteure sein.189 Die Entscheidung, eine Suche zu beenden, wird in Anlehnung an Simon und in Übereinstimmung mit Selten und Sauermann dort gesehen, wo ein Anspruchslevel erreicht oder übertroffen wird. Gigerenzer betrachtet Anspruchlevel ebenfalls als flexibel, wobei diese Flexibilität entgegen den Annahmen der Anspruchanpassungstheorie Selten und Sauermanns vom angewendeten Prinzip abhängt.190 Prinzipien, welche das Stoppen der Suche veranlassen und zu einer [...]

Arbeit zitieren:
Westebbe, Anna Februar 2004: Das Phänomen der begrenzten Rationalität, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
ECR (Efficient Consumer Response), Maximierung, NIÖ, Agent, Prinzipal

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