Pflegebedürftigkeit und individuelle Bedürfnisse von Menschen mit geistiger Behinderung in der Pflege
Empfehlungen für ein pflegerisches Konzept am Beispiel der Zieglerschen Anstalten
- Art: Bachelorarbeit
- Autor: Patricia Huß
- Abgabedatum: April 2009
- Umfang: 84 Seiten
- Dateigröße: 507,3 KB
- Note: 1,3
- Institution / Hochschule: Fachhochschule Ravensburg-Weingarten Deutschland
- Bibliografie: ca. 50
- ISBN (eBook): 978-3-8366-4256-9
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Huß, Patricia April 2009: Pflegebedürftigkeit und individuelle Bedürfnisse von Menschen mit geistiger Behinderung in der Pflege, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Pflege, Maslow, Bedürfnispyramide, Behindertenhilfe, Lebensqualität
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Bachelorarbeit von Patricia Huß
Einleitung:
Gesellschaftliche und professionelle Relevanz:
Menschen mit geistiger Behinderung, die in Institutionen der Behindertenhilfe leben, sind häufig auf pflegerische Unterstützung angewiesen. Die Relevanz pflegerischer Versorgung in diesem Bereich wird in Zukunft weiterhin zunehmen. Die Entwicklungen im Gesundheitssektor, höhere Lebensqualität und ein besseres Bildungssystem haben zur Folge, dass die Lebenserwartung der Menschen kontinuierlich steigt. Der demografische Wandel macht sich nun, etwas verspätet, auch im Bereich der Behindertenhilfe bemerkbar. Der Grund ist im Euthanasieprogramm des Dritten Reiches zu finden. In den Jahren 1941 bis 1945 fielen die meisten Menschen mit geistiger Behinderung und psychischer Erkrankung dem Nazi-Regime zum Opfer.
Ein weiterer Grund ist in den strukturellen Versorgungsbedingungen zu finden. In Zukunft werden neben älteren Menschen vor allem Menschen mit schweren Behinderungen und erhöhtem pflegerischem Bedarf in stationären Einrichtungen der Behindertenhilfe versorgt.
Zuletzt gilt es noch, die organisatorischen Veränderungen in der Krankenhausversorgung zu erwähnen, die mit der Einführung der G-DRGs unter anderem auch frühere Entlassungen mit sich brachten und eine entsprechende pflegerische Versorgung ‘zu Hause’ notwendig machten.
In der Behindertenhilfe der Zieglerschen Anstalten werden in Rotachheim, Haslachmühle und den Offenen Hilfen rund 450 Kinder, Jugendliche, Erwachsene und ältere Menschen – vor allem mit geistiger und Hör-Sprach-Behinderung begleitet. Angehörige unterschiedlicher Berufsgruppen stehen hier vor der Aufgabe, die betroffene Personengruppe nicht nur aufgrund der Pflegebedürftigkeit, sondern ebenso unter Berücksichtigung der individuellen Bedürfnisse und der entsprechenden Lebenssituation zu pflegen.
Dabei werden die Pflegenden mit speziellen Herausforderungen konfrontiert, denn die Lebensbegleitung von Menschen mit geistiger Behinderung beinhaltet pflegerische Problemstellungen, die in besonderer Weise berücksichtigt werden müssen. In der Praxis stellt sich täglich die Frage: ‘Welche Pflege brauchen Menschen mit geistiger Behinderung’?
Gang der Untersuchung:
Ziel der vorliegenden Untersuchung ist es, das Spezifische der pflegerischen Begleitung von Menschen mit geistiger Behinderung zu erfassen. Es wird durchleuchtet, welche Formen der Pflegebedürftigkeit und welche individuellen Bedürfnisse die Pflege von Menschen mit geistiger Behinderung umfasst. Die Ergebnisse der Untersuchung sollen als Ausgangslage für die Entwicklung eines angemessenen Versorgungskonzeptes dienen, um die pflegerische Begleitung dieser Personengruppe zu optimieren und somit ihre Lebensqualität zu erhöhen. Angesichts der demografischen Entwicklung wird das Thema Pflege häufig auf die alt werdenden Menschen mit geistiger Behinderung eingegrenzt. In der Behindertenhilfe werden jedoch Menschen aller Altersgruppen gepflegt. Die Fragen zur pflegerischen Versorgung müssen sich deshalb auf die gesamte Lebensspanne beziehen.
Im ersten Teil der Arbeit wird der theoretische und konzeptionelle Rahmen skizziert. Zunächst werden einige wesentliche Aspekte der Bedürfnistheorie nach Maslow vorgestellt sowie die Grundlagen und Grundbegriffe der geistigen Behinderung, der Pflegebedürftigkeit, des Pflegebedarfs und der individuellen Bedürfnisse geklärt. Des Weiteren werden die wesentlichen Aspekte der Pflege von Menschen mit geistiger Behinderung erläutert sowie das Verhältnis von Pflege und Pädagogik näher beleuchtet.
Der zweite Teil widmet sich der Vorstellung der Studie ‘Pflegebedarf und individuelle Bedürfnisse von Menschen mit geistiger Behinderung’.
Im dritten Teil schließt sich eine Darstellung der Ergebnisse der Arbeit sowie eine Diskussion im Hinblick auf die Konsequenzen für die Praxis an. Abschließend werden einige Empfehlungen für ein pflegerisches Konzept für die Behindertenhilfe ausgesprochen.
Inhaltsverzeichnis:
| 1. | Einleitung: gesellschaftliche und professionelle Relevanz | 1 |
| 2. | Theoretischer und konzeptioneller Rahmen | 3 |
| 2.1 | Maslowsche Bedürfnispyramide | 3 |
| 2.2 | Definition der Schlüsselbegriffe | 5 |
| 2.3 | Pflege von Menschen mit geistiger Behinderung | 12 |
| 3. | Empirische Studie: Pflegebedarf und individuelle Bedürfnisse in der Pflege von Menschen mit geistiger Behinderung | 20 |
| 3.1 | Zentrale Fragestellung | 20 |
| 3.2 | Ziele der empirischen Untersuchung | 21 |
| 3.3 | Forschungsdesign – Grounded Theory | 21 |
| 3.4 | Untersuchungsfeld und Feldzugang | 26 |
| 3.5 | Auswahl der Untersuchungseinheit und Population | 26 |
| 3.6 | Datenerhebung: methodisches Vorgehen | 28 |
| 3.7 | Durchführung der empirischen Studie | 33 |
| 4. | Untersuchungsergebnisse | 36 |
| 4.1 | Der Beobachtungsbogen | 36 |
| 4.2 | Die Experteninterviews | 41 |
| 5. | Interpretation der Ergebnisse | 53 |
| 5.1 | Information: Probleme, Ressourcen und individuelle Bedürfnisse | 53 |
| 5.2 | Ziele | 56 |
| 5.3 | Planung und Durchführung | 57 |
| 5.4 | Evaluation | 58 |
| 6. | Literaturverzeichnis | 60 |
| 7. | Anhang | 66 |
Textprobe:
Kapitel 2.3, Pflege von Menschen mit geistiger Behinderung:
Situation der Pflege in der Behindertenhilfe.
Ein großer Anteil der Menschen mit geistiger Behinderung lebt in stationären Einrichtungen der Behindertenhilfe. Nach Angaben des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend ergab sich für das Jahr 2003 eine Gesamtzahl von etwa 5.100 stationären Einrichtungen der Behindertenhilfe, ca. 60% davon sind Einrichtungen für Menschen mit geistiger Behinderung.
In den Institutionen der Behindertenhilfe werden Menschen mit geistiger Behinderung von multidisziplinären Teams begleitet. Mitarbeiter unterschiedlicher Berufsgruppen sind an der direkten pflegerischen und pädagogischen Betreuung dieser Personengruppe beteiligt. Es sind Heilerziehungspfleger, Heilpädagogen, Sozialpädagogen sowie Gesundheits- und Krankenpfleger, die in den Wohngruppen für Menschen mit geistiger Behinderung arbeiten. In der Praxis umfasst der Verantwortungs- und Aufgabenbereich aller im Team Arbeitenden sowohl pädagogische als auch pflegerische Aspekte. Dabei ist es in der Praxis keine Seltenheit, dass Mitarbeiter auch ohne eine entsprechende pflegefachliche Qualifizierung für pflegerische Maßnahmen zuständig sind. Die Ausbildung zum Heilerziehungspfleger hat einen deutlich pädagogischen Schwerpunkt, der pflegerische Anteil wird mit 130 Stunden nur geringfügig berücksichtigt. Umgekehrt räumt die Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger der Thematik von Menschen mit geistiger Behinderung verhältnismäßig wenig Umfang ein. Ohne eine entsprechende Ausbildung beschränkt sich das Handeln auf Erfahrungs- und Alltagswissen, wobei wissenschaftliche Kriterien kaum oder keine Beachtung finden. Im Sinne professioneller Begleitung der Menschen mit geistiger Behinderung kann dieser Mangel an wissenschaftlichem Wissen dazu führen, dass die Lebensqualität nicht ausreichend berücksichtigt wird. ‘Pflegequalität hat einen großen Einfluss auf die gesamte Lebensqualität’.
Die historisch und politisch bedingte pädagogische Dominanz in der Behindertenhilfe könnte eine mögliche Ursache dafür sein, dass pflegerische und gesundheitsrelevante Themen im Zusammenhang mit dem Phänomen geistige Behinderung bisher vernachlässigt wurden. Dazu gehören zum Beispiel Prävention und Gesundheitsförderung.
Daraus ergeben sich deutliche Auswirkungen auf die Lebensqualität. ‘Gesundheit ist für jeden Menschen ein wesentlicher Aspekt erfüllten Lebens und eine grundlegende Voraussetzung für sinnvolle und erfolgreiche Teilhabe, für Partizipation am Leben in der Gemeinschaft’.
Wie bereits im Vorfeld dargestellt, sind Menschen mit geistiger Behinderung häufig auch von psychischen und körperlichen Beeinträchtigungen betroffen, die sie in ihren Lebensaktivitäten einschränken. Mit dem Ziel, die Lebensqualität zu erhalten und zu erhöhen, gehört es zu den Aufgaben der Pflege, die Versorgung des Einzelnen zu organisieren und durchzuführen. Dabei gilt es die Pflegebedürftigkeit des Einzelnen einzuschätzen, wobei die Probleme und Ressourcen gleichermaßen berücksichtigt werden müssen, ebenso die individuellen Pflegebedürfnisse. Das Erstellen der Pflegeplanung umfasst die Pflegediagnostik, die Festlegung pflegerischer Ziele, die Planung der Maßnahmen, ihre Durchführung und die Evaluation. Dabei sollten die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse der eigenen Disziplin sowie der Bezugsdisziplinen, zum Beispiel der Pädagogik, berücksichtigt werden. Bisher wurde der Thematik der geistigen Behinderung in der pflegewissenschaftlichen Diskussion jedoch verhältnismäßig wenig Aufmerksamkeit gewährt. Es gibt nur einige wenige Untersuchungen, die beispielsweise Aussagen zur Lebensqualität, zur Pflegebedürftigkeit und zu den individuellen Bedürfnissen dieser Personengruppe treffen.
Zusammenfassend betrachtet gibt es aufgrund der multidisziplinären Begleitung von Menschen mit geistiger Behinderung in Institutionen Unterschiede im theoretischen und fachlichen Wissen der Mitarbeiter. Dennoch umfasst das Aufgabenfeld in der Praxis häufig sowohl den pädagogischen als auch den pflegerischen Verantwortungsbereich. Der Mangel an wissenschaftlichem Wissen kann dazu führen, dass die Lebensqualität der Menschen mit geistiger Behinderung nicht ausreichend berücksichtigt wird.
In dem pädagogisch dominierten Bereich der Behindertenhilfe wurden pflegerische Themenbereiche bisher vernachlässigt. Umgekehrt findet die Thematik ‘geistige Behinderung’ in der pflegewissenschaftlichen Diskussion ebenso wenig Beachtung. Vor diesem Hintergrund hat die vorliegende Arbeit den Anspruch, sich dem Phänomen der geistigen Behinderung aus pflegewissenschaftlicher Sicht zu nähern. Dabei wird der Versuch unternommen, das Spezifische der pflegerischen Begleitung von Menschen mit geistiger Behinderung zu erfassen.
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783836642569
Arbeit zitieren:
Huß, Patricia April 2009: Pflegebedürftigkeit und individuelle Bedürfnisse von Menschen mit geistiger Behinderung in der Pflege, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Pflege, Maslow, Bedürfnispyramide, Behindertenhilfe, Lebensqualität



