Perspektiven für eine zielgruppenorientierte Kommunikation der bayerischen Umweltbildung
Untersuchung aus der Sicht von sozialen Milieus als Grundlage für ein zukunftsgerichtetes Marketing
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Lioba Susanne Degenfelder
- Abgabedatum: März 2004
- Umfang: 105 Seiten
- Dateigröße: 2,4 MB
- Note: 1,0
- Institution / Hochschule: Fachhochschule Weihenstephan, Standort Triesdorf Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-8031-8
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-8031-8 P - ISBN (CD) :978-3-8324-8031-8 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Degenfelder, Lioba Susanne März 2004: Perspektiven für eine zielgruppenorientierte Kommunikation der bayerischen Umweltbildung, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Sinus-Milieu, Umweltbildungseinrichtung, Sozial-Marketing, Umweltschutz, Zielgruppenanalyse
In den Warenkorb
74,00 €
Diplomarbeit von Lioba Susanne Degenfelder
Zusammenfassung:
Erst allmählich beginnt die bayerische Umweltbildung Konsequenzen aus ihrer unbefriedigenden und unsicheren Finanzlage zu ziehen. Der scheinbare Konflikt, der über 30 Einrichtungen, zwischen Bildungsauftrag zur nachhaltigen Entwicklung einerseits und ökonomischer Unabhängigkeit andererseits, wird erst langsam überwunden. Ein professionelles Marketingkonzept ist ein möglicher Weg, um, durch die Erhöhung der Eigeneinnahmen, die Abhängigkeit von öffentlichen Fördergeldern ein Stück weit zu verlassen. Als erster Schritt einer Marketingstrategie ist die intensive Auseinandersetzung mit den eigenen Zielgruppen notwenig. Das Modell der Sinus-Milieus, das vom Heidelberger Sinus Institut entwickelt wurde, liefert hierzu eine geeignete Methode. Dabei werden klassische soziale Indikatoren wie Beruf oder Einkommen durch qualitative Daten der Werteorientierung und Grundeinstellung erweitert.
Als Ergebnis dieser Kombination aus sozialer Lage, die von der Unterschicht bis zur Oberschicht reicht, und der Grundorientierung, von traditionell bis modern, werden zehn unterschiedliche Milieus beschrieben: Konservative, Traditionsverwurzelte, DDR-Nostalgische, Etablierte, Bürgerliche Mitte, Konsum-Materialisten, Postmaterielle, Moderne Performer, Experimentalisten und Hedonisten.
Diese Milieus, mit Ausnahme der DDR-Nostalgischen, werden hinsichtlich folgender Aspekte genauer betrachtet.
Umweltbewusstsein, Einstellung zu Natur- und Umweltschutz; Gesellschaftliches Engagement (insbesondere im Hinblick auf die Mitarbeit in lokalen Agenda 21-Prozessen); Freizeit- und Urlaubsverhalten; Konsumverhalten; Bildungsaffinität, im Speziellen bezüglich Weiterbildungsbeteiligung und Themeninteresse, Lernziele und Erwartungen, Teilnahmebarrieren.
Eine exemplarische Auswahl von vier Umweltbildungseinrichtungen wurde, mittels mündlicher Befragung, hinsichtlich der Milieuzugehörigkeit des Publikums untersucht.
Speziell die derzeitige Erreichbarkeit der „Prioritätsmilieus“ soll durch die Befragung geklärt werden. Unter „Prioritätsmilieus“ sind jene Milieus zusammenfasst, die vorrangig als Zielgruppe angesprochen werden sollen:
Zu ihnen zählen die „Problemmilieus“, die sowohl durch ihr negatives Umweltverhalten als auch durch einen Mangel an Umweltbewusstsein auffallen.
Die Pioniermilieus nehmen eine Vorbildsfunktion in der Gesellschaft ein, und sollten aus diesem Grund vorrangig angesprochen werden. Die finanzstarken Milieus sind, aufgrund ihre hohe Kaufkraft, für die Umweltbildung von besonderem Interesse.
Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die untersuchten Einrichtungen vorrangig die oberen sozialen Schichten ansprechen. Die definierten Problemmilieus, die den unteren Sozialschichten zuzuordnen sind, werden damit so gut wie nicht erreicht. Die Prioritäts-, als auch die finanzstarken Milieus werden durch die einzelnen Einrichtungen unterschiedlich gut erreicht.
Die Befragung macht deutlich, dass die einzelnen Einrichtungen teilweise recht unterschiedlich im System der Sinus-Milieus positioniert sind. Die Heterogenität der Einrichtungen in Angebotsstruktur, Trägerschaft, Leitbild usw. erklärt dieses Ergebnis.
Als wichtigste Folgerung aus der Arbeit muss eine intensive Auseinandersetzung der Umweltbildungseinrichtungen mit dem Thema der eigenen Zielgruppen gefordert werden. Nur eine Ablösung der herkömmlichen Zielgruppendefinition, wie beispielsweise „Familien“ oder „Interessierte“, durch eine milieuorientierte Adressatenbestimmung kann eine durchdachte und bewusste Ansprache der Prioritätsmilieus ermöglichen.
Diese vorhandene Positionierung, durch eine völlig neue Zielgruppenauswahl zu ersetzen, kann nicht als zielführend angesehen werden. Vielmehr muss die bestehende Positionierung, mit Rücksicht auf die gegebene Situation und die vorhandenen Strukturen, ausgebaut werden. D.h. jede Einrichtung muss ihre eigenen „Prioritätsmilieus“ definieren; damit das „Gesamtbild“ der Einrichtung stimmig bleibt und ein glaubwürdiges Marketingkonzept entstehen kann. Aufgrund dieser Unterschiedlichkeit ist es zweckmäßiger, für jedes einzelne Umweltzentrum eine eigene Marketingstrategie zu erstellen. Denn nicht der Begriff „Umweltbildung“ kann vermarktet werden, sondern individuelle Angebote müssen im Vordergrund einer Kommunikationsbotschaft stehen.
Als Konsequenz für das weitergehende Marketingkonzept sieht diese Arbeit eine Erhöhung der Werbemittel als notwenig an. Zudem muss beim gesamten Konzept die Orientierung an den Lebenswelten der Kunden in den Vordergrund gestellt werden.
Die Programmplanung, als auch die Kursgestaltung muss sich an den Interessen der Milieus orientieren. Die Bedürfnisse und Wünsche der Teilnehmer z.B. an die angewandte Lernform, sollten durch eine regelmäßige Evaluation erfasst werden, um eine kontinuierliche Rückmeldung über die Qualität der Kurse zu erhalten und gegebenenfalls eine Verbesserung der Situation zu erreichen.
Eine Differenzierung der Preisgestaltung ist anzustreben, um einerseits allen Milieus eine Teilnahme zu ermöglichen, andererseits den finanzstarken Milieus eine qualitativ hochwertige Veranstaltung bieten zu können.
Ein besonderes Augenmerk sollte auf die Gestaltung der Lernorte und Räumlichkeiten gelegt werden, da speziell Pioniermilieus und die finanzstarken Milieus, Dingen der Ästhetik und dem „Stil des Hauses“ einen hohen Stellenwert einräumen.
Einer Marketingstrategie sollte in jedem Fall ein differenziertes und differenzierendes Konzept zu Grunde liegen. Die Art und Weise, aber auch der Ort der Werbung sollte sich an den Affinitäten der Milieus z.B. zu bestimmten Medientypen oder –formaten, orientieren.
Inhaltsverzeichnis:
| 1. | Vorwort | 1 |
| 2. | Einführung und Problemstellung | 3 |
| 3. | Literaturübersicht und Initiativen | 5 |
| 4. | Übersicht über den Umweltbildungsmarkt in Bayern | 7 |
| 4.1 | Der Auftrag und die Zielsetzung der Umweltbildung | 7 |
| 4.2 | Entwicklung der Umweltbildung | 8 |
| 4.3 | Einrichtungen | 9 |
| 4.3.1 | Umweltstationen in Bayern | 9 |
| 4.3.2 | Angebotsstruktur | 10 |
| 4.4 | Finanzierung der Umweltbildungseinrichtungen | 11 |
| 4.4.1 | Finanzlage | 11 |
| 4.4.2 | Finanzquellen | 11 |
| 4.4.3 | Förderungspraxis des Staatsministeriums | 12 |
| 4.5 | Teilnehmerstruktur der bayerischen Umweltbildung | 13 |
| 5. | Notwendigkeit einer fundierten Zielgruppenanalyse und -ansprache für die Umweltbildung | 14 |
| 6. | Zielsetzung sozialer Milieubetrachtungen für die Umweltbildung | 14 |
| 6.1 | Das Lebensstilmodell entwickelt durch das Sinus-Institut | 16 |
| 6.1.1 | Das Konzept der sozialen Milieus | 16 |
| 6.1.2 | Entwicklung des Milieu-Modells: Von der Sozialforschung zur Marketingmethode | 17 |
| 6.1.3 | Überblick über die verschiedenen Lebensstile | 17 |
| 6.1.4 | Relevante Merkmale der einzelnen Milieus für die Umweltbildung | 19 |
| 6.1.5 | Charakterisierung der einzelnen Milieus | 22 |
| 6.1.5.1 | Die Etablierten | 22 |
| 6.1.5.2 | Die Postmateriellen | 24 |
| 6.1.5.3 | Die Modernen Performer | 26 |
| 6.1.5.4 | Die Konservativen | 28 |
| 6.1.5.5 | Die Traditionsverwurzelten | 30 |
| 6.1.5.6 | Die DDR-Nostalgischen | 31 |
| 6.1.5.7 | Die Bürgerliche Mitte | 32 |
| 6.1.5.8 | Die Konsum-Materialisten | 34 |
| 6.1.5.9 | Die Experimentalisten | 36 |
| 6.1.5.10 | Die Hedonisten | 38 |
| 6.1.6 | Schwachpunkte der Sinus-Methode | 40 |
| 7. | Exemplarische Betrachtung des Publikums von Umweltbildungseinrichtungen im Hinblick auf deren Milieuzugehörigkeit | 41 |
| 7.1 | Methodik der Untersuchung | 41 |
| 7.1.1 | Bayerische Akademie für Naturschutz und Landespflege (ANL),Laufen | 42 |
| 7.1.2 | Haus am Strom, Passau | 46 |
| 7.1.3 | Bund Naturschutz Bildungswerk, Wiesenfelden | 49 |
| 7.1.4 | Zentrum für Familie, Umwelt und Kultur, Kloster Roggenburg | 53 |
| 8. | Abgrenzung der Prioritätszielgruppen | 57 |
| 8.1 | Problemmilieus | 57 |
| 8.2 | Pioniermilieus | 59 |
| 8.3 | Finanzstarke Milieus | 62 |
| 9. | Forderungen aus den Ergebnissen an die Umweltbildung | 63 |
| 9.1 | Gezielte Auseinandersetzung mit den eigenen Zielgruppen | 63 |
| 9.2 | Empfehlungen für eine milieuorientierte Kommunikation | 64 |
| 9.2.1 | Programmplanung | 64 |
| 9.2.2 | Kursgestaltung | 64 |
| 9.2.3 | Preisgestaltung | 64 |
| 9.2.4 | Lernort und Räumlichkeiten | 65 |
| 9.3 | Konsequenzen für eine Marketingstrategie | 66 |
| 10. | Zusammenfassung | 67 |
| 11. | Literaturverzeichnis | 70 |
Vereinsengagement, sportliche Betätigung ebenso wie die intensive Beschäftigung mit den Kindern. Die Freizeitgestaltung orientiert sich eher am Unterhaltungs- als am Bildungswert (z.B. beim Leseverhalten). (TIPPELT R., WEILAND M., PANYR S., BARZ H., 2003, S.107) Den Urlaub verbringt man in Hotels oder Clubanlagen. Konsumverhalten Die Bürgerliche Mitte kann als konsumorientiert betrachtet werden. Dabei legen sie Selbstbewusstsein und eine Convenience-Orientierung an den Tag. Ein gutes PreisLeistungs-Verhältnis ist wichtig. Sie bevorzugen eine Mischung aus konventionell und modern, aus gediegen und repräsentativ. (TIPPELT R., WEILAND M., PANYR S., BARZ H., 2003, S.106) Auf die Ausstattung des Hauses oder der Wohnung und das eigene Outfit wird viel Wert gelegt. Ansätze einer gewissen Umweltorientierung sind z.B. bei der Ablehnung von Firmenprodukten mit negativem Umweltimage zu finden. Weiterbildungsbeteiligung und Themeninteressen Die Weiterbildungsbeteiligung ist durchschnittlich. Der Praxis- und Verwertungsbezug eines Kurses spielt eine entscheidende Rolle. Dies zeigt sich deutlich in den präferierten Themen wie „Versicherungs-, Renten-, Steuer- und anderen Rechtsfragen“ sowie anderen kaufmännischen Bereichen, die vor allem beruflich genutzt werden können. Ebenfalls von Interesse sind Themen, die praktische Verwendung finden (z.B. Erste Hilfe, Reparaturen an Haus und Auto,...). Die Skepsis gegenüber klassischen - 33 - [...]
Familie und im Freundeskreis und bleiben gerne unter Gleichgesinnten. Das zeigt sich in ihren auf Gemeinschaft angelegten Aktivitäten: gemeinsames Kochen, Gäste einladen, Engagement in Vereinen, sportliche Betätigung in der Gruppe oder im Verein und Beschäftigung mit den Kindern. Daneben betreiben sie gerne kreative Hobbys. Umweltbewusstsein Umweltschutz hat in diesem Milieu vor allem aus Gesundheitsgründen eine gewisse Relevanz, wobei hier eindeutig auf das Handeln und die Verantwortung von Staat und Gesellschaft und weniger auf das eigene Handeln gesetzt wird. Gesellschaftliches Engagement Wenn es um das eigene Wohnumfeld geht, kann die Bürgerliche Mitte durchaus für eine Mitarbeit in Umweltschutzverbänden oder Agenda Gruppen bereit sein. Ansonsten beschränkt sich ihr Engagement auf Schule, Kindergarten oder Verein. Freizeit und Urlaubsverhalten Harmonie im familiären Umfeld und im Freundeskreis charakterisieren auch die Freizeitgestaltung. Dazu gehören gemeinsames Kochen mit Freunden, [...]
Die Bürgerliche Mitte ist ein statusorientiertes Milieu. Familie und Partnerschaft haben einen hohen Stellenwert. Die Angehörigen der Bürgerlichen Mitte streben für sich und ihre Familie bzw. Partner nach einer finanziell gesicherten Zukunft mit einem gewissen Wohlstand. Beruflicher Erfolg und die Anerkennung im beruflichen Umfeld sind ihnen besonders wichtig. Sie setzen sich ehrgeizige Ziele, die sie meist auch erreichen. Zu ihrem Erfolg tragen in ihren Augen auch ihre gute Kleidung und das gepflegte Äußere bei. Auch mit ihrem Geld und Haus demonstrieren sie gern ihre gesellschaftliche Stellung. Wichtig sind ihnen aber auch Werte wie Lebenserfahrung und Bildung. Die Menschen der Bürgerlichen Mitte gehören dem modernen Mainstream an, möchten aber nicht so sein, wie alle anderen. Sie sind offen für Neues, lernen gerne neue Leute kennen, können sich für Technik begeistern. Sie geben an, spontan zu sein, wollen allerdings kein Risiko eingehen. Insgesamt haben sie eine positive Lebenseinstellung, auch wenn in diesem Milieu immer wieder Ängste vor einem sozialen Abstieg deutlich werden. Die Angehörigen der Bürgerlichen Mitte geben häufig an, dass sie gerne Verantwortung übernehmen, und glauben von sich, dass sie sich gut durchsetzen können. Sie schätzen Harmonie in der [...]
In den Warenkorb
74,00 €
Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783832480318
Arbeit zitieren:
Degenfelder, Lioba Susanne März 2004: Perspektiven für eine zielgruppenorientierte Kommunikation der bayerischen Umweltbildung, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Sinus-Milieu, Umweltbildungseinrichtung, Sozial-Marketing, Umweltschutz, Zielgruppenanalyse



