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Perspektiven zum Einsatz von Schwefelbeton in der Bauindustrie unter konstruktiven und wirtschaftlichen Aspekten

Perspektiven zum Einsatz von Schwefelbeton in der Bauindustrie unter konstruktiven und wirtschaftlichen Aspekten
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Enrico Massel, Andreas Tech
  • Abgabedatum: April 2003
  • Umfang: 160 Seiten
  • Dateigröße: 6,7 MB
  • Note: 1,3
  • Institution / Hochschule: Hochschule Wismar Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-8633-4
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-8633-4 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-8633-4 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Enrico Massel, Andreas Tech April 2003: Perspektiven zum Einsatz von Schwefelbeton in der Bauindustrie unter konstruktiven und wirtschaftlichen Aspekten, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Variantenvergleich, Kanalbau, Straßenbau, Industriebau, Betonsanierung

Diplomarbeit von Enrico Massel, Andreas Tech

Zusammenfassung:

Eine überschüssige Produktion von Schwefel in der Welt, hauptsächlich durch Entschwefelungsanlagen, führte in der Bauindustrie zu der Entwicklung eines neuen Bindemittels aus Schwefel. Schwefel ist ein relativ günstiger, technisch einfacher und mit hoher Reinheit gewinnbarer Rohstoff. Er ist lagerfähig, unkompliziert handhabbar und nicht giftig.

Die Eigenschaften des Schwefels machen es möglich verschiedene künstliche Mischungen wie Schwefelzement, Schwefelmörtel und Schwefelbeton zu fertigen. In vielen Ländern durchgeführte Untersuchungen haben gezeigt, dass mit schwefelgebundenen Zuschlägen eine energie- und zeitsparende Herstellung eines hochwertigen Baustoffs möglich ist.

Besonders die Herstellung von Schwefelbeton weckte das Interesse der Bauindustrie. Durch seine hohe Festigkeit und der hohen Korrosionsbeständigkeit ist Schwefelbeton überall dort von Interesse, wo andere Bauteile aufwendig und kostensintensiv hergestellt werden müssen. Ein weiterer Vorteil von Schwefelbeton ist seine Frühfestigkeit. Dadurch ist der Einsatz von Schwefelbeton in Bereichen mit kurzen Bauphasen möglich.

Schwefelbeton ist ein künstlicher Stein, der aus einem Heißgemisch von Schwefelzement und Betonzuschlägen durch Abkühlen entsteht. Die Herstellung erfolgt bei einer Mischtemperatur zwischen 125 und 140 °C. Zur Herstellung bestimmter Eigenschaften können dem Beton verschiedene Schwefelzemente, Betonzusatzmittel oder ausgewählte Zuschlagstoffe zugegeben werden. Die Güte und die Dauerhaftigkeit sind abhängig von der geeigneten Zusammensetzung, der Mischtemperatur und der einwandfreien Verarbeitung des Gemisches.

Das in der Arbeit als Schwefelzement beschriebene Bindemittel ist modifizierter Schwefel. Da elementarer Schwefel als Bindemittel keine Langzeitbeständigkeit besitzt und die bauwirtschaftlichen Anforderungen nicht erfüllt, muss dieser modifiziert werden. Die besten nutzbaren Ergebnisse für die Bauindustrie erreicht man durch das Einmischen des Modifizierungsmittels Dicyclopentadien.

Die Zuschlagsstoffe im Schwefelbeton sind bis auf die Sieblinie gleich dem Normalbeton.

Das Mischen und das Einbringen von Schwefelbeton sind vergleichbar mit Asphalt. Die Verarbeitung und Nachbehandlung erfolgt wie beim Normalbeton.

Da es in Deutschland noch keinen Vertrieb von Schwefelbeton gibt und somit keine Preisgestaltung möglich ist, erfolgt die Preisermittlung in dieser Arbeit auf Grundlage des Vergleichs mit bereits vorhandenen Produkten im Ausland.

Der konstruktive und wirtschaftliche Variantenvergleich zum Einsatz von Schwefelbeton im Kanalbau zeigt eine durchaus realistische Perspektive zu herkömmlichen Abwasserrohren und Abwassereinsteigschächten. Eine weitere Steigerung dieser Alternative ist möglich, wenn man davon ausgeht, dass die Schwefelbetonkosten noch gesenkt werden.

Der konstruktive und wirtschaftliche Variantenvergleich zum Einsatz von Schwefelbeton im Straßenbau zeigt ebenfalls eine realistische Perspektive unter bestimmten Vorraussetzungen zu Asphalt und Straßenbeton. Zur Herstellung von Straßen aus Schwefelbeton sind noch viele Erfahrungen mit Hilfe von Versuchsreihen zu machen, um eine optimale Straßenqualität zu erreichen.

Die Einsatzmöglichkeit von Schwefelbeton im Industriebau ist überall dort von Bedeutung, wo aggressive Chemikalien und grundwasserschädliche Stoffe zum Einsatz kommen bzw. gelagert oder umgefüllt werden. Weiterhin ist die Anwendung für hochbelastete Industrieböden aus Schwefelbeton denkbar.

Durch die Verwendung von Schwefelbeton als Beschichtungswerkstoff werden die Eigenschaften des Beschichtungsträgers, in Hinsicht auf die mechanischen Belastbarkeit und Korrosionsfestigkeit, deutlich verbessert.

Die Auswertung der eingangs gestellten Frage zu Perspektive von Schwefelbeton in der Bauindustrie zeigt, dass Schwefelbeton als Monolithbaustoff die größten Chancen im Industriebereich und Kanalbau hat. Damit stellt Schwefelbeton eine gute Ergänzung zu unseren bekannten Baustoffen dar.

Leider ist durch die derzeitige wirtschaftliche Lage der Einsatz von Schwefelbeton gehemmt. Hinzu kommt die Unsicherheit oder gar die Unwissenheit mit dem Umgang von Schwefelbeton. An dieser Stelle ist noch viel Aufklärungsarbeit erforderlich um Ingenieure, Auftragnehmer, Hersteller und Benutzer mit Schwefelbeton vertraut zu machen. Nur so kommt Schwefelbeton zum Einsatz. Mit der Anwendung kann weiterhin eine genauere Preisbestimmung erfolgen.

Inhaltsverzeichnis:

Verzeichnis der Abbildungen 8
Verzeichnis der Tabellen 13
1. Einleitung 16
1.1 MOTIVATION 16
1.2 ZIEL DER ARBEIT 16
1.3 AUFBAU DER ARBEIT 17
2. Schwefel 18
2.1 ALLGEMEINES 18
2.1.1 Historische Bedeutung 18
2.1.2 Vorkommen 19
2.1.3 Gewinnung 20
2.2 SCHWEFELAUFBAU 22
2.2.1 Stoffbindung 22
2.2.2 Schwefelarten 23
2.3 EIGENSCHAFTEN 25
2.3.1 Chemische 25
2.3.2 Physikalische 25
2.3.3 Mechanische 26
2.4 SCHWEFEL ALS GRUNDLAGE 27
2.4.1 Verwendung 27
2.4.2 Globale Entwicklung 27
2.4.3 Preisentwicklung 28
3. Modifizierter Schwefel 30
3.1 ALLGEMEINES 30
3.1.1 Warum modifizieren 30
3.1.2 Vorteile 31
3.1.3 Modifikatoren 33
3.1.4 Auswahlkriterien 33
3.2 MODIFIZIERUNG MIT DICYCLOPENTADIEN 35
3.2.1 Eigenschaften und Hinweise über Dicyclopentadien 35
3.2.2 Reaktionsparameter und Dosierungen 36
3.3 HERSTELLUNGSTECHNOLOGIE 38
3.3.1 Herstellungsverfahren 38
3.3.2 Lagerung und Nachbehandlung von modifiziertem Schwefel 39
4. Schwefelbeton 43
4.1 ALLGEMEINES 43
4.1.1 Geschichte 43
4.1.2 Begriffe 44
4.1.3 Anwendungsbereich 45
4.2 ZUSAMMENSETZUNG 46
4.2.1 Zuschlagstoffe 47
4.2.2 Füllstoffe 50
4.2.3 Bewehrung 51
4.3 CHARAKTERISTIKEN 54
4.3.1 Chemische Beständigkeit 54
4.3.2 Physikalische und Mechanische Eigenschaften 57
4.3.3 Behandlungseigenschaften 60
5. Herstellungstechnologie von Schwefelbeton 63
5.1 ALLGEMEINES 63
5.1.1 Erste Erfahrungen mit Schwefelbetonsteinen 63
5.1.2 Handhabung und Vorbereitung 65
5.1.3 Mischungsanforderungen 65
5.2 HERSTELLUNG IN ASPHALTMISCHANLAGEN 67
5.2.1 Standortgebundene Mischanlage 67
5.2.2 Mobile Kleinmischanlage 68
5.2.3 Gussasphaltkocher 70
5.3 HERSTELLUNG IN EINER KLEINEN MOBILEN BETONFABRIK 71
5.3.1 Geräteausrüstung 71
5.3.2 Heiße Zuschlagsstoffe 71
5.3.3 Temperatureinfluss 74
5.4 RESULTIERENDE HERSTELLUNGSMÖGLICHKEITEN 75
6. Herstellungskosten für Schwefelbeton 77
6.1 KOSTEN FÜR MODIFIZIERTEN SCHWEFEL 77
6.1.1 Schwefelpreis 77
6.1.2 Modifikatorpreis 78
6.1.3 Stoffkosten 78
6.1.4 Produktionskosten 79
6.2 KALKULATIONSANSÄTZE ZUR SCHWEFELBETONPREISBESTIMMUNG 81
6.2.1 Erster Ansatz: Bindemitteltransfer 81
6.2.2 Zweiter Ansatz: Wirtschaftsprognose 83
6.2.3 Dritter Ansatz: Weiterführung des zweiten Ansatzes 84
6.2.4 Vierter Ansatz: Rückrechnung 86
6.2.5 Gewichtung der Kalkulationsansätze 87
6.3 AUSWERTUNG 88
7. Schwefelbeton im Kanalbau 89
7.1 ALLGEMEINES 89
7.1.1 Zustand der Kanalisation in Deutschland 89
7.1.2 Korrosion in Abwasserkanälen 94
7.2 VARIANTENVERGLEICH FÜR SCHMUTZWASSERROHRE 97
7.2.1 Basisannahmen 97
7.2.2 Kriterienauswahl 97
7.2.3 Variantenbeschreibung 99
7.2.4 Bewertungsschlüssel 105
7.2.5 Variantenbewertung 106
7.3 VARIANTENVERGLEICH FÜR EINSTEIGSCHÄCHTE 108
7.3.1 Basisannahmen 108
7.3.2 Kriterienauswahl 108
7.3.3 Variantenbeschreibung 109
7.3.4 Bewertungsschlüssel 112
7.3.5 Variantenbewertung 113
8. Schwefelbeton im Straßenbau 115
8.1 ALLGEMEINES 115
8.1.1 Beanspruchung von Straßen 116
8.1.2 Auswirkungen 117
8.1.3 Einsatzaussichten für Schwefelbeton 118
8.2 TRANSPORTTECHNOLOGIE 119
8.2.1 Transporte in Fahrmischern 119
8.2.2 Transporte in Lkw-Aufsätzen 120
8.3 VARIANTENVERGLEICH 122
8.3.1 Basisannahmen 122
8.3.2 Kriterienauswahl 123
8.3.3 Variantenbeschreibungen 126
8.3.4 Bewertungsschlüssel 128
8.3.5 Konstruktive Variantenbewertung 130
8.3.6 Wirtschaftliche Variantenbewertung 132
9. Schwefelbeton im Industriebau 135
9.1 ALLGEMEINES 135
9.2 INDUSTRIEBÖDEN AUS SCHWEFELBETON 136
9.2.1 Herstellung 137
9.2.2 Fugen 138
9.3 CHEMISCH BESTÄNDIGE BAUTEILE AUS SCHWEFELBETON 139
10. Schwefelbeton als Beschichtungswerkstoff 142
10.1 ALLGEMEINES 142
10.1.1 Anforderungen 142
10.1.2 Eignung 143
10.1.3 Anwendungsbereiche 143
10.2 VERARBEITUNGSTECHNIKEN 144
10.2.1 Coating-Verfahren 144
10.2.2 Spritz- und Gießtechniken 145
10.2.3 Tauchverfahren 146
10.2.4 Beschichtungsbohle 147
10.2.5 Versiegelung 148
10.3 BESCHICHTUNG ALTER BETONFAHRBAHNDECKEN MIT SCHWEFELBETON 149
10.3.1 Haftbrücke 149
10.3.2 Statische Berechnung von Temperaturspannungen 150
11. Zusammenfassung 153
Literaturverzeichnis 155

Automatisiert erstellter Textauszug:

Da der elementare Schwefel mit einer Temperatur von mindestens 140 °C geliefert werden kann, entfallen die Energiekosten zum Schmelzen einer festen Schwefelmasse. Es muss lediglich der Reaktor auf die Betriebstemperatur gebracht werden. Eine mögliche Zwischenlagerung für flüssigen Schwefel würde einer Bitumenlagerung im Asphaltmischwerk entsprechen. Dieser Arbeitsvorgang verhält sich ähnlich zur Herstellung eines Synthesekautschuks, speziell die Herstellung von Ethylen-Propylen-Kautschuk. Bei der Abnahme des flüssigen Kautschuks aus einer Polymerisationsanlage entstehen Produktionskosten von ca. 20 bis 30 % bezogen auf den Preis der Ausgangsstoffe. [23] Auf dieser Grundlage und einem einfacheren Mischvorgang in einer solchen oder ähnlichen Polymerisationsanlage kann man einen Zuschlag von 22 % auf die Stoffkosten für die Schwefelzementherstellung vorschätzen. Diese 22 % setzen sich aus dem Energiebedarf des Werkes und dem Nebenkostennanteil zusammen. Rechnung: 408 € / t + 22 % ≈ 500 € / t [...]

Als Grundlage für die Ermittlung eines Modifikatorpreises dient das Additiv Dicyclopentadien. Leider gibt es in Deutschland für größere Mengen Dicyclopentadien keinen Handel. Dieser Modifikator wird in Deutschland nur in geringen Mengen angeboten. In einem Chemiekatalog für Laborchemie werden Additive zu Literpreisen angeboten. Der Preis für ein Liter DCP beträgt nach diesem Chemiekatalog 10 Euro. [22] Bei der Polymerisation von elementarem Schwefel werden Angaben zum Mischungsverhältnis in Masse-% angegeben. Dies erfordert eine Umrechnung vom Volumenpreis in einen Massepreis. Die Dichte von DCP beträgt bei 20 °C 0,982 kg/l. Damit liegt der Preis pro Kilogramm nur geringfügig über dem Literpreis. Durch Rabatte kann der Modifikatorpreis noch gesenkt werden. [...]

Auf dem deutschen Markt wird elementarer Schwefel in fester und flüssiger Form angeboten. Die RAG Additive GmbH in Herten bietet flüssigen Schwefel zu 60 Euro pro Tonne an. Der Preis für festen Schwefel liegt zwischen 170 bis 250 Euro pro Tonne. Dieser gravierende Preisunterschied beruht auf eine bessere Transportfähigkeit von flüssigem Schwefel. Dabei wird der flüssige Schwefel in Tankwagen auf der Straße oder auf dem Schienenweg zum Verbraucher befördert. Er besitzt eine Transporttemperatur von 140 bis 145 °C. Gegenüber dem flüssigen Schwefel kommen zu dem festen Schwefel noch die Kosten der Verfestigung, Lagerung und Weiterverarbeitung (brechen und mahlen) hinzu. [21] [...]

Arbeit zitieren:
Enrico Massel, Andreas Tech April 2003: Perspektiven zum Einsatz von Schwefelbeton in der Bauindustrie unter konstruktiven und wirtschaftlichen Aspekten, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Variantenvergleich, Kanalbau, Straßenbau, Industriebau, Betonsanierung

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