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Persönlichkeit, Kontrolle und Stressbewältigung bei beruflich bedingtem Auslandsaufenthalt

Eine Studie in Bangkok

Persönlichkeit, Kontrolle und Stressbewältigung bei beruflich bedingtem Auslandsaufenthalt
Über dieses Buch
  • Art: Fachstudie
  • Autor: Anja Heck
  • Abgabedatum: Mai 2007
  • Umfang: 136 Seiten
  • Dateigröße: 747,1 KB
  • Institution / Hochschule: FernUniversität in Hagen Deutschland
  • Bibliografie: ca. 76
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-1735-2
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Heck, Anja Mai 2007: Persönlichkeit, Kontrolle und Stressbewältigung bei beruflich bedingtem Auslandsaufenthalt, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Kontrollüberzeugung, Bewältigungsmuster, Burnout, Auslandsaufenthalt, Typ-A-Verhalten

Fachstudie von Anja Heck

Zusammenfassung:

Ausgehend vom Konzept der Belastung und Beanspruchung und einer Bestimmung des Handlungsbegriffs werden zunaechst fuer die Thematik der Arbeit relevante handlungstheoretische Ansaetze vorgestellt. Damit soll eine umfassende Beschreibung der Vielseitigkeit des Konstrukts gegeben werden, auf deren Grundlage die Notwendigkeit eines integrativen Ansatzes zur Beschreibung und Erklaerung von Handeln unter Belastung deutlich wird, vor allem im Hinblick auf differentialpsychologische Ueberlegungen.

Die gemeinsame Bedeutung des Konzepts der Kontrolle wird herausgearbeitet, und es werden Schlussfolgerungen daraus gezogen fuer die handlungsleitende Funktion der Kontroll- und Kompetenzueberzeugungen.

Es werden folgende Grundgedanken verknuepft:

- In der Theorie der Handlungsregulation von Hacker lassen sich Persoenlichkeitsmerkmale als Voraussetzung fuer den Umgang mit Taetigkeitsanforderungen, als dessen Ergebnis im Sinne einer persoenlichen Entwicklung und als diagnostizierbaren Handlungs- bzw Bewaeltigungsstil betrachten.

- Nach der sozialen Lerntheorie der Persoenlichkeit von Rotter bildet sich Persoenlichkeit in der Auseinandersetzung mit den Umweltanforderungen, und damit verbundene Erfahrungen fuehren zu stabilen Ueberzeugungen, die handlungsleitend wirksam werden.

- Handlungstheorie und die soziale Lerntheorie der Persoenlichkeit gruenden demnach beide auf einer transaktionalen Person-Umwelt-Beziehung. Handlung, Person und Umwelt bilden eine reziproke Triade.

- Der aktive Umgang mit belastenden Umweltanforderungen haengt vor allem von wahrgenommenen Kontroll- und Handlungsmoeglichkeiten ab. Damit kommt den generalisierten Kontroll- und Kompetenzueberzeugungen als stabilen Personmerkmalen die entscheidende handlungsleitende Funktion bei der Bewaeltigung zu.

Im Zentrum des theoretischen Teils steht das Handlungstheoretische Partialmodell der Persoenlichkeit und dessen Grundlage, die Soziale Lerntheorie der Persoenlichkeit sowie die Bedeutung der Annahmen fuer Bewaeltigungsverhalten in komplexen und schwierigen Situationen. Als eine derartige Situation wird die interkulturelle Handlungssituation dargelegt. Daran anschliessend folgt die Beschreibung bestimmter Bewaeltigungsformen und –muster im Beruf, und es werden Hypothesen generiert ueber den Einfluss der Kontroll- und Kompetenzueberzeugungen auf diese beruflichen Bewaeltigungsmuster in der komplexen Situation eines beruflich bedingten Auslandsaufenthalts.

Ziel der empirischen Studie ist es, in einer integrativen Betrachtungsweise den Zusammenhang handlungsleitender Personmerkmale mit einer foerderlichen Auseinandersetzung mit Belastung und Beanspruchung und dem jeweils damit verbundenen individuellen Bewaeltigungsmuster darzustellen, der im theoretischen Teil postuliert wird. Es wird versucht, die vielfaeltigen Bezuege, die zwischen den Konzepten der Handlungsregulation, den dispositionalen Kontroll- und Kompetenzueberzeugungen und der Bewaeltigung bestehen, sichtbar werden zu lassen.

Eine Besonderheit dieser Studie ist die Durchfuehrung in Bangkok, Thailand und die dadurch bedingte besondere Anforderungssituation der in Bangkok beruflich taetigen deutschen UntersuchungsteilnehmerInnen.

Inhaltsverzeichnis:

Einleitung 1
I. Theorien und Modelle 4
1. Das Konzept der Belastung und Beanspruchung 4
1.1 Begriffsbestimmung 4
1.2 Ressourcen und Stressoren 5
1.3 Das transaktionale Stressmodell 7
1.4 Kritische Lebensereignisse und Alltagswidrigkeiten 11
1.5 Zusammenfassung 12
2. Handlungsregulation 13
2.1 Begriffsbestimmung 13
2.2 Die Theorie der Handlungsregulation von Hacker 15
2.3 Das 5-Ebenen-Modell der Handlungsregulation von Oesterreich 17
2.3.1 Das Handlungsfeld 17
2.3.2 Handlungsbereiche und Neuerschliessung 18
2.4 Zusammenfassung der Modelle der Handlungsregulation 20
3. Handlung und Persoenlichkeit 24
3.1 Die soziale Lerntheorie der Persoenlichkeit nach Rotter 24
3.1.1 Kontrollueberzeugungen 25
3.1.2 Problemloesen 27
3.1.3 Zwischenmenschliches Vertrauen 38
3.2 Selbstwirksamkeit nach Bandura 30
3.3 Das handlungstheoretische Partialmodell der Persoenlichkeit nach Krampen 32
3.3.1 Grundannahmen 32
3.3.2 Die handlungstheoretischen Persoenlichkeitsmerkmale. 34
3.3.3 Prognostischer Wert der handlungstheoretischen 34
3.3.4 Persoenlichkeitsmerkmale im beruflichen Kontext 35
3.4 Zusammenfassung 36
4. Die Beanspruchungssituation im interkulturellen Handlungsfeld 37
4.1 Orientierungssysteme 37
4.2 Die interkulturelle Handlungssituation als Beanspruchung 38
5. Bewaeltigung 41
5.1 Begriffsbestimmung 41
5.2 Typ-A-Verhalten 44
5.3 Burnout 47
5.4 Berufliche Bewaeltigungsmuster 49
5.4.1 Berufliche Bewaeltigungsmuster und ihre Merkmale 50
5.4.2 Bewaeltigungsmuster und Berufe 53
5.5 Zusammenfassung 56
II. Empirischer Teil 57
1. Fragestellung und Ziel der Untersuchung 57
2. Hypothesengenerierung und Hypothesen 58
3. Methoden 62
3.1 Operationalisierung der Variablen 62
3.1.1 Operationalisierung der handlungstheoretischen Variablen 63
3.1.2 Operationalisierung der Bewaeltigungsmuster 64
3.1.3 Der Gesamterhebungsbogen 67
3.1.4 Operationalisierung der komplexen Anforderungssituation 67
3.2 Untersuchungsdesign 68
3.3 Durchfuehrung der Untersuchung 70
3.4 Stichprobe 71
4. Ergebnisse 74
4.1 Deskriptive Statistik 74
4.1.1 Haeufigkeitsverteilungen der Kontroll- und Kompetenzueberzeugungen 74
4.1.2 Haeufigkeitsverteilungen der Bewaeltigungsmuster 82
4.1.3 Reliabilitaetspruefung 85
4.1.4 Normalverteilungspruefung 87
4.2 Inferenzstatistische Ergebnisse 87
4.2.1 Varianzanalyse 87
4.2.1.1 Kontroll- und Kompetenzueberzeugungen und soziodemographische Daten 88
4.2.1.2 Unterschiede der Musterbereiche 89
4.2.1.3 FKK-Skalen und Bewaeltigungsmuster 90
4.2.2 Korrelationen 92
4.2.3 Diskriminanzanalyse 94
5. Diskussion 99
5.1 Methodenkritik 99
5.2 Hypothesenbezogene Interpretation 100
5.3 Ergebnisse im Kontext des aktuellen Forschungsstandes 105
6. Zusammenfassung und Ausblick 107
7. Literaturverzeichnis 112
8. Abbildungsverzeichnis 117
9. ANHANG 118

Textprobe:

Kapitel 2.2, Die Theorie der Handlungsregulation von Hacker:

Die Theorie der Handlungsregulation von Hacker ist in ihrer urspruenglichen Fassung eine rein arbeitspsychologische und taetigkeitsbezogene Handlungstheorie. Sie verbindet Denken und Handeln, Planen und Ausfuehren als konzeptionelle Einheit.

Zentraler Gedanke ist die Regulation von Handlungen durch innere kognitive Umweltrepraesentationen, psychische Abbilder, die sich durch Erfahrungen im Taetigsein entwickeln und als ‚innere Modelle’ fuer zukuenftige Handlungen dienen, also ein „Operatives Abbildsystem“ darstellen als Voraussetzung fuer Planung und Strategieentwuerfe. Dieses System ist sequentiell-hierarchisch strukturiert mit drei interagierenden Regulationsebenen, der sensumotorischen Ausfuehrungsebene, der perzeptiv-begrifflichen Ebene des Beobachtens, Pruefens, Rueckmeldens und Korrigierens sowie der allem uebergeordneten intellektuellen Ebene des Planens. Neben der Zielgerichtetheit und Planmaessigkeit von Handlungen wird im Hinblick auf Leistung, Belastung und Beanspruchung vor allem die Vollstaendigkeit von Taetigkeiten betont:

Taetigkeiten sind zyklisch unvollstaendig, wenn Planungs- und Kontrollmoeglichkeiten der eigenen Arbeit fehlen. Sie sind hierarchisch unvollstaendig, wenn sie sich nur auf eine oder zwei Regulationsebenen beschraenken, wenn z.B. keine intellektuellen Prozesse erforderlich sind. Kriterium der Persoenlichkeitsfoerderlichkeit von Arbeitstaetigkeiten ist demnach eine kompetenzstaerkende Vollstaendigkeit von Aufgaben, die eigene Handlungsplanung, -kontrolle und Spielraeume fuer eigene Entscheidungen und Zielsetzungsmassnahmen ermoeglichen. Kontrollmoeglichkeiten sind Grundlage fuer die Vorhersehbarkeit, Beeinflussbarkeit und Durchschaubarkeit von Anforderungen.

Der Prozesscharakter psychischer Handlungsregulation wird hervorgehoben:

Der Mensch erwirbt Vorstellungen (kognitive Repraesentationen) von der Aufgabe und ihrer Ausfuehrung, er setzt sich Ziele (auch fremd vorgegebene) und plant, um Teilziele zu erreichen. Dabei fuehrt er Kontrollprozesse und gegebenenfalls Korrekturen aus.

Die Erfahrungen eines Menschen bilden sein ‚Handlungswissen’, das das Wissen ueber Zieldienlichkeit von Handlungsstrategien und den instrumentellen Nutzen verschiedener Optionen ausmacht. Handlungswissen ist damit eine Voraussetzung von Handlungskompetenz, die durch Handlungsspielraeume und Freiheitsgrade gefoerdert wird.

Optimale Beanspruchung und Entwicklung von Expertise entsteht durch „komplexe aufgabenangemessene, ganzheitliche Vorgehensweisen (Arbeitsverfahren), fuer welche sie intentional Idealvorstellungen mittels metakognitiver Kenntnisse und Strategien entwickeln und die sie (bei Bedarf) reflektiert zu fuehren und zu kontrollieren vermoegen.“ Expertise ist demnach handlungstheoretisch das Ergebnis der beidseitig bestmoeglichen Nutzung der personalen Ressourcen und des Aufgabenpotentials innerhalb eines bestimmten Handlungsspielraums. Negative Beanspruchung als Behinderung der Entwicklung von Expertise dagegen ergibt sich vor allem aus der Unvollstaendigkeit von Taetigkeiten, aus Mangel an Kontrollierbarkeit und Ueberschaubarkeit, wodurch es im weiteren Verlauf zu einem Mangel an Verantwortungsuebernahme kommt, denn man uebernimmt ungern Verantwortung fuer Dinge, die man nicht steuern oder ueberschauen kann. Psychische Belastungen sind vor allem unkontrollierbare Hindernisse der Handlungsregulation, Barrieren auf dem Weg zum Ziel.

Arbeit zitieren:
Heck, Anja Mai 2007: Persönlichkeit, Kontrolle und Stressbewältigung bei beruflich bedingtem Auslandsaufenthalt, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Kontrollüberzeugung, Bewältigungsmuster, Burnout, Auslandsaufenthalt, Typ-A-Verhalten

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