Peermediation an österreichischen Hauptschulstandorten
Ein Vergleich von Peermediationsmodellen an fünf Hauptschulen in Wien, Niederösterreich und dem Burgenland
- Art: MA-Thesis / Master
- Autor: Andreas Krenner
- Abgabedatum: April 2009
- Umfang: 89 Seiten
- Dateigröße: 524,9 KB
- Note: 1,0
- Institution / Hochschule: ARGE Bildungsmanagement Wien Österreich
- Bibliografie: ca. 42
- ISBN (eBook): 978-3-8428-0826-3
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Krenner, Andreas April 2009: Peermediation an österreichischen Hauptschulstandorten, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Mediation, Konfliktregelung, Peermediation, Streitschlichter, Hauptschule
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MA-Thesis / Master von Andreas Krenner
Einleitung:
Wie sehr unsere heutige Gesellschaft mit dem Thema Gewalt konfrontiert ist, zeigt ein Blick durch die Medienlandschaft. Auch die Schule muss sich als Teil einer sich verändernden Gesellschaft vermehrt damit auseinander setzen. Um Kinder und Jugendlich darauf vorzubereiten und zu befähigen, mit Konflikten gewaltfrei umzugehen, sollte man ihnen die Möglichkeit bieten, dies auf verschiedenste Weise auch zu erfahren, zu 'erlernen' und zu trainieren. Peer-Mediation ist eine solche und wird in der vorliegenden Arbeit einer genaueren Betrachtung unterzogen.
Zu unterscheiden gilt es einige Begriffe, die auf den folgenden Seiten häufig verwendet werden:
Schulmediator/innen sind Personen, die Mediation an Schulen durchführen oder versuchen, Mediation in das pädagogische Konzept der Schule zu integrieren. Das Ziel dabei ist, die Konfliktkultur innerhalb der Schule zu verbessern. Dies kann durch externe Personen geschehen, handelt sich aber großteils um Lehrer/innen, die irgendeine Form von Mediationsausbildung absolviert haben und ihre Kenntnisse an den Schulen umsetzen. Synonym wird manches Mal der Begriff Peer-Mediatoren-Coach verwendet, da diese ausgebildeten Lehrkräfte meist auch Schüler/innen zu Peer-Mediator/innen ausbilden. Dabei handelt es sich um ausgewählte Kinder und Jugendliche, die nach einer entsprechenden Schulung und diversen Trainings Mediation unter etwa Gleichaltrigen oder 'Gleichrangigen' anbieten oder in Konflikten mediative Techniken einsetzen. Gelegentlich wird für sie auch der Begriff Schülermediator/innen zu lesen sein.
Die Master-Thesis geht nun folgender Frage nach: ‘Welche gemeinsamen Kriterien finden sich bei erprobten Peer-Mediationsprojekten?’ Eine ergänzende der Arbeit zugrunde liegende Frage lautet: ‘Welches sind Erfolgsfaktoren, welche sind hinderlich für Mediationsprojekte an Schulen?’ Gegenstand der Untersuchung der vorliegenden Arbeit ist also Peer-Mediation als eine sinnvolle und erprobte Maßnahme zur Gewaltprävention und gewaltfreien Konfliktregelung an Schulen.
Im Anschluss an die Einleitung widmet sich der theoretische Teil zuerst dem Begriff Mediation. Darauf folgen ein kurzer geschichtlicher Exkurs, sowie einige weitere allgemeine Informationen zum Thema Mediation und Gewalt. Ergänzend dazu befasst sich dieses Kapitel auch mit Gewalt an Schulen und präventiven Maßnahmen. Erklärungen zur Schul- und Peer-Mediation runden diesen allgemeinen Teil ab.
An diese allgemeine Betrachtung anschließend behandelt Kapitel 3 den empirischen Teil, bei dem es um die Fragestellung, die Durchführung der Interviews und die Methodik der Analyse geht. Hier erfolgt auch die Darstellung der Ergebnisse.
Im 4. Abschnitt erfolgt eine ausführliche Diskussion der Ergebnisse mit Stellungnahmen zur Untersuchung und dem Vergleich mit Evaluationsstudien und Erkenntnissen aus Literatur und Forschung. Einen kurzen Ausblick inklusive Forderungen an die Schulpolitik und Schulverwaltung gibt Kapitel 5.
Die Zusammenfassung beendet die Master-Thesis, mit der auch ein abschließendes Fazit gezogen wird.
Inhaltsverzeichnis:
| Abstract | 2 | |
| Inhaltsverzeichnis | 3 | |
| 1. | Einleitung | 5 |
| 2. | Theoretischer Teil | 7 |
| 2.1 | Mediation | 7 |
| 2.1.1 | Begriff Mediation | 7 |
| 2.1.2 | Kurzer geschichtlicher Abriss | 7 |
| 2.1.3 | Merkmale des Mediationsverfahrens und Anwendungsfelder | 9 |
| 2.1.4 | Phasen der Mediation | 10 |
| 2.2 | Gewalt | 12 |
| 2.2.1 | Begriffe Gewalt, Aggression, Konflikt | 12 |
| 2.2.2 | Gewalt an Schulen | 15 |
| 2.2.3 | Gewaltprävention | 17 |
| 2.3 | Schulmediation | 20 |
| 2.4 | Peer-Mediation | 24 |
| 2.5 | Standards und notwendige Rahmenbedingungen | 29 |
| 3. | Empirischer Teil | 34 |
| 3.1 | Darlegung der Fragestellung | 34 |
| 3.2 | Anwerbung und Auswahl der Teilnehmer/innen an der Untersuchung | 34 |
| 3.3 | Vorstellung und Bestimmung des Beispielmaterials | 35 |
| 3.4 | Durchführung der Interviews | 36 |
| 3.5 | Methode der Datenanalyse | 37 |
| 3.6 | Interviewleitfaden | 37 |
| 3.7 | Qualitative Inhaltsanalyse | 39 |
| 4. | Diskussion | 67 |
| 4.1 | Erfolgsfaktoren | 67 |
| 4.2 | Projektbehindernde Faktoren | 75 |
| 4.3 | Von der Planung zur Umsetzung – Schritte der Verankerung | 76 |
| 5. | Ausblick | 78 |
| 6. | Zusammenfassung | 81 |
| Literaturverzeichnis | 83 |
Textprobe:
Kapitel 2.2.2, Gewalt an Schulen:
Eine relativ lange Liste von Amokläufen an Schulen in den USA (Littleton – 1999, Blacksburg – 2007), Deutschland (Erfurt – 2003, Winnenden – 2009), Finnland (Tuusula – 2007, Kauhajoki – 2008) und anderen Staaten in den letzten 10 Jahren lässt den Eindruck aufkommen, dass der Schulbetrieb von exzessiver Gewalt dominiert wird. Bei genauerer Betrachtung der tragischen Fälle erkennt man aber, dass die Gründe für diese Gewalttaten unterschiedlich sind: Schulverweisungen, Ziel von Verspottung und Gewalt an den späteren Tätern durch Schüler/innen, (zumindest subjektiv empfundene) ungerechte Behandlung durch Lehrer/innen, Leistungsversagen und nicht erfüllte Erwartungen, fehlende Kritikfähigkeit, Persönlichkeitsstörungen, rechtsradikal verblendete Jugendliche, fehlende familiäre Einbindung oder allzu leichter Zugang zu Waffen. Vieles davon hat nur am Rande mit Schule zu tun, sondern ist wie eingangs erwähnt ein gesellschaftliches und gesellschaftspolitisches Problem. Und, wie ebenfalls beschrieben, machen uns die Massenmedien glauben, Schule wäre eine Brutstätte der Gewalt.
In der Einleitung einer Broschüre der schulpsychologischen Abteilung des Unterrichtsministeriums fasst Aigner diesen Gedanken so zusammen:
‘Zwischen der in der Öffentlichkeit oftmals ungeprüft geäußerten Behauptung einer ständigen Zunahme von Gewalt in Schulen und den Einschätzungen von befragten Schulleitungen, Lehrern und Schülern bestehen Diskrepanzen. Schulleitungen, Lehrer und Schüler haben keineswegs den Eindruck, die Gewalthandlungen in Schulen hätten deutlich zugenommen. Aus zahlreichen Studien geht hervor, dass nur bei einer Minderheit von Schulen Aggressionen und Gewalt ein größeres Ausmaß angenommen haben, wodurch das Schulleben erheblich beeinträchtigt würde’.
Nach übereinstimmender Meinung diverser Expert/innen hat die schulische Gewalt, mittlerweile ein fast inflationär gebrauchter Begriff, zumindest im deutschsprachigen Raum in den letzten Jahren an Häufigkeit nicht zugenommen. Schule war immer schon auch ein Ort von körperlichen Auseinandersetzungen. Die Anzahl der Aggressions- bzw. Gewalthandlungen in Schulen blieb aber relativ konstant. Ein deutlicher Unterschied zu früheren Jahren ist jedoch insofern zu erkennen, wenn man das Ausmaß der Gewaltanwendung betrachtet: Gewalthandlungen kommen in schwerer Form vor und die Hemmschwelle ist gesunken. Eine Zunahme konnte bei der psychischen und verbalen Gewalt, der so genannten 'stillen Gewalt' wie Verächtlichmachen von schwächeren Schüler/innen und Mobbing, festgestellt werden. Wirklichen Anlass für eine extreme Dramatisierung gibt sie aber nicht.
Wie bei allen Definitionen von Gewalt, Aggression oder Konflikt, kursieren auch beim Begriff 'Gewalt in der Schule' eine Unmenge an Beschreibungen. Hurrelmann definiert ihn als ‘das gesamte Spektrum von Tätigkeiten und Handlungen, die physische und psychische Schmerzen oder Verletzungen bei den im Bereich der Schule handelnden Personen zur Folge haben oder die auf die Beschädigung von Gegenständen im schulischen Raum gerichtet sind. Gewalt in der Schule umfasst alle Angriffe, Übergriffe und Bedrohungen, die im unterrichtlichen Geschehen stattfinden und auch alle diejenigen, die im außerunterrichtlichen Bereich auftreten’.
Der norwegische Professor Dan Olweus definiert schulische Gewalttätigkeit allgemein wie folgt: ‘Ein Schüler oder eine Schülerin ist Gewalt ausgesetzt oder wird gemobbt, wenn er oder sie wiederholt und über eine längere Zeit den negativen Handlungen eines oder mehrerer anderer Schüler oder Schülerinnen ausgesetzt ist. Zu diesen negativen Handlungen zählt, wenn jemand einem anderen absichtlich Verletzungen oder Unannehmlichkeiten zufügt. Hier gibt es drei Formen: 1.) verbal: drohen, spotten, hänseln, beschimpfen 2.) körperlich: treten, stoßen, festhalten 3.) mimisch: Fratzen schneiden, Gesten, jemanden isolieren, ausgrenzen’.
Individuelle Formen von Gewalt gibt es überall, und sie treten natürlich auch im öffentlichen Raum, und die Schule ist ein solcher, auf. Hurrelmann & Bründel unterteilen die Ausprägungen von individueller Gewalt in physische Gewalt (Schädigung und Verletzung durch körperliche Kraft und Stärke), psychische Gewalt (Schädigung und Verletzung durch Ablehnung, Abwertung und emotionales Erpressen), verbale Gewalt, geschlechtsfeindliche und rassistische Gewalt.
Aber auch wenn, wie oben erwähnt, extreme Medieninteresse erweckende Gewalttaten zum Glück die Ausnahme sind, so belegen aktuelle wissenschaftliche Studien doch, dass Gewalt und Aggression auch in den Schulen unseres Landes ernst zu nehmende Probleme sind. Etwa jede/r 10. Schüler/in wird regelmäßig von Mitschüler/innen körperlich attackiert und verbale Beschimpfungen kommen noch häufiger vor.
Spiel & Strohmeier stellen daher Forderungen auf: ‘Wer nicht lernt, wie Gewalt zu verhindern ist, wird auch als Erwachsene kaum Zivilcourage zeigen. Das bedeutet, dass man diese Probleme nicht auf die Schule abwälzen kann, da es sich um ein Problem unserer Gesellschaft handelt. Umso wichtiger erscheint daher die Erkenntnis, dass das Erlernen von Konfliktlösungsstrategien und von sozial kompetentem Verhalten in der Schule eine zentrale Voraussetzung für ein friedliches Zusammenleben in der Gesellschaft darstellt’.
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783842808263
Arbeit zitieren:
Krenner, Andreas April 2009: Peermediation an österreichischen Hauptschulstandorten, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Mediation, Konfliktregelung, Peermediation, Streitschlichter, Hauptschule



