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Pay-in-Kind (PIK-) Anleihen

Struktur, Bewertung und Einsatzbereiche

Die Arbeit wurde mit dem vierten Platz beim "DZ Bank Karriere Preis 2006" ausgezeichnet.
Pay-in-Kind (PIK-) Anleihen
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Tim Lüninghöner
  • Abgabedatum: Dezember 2005
  • Umfang: 58 Seiten
  • Dateigröße: 379,0 KB
  • Note: 1,3
  • Institution / Hochschule: Westfälische Wilhelms-Universität Münster Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-9578-7
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-9578-7 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-9578-7 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung: Die Arbeit wurde mit dem vierten Platz beim "DZ Bank Karriere Preis 2006" ausgezeichnet.
  • Arbeit zitieren: Lüninghöner, Tim Dezember 2005: Pay-in-Kind (PIK-) Anleihen, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Private Equity, Rating, Finanzmarkt, Unternehmensfinanzierung, High Yield Bond

Diplomarbeit von Tim Lüninghöner

Zusammenfassung:

Zwischen Dezember 2004 und Juli 2005 wurden elf Pay-in-Kind-(PIK-) Anleihen mit einem Gesamtvolumen von 3,1 Mrd. Euro emittiert und an europäischen Börsen zum Handel zugelassen. Während Schuldverschreibungen dieser Art im angelsächsischen Raum bereits Ende der 1980er Jahre zu Finanzierungszwecken eingesetzt wurden, stellen PIK-Anleihen in Kontinentaleuropa eine Finanzinnovation dar: bei den elf Neuemissionen handelt es sich um die ersten PIK-Anleihen, die in der europäischen Gemeinschaftswährung (bzw. deren Vorgängerwährungen) begeben wurden.

Charakteristisches Kennzeichen von PIK-Anleihen ist die Möglichkeit des Emittenten, Zinsverbindlichkeiten statt durch Barauszahlung mit neu ausgegebenen, bzgl. der ursprünglichen Anleihe identischen, Schuldtiteln zu bedienen. In diesem Sinne erklärt sich die Begriffswahl für dieses Finanzierungsinstrument, die Übersetzung von pay-in-kind lautet „Zahlung in Naturalien“. Abhängig von der Ausübung des sog. PIK-Wahlrechtes hinsichtlich der Art der Bedienung der Zinsverbindlichkeiten bestimmt sich der Zahlungsstrom einer PIK-Anleihe, der somit ex-ante ungewiss ist.

Bei ständiger Ausübung des Wahlrechtes auf Andienung zusätzlicher Schuldtitel anstelle einer Barauszahlung der Zinsverpflichtung gleicht der Zahlungsverlauf dem einer Nullkuponanleihe; wird das Wahlrecht zu keinem Zeitpunkt ausgeübt, ist das Profil einer PIK-Anleihe identisch zur Ausgestaltung einer Kuponanleihe. Bei einer teilweisen Ausübung zu unterschiedlichen Zeitpunkten ergibt sich eine Zwischenform. Eine finanzwirtschaftliche Systematisierung und Bewertung von PIK-Anleihen wird zusätzlich durch eine Vielzahl weiterer Ausstattungsmerkmale und Emissionsvereinbarungen erschwert. Ziel der Untersuchung ist es, durch eine Analyse der wichtigsten Charakteristika von PIK-Anleihen ein Bewertungsmodell zu entwickeln, welches die wichtigsten Einflussfaktoren auf den Wert der Anleihe abbildet. Neben exogenen Größen finden dabei insbesondere endogene, den jeweiligen Emittenten betreffende Faktoren Eingang in das Modell. Durch sie ist eine Antizipation von Bewertungseinflüssen, die durch das Verhalten des Emittenten ausgelöst werden, möglich.

Eine umfassende Analyse aller Ausstattungsmerkmale und Covenant-Bestimmungen ist die Grundvoraussetzung für eine finanzwirtschaftliche Systematisierung und Bewertung von PIK-Anleihen. PIK-Anleihen lassen sich als Spezialfall von High-Yield Anleihen charakterisieren, deren besonderes Merkmal ein asymmetrisches Risiko-Rendite-Profil, mit begrenzten Renditechancen und dem gleichzeitigen Risiko eines Totalausfalls, darstellt. Zu Bewertungszwecken erweist sich eine optionsbasierte Analyse (mit dem PIK-Wahlrecht als Put- und dem generellen Rückkaufsrecht des Emittenten als Call-Option) als wichtige gedankliche Stütze. Darauf aufbauende, der Literatur entnommene Bewertungsmodelle müssen jedoch verworfen werden, da sie nicht den praktischen Erfordernissen zur Bewertung von PIK-Anleihen genügen. Alternativ wird daher ein Bewertungsmodell entwickelt, das mittels einer Szenario-Analyse die Berechnung des „fairen Wertes“ einer PIK-Anleihe anstrebt. Dabei wird unter Berücksichtigung sämtlicher Ausstattungsmerkmale für unterschiedliche, denkbare Szenarien der von der Ausübung des PIK-Wahlrechtes abhängige Nominalwert berechnet. Bei Ausgestaltung der PIK-Anleihe als Floating-Rate-Note wird die Verzinsung durch Ableitung der laufzeitäquivalenten Forward-Rates aus der Zero-Zinsstrukturkurve des Basiszinses berechnet. Durch Modellierung eines separaten Ausfallszenarios lässt sich im Folgenden der Barwert eines jeden Szenarios zum Bewertungszeitpunkt bequem durch Abzinsung mit den der Laufzeit entsprechenden Renditen (risikoloser) Staatsanleihen bestimmen.

Über eine Gewichtung der Szenarien mit Eintrittswahrscheinlichkeiten, welche die wichtigsten endogenen Einflussfaktoren einer jeden individuellen PIK-Anleihe abdecken, lässt sich ein „fairer“ Kurswert bestimmen. Endogene Faktoren umfassen dabei neben einer Einschätzung des individuellen Bonitätsrisikos des jeweiligen Emittenten in starkem Maße dessen Finanzierungs- und Eigentümerstruktur. Eine Untersuchung der Eigentümerstruktur ist deshalb von Bedeutung, weil PIK-Anleihen vorwiegend von Leveraged-Buyout-Unternehmen begeben werden, deren Anteilseigner entsprechende Emissionserlöse zu einem teilweisen Ausstieg aus dem Unternehmen verwenden und die durch einen weiteren Rückzug aus dem Unternehmen die Laufzeit der PIK-Anleihe entscheidend beeinflussen können.

Die Arbeit schließt mit einem Ausblick über die weitere Entwicklung dieser Finanzinnovation. Dabei wird festgestellt, dass das zukünftige Angebot an PIK-Anleihen entscheidend von der Nachfrage abhängen sollte: PIK-Anleihen dürften in einem Umfeld stabiler Börsen und höherer Zinssätze ungleich schwerer am Markt zu platzieren sein, als dies in den vergangenen zwölf Monaten der Fall war.

Inhaltsverzeichnis:

INHALTSVERZEICHNIS III
ABBILDUNGSVERZEICHNIS V
ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS VI
VERZEICHNIS DER ANHÄNGE VII
1. EINFÜHRUNG 1
2. STRUKTUR VON PIK-ANLEIHEN 3
2.1 Ausstattungsmerkmale von PIK-Anleihen 3
2.2 Finanzwirtschaftliche Einordnung von PIK-Anleihen 5
2.2.1 Systematisierungsansätze von Finanzierungsinstrumenten 5
2.2.2 Abgrenzung von PIK-Anleihen innerhalb der Systematik 6
2.2.3 Risiko-Rendite Profil und Einordnung von PIK-Anleihen 8
2.3 Bedeutung von Covenants bei der Emission von PIK-Anleihen 9
2.3.1 Begründung des Einsatzes von Covenants 9
2.3.2 Charakterisierung von Covenants 11
2.3.3 Einsatz von Covenants bei der Begebung von PIK-Anleihen 12
2.4 Fallbeispiel: Struktur der Cognis PIK-Anleihe 12
3. BEWERTUNG VON PIK-ANLEIHEN 14
3.1 Optionsbasierte Analyse von PIK-Anleihen 14
3.2 Ratingimplikationeneiner Emission von PIK-Anleihen 16
3.2.1 Bedeutung des Ausfallrisikos bei High-Yield Anleihen 16
3.2.2 Darstellung der Ratingansätze von Fitch, Moody’s und S&P 16
3.2.3 Vergleich und Beurteilung der Ratingansätze 19
3.3 Ansätze zur Bestimmung des Wertes einer PIK-Anleihe 20
3.3.1 Bewertungsansätze für Anleihen mit impliziten Optionen 20
3.3.2 Darstellung und kritische Analyse von Binomialmodellen zur Bewertung von PIK-Anleihen 21
3.3.3 Approximation des fairen Wertes von PIK-Anleihen durch Anwendung einer Szenarioanalyse 26
3.4 Fallbeispiel: Bewertung der Cognis PIK-Anleihe 29
4. EINSATZBEREICHE VON PIK-ANLEIHEN 31
4.1 Leveraged-Buyout (LBO-) Unternehmen als Emittenten von PIK-Anleihen 31
4.1.1 Charakterisierung von LBO-Unternehmen 31
4.1.2 Strategie und Erfolgsfaktoren von Privatinvestoren 32
4.1.3 Finanzierungsstruktur von LBO-Unternehmen 35
4.2 Hintergrund des Einsatzes von PIK-Anleihen 36
4.2.1 Strategische Motivation zur Emission von PIK-Anleihen aus Sicht des Privatinvestors 36
4.2.2 Restriktionen für LBO-Unternehmen bei der Durchführung von Kapitalmaßnahmen 37
4.3 Kapitalmarktbedingungen für PIK-Emissionen 37
4.3.1 High-Yield Anleihen im Vergleich zu anderen Asset-Klassen 37
4.3.2 Kennzeichen funktionierender High-Yield Märkte 38
4.3.3 Käufergruppen für PIK-Anleihen 39
4.4 Fallbeispiel: Einsatz der PIK-Anleihe bei Cognis 39
5. ZUSAMMENFASSUNG UND AUSBLICK 42
ANHANG 43
LITERATURVERZEICHNIS 46

Automatisiert erstellter Textauszug:

von der Volatilität abhängigen, Abbildung von jeweils zwei möglichen Forward-Rates ist, dass die Ausübung der zugrundliegenden Optionen entscheidend von der der Zinsentwicklung inhärenten Volatilität abhängt, weshalb diese im Modell abgebildet werden muss. Das Ergebnis dieses ersten Schrittes ist ein Gitternetz, der sog. Binomialbaum, dessen Anzahl an Knoten von der Anzahl der Perioden der zu bewertendenAnleihe bis Laufzeitende bestimmt wird und dessen implizite Verzinsung und Volatilität den beobachtbaren Spot-Rates (d.h. der Zinsstrukturkurve) entsprechen.74 In einem zweiten Schritt werden die Zahlungsströme der Anleihe (unter Nicht-Berücksichtigung der impliziten Optionen) mit den Forward-Rates schrittweise abdiskontiert, wobei eine rekursive Diskontierung beginnend mit den die Tilgung am Laufzeitende abbildenden Knoten vorgenommen wird. Der Wert der Anleihe an jedem Knoten berechnet sich als arithmetisches Mittel des Wertes der beiden (zeitlich) nachfolgenden Knoten, jeweils abdiskontiert mit der zugeordneten Ausprägung der ForwardRates. Das Ergebnis des zweiten Schrittes ist der Wert der betreffenden Anleihe ohne Berücksichtigung der impliziten Optionen. Im dritten Schritt wird der innere Wert der Optionen durch Vergleich des Anleihewertes mit den jeweiligen Ausübungspreisen berechnet. Dabei werden im Fall europäischer Optionen lediglich die Knoten am Ende der Laufzeit auf einen positiven inneren Wert untersucht, während bei amerikanischen Optionen alle Knoten betrachtet werden, und der höchste innere Wert den Optionswert determiniert. BLACK/DERMAN/TOY berechnen die Werte der jeweiligen Optionen separat und ermitteln den Wert der betreffenden Anleihe mit impliziten Optionen schließlich als Summe der einzelnen Werte im Rahmen einer Portfoliobetrachtung. KALOTAY/WILLIAMS/FABOZZI integrieren dagegen die Optionswerte in den bestehenden Binomialbaum, d.h. sie korrigieren die berechneten Anleihewerte an den jeweiligen Knoten bei Existenz eines positiven inneren Wertes der Option. Der Wert der betreffenden Anleihe mit impliziten Optionen ergibt sich folglich unmittelbar.75 Abbildung 2 illustriert die Vorgehensweise am Beispiel einer dreijährigen endfälligen Kuponanleihe mit einer jährlichen Verzinsung von 5,25% und einem Kündigungsrecht seitens des Emittenten zu einem Rückkaufpreis von 100 (aus einer gegebenen Zinsstrukturkurve wurden dabei bereits die entsprechenden Forward-Rates abgeleitet; dargestellt ist der dritte Schritt der Vorgehensweise nach KALOTAY/WILLIAMS/FABOZZI, bei dem die Ergebnisse der Berechnung des Anleihewertes ohne Call-Option um einen [...]

Bewertungsgrößen in einem Binomialmodell. Die Möglichkeit der vorzeitigen Ausübung der impliziten (amerikanischen) Call-Option sowie die Einbeziehung verschiedener Ausstattungsmerkmale - wie insb. der sich im Zeitablauf ändernden Ausübungspreise der Call-Option oder der Step-Up Klauseln - lassen jedoch keinen effizienten Einsatz einer Monte-Carlo Simulation zu.71 Daher soll im nächsten Kapitel lediglich der Einsatz von Binomialmodellen zur Bewertung von PIK-Anleihen weiter verfolgt werden. 3.3.2 Darstellung und kritische Analyse von Binomialmodellen zur Bewertung von PIK-Anleihen In der Literatur existieren zwei Ansätze zur Bewertung von PIK-Anleihen, die jeweils auf Basis einer speziellen Methode zur Bewertung von Anleihen mit impliziten Optionen mit Hilfe von Binomialmodellen entwickelt wurden. Der Ansatz von GOODMAN/COHEN stützt sich auf die Vorgehensweise von BLACK/DERMAN/TOY, während FINNERTY seinem Modell eine Bewertungsmethode von KALOTAY/WILLIAMS/FABOZZI zugrunde legt.72 Nach einer Darstellung beider Binomialmodelle sollen zunächst beide Ansätze zur Bewertung von PIK-Anleihen vorgestellt und abschließend kritisch diskutiert werden. Bewertungsmethoden von BLACK/DERMAN/TOY und KALOTAY/WILLIAMS/FABOZZI ähneln sich in ihrer grundsätzlichen Vorgehensweise und der Tatsache, dass beide Methoden als Einfaktoren-Modelle die Bewertung der jeweiligen Anleihe in Abhängigkeit der einperiodigen Forward-Rates als einzigem Faktor vorsehen. In einem ersten Schritt wird die zum Bewertungszeitpunkt beobachtbare Zinsstrukturkurve, d.h. eine Reihe von Spot-Rates risikoloser Anleihen unterschiedlicher Laufzeiten, in eine Reihe einperiodiger Forward-Rates transformiert. Einem Binomialmodell entsprechend werden dabei, unter Einbeziehung der Volatilität der zukünftiger Renditeverteilungen, für jede Laufzeit zwei mögliche, gleichwahrscheinliche Ausprägungen der Entwicklung der einperiodigen Forward-Rates berechnet.73 Hintergrund dieser, Die [...]

3.2.3 Vergleich und Beurteilung der Ratingansätze Während sich die grundsätzlichen Überlegungen der Ratingagenturen bzgl. der Auswirkungen einer Emission von PIK-Anleihen ähneln, unterscheiden sich die Konsequenzen aus diesen Überlegungen, d.h. die abschließenden Ratingeinschätzungen, deutlich. Es lassen sich dabei zwei Gruppen, mit FITCH und MOODY’S auf der einen, und S&P auf der anderen Seite identifizieren. Hinsichtlich der Ratingseinschätzung für die gesamte Unternehmensgruppe sowie anderer Schuldtitel des Emittenten der PIK-Anleihe lässt sich feststellen, dass FITCH und MOODY’S an eine Beibehaltung der Ratings lediglich geringe Anforderungen stellen, so dass in den meisten Fällen keine Herabstufungen zu erwarten sind. S&P interpretiert dagegen eine Begebung von PIK-Anleihen oft als eine unerwartete Veränderung der Finanzpolitik der Unternehmensgruppe und reagiert mit einer Herabstufung der entsprechenden Ratings um mindestens eine Stufe.67 FITCH und MOODY’S betonen die nachrangige und unbesicherte Position von PIK-Anleihen und stellen ein Rating dieser Instrumente in Aussicht, welches zwei bis drei Stufen unter der Bonitätseinschätzung der Unternehmensgruppe liegen könnte. Dagegen versah S&P verschiedene PIK-Anleihen mit einem Rating, welches identisch mit dem Rating anderer nachrangiger Schuldtitel desselben jeweiligen Unternehmens war.68 Diese Vorgehensweise erscheint, gerade auch in Anbetracht der kritischen Haltung von S&P ggü. PIK-Anleihen, nicht konsequent. PIK-Anleihen lassen aufgrund ihrer nachrangigen und unbesicherten Stellung ungleich geringere Rückgewinnungsraten im Insolvenzfall als andere Schuldtitel erwarten. Gemäß der erwähnten Funktion von Ratings, der Darstellung der Wahrscheinlichkeit und des erwarteten Verlustes im Falle eines Zahlungsausfalls, sollte dies in Form einer niedrigeren Bonitätseinstufung berücksichtigt werden. [...]

Arbeit zitieren:
Lüninghöner, Tim Dezember 2005: Pay-in-Kind (PIK-) Anleihen, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Private Equity, Rating, Finanzmarkt, Unternehmensfinanzierung, High Yield Bond

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