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Vom Paternalismus zur partizipatorischen Demokratie auf lokaler Ebene

Das Fallbeispiel des partizipatorischen Haushaltes im brasilianischen Porto Alegre

Vom Paternalismus zur partizipatorischen Demokratie auf lokaler Ebene
Über dieses Buch
  • Art: Magisterarbeit
  • Autor: Clovis Zimmermann
  • Abgabedatum: März 1999
  • Umfang: 90 Seiten
  • Dateigröße: 4,3 MB
  • Note: 2,0
  • Institution / Hochschule: Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-2260-8
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-2260-8 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-2260-8 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Zimmermann, Clovis März 1999: Vom Paternalismus zur partizipatorischen Demokratie auf lokaler Ebene, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Partizipation, Demokratie, Politik, Brasilien, Verwaltung

Magisterarbeit von Clovis Zimmermann

Die Schwächen der in westlichen Gesellschaften vorherrschenden repräsentativen oder liberalen Demokratie sind vor allem nach dem Ende des Ost-West-Konfliktes deutlicher geworden. Sie wird als "Regierung von Gruppen" (Giddens 1997) bezeichnet, die weit von den Bürgern entfernt ist. Eine noch schärfere Kritik besagt, daß das Prinzip der Repräsentation die Grundlagen der Demokratie "zerstört" (Barber 1994: 12), weil sie mit Teilnahmslosigkeit und Entfremdung einhergeht. Darüber hinaus baut die heutige vorherrschende Demokratie eine große Distanz zwischen Bürgern und Staat auf, was einen "Verlust der Spürbarkeit der Demokratie" (Schulze 1996) oder einen "Bedeutungsverlust demokratischer Entscheidungen" (Taylor 1996) zur Folge hat. Der heutige liberale Staat wird für diesen Zustand verantwortlich gemacht, solange er vorgibt, für alle Probleme die "Lösungskompetenz" (Weidenfeld 1996) zu besitzen. Dennoch werden institutionelle Partizipationsanreize, die eine Dezentralisierung des politischen Lebens vorsehen und damit Akteuren auf kommunaler Ebene mehr Autonomie und politisches Gewicht verleihen, als mögliche Lösung vorgeschlagen (vgl. Cochrane 1986; Dettling 1996; De-Shalit 1996). Für mehr politische Mitbestimmung haben sich im Jahr 1992 170 Staaten auf der UNCED-Konferenz in Rio de Janeiro verpflichtet.

In dieser Magisterarbeit setze ich mich mit der Erweiterung der repräsentativen Demokratie bzw. mit dem Modell der partizipatorischen Demokratie auseinander. Nach Ansicht von Taylor (1996) kann die Distanz zwischen Staat und Bürgern sowie die sich verschärfende Tendenz zur Fragmentierung des Zusammenlebens nur durch mehr Beteiligung der Bürger verringert werden. Außerdem soll die Bürgerbeteiligung zur Effizienz der politischen Entscheidungen beitragen. Beispielsweise nahmen die Sozialdemokraten in Deutschland in ihr Wahlprogramm für die Bundestagswahlen 1998 die Mitsprache der Bürger auf. Diese neue Möglichkeit zur Teilnahme an der politischen Willensbildung soll eine Antwort auf die zunehmende Politikverdrossenheit sein. Nichtsdestoweniger werfen Kritiker den Verfechtern des Modells der partizipatorischen Demokratie (Lindner 1990; Sartori 1992) vor, es sei primär oder gänzlich normativ geprägt. In diesem Modell werden oftmals die Soll-Werte sehr hoch eingeschätzt, daher sind sie unrealistisch, weil eine Konkretisierung des Modells nicht vorkommt. Die bisher durchgeführten Experimente dauerten nur wenige Wochen.

Seit 1989 führt die brasilianische Arbeiterpartei (PT) in der Stadt Porto Alegre ein partizipatorisches Haushaltserstellungsmodell durch. Diese Erfahrung des Orçamento Participativo wurde als Innovation, als "good governance" und als ein "weltweit einmaliges Experiment" (Cassen 1998) in Sachen Demokratie bezeichnet. Als solches findet dieses Modell inner- und außerhalb Brasiliens eine große Resonanz, um die existierende Politikverdrossenheit zu bekämpfen und soziale Probleme zu lösen. Ich untersuche in dieser Arbeit, inwiefern das Modell der partizipatorischen Haushaltserstellung in Porto Alegre im Zusammenhang mit der Theorie der partizipatorischen Demokratie steht. Das heißt, ich überprüfe, ob das Fallbeispiel von Porto Alegre die Ideale der partizipatorischen Demokratie verwirklicht. Ferner überprüfe ich, ob dieses Modell zur Überwindung der Distanz zwischen Bürgern und Stadt und zur Lösung sozialer Probleme beiträgt.

Inhaltsverzeichnis:

Einleitung 1
1. PARTIZIPATORISCHE DEMOKRATIE 4
1.1 Eine kritische Betrachtung der repräsentativen Demokratie 4
1.2 Was ist partizipatorische Demokratie? 7
1.2.1 Begriff 7
1.2.2 Prinzipien der partizipatorischen Demokratie 8
1.2.3 Motivation zur Partizipation 10
1.2.4 Institutionen 12
1.3 Die politische Selbstbestimmung der Agenda 21 14
1.4 Die Bedeutung von Lokalpolitik 15
1.5 Kritik an der partizipatorischen Demokratie 18
2. PARTIZIPATION UND DEMOKRATIE IN BRASILIEN 22
2.1 Einführung 23
2.2 Politische Kultur und Demokratie in der Geschichte Brasiliens 24
2.3 Verhaltenstradition der Amtsführung in der Geschichte 28
2.4 Die heutige Politik und Demokratie auf Bundesebene 29
2.5 Die Politik und die Partizipation der Randgruppen: das Beispiel der Elendsviertel (Favelas) 31
2.6 Konsequenzen dieser Politik: räumliche und soziale Segregation 34
2.7 Aussichten für mehr Demokratie und Partizipation der Bevölkerung 36
2.8 Finanzielle Autonomie der Kommunen 38
3. DER ORÇAMENTO PARTICIPATIVO (partizipatorischer Haushalt) 40
3.1 Merkmale des Orçamento Participativo 40
3.2 Der schwierige Anfang des Orçamento Participativo 42
3.3 Die Entwicklung des Orçamento Participativo 43
3.3.1 Die erste Phase (1989/1990) 43
3.3.2 Die zweite Phase (1990/1991) 44
3.3.3 Die dritte Phase (1991/1992) 46
3.3.4 Die vierte Phase (1993/1995) 47
3.4 Strukturen des Orçamento Participativo 48
3.4.1 Der Beirat des partizipatorischen Haushaltes 50
3.4.2 Das regionale Delegiertenforum des Orçamento Participativo 53
3.5 Funktionsweise des Orçamento Participativo 54
3.5.1 Regionalisierung und Verwaltungsreform 54
3.5.2 Kriterien zur Mittelvergabe 56
3.5.3 Der Partizipationsprozeß 59
3.5.4 Überblick des jährlichen Zyklus 61
3.5.5 Die Rolle der Regierung 63
3.6 Beteiligung der Bevölkerung 64
3.7 Merkmale der teilnehmenden Bevölkerung 65
3.7.1 Einkommen 65
3.7.2 Alter 67
3.7.3 Schulabschluß 68
3.7.4 Geschlecht 69
3.7.5 Berufliche Stellung 70
3.8 Ergebnisse der partizipatorischen Politik 71
SCHLUSSBEMERKUNGEN 79
LITERATURVERZEICHNISSE 82

Arbeit zitieren:
Zimmermann, Clovis März 1999: Vom Paternalismus zur partizipatorischen Demokratie auf lokaler Ebene, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Partizipation, Demokratie, Politik, Brasilien, Verwaltung

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