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Pädagogische Aspekte der Linkshändigkeit

Pädagogische Aspekte der Linkshändigkeit
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Marion Eder
  • Abgabedatum: Januar 2001
  • Umfang: 126 Seiten
  • Dateigröße: 989,7 KB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Universität Regensburg Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-4332-0
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-4332-0 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-4332-0 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Eder, Marion Januar 2001: Pädagogische Aspekte der Linkshändigkeit, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Händigkeit, Lateralität, Linkshänder, Linkshändigkeit, Pädagogik

Diplomarbeit von Marion Eder

Gang der Untersuchung:

Die vorliegende Arbeit setzt sich mit den Problemen auseinander, die sich Linkshändern in einer rechtshändigen Gesellschaft stellen. Welche Schwierigkeiten im Besonderen in der Schule auftreten und wie Lehrer mit Linkshändigkeit umgehen, wird anhand einer eigenen Fragebogenuntersuchung, die sich an Grundschullehrer richtet, ermittelt. Die wissenschaftliche Grundlage für diese Untersuchung, die theoretischen Aspekte der Linkshändigkeit, wird im ersten Teil der Arbeit gelegt.

Zunächst wird im ersten Kapitel das gesellschaftliche Bild gegenüber Linkshändigkeit analysiert. Eltern und Erzieher sind nicht immer genügend über die Folgen einer Umerziehung der Händigkeit informiert. Sie sind unsicher im Umgang mit ihren linkshändigen Kindern. Oft findet eine Wertung der Händigkeit statt, wobei Rechtshändigkeit kulturell höher bewertet wird als Linkshändigkeit. Kinder werden veranlasst, das „schöne“ Händchen zur Begrüßung zu reichen und mit der „richtigen“ Hand zu essen.

Über die Ursachen der Linkshändigkeit besteht noch immer keine Einigkeit. Im zweiten Kapitel werden verschiedene Möglichkeiten der Ursachen diskutiert. Unbestritten scheint jedoch die Theorie, dass Erbfaktoren eine entscheidende Rolle spielen. Auf die möglichen Ursachen aufbauend wird im dritten Kapitel der Zusammenhang zwischen Händigkeit und Spezialisierung der Gehirnhälften dargestellt.

Wie die Händigkeit bestimmt werden kann, welche Testmöglichkeiten bestehen und welche Schwierigkeiten bei der Bestimmung der Händigkeit auftreten, wird Gegenstand des vierten Kapitels sein.

Kapitel fünf beschäftigt sich eingehender mit der Problematik der Umschulung und der Unterstützung der Linkshänder. Auch wenn keine drastischen Umschulungsversuche wie Zwang, Hand auf den Rücken binden oder Einwickeln mehr durchgeführt werden, so funktionieren doch subtilere Umschulungsmaßnahmen durch Belohnungssysteme und Überredungskünste oder das nicht zu unterschätzende Nachahmungs- und Modellverhalten der Kinder selbst. Es wird auf verschiedene Hilfestellungen für Linkshänder und die Methodik des linkshändigen Schreibens, besonders unter Berücksichtigung der Stellung des Lehrers, eingegangen.

Der zweite Teil der Arbeit besteht aus der bereits erwähnten Fragebogenuntersuchung, die es sich zum Ziel gesetzt hat, die Einstellung der Grundschullehrer gegenüber Linkshändigkeit, ihr Wissen über die Thematik und die Anwendung dieses Wissens zu erforschen.

Inhaltsverzeichnis:

I. Einleitung 4
II. Theoretische Aspekte der Linkshändigkeit 6
1. Gesellschaftliches Bild der Linkshändigkeit 6
1.1 Historischer Überblick 6
1.2 Bedeutung der Begriffe rechts und links in unserer Sprache 10
1.3 Religiöse Auffassungen zur Händigkeit 13
1.4 Heutige Einstellungen gegenüber Linkshändigkeit 16
2. Mögliche Ursachen der Linkshändigkeit 18
2.1 Pathologische Linkshändigkeit 18
2.2 Genetische Bedingtheit 21
2.3 Umwelteinfluss 26
2.4 Testosteron-Theorie 29
3. Lateralität der Händigkeit 31
3.1 Definition 31
3.2 Spezialisierung der beiden Gehirnhemisphären 36
3.3 Händigkeit und Hemisphärendominanz 40
4. Bestimmung der Händigkeit 43
4.1 Schwierigkeiten der Testmethoden 43
4.2 Beobachtung 47
4.3 Hand-Dominanz-Test (HDT) nach Steingrüber/Lienert 54
4.4 Leistungsdominanztest (LDT) nach Schilling 56
5. Schulung der Linkshänder 60
5.1 Umschulung von Linkshändern 60
5.2 Rückschulung auf die dominante Hand 65
5.3 Unterstützung von Linkshändern 68
5.4 Aufgabe von Schule und Lehrer 72
III. Eigene Untersuchung 80
1. Hypothesen und Ziele 80
2. Auswahl und Zusammensetzung der Stichprobe 80
3. Beschreibung des Untersuchungsverfahrens – Fragebogen 81
4. Darstellung und Interpretation der Ergebnisse 82
4.1 Einstellung der Grundschullehrer gegenüber Linkshändigkeit 86
4.2 Kompetenz der Grundschullehrer 91
4.3 Pädagogische Konsequenzen 93
5. Diskussion 97
IV. Zusammenfassung 100
V. Literaturverzeichnis 102
VI. Anhang 105
VII. Erklärung 122

Automatisiert erstellter Textauszug:

In zunehmenden Maße wird die Frage nach einer möglichen Rückschulung auf die dominante Hand gestellt. Besonders bei linkshändigen Kindern, die aus welchen Gründen auch immer, mit der rechten Hand schreiben, und bei denen große Schwierigkeiten in den ersten Schuljahren aufgetreten sind, wird eine Rückschulung in Erwägung gezogen. Man erhofft sich dabei, dass die negativen Umschulungsfolgen verschwinden oder zumindest vermindert werden. Auch erwachsene umgeschulte Linkshänder können gegebenenfalls versuchen, sich auf die dominante Hand zurückzuschulen. Rückschulung der Händigkeit bedeutet, dass bestimmte Tätigkeiten, die von der nicht dominanten Hand alleine ausgeführt werden oder bei denen die nicht dominante Hand bisher die Führungsrolle hatte, auf die dominante Hand zurückgeschult werden. [...]

61 Liebesentzug, Entzug von Spielsachen oder Vorenthalten von Belohnungen für Leistungen des Kindes in anderen Bereichen waren nicht weniger drastische Umschulungsmethoden. Solche Maßnahmen sind heute in den allermeisten Fällen nicht mehr üblich. Doch Umschulung der Linkshänder existiert nach wie vor, auch wenn sie wesentlich subtiler verläuft. Besonders Eltern, Großeltern oder nahe Verwandte, wichtige Bezugspersonen, üben großen Einfluss auf die Händigkeit der Kinder aus. Am häufigsten geschieht dies beim Essen, Malen und Schreiben. Die Kinder sollen lernen, mit Messer und Gabel „richtig“ umzugehen, das „schöne Händchen“ zur Begrüßung zu geben und den Stift, „wie alle anderen auch“, mit der rechten Hand zu halten. Rechtshändigkeit wird immer noch in vielen Familien als Norm angesehen, die es anzustreben gilt. Das Problem der Umschulung tritt somit meist nicht erst mit Eintritt in die Schule auf, sondern bereits im Kindergarten- oder Vorschulalter oder sogar noch früher. Kinder werden durch Belohnungssysteme, durch Versprechen von Süßigkeiten oder Geld dazu gebracht, mit der rechten Hand zu hantieren. Überredungskünste („Tu es doch für Mami, damit sie stolz auf dich sein kann“) oder moralischer Druck („Du hast es mir doch versprochen“) sind weitverbreitete Mittel, um Kinder von der Benutzung der rechten Hand zu überzeugen. Im Kindergarten kommt dann der Einfluss der Gruppe hinzu. So kann es auch sein, dass sich Kinder von selbst auf die rechte Hand umschulen, da sie andere Kinder nachahmen oder es genauso machen wollen wie ihre Vorbilder, Erzieherinnen, älteren Geschwister oder Freunde. Dieses Modell- und Nachahmungsverhalten der Kinder ist die am wenigsten erkennbare Art der Umschulung, weil die Kinder dies selbst ohne offensichtlichen Druck von außen durchführen. Es ist eine falsch verstandene Anpassung der linkshändigen Kinder an die rechtshändige Gesellschaft, da sie nicht negativ auffallen und eine Ausnahme sein wollen. Sie wollen „nicht anders sein als die anderen“. [...]

Die Händigkeit des Menschen ist Ausdruck einer bestimmten Betonung im Gehirn, der Funktionsaufteilung in den beiden Gehirnhälften. Wird die natürliche Ausprägung der Händigkeit beeinflusst, können Störungen im Gehirn auftreten. In den vergangenen Kapiteln wurde durch die Darstellung der theoretischen Hintergründe über Linkshändigkeit, nämlich der Gründe für eine bestimmte Ausprägung der Händigkeit, der Zusammenhang mit der Gehirnasymmetrie und der Bestimmung der Händigkeit, die Grundlage gelegt, um das nun folgende Kapitel, den praktischen Umgang mit Linkshändigkeit, nachvollziehen zu können. Eltern, Lehrer und Pädagogen sind dazu aufgefordert, die Kinder ihrer anlagemäßigen Händigkeit entsprechend zu fördern und zu unterstützen. Dazu ist Information wichtig, damit die Händigkeit eines Menschen nicht mehr als eine bloße Frage der Geschicklichkeit betrachtet wird. Erwachsene müssen darüber informiert sein, dass eine Umschulung der Händigkeit der Kinder zu großen Problemen in den Gehirnfunktionen führen kann. Linkshändigkeit ist eine von zwei gleichwertigen Möglichkeiten der Händigkeit und sollte genauso akzeptiert werden wie Rechtshändigkeit. Ist die Umschulung von Linkshändern auf die rechte Hand immer noch ein aktuelles Thema? Oder wird dies heute Auf Grund des Wissens über Linkshändigkeit nicht mehr praktiziert? Diese und andere Fragen, etwa wie die Unterstützung von Linkshändern aussehen kann und welche besondere Rolle dabei die (Grundschul)Lehrer spielen, wird im Folgenden behandelt. [...]

Arbeit zitieren:
Eder, Marion Januar 2001: Pädagogische Aspekte der Linkshändigkeit, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Händigkeit, Lateralität, Linkshänder, Linkshändigkeit, Pädagogik

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