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Pädagogik der Anerkennung

Pädagogik der Anerkennung
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Kristina Lange
  • Abgabedatum: April 2008
  • Umfang: 141 Seiten
  • Dateigröße: 1,2 MB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Universität Kassel Deutschland
  • Bibliografie: ca. 98
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-2522-7
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Lange, Kristina April 2008: Pädagogik der Anerkennung, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Lerntheorien, Resilienz, Neurobiologie, Humanistische Pädagogik, Konstruktivismus

Diplomarbeit von Kristina Lange

Einleitung:

Kulturen und Gesellschaften fordern zeitgenössische Lerntheorien und sich darauf beziehende Pädagogien. Jene können jedoch erst dann wahrhaftig wirksam werden, wenn ihre zeitgenössischen Forderungen erkannt und der Mensch in ihr und durch sie verstanden wird. Die vorliegende Arbeit befasst sich mit dem ganzheitlichen Verständnis des Menschen und impliziert im Focus seine größte Begabung: die Fähigkeit zu lernen. In Kapitel 2, Scham und Anerkennung, wird vorerst auf das eingegangen, was Lernen be- oder verhindert. Nur so kann deutlich werden, was die größte Begabung des Menschen fordert, die Selbstanerkennung und Selbstwirksamkeit. Kapitel 3 befasst sich mit den Beweggründen des menschlichen Lernens und seinen Unterschieden. In Kapitel 4 wird Lernen aus den unterschiedlichen Perspektiven der Neurobiologie und Pädagogik beleuchtet. Das Kapitel 5 befasst sich mit verschiedenen Lerntheorien in Bezug auf ihren geschichtlichen Kontext. Da der Mensch in einer anerkennenden aktuellen Pädagogik generell individuell zu beleuchten ist, wird im Kapitel 6 der didaktische Konstruktivismus, als Lern- und Erkenntnistheorie ausführlicher dargestellt. Inwieweit der Mensch in seinen Gegebenheiten ganzheitlichen, gesellschaftlichen Prägungen ausgesetzt und unterlegen ist, die sein Lernen entscheidend beeinflussen, wird in Kapitel 7 Sozialisation besprochen.

Die intimsten und prägendsten Gruppengefüge, die im Sozialisationskontext verankert sind, werden im Kapitel 8 der Gruppen beleuchtet. Der Mensch wurde in den vorherigen Kapiteln aus unterschiedlichen Perspektiven und im Kontext seiner Sozialisationsbedingungen betrachtet. Kapitel 9 legt den Focus auf seine Identität, sein Selbst und seine Moralentwicklung. Kapitel 10 bildet den Abschluss und befasst sich mit der wichtigsten Unterstützung, der ein Mensch im aktuellen Kontext in Bezug auf Lernen bedarf: der Resilienz- und Selbstwirksamkeitsförderung.

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 1
2. Scham und Anerkennung 3
2.1 Scham 3
2.2 Formen der Scham 4
2.3 Gibt es eine Ur-Scham 6
2.4 Schamabwehrverhalten 7
2.5 Beschäme und herrsche 9
2.6 Anerkennung versus Scham- eine pädagogische Geheimwaffe 11
2.7 Selbstanerkennung 14
3. Lernen, wir unterscheiden uns 16
3.1 Warum lernen Menschen? 16
3.2 Wir sehen das, was wir kennen 19
4. Was ist Lernen? 24
4.1 Lernen aus der Sicht der Neurobiologie 24
4.2 Allgemeines Lernen, wie funktioniert es? 25
4.3 Lernen unterteilt sich in Phasen 27
4.4 Die Wahrnehmungs-Erfahrungs-Landkarte 29
4.5 Was bedeutet Wahrnehmung? 31
4.6 Neurobiologie und Pädagogik 34
5. Die Klassischen Lerntheorien 35
5.1 Die Klassische Konditionierung 35
5.2 Geschichtliche Einbettung der Klassischen Konditionierung 35
5.3 Der Ansatz der Klassischen Konditionierung 36
5.4 Die Operante Konditionierung 39
5.5 Geschichtliche Einbettung der operanten Konditionierung 40
5.6 Der Ansatz der operanten Konditionierung 41
5.7 Der Ansatz integrativer Lerntheorien 43
5.8 Geschichtliche Einbettung integrativer Lerntheorien 44
5.9 Clark Leonard Hull 1884-1952 45
5.10 O. Hobart Mowrer 1907-1982 46
5.11 Edward Chace Tolman 1886-1959 47
5.12 Der Ansatz sozialer Lerntheorien 47
5.13 Geschichtliche Einbettung sozialen Lernens 48
5.14 Julian B. Rotter (1906-) 49
5.15 Martin Seligman (1942-) 50
5.16 Albert Bandura (1925-) 51
5.17 Die Gestaltpsychologie 52
5.18 Geschichtliche Einbettung der Gestaltpsychologie 52
5.19 Der Ansatz der Gestaltpsychologie 53
6. Der didaktische Konstruktivismus 57
6.1 Übergreifende konstruktivistische Begriffe 57
6.2 Der Mensch ist ein geschlossenes System 57
6.3 Der Mensch konstruiert seine eigene Welt 58
6.4 Die Intersubjektivität 59
6.5 Die Viabilität 60
6.6 Einführungen in die konstruktivistische Lerntheorie 61
6.7 Die Entwicklung der konstruktivistische Didaktik 63
6.8 Konstruktivistische Didaktik 64
7. Sozialisation 66
7.1 Individualität und Sozialcharakter 68
7.2 Innere und äußere Welt 70
7.3 Strukturen des Sozialisationsprozesses 71
7.4 Phasen des Sozialisationsprozesses 74
7.5 Die Selbstwirksamkeit 77
8. Gruppen 80
8.1 Primärgruppen 80
8.2 Die Familie als einflussreichste formelle Primärgruppe 81
8.3 Eltern und Kind 82
8.4 Geschwister 86
8.5 Familie und Autonomie 89
8.6 Informelle Gruppen 92
8.7 Peer-Groups und ihre Funktionen 93
8.8 Selbstvertrauen als Basis der Peer-Groups 96
8.9 Freundschaften 98
9. Identität 101
9.1 Das Selbst aus unterschiedlichen Perspektiven 104
9.2 Das Entscheidende des Selbst - die Moral 107
9.3 Ich –Stärke vs. moralisches Wissen und unmoralisches Handeln 110
9.4 Moralentwicklung 110
10. Resilienz 114
10.1 Die Bewältigung von Entwicklungsaufgaben der Altersstufen 115
10.2 Widerstandskraft 117
10.3 Resilienz ist lernbar 119
10.4 Was kennzeichnet resiliente Kinder und ihr Umfeld 120
10.5 Wie wird ein Mensch resilienzfähiger 123
10.6 Resilienzförderung 124
11. Resümee 127
12. Quellenverzeichnis 129

Textprobe:

Kapitel 5.7, Der Ansatz integrativer Lerntheorien:

Im Gegensatz zur klassischen und operanten Konditionierung beleuchten die interaktiven Ansätze, dass zwischen Reiz und Reaktion bedeutende Vorgänge stattfinden, die Lernen wesentlich beeinflussen. Reaktionen wie auch Konsequenzen ergeben sich demnach aus vorhergehenden Reizen und dem, was die Reize im Menschen individuell auslösen. Solche Faktoren sind Motivationen und Emotionen, wie Kognitionen und daraus resultierende Erwartungen. Wie ich mich verhalte ist also abhängig davon, was ich kenne. Das, was ich kenne, steht immer unter motivierender und emotionaler Beeinflussung. Diese Beeinflussung lenkt meine Erwartungen. Daraus resultiert ein individuelles Verhalten.

‘Wenn ich wieder einmal über mich nachdenke, komme ich zu folgendem Beispiel: Eine gute Freundin hat vor nicht allzu langer Zeit zu mir gesagt: ‘Kristina, wenn ich philosophieren möchte, um Antworten zu finden, dann komme ich zu dir.’ Im ersten Moment konnte ich mit ihrer Aussage nichts anfangen, denn ich gebe doch genauso Antworten wie andere. Es geht aber darum, wie und welche Antworten von mir gefunden werden, und das ist immer eine Frage des Blickwinkels. Ich bin mit Sicherheit kein Philosoph. Denke ich über meine Erziehung und Bildung nach, die anthroposophisch orientiert war, begreife ich ihr Argument. Den Blickwinkel einer anderen Person kennenzulernen macht Gespräche interessant, spannend und anregend. Denn aus ihnen kann ein Verhalten resultieren, welches nicht auf dem eigenen Hintergrund beruht.’ Es entwickelt sich auf Grund dessen ein neues Lernverständnis.

Geschichtliche Einbettung integrativer Lerntheorien:

Das erste Jahrzehnt der Nachkriegszeit, gestaltete sich für Europa sehr wirtschaftlich schwierig und mühselig. Parallel erfreute sich Amerika am zunehmenden Wohlstand und Wachstum. Die Lebenserwartung stieg, der Einwanderungsstrom hielt an und die beträchtliche Geburtenrate ließ die Bevölkerungsanzahl zwischen 1940 und 1970 um 55 Prozent ansteigen. Nicht nur die amerikanische Wirtschaft erfuhr Aufschwung, sondern auch ihr Militär- und Verwaltungsapparat. Mehr als zwanzig Prozent der arbeitenden Bevölkerung waren unter ihnen beruflich angestellt. Das steigende Nationaleinkommen ermöglichte der amerikanischen Regierung verstärktes innenpolitisches Engagement, was dem Gesundheits- Erziehungs- und Sozialwesen zu Gute kam.

Doch leider forderte das schnelle wirtschaftliche Wachstum seinen Tribut. Das schnelle Anschwellen der Städte veranlasste den Mittelstand, sich in das Landesinnere zurückzuziehen. Wer in den Zentren der Städte zurückblieb, war meistens arm, arbeitssuchend oder mittellos. Ghettobildungen, Rassenkonflikte und Diskriminierungen waren die unausweichliche Folge. Martin Luther King setzte sich im Jahre 1955/56 erstmals für das Recht der Schwarzen ein, jedoch soziale Ungerechtigkeiten boten weiterhin Anstoß für blutige Unruhen und Auseinandersetzungen.

Clark Leonard Hull 1884-1952:

Hull zählt zu den bedeutsamsten amerikanischen Vertretern der klassischen Lerntheorien in der frühen Nachkriegszeit des Zweiten Weltkrieges. Er ist Freund der Pawlowschen Gesetze. Die klassische Konditionierung dient ihm als Basis für seinen eigenen Beitrag der psycho-logischen Forschung.

Hull veröffentlicht 1943 ‘Principles of Behavior’. Er versteht das menschliche Verhalten als Ergebnis der konstanten Interaktion zwischen Organismus und Umwelt, schreibt Guy R. Lefrancois.96 Die Umwelt bietet Reize und der Organismus Reaktionen. Der Unterschied zur klassischen Konditionierung ist folgender: Für Hull ist die unbeobachtbare Komponente (die intervenierende Variable) ausschlaggebend für die Reaktion. Weil sie nicht direkt beobachtbar sind, schließt die klassische Konditionierung jene aus.

Intervenierende Variablen sind als Gewohnheitsstärken oder Triebe zu verstehen. Sie sind, Organismus variablen, etwa wie individuelle Lebensgeschichten, biologische Bedürfnisse oder Mündigkeitszustände. Sie stehen zwischen Reiz und Reaktion. ‘In diesem Sinne postulieren Hulls intervenierende Variablen zwischen Reiz (Input-Variable) und Reaktion (Output-Variable), welche zwar nicht direkt beobachtbar, aber aufgrund systematischer Beobachtungen erschließbar sind’, psychoanalytische und lerntheoretische Annahmen waren somit miteinander verbunden. Die intervenierenden Variablen beinhalten ein reaktionsförderndes Potential und/oder ein reaktionshemmendes Potential, welches auf Verhalten Einfluss nimmt. Folgt eine Reaktion auf einen Reiz, ist er also davon abhängig, ob reaktionsfördernde oder reaktionshemmende Faktoren überwiegen.

Arbeit zitieren:
Lange, Kristina April 2008: Pädagogik der Anerkennung, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Lerntheorien, Resilienz, Neurobiologie, Humanistische Pädagogik, Konstruktivismus

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