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Paarbeziehungen und Paarkonflikte im Kontext systemischer Beratung

Paarbeziehungen und Paarkonflikte im Kontext systemischer Beratung
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Annette Suhr
  • Abgabedatum: Juni 2005
  • Umfang: 101 Seiten
  • Dateigröße: 548,2 KB
  • Note: 1,7
  • Institution / Hochschule: Universität Bielefeld Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-9012-6
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-9012-6 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-9012-6 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Suhr, Annette Juni 2005: Paarbeziehungen und Paarkonflikte im Kontext systemischer Beratung, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Kollusionskonzept, Autopoietische Systeme, Mailänder Team, Teufelskreise, Genogrammarbeit

Diplomarbeit von Annette Suhr

Einleitung:

Die vorliegende Arbeit befasst sich mit Paarbeziehungen und Paarkonflikten im Kontext systemischer Beratung. Meine Intention ist es zum einen darzustellen, wie heutige Partnerschaften gestaltet werden, welche Phasen sie durchlaufen und welche Konfliktmuster für viele Paarbeziehungen kennzeichnend sind. Zum anderen wird der Frage nachgegangen, auf welche Weise sich die systemische Beratung mit diesen Konflikten auseinandersetzt und welche Möglichkeiten sie für Paare bietet, ihre Beziehung auf eine Weise fortzuführen, dass der Wunsch nach Verbundenheit, Loyalität, Beständigkeit und Liebe bei gleichzeitiger Individualität und persönlicher Identitätsentwicklung (zumindest annähernd) erfüllt wird.

Der Leser soll durch diese Arbeit einen Eindruck und ein Gefühl für systemische Beratung bekommen. Mir ist bewusst, dass ich natürlich nicht alle Aspekte und Methoden systemischer Therapie berücksichtigen kann, da sonst der Rahmen der Arbeit gesprengt würde, ich erhebe hier also keinen Anspruch auf Vollständigkeit. In dieser Arbeit werden jedoch die meiner Meinung nach wichtigsten Aspekte von Paarbeziehungen, systemischer Theorie und Beratung aufgeführt und ausführlich und nachvollziehbar dargestellt.

Gang der Untersuchung:

Ich habe mich dazu entschlossen, die Arbeit in die drei große Themenblöcke Paarbeziehungen, Systemische Theorie, Modell einer systemischen Therapie zu gliedern. Der dritte Block kann sozusagen als „Summe“ aus dem ersten und zweiten gelten, da er die beiden ersten Themen in sich vereint.

Der erste Block befasst sich ausschließlich mit Paarbeziehungen, systemische Beratung wird hier vorerst ausgeklammert. Es geht darum, einen Einstieg in das Thema zu bekommen, indem einerseits ein Überblick darüber gegeben wird, welchem gesellschaftlichen Wandel Partnerschaften in den letzen Jahrzehnten unterworfen waren, andererseits werden die vier Phasen einer Ehe mit ihren typischen Krisen, sowie die Grundstrukturen problematischer Beziehungen dargestellt.

Der zweite Block thematisiert ausschließlich die systemische Theorie und stellt die theoretischen Konstrukte unabhängig von Paarbeziehungen dar. Bedeutungsrelevante Begriffe der Theorie werden definiert, es wird auf die Konzepte der Autopoiese und Kybernetik eingegangen und Luhmanns Vorstellung von Systemtheorie wird erläutert. Anschließend nähern wir uns dem Thema systemischer Beratung, indem die Kernbegriffe Realität, Kausalität, Sprache und Rekursivität, sowie das Problemverständnis aus systemischer Sichtweise vorgestellt werden. Da dieser Block sehr theorielastig und stellenweise vielleicht etwas „trocken“, jedoch unerlässlich ist, entschloss ich mich dazu, einen Exkurs über den familientherapeutischen Ansatz des Mailänder Teams folgen zu lassen. Dieser veranschaulicht meines Erachtens die vorgestellten theoretischen Konstrukte, indem sie in einen nachvollziehbaren und verständlichen Rahmen gefasst werden.

Im dritten Block vereinen sich der erste und zweite sozusagen, indem das Modell einer systemischen Therapie dargestellt wird. Zunächst gehe ich hier auf die Grundhaltung des Therapeuten ein, gefolgt von den Techniken der systemischen Paartherapie. Diese Techniken unterteile ich in die drei Schritte Diagnose, Therapeutische Methoden und Systemische Interventionen. Zur Abrundung und Vervollständigung des Modells der systemischen Therapie wird im letzten Punkt auf den Abschluss der Beratung eingegangen.

Die Arbeit endet mit einem abschließenden Fazit.

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 1
2. Paarbeziehungen 3
2.1 Der gesellschaftliche Wandel von Paarbeziehungen und seine Auswirkungen 4
2.2 Die Phasen einer Ehe mit ihren typischen Krisen 9
2.2.1 Die Phase der stabilen Paarbildung 11
2.2.2 Die Aufbau- und Produktionsphase der Ehe 12
2.2.3 Die Krise der mittleren Jahre 14
2.2.4 Die Altersehe 16
2.3 Grundstrukturen problematischer Beziehungen 18
2.3.1 Das Kollusionskonzept 18
2.3.2 Der zwischenmenschliche Teufelskreis 21
3. Systemische Theorie 24
3.1 Die Bedeutung der Systemtheorie in anderen Disziplinen und ihre Übertragung auf die systemische Therapie 26
3.2 Definitionen bedeutungsrelevanter Begriffe 28
3.2.1 Systeme 28
3.2.2 Subsysteme 29
3.2.3 Grenzen 30
3.2.4 Regeln 30
3.3 Das Homöostase-Konzept 31
3.4 Die Theorie autopoietischer Systeme 31
3.5 Systemtheorie nach Niklas Luhmann 33
3.6 Kybernetik der Beziehungen 35
3.7 Kernbegriffe systemischer Beratung 38
3.7.1 Realität 38
3.7.2 Kausalität 39
3.7.3 Sprache und Rekursivität 41
3.7.4 Problemverständnis 43
3.8 Diskurs: Der Familientherapeutische Ansatz des Mailänder Teams 45
3.8.1 Geschichtliche Entwicklung 46
3.8.2 Theoretische Annahmen 48
3.8.3 Struktur des Therapieprozesses 50
4. Modell einer systemischen Therapie 52
4.1 Grundhaltung des Therapeuten 52
4.1.1 Neutralität 53
4.1.2 Neugier 55
4.1.3 Ressourcenorientierung 56
4.1.4 Erweiterung der Möglichkeiten 56
4.1.5 Verantwortung des Therapeuten 57
4.1.6 Therapeut- Klienten Beziehung 59
4.2 Techniken der systemischen Paartherapie 62
4.2.1 Diagnose 64
4.2.1.1 Aufnahmephase/Erstgespräch 64
4.2.1.2 Genogrammarbeit 66
4.2.1.3 Teufelskreise erkennen 72
4.2.2 Therapeutische Methoden 75
4.2.2.1 Hypothesenbildung 75
4.2.2.2 Systemisches Fragen 77
4.2.3 Systemische Interventionen 83
4.2.3.1 Skulpturen 84
4.2.3.2 Paradoxe Ansätze 86
4.2.3.3 Hausaufgaben 88
4.2.4 Abschluss der Beratung 89
5. Fazit 91
Literaturverzeichnis 94

Automatisiert erstellter Textauszug:

4.1.5 Verantwortung des Therapeuten „Das Problem bei der Verantwortung ist, dass man sie nur für das gewährleisten kann, was man steuern kann“ (Simon/Weber 1988, S. 272, a.a.O.). Lebende Systeme sind jedoch autonom und instruktive Interaktion von außen ist nicht möglich. Ist der Therapeut in Folge dessen von jeglicher Verantwortung seinen Klienten gegenüber befreit? Würde man diese Frage bejahen, käme man sehr schnell zu dem Schluss, dass der Therapeut keinerlei Macht über seine Klienten hat und es letztendlich beliebig ist, was er tut. Versteht man unter Macht den gradlinigen Zusammenhang von Ursache und Wirkung, so ist der Berater tatsächlich machtlos. Therapeutisch „richtiges“ Verhalten führt nicht zwangsläufig zur „Heilung“ der Klienten. Der Berater trägt also keine Verantwortung dafür, ob es den Klienten gut oder schlecht geht. Er ist nicht verantwortlich für ihre Gefühle, er stößt in diesem Bereich an seine Grenzen. Akzeptiert ein Berater diese Grenzen nicht, wird er sehr schnell mit seiner Ohnmacht konfrontiert, die er dann möglicherweise auf alle Bereiche persönlicher Einflussnahme überträgt und er somit handlungsunfähig wird. Doch worin besteht nun die Verantwortung des Therapeuten? Simon/Weber (1988, a.a.O.) zufolge entsteht Macht, wenn ein Interaktionspartner in der Lage ist, dem anderen Schaden zuzufügen (destruktive Interaktion). Im therapeutischen Kontext wäre dies der Fall, wenn der Therapeut den Verhaltensspielraum einengen oder dem Klienten mit Sanktionen drohen würde. Der Anspruch an den Therapeuten besteht [...]

4.1.4 Erweiterung der Möglichkeiten Die Zielrichtung systemischen Denkens lässt sich am besten mit Heinz von Foersters „ethischem Imperativ“ beschreiben: „Handle stets so, dass du die Anzahl der Möglichkeiten vergrößerst“ (zit. n. von Schlippe/Schweitzer 2002, S. 116). In der beruflichen Realität bedeutet das für den Therapeuten, dass alles was den Möglichkeitsraum eingrenzt, kontraproduktiv für das Gelingen der Beratung und als „unsystemisch“ zu bewerten ist. Das Prinzip der Neutralität verhilft hier dem Therapeuten zu einer Haltung, die sich tabuisiertem oder dogmatischem Denken entgegenstellt und ihn vor Denkverboten und Richtig- Falsch Bewertungen, die den Möglichkeitsraum einengen würden, bewahrt (dies.). „Therapie ist (…) gemeinsames Ringen um Wirklichkeitsdefinitionen. Alle psychologischen Maßnahmen verändern (…) die Art und Weise, wie (…) über Probleme (…) und die damit zusammenhängenden Optionen gesprochen wird. Sie [...]

3.8.3 Struktur des Therapieprozesses Das Therapiemodell des Mailänder Teams zeichnet sich zum einen dadurch aus, dass wenige Sitzungen (ca.10) über einen großen Zeitraum (Monate, Jahre) verteilt werden. Den Teammitgliedern fiel im Laufe ihrer beruflichen Tätigkeit auf, dass die Familien den größten Erfolg zeigten, die einen relativ großen Zeitabstand zwischen ihren Sitzungen hatten. Sie begannen diesen Zeitabstand auch bei anderen Klienten einzuführen und hatten damit Erfolg. Dieser wird damit erklärt, dass therapeutische Interventionen Zeit brauchen, um sich zu entfalten. Dieser Veränderungsprozess sollte nicht durch zu häufige Sitzungen gestört werden. Einen weiteren Vorteil langer Zeitabstände sieht das Mailänder Team darin, dass die Familie den Therapeuten nicht in ihr symptomatisches Verhalten mit einbezieht und ihn somit zum Bestandteil der Lösung macht. Dies könnte auch dazu führen, dass das System keine Verbesserungen zeigt, um somit den Therapeuten nicht zu verlieren. Ein anderes wichtiges Merkmal ist der Aufbau der Sitzungen. Während ein oder zwei Therapeuten mit der Familie arbeiten, werden sie durch eine Einwegscheibe von zwei anderen Therapeuten beobachtet. Diese verfolgen den Ablauf der Therapie und greifen [...]

Arbeit zitieren:
Suhr, Annette Juni 2005: Paarbeziehungen und Paarkonflikte im Kontext systemischer Beratung, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Kollusionskonzept, Autopoietische Systeme, Mailänder Team, Teufelskreise, Genogrammarbeit

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