Outsourcing der Erstausbildung bei Finanzdienstleistern
- Art: Studienarbeit
- Autor: Peter Senger, Damir Barac, Bert Ziberi
- Abgabedatum: Januar 2005
- Umfang: 90 Seiten
- Dateigröße: 1,3 MB
- Note: 1,3
- Institution / Hochschule: Bankakademie e.V. Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-5443-2
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-5443-2 P - ISBN (CD) :978-3-8324-5443-2 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Peter Senger, Damir Barac, Bert Ziberi Januar 2005: Outsourcing der Erstausbildung bei Finanzdienstleistern, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Personalmanagement, Unternehmenskultur, Transaktionskostentheorie, Principal-Agent-Theorie, Entwicklung
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Studienarbeit von Peter Senger, Damir Barac, Bert Ziberi
Einleitung:
Die Vorgehensweisen in der Personalwirtschaft von Finanzdienstleistern unterscheiden sich nach Branche, Institutsgruppe, regionaler Lage des Unternehmens, Unternehmenskultur und Personalbedarfsplanung.
Die Verfasser haben sich entschieden, aus Gründen der Übersichtlichkeit der Thematik Personalwirtschaft, den Bereich der Erstausbildung bei Finanzdienstleistern zu fokussieren. Um die Situation im Bereich der Erstausbildung darzustellen, auf die sich aus Gründen der Komplexität diese Studienarbeit beschränkt, ist auch die Berücksichtigung demographischer und allgemeiner wirtschaftlicher Entwicklungen wichtig. Neben der Qualifikation der Bewerber im Bereich der klassischen Finanzdienstleister beeinflussen tiefgreifende Veränderungen im Kundenverhalten, zunehmender Einfluss moderner Informations- und Kommunikationstechnologien und rasch wachsender Wettbewerb mit branchenfremden Wettbewerbern die Personalplanung.
Die Kreditinstitute reagieren darauf mit strategischer Neuorientierung, die darauf zielt, unrentable Geschäftsfelder aufzugeben (Aufgabe des Universalbankanspruchs, Filialschließung, Outsourcing) und eine nachhaltige Umstrukturierung zu erreichen, die den neuen Kunden- und Marktanforderungen entspricht. Die Neuausrichtung umfasst alle Geschäftsprozesse eines Finanzdienstleisters inklusive der Erstausbildung. Gestiegene Anforderungen an die Bewerber für eine Erstausbildung, die Abnahme der Bewerberzahlen für das Berufsbild „Bankkaufmann/-frau“ und die anhaltende relative Leistungsschwäche der Schulabgänger in Deutschland sind die wesentlichen Probleme für Finanzdienstleister bei der gezielten Personalbeschaffung und -ausbildung.
Diesen Trend haben auch regionale und überregionale Dienstleister erkannt und bieten ihre Unterstützung an. Auf diesem neuen Markt bewegen sich Sparkassen- oder Genossenschaftsakademien, die Sparkassenhochschule, Versicherungsakademien oder die Bankakademie e. V., die über Erfahrungen der beruflichen Weiterbildung verfügen. Ergänzend sind hier auch regionale, kreditinstitutsgruppeninterne Zusammenschlüsse für Teilbereiche der Erstausbildung anzuführen, auf die im weiteren Verlauf der Studienarbeit eingegangen wird.
Die Frage, ob externe Unterstützung im Bereich der Erstausbildung in Anspruch genommen werden sollte, wird von zahlreichen Finanzdienstleistern diskutiert. Eine objektive Beurteilung dieser Entscheidung ist durch die subjektive Meinung von Betroffenen, fehlende Kostentransparenz und mangelnde Marktkenntnisse oder Alternativen nicht einfach.
Diese Studienarbeit hat den Anspruch, eine bessere Grundlage für die Entscheidung eines möglichen Outsourcing zu geben, indem sie die relevanten Fragestellungen skizziert und Lösungsmöglichkeiten aus bisher realisierten Vorhaben aufzeigt. Sie soll ferner eine Diskussionsgrundlage schaffen, auf der Verantwortliche von Finanzdienstleistern Fragestellungen beurteilen können und abschließend eine Hilfestellung zur Beantwortung der Frage geben, ob und in welcher Form externe Unterstützung im Bereich der Erstausbildung sinnvoll ist. Eine Aufteilung in Spitzeninstitute der Sparkassen, der Genossenschaftsbanken, Privatbanken und Versicherungen berücksichtigt dabei die individuellen Rahmenbedingungen unter den Finanzdienstleistern.
Der Inhalt der Studienarbeit stellt drei Schwerpunkte dar. Aufbauend auf den Grundlagen des Outsourcing im Bereich der Personalwirtschaft wird die aktuelle Situation relevanter Teilbereiche der Erstausbildung beleuchtet. Sie umfasst sowohl die Seite der Finanzdienstleister als auch die der Anbieter eines möglichen Insourcing. In einer umfassenden Empirie wurden 73 Finanzdienstleister (Kreditinstitute und Versicherungen) sowohl nach den Details ihrer Erstausbildung, als auch nach ihrer Meinung über die mögliche Ausgliederung von Teilen der Erstausbildung und den sich ableitenden Anforderungen an den Insourcer befragt. Ergänzend wurden auch potenzielle Insourcer nach ihrem Angebot durchleuchtet.
Inhaltsverzeichnis:
| Abkürzungsverzeichnis | III | |
| Abbildungsverzeichnis & Tabellenverzeichnis | IV | |
| Verzeichnis der Anhänge | V | |
| 1. | Einleitung | 1 |
| 1.1 | Ausgangslage | 1 |
| 1.2 | Ziele der Studienarbeit | 1 |
| 1.3 | Vorgehensweise | 2 |
| 2. | Allgemeiner Teil | 2 |
| 2.1 | Allgemeine Erläuterungen zu Outsourcing | 2 |
| 2.2 | Arten des Outsourcing | 4 |
| 2.3 | Beweggründe für Outsourcing in der Personalarbeit | 5 |
| 2.3.1 | Personalwirtschaftliche Aspekte | 5 |
| 2.3.1.1 | Demographische Tendenzen | 7 |
| 2.3.1.2 | Personalbedarfsplanung und Gewinnung von Auszubildenden bei Finanzdienstleistern | 8 |
| 2.3.2 | Kosten-Nutzen basierte Überlegungen | 9 |
| 2.3.2.1 | Produktionskosten | 9 |
| 2.3.2.2 | Transaktionskostentheorie | 10 |
| 2.3.2.3 | Principal-Agent-Theorie | 13 |
| 2.4 | Rechtliche Rahmenbedingungen und Vertragswerk | 13 |
| 2.4.1 | Bankenaufsichtsrechtliche und arbeitsrechtliche Bestimmungen | 13 |
| 2.4.2 | Ablauf und vertragliche Regelungen | 15 |
| 2.4.3 | Vertragsgestaltung und Zuständigkeiten/Service Levels | 16 |
| 2.5 | Risiken des Outsourcing | 17 |
| 2.6 | Vorgehen bei der Ausgliederung der Erstausbildung | 19 |
| 2.6.1 | Treffen der Outsourcing-Entscheidung | 19 |
| 2.6.2 | Die möglichen Module der Erstausbildung: Übersicht | 20 |
| 2.6.2.1 | Modulbeschreibung „Bewerbermanagement“ | 21 |
| 2.6.2.2 | Modulbeschreibung „Seminare/Workshops“ | 21 |
| 2.7 | Einflussgröße Unternehmenskultur | 22 |
| 2.7.1 | Definitionen und Ebenen der Unternehmenskultur | 22 |
| 2.7.2 | Die Rolle des Mitarbeiters bei einem Outsoucing-Vorhaben im Rahmen des strategischen Personalmanagements | 23 |
| 2.8 | Praxisbeispiele aus dem Bereich der Erstausbildung | 24 |
| 2.8.1 | Beispiel Eigenerstellung: Stadtsparkasse Düsseldorf | 24 |
| 2.8.2 | Beispiel: Kooperation beim Einstellungstest der Stadt-Sparkasse Solingen mit zwei weiteren Sparkassen | 24 |
| 2.8.3 | Beispiel: Bankakademie/Postbank AG | 25 |
| 3. | Empirische Untersuchung | 26 |
| 3.1 | Ziel der empirischen Untersuchung | 26 |
| 3.2 | Erhebungsmethoden | 26 |
| 3.3 | Inhalt der Fragebögen | 27 |
| 3.4 | Durchführung der Befragung | 28 |
| 3.5 | Fehlreaktion der Befragten | 29 |
| 3.6 | Darstellung der Ergebnisse | 30 |
| 4. | Interpretation der Ergebnisse und Resümee | 48 |
| Anhang | 51 | |
| Literaturverzeichnis | 79 | |
| Persönliche Erklärung | 85 |
- die Doppeldeutigkeit einer Antwort kann nicht überprüft werden, weil Rückantworten als uneingeschränkt gültig erklärt werden müssen. Der Vorteil eines „Interviews“ liegt darin, dass der Adressat kontrolliert befragt und Einfluss ausgeübt werden kann. Dabei wird die Anonymität der Befragten aufgehoben.82 Nachteile sind allerdings höhere Kosten und ein erhöhter organisatorischer Aufwand. Die Antworten können von dem Interviewführer abhängig sein. 3.3. Inhalt der Fragebögen Die Fragen wurden so konzipiert, dass dem Befragten sowohl geschlossene (Multiple-ChoicePrinzip) als auch offene Fragen gestellt wurden. Insgesamt sind 36 Fragen gestellt worden. Der Fragebogen83 wurde mit einem Begleitschreiben versandt, welches den Befragten das Thema und den Hintergrund der Untersuchung vorstellt. Weitere Bestandteile des Begleitschreibens waren der Verweis auf die Nützlichkeit der Untersuchung, die Versicherung der Wichtigkeit der Untersuchungsergebnisse für den Erfolg der Studie und die Zusage auf die vertrauliche Bearbeitung der Daten.84 Bei der Gestaltung des Fragebogens überwiegt die Anzahl der geschlossenen Fragen gegenüber den offenen Fragen. Offene Fragen liefern oft keine exakten Messwerte. Bei geschlossenen Fragen kann aufgrund der von uns vorgegebenen Skalierung eine bessere statistische Auswertung vorgenommen werden. Die Analyse der Ergebnisse ist quantitativ möglich und schafft damit bessere Vergleichsmöglichkeiten. Dennoch wurden beide Arten von Fragen genutzt, um nicht eine ermüdende Wirkung beim Befragten zu verursachen. Für die Interviews ist diese Auflockerung noch wichtiger. RICHTER spricht davon, dass bei schriftlichen Befragungen in jedem assoziativen Block auch dann offene Fragen gestellt werden sollen, wenn ihr Inhalt für die Untersuchung nicht unmittelbar wichtig ist.85 Der Validitätsgrad ist bei offenen Fragen relativ hoch, der Reliabilitätsgrad dagegen relativ niedrig. Bei geschlossenen Fragen ist das Verhältnis genau umgekehrt. Fragen zu den jeweiligen Aufgabenbereichen der Befragten wurden nicht gestellt, weil direkt mit Personalleitern der verschiedenen Kreditinstitute und Versicherungen gesprochen wurde. Die Befragten hatten die Möglichkeit persönlich genannt zu werden oder anonym zu bleiben. Der Fragebogen beinhaltet schwerpunktmäßig Fragen zu den einzelnen Modulen der Erstausbildung.86 Der Aufbau wurde so gestaltet, dass zunächst Fragen zu den verschiedenen Modulen bestehender Abläufe im Rahmen der Erstausbildung gestellt wurden (Fragenblöcke A bis [...]
3. Empirische Untersuchung 3.1. Ziel der empirischen Untersuchung Ziel der empirischen Untersuchung ist es, die Zusammenhänge aus dem theoretischen Teil mit der Praxis abzugleichen. Die Erhebung erfragt Abläufe und Inhalte in den von uns als wichtig definierten Modulen der Erstausbildung. Es soll ferner aufgezeigt werden, wie sich heute quantitative und qualitative Anforderungen an die Erstausbildung darstellen. Darüber hinaus soll ein Überblick über die Bereitschaft und die unterschiedlichen Sichtweisen einzelner Kreditinstitute und Versicherungen gegeben werden. Die Ergebnisse aus der Empirie dienen den Verfassern dazu, eine Entscheidungshilfe bei der Beantwortung der Fragenstellungen zum Thema „Ausgliederung der Erstausbildung“ zu ermitteln und für den Leser zu formulieren. 3.2. Erhebungsmethoden Im Rahmen der Untersuchung sind zwei Verfahren der empirischen Wirtschafts- und Sozialforschung zur Anwendung gekommen.76 Wichtige Kriterien für die Auswahl der Erhebungsmethode sind: Reliabilität77, Validität78 und Objektivität79. In der Ausarbeitung haben die Verfasser die Erhebungsmethoden „Schriftliche Befragung“ und „Interviewmethode“ gewählt. Bei der schriftlichen Befragung wird zwischen der indirekten und der direkten kommunikativen Beziehung, bei der der Befragte bei Verständnisproblemen beim Interviewer rückfragen kann, unterschieden. Der Vorteil der schriftlichen Befragung gegenüber der Befragung im Interview ist, dass sie kostengünstiger ist und weniger Zeit in Anspruch nimmt. Der Befragte unterliegt auch keiner Beeinflussung durch den Interviewer.80 Der Adressat des Fragebogens hat Zeit, verschiedene Informationsquellen in Anspruch zu nehmen. Der Grad an Objektivität nimmt durch einen Fragebogen besonders zu. Das Kriterium der Reliabilität wird in diesem Verfahren nicht genauer untersucht. Nachteile der schriftlichen Befragung können sein:81 - die Repräsentativität kann wegen einer geringen Rücklaufquote gering sein - der Befragte hat bei Verständnisproblemen keine Möglichkeit der Hinterfragung - die Gewährleistung, dass der Fragebogen wirklich von der gewünschten Zielperson beantwortet wurde, ist nicht gegeben - der Befragte beantwortet den Fragebogen, ohne die Fragen genau gelesen zu haben [...]
Unterricht“ unterbreitete die Stadt-Sparkasse Solingen den Kooperationspartnern ein Angebot zur Übernahme der entsprechenden Module. Die Ausgliederung des internen Unterrichts wurde jedoch aufgrund langer Anfahrtszeiten der Auszubildenden nach einem Jahr wieder aufgegeben. Eine Ausgliederung des Moduls „Assessment-Center“ spielte aufgrund unterschiedlicher Philosophien in den einzelnen Sparkassen von Anfang an keine Rolle. Die Vorteile der Kooperation aus Sicht der Stadt-Sparkasse Solingen im Bereich „Einstellungstests“ sind: - Kostenersparnisse - Abwicklung aus einer Hand und Freisetzung personeller Ressourcen - Bewerber müssen nur einen Einstellungstest absolvieren - bessere Vergleichbarkeit durch einheitliche Tests - schnellere Abwicklung durch Zentralisierung. Die Entscheidung fiel zugunsten einer Kooperation, da nach Meinung der Stadt-Sparkasse Solingen zu hohe Risiken beim externen Outsourcing eintreten könnten. Diese Risiken wurden vor allem in einer fehlenden Identifikation der Auszubildenden mit der eigenen Unternehmenskultur gesehen. Dadurch wäre eine unzureichende Bindung an das eigene Unternehmen, vor allem nach der Ausbildung, erzielt worden. Weitere Gefahren sah man auch in einem Verlust der Individualität des Ausbildungsbetriebes und in einem „Nicht Wohlfühlen“ der Auszubildenden aufgrund fehlender Ansprechpartner im eigenen Hause (Menschlichkeit = Bindung). 2.8.3. Beispiel: Bankakademie/Postbank AG Im Rahmen der Ausgliederung von nicht zur Kernkompetenz gehörigen Aufgaben gliederte die Postbank zum 1. September 2004 wesentliche Teile der Erstausbildung (siehe Anhang A11, S. 68) „Module der Erstausbildung“ an die Bankakademie e. V. in Frankfurt aus75. Die Bankakademie ist dabei für die Auswahl und Einsatzplanung von Bewerbern und die Durchführung des betrieblichen Unterrichts und die Kontaktpflege zu den Berufsschulen und Handelskammern zuständig. Interessantes Detail dabei war die kontroverse Diskussion im Vorfeld der Ausgliederungsentscheidung zwischen der Deutsche Post AG und der Gewerkschaft Verdi - sie wurde seitens der Postbank mit dem Argument beendet, dass die Berufsausbildung von Bankkaufleuten sonst auch nicht mehr an allen Standorten stattfinden, bzw. sie ganz eingestellt würde. Als Begründung wurden seitens der Postbank die höhere Professionalität und niedrigere Kosten angeführt. Mit dieser Entscheidung wird auch die bisher über dem Bedarf liegende Ausbildungsleistung der Postbank auf den tatsächlichen Bedarf reduziert. Zunächst wurde ein DreiJahres-Vertrag geschlossen, der erste in dieser Form in Deutschland, in dem ein AuszubildendenManagement ausgegliedert wird (neue Prozesskette siehe Anhang A12, S. 69). [...]
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http://www.diplom.de/ean/9783832454432
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Peter Senger, Damir Barac, Bert Ziberi Januar 2005: Outsourcing der Erstausbildung bei Finanzdienstleistern, Hamburg: Diplomica Verlag
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