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Ostprodukte - Wachstumsmotor im Osten, Chancen im Westen

Ostprodukte - Wachstumsmotor im Osten, Chancen im Westen
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Lars Bünger
  • Abgabedatum: August 2005
  • Umfang: 101 Seiten
  • Dateigröße: 2,5 MB
  • Note: 3,0
  • Institution / Hochschule: Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-9711-8
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-9711-8 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-9711-8 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Bünger, Lars August 2005: Ostprodukte - Wachstumsmotor im Osten, Chancen im Westen, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Marketing, Handel, Konsumpatriotismus, Lebensmittel, Markenprodukte

Diplomarbeit von Lars Bünger

Einleitung:

Ost-Berlin, Anfang Juli 1990: Die vor wenigen Tagen noch leeren Regale eines HO-Marktes sind plötzlich prall gefüllt mit westlichen Markenartikeln. Alex geht irritiert mit seinem Einkaufszettel durch die Gänge und sucht vergebens die alten Ostprodukte. Schließlich wendet er sich an eine Verkäuferin. Alex: „Mocca Fix?“ Verkäuferin: „Ham wa nicht mehr.“ Alex: „Filinchen Knäcke?“ Verkäuferin: „Nicht mehr im Angebot.“ Alex: „Und Spreewaldgurken?“ Verkäuferin: „Mensche Junge, wo lebst du denn. Wir haben jetzt die D-Mark und da kommst Du mir mit Mocca Fix und Filinchen.“ So wie Alex, der Hauptfigur des Erfolgsfilms „Good Bye Lenin!“ erging es wohl einigen, deren vertraute DDR-Produkte 1990 über Nacht aus Konsum und HO verschwanden. Wirklich traurig über diesen Verlust war zunächst kaum jemand. Mauerfall, Volkskammerwahl, D-Mark-Einführung, Fußballweltmeister Deutschland, Wiedervereinigung – 1989/90 war gewiss das glücklichste und schnellste Jahr der Deutschen Geschichte. Zeit zum Luftholen und Innehalten blieb selten, ein Land wollte wiedervereinigt werden, ein Volk zusammenwachsen. Wen kümmert es da, dass die alten Ost-Produkte verschwinden?

Ein jahrzehntelanger Heißhunger auf Westwaren wollte gestillt werden, denn bekannt waren die Westmarken im Arbeiter und Bauern Staat allemal – teilweise sogar bekannter als im Westen. Rundum verständlich also, dass der Osten im Lebensmittelkonsum erst einmal kollektiv nachholte, was ihm lange Zeit vorenthalten blieb. Doch selbst der größte Heißhunger ist irgendwann gestillt. Und so geschah es auch hier. Allmählich erinnerten sich die Ostdeutschen an ihre alten Produkte und merkten, dass viele gar nicht so schlecht waren und den geschmacklichen Vergleich mit Westware nicht zu scheuen brauchen. Und plötzlich wollte man doch tatsächlich die alten Produkte wieder haben! Ganz egal ob Russisch Brot, Rotkäppchen Sekt, Spreewaldgurken oder Club Cola – es gab einiges was da als „lecker und gut“ im kollektiven Konsumgedächtnis der Ostdeutschen hängen geblieben war.

Mit dieser Arbeit soll dem Wesen dieser so genannten Ostprodukte auf den Grund gegangen, ihre Bedeutung als Wachstumsmotor im Osten und ihre Chancen im Westen beleuchtet werden. Was geschah mit ihnen im Wendejahr 89/90, wie vollzog sich ihre Renaissance, wie wurden sie, was sie heute sind? Und was sind sie heute eigentlich? Wieso sind Ostprodukte kaum in westdeutschen Regalen zu finden? Welche Marketinganstrengungen müssen die ostdeutschen Hersteller unternehmen, um ihre Produkte gesamtdeutsch absetzen zu können? Welche Trends zeichnen sich im Lebensmitteleinzelhandel ab und wo können hier Chancen für die Hersteller von Ostprodukten liegen? Wird man auch in 20 Jahren noch von Ostprodukten reden oder ist Nudossi dann so fest verankert im Gedächtnis der Konsumenten wie Nutella – in Ost wie in West?

Herzlichen Dank sagen möchte ich allen ostdeutschen Unternehmen und den Betreibern von Online-Shops, die sich bereit erklärt haben, an einer Befragung für diese Diplomarbeit teilzunehmen. Durch Ihre Auskunftsbereitschaft können wesentliche Aspekte des Vertriebs, des Absatzes und der Vermarktung von Ostprodukten detailliert dargestellt werden. Persönlich konnte ich mit dieser Diplomarbeit „mein“ Thema verwirklichen. Denn wie Alex aus „Good Bye Lenin!“ gehe auch ich manchmal an den Supermarktregalen vorbei und halte vergeblich Ausschau nach Ostprodukten wie Vita Cola, Bambina oder Leckermäulchen. Nur heißt mein Supermarkt nicht HO sondern Stüssgen und hat in der Bonner Südstadt des Jahres 2005 geöffnet – und die Produkte, die ich suche, sind nicht über Nacht aus den Regalen verschwunden, sondern wurden hier nie angeboten.

Inhaltsverzeichnis:

1. Und Spreewaldgurken? 5
1.1 Eine Einführung 5
1.2 Die Befragung ostdeutscher Unternehmen und Online-Shops 6
1.3 Formulierung der Forschungsfragen 7
2. War kurz weg – bin wieder da. 8
2.1 Die ostdeutsche Lebensmittelindustrie im Umbruch 1989/90 8
2.2 Die Renaissance der Ostprodukte 13
2.3 Die Marke „Ostprodukt“ 15
2.3.1 Die Bedeutung von Marken 15
2.3.2 Zur Bezeichnung „Ostprodukt“ 18
2.3.3 Die Bedeutung der Marke für den Erfolg der Ostprodukte 19
2.4. (N)ostalgie und ostdeutsche Identität 21
2.4.1 Von der Wende zur (N)ostalgie 21
2.4.2 Ostidentität und Ostprodukte 23
3. Gilt die Wiedervereinigung auch für Nudeln? 25
3.1 Heimatgefühle und Konsumpatriotismus 25
3.1.1 Heimatliebe geht durch den Magen 25
3.1.2 Konsumpatriotismus: Aus der Region – Für die Region 27
3.2. Die (Nicht)Listung von Ostprodukten 29
4. Ostprodukte-Marketing 33
4.1 Anknüpfungspunkte für ein Ostprodukte-Marketing 33
4.1.1 Das Kleine Ein Mal Eins des Produktmarketings 33
4.1.2 Marketingfaktor Heimat 34
4.1.3 Marketingfaktor Ostprodukt 38
4.1.4 Marketingfaktor Marke 39
4.2 Die Zukunft der Ostprodukte 40
4.2.1 Neue Vertriebswege für Ostprodukte 40
4.2.2 Aspekte der aktuellen und zukünftigen Vermarktung der Ostprodukte 42
4.2.3 Trends setzen und besetzen 43
5. Fazit 48
5.1 Überprüfung der Forschungsfragen 48
5.2 Schlussbemerkung 49
Literaturverzeichnis 52
Anhang 56
Fragebogen an ostdeutsche Unternehmen der Lebensmittelindustrie 57
Fragebogen an Online-Shops für Ostprodukte 69
Tabellen und Abbildungen 74

Automatisiert erstellter Textauszug:

32 Westdeutschland verweigert werde, bezogen auf die Gesamtzahl der Befragungsteilnehmer ist also offenbar jedes fünfte ostdeutsche Unternehmen von einer Listungs-Verweigerung in Westdeutschland betroffen. So verwundert es nicht, dass vier von fünf der befragten Unternehmen die Ostprodukte in Westdeutschland größeren Schwierigkeiten ausgesetzt sehen, vom Einzelhandel gelistet zu werden als in Ostdeutschland (siehe Tabellen 4.1 – 4.3.). Mehr als zwei Drittel der Unternehmen stimmte dieser Aussage sogar sehr zu (Skalenwerte 810), wobei der Skalenwert 10 mit insgesamt 28 Nennungen hier die stärkste Ausprägung der gesamten Befragung findet. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass Listungsschwierigkeiten in Westdeutschland für die Produkte des eigenen Unternehmens „nur“ von 66 % der Befragten bejaht werden, gegenüber den 80 % die dies für Ostprodukte allgemein konstatieren. Dies kann vielleicht damit erklärt werden, dass sich manche Unternehmen bewusst nur auf den regionalen Markt konzentrieren und deshalb mangels Erfahrungswerten nicht beurteilen können, ob ihre Produkte in Westdeutschland Listungsschwierigkeiten ausgesetzt wären. Als Gründe für Listungsschwierigkeiten von Ostprodukten in Westdeutschland werden zu hohe Listungskosten (62 %), der geringe Bekanntheitsgrad (80 %), großer Wettbewerbsdruck durch andere Hersteller (73 %) und durch Handelsmarken des Lebensmitteleinzelhandels (69 %) sowie die große Marktpräsenz von Billig-Discountern (59 %) genannt. Auch hier lassen sich wieder etwas geringere Zustimmungsquoten feststellen, wenn es um die eigenen Produkte und nicht um Ostprodukte allgemein geht. Größeren Listungsschwierigkeiten gegenüber westdeutschen Produkten sieht sich eine Mehrheit von 68 % bezüglich Ostprodukten allgemein und 71 % hinsichtlich der eigenen Erzeugnisse hingegen in Ostdeutschland nicht ausgesetzt. Knapp die Hälfte der Befragten sieht zu hohe Listungskosten auch in Ostdeutschland als eine Ursache für Listungsschwierigkeiten von Ostprodukten an, wohingegen dieses bezüglich der eigenen Erzeugnisse von 60 % der Befragten verneint wird. Dass die große Marktpräsenz von Billig-Discountern den Absatz in Ostdeutschland erschwert, meint eine knappe Mehrheit von 53 % wenn es um Ostprodukte allgemein geht, jedoch nur eine große Minderheit von 46 % hinsichtlich des Absatzes der eigenen Erzeugnisse. Dass Absprachen zwischen westdeutschen Wettbewerbern und Handelskonzernen bestehen könnten, die eine Listung von Ostprodukten in Westdeutschland verhindern oder einschränken, wird von jedem dritten befragten Unternehmen vermutet. [...]

Durchaus überraschend im Rahmen der aktuellen Unternehmensbefragung ist die Tatsache, dass 34 von 70 befragten Unternehmen einen deutschlandweiten Vertrieb angeben (siehe Abbildung 13). Erklärt werden kann dies einerseits damit, dass zahlreiche Unternehmen Handelsmarken produzieren oder aber zu westdeutschen Mutterunternehmen zugehörig sind, so dass diese Unternehmen durchaus einen nationalen Vertrieb nennen, die von ihnen hergestellten Ostprodukte, wozu Handelsmarken nicht gezählt werden können, jedoch keineswegs bundesweit vertrieben werden. Auch wird mit der nationalen Größe des Vertriebsgebietes keine Aussage über die Höhe des Warenabsatzes von Ostprodukten außerhalb der neuen Bundesländer getroffen. Hier bestünde also noch weiterer Forschungsbedarf darüber, wie stark typische Ostprodukte inzwischen national vertrieben werden. Diejenigen Unternehmen, die keinen nationalen Vertrieb angeben, begründen dies vor allem damit, dass ihre Produkte in Westdeutschland zu wenig bekannt und die Kosten für eine Ausbreitung auf den westdeutschen Markt zu hoch seien (siehe Abbildung 14). Von 13 Unternehmen wurde angegeben, dass eine Listung der eigenen Produkte vom Einzelhandel in [...]

meisten Ostprodukte finden sich somit im Westen in einem Teufelskreis wieder: Kein Geld für Marketing – keine Bekanntheit – keine Listung – kein Umsatzwachstum – kein (zusätzliches) Geld für Marketing. Erschwerend für den Absatz im Westen dürfte auch das unterschiedliche Einkaufsverhalten in Ost und West sein. Werden in den neuen Bundesländern überwiegend SB-Warenhäuser, die ein breites Sortiment an Ostprodukten führen, für größere Lebensmitteleinkäufe genutzt, besucht man hierfür in Westdeutschland vorwiegend Discounter, die zahlreiche Eigenmarken anbieten und selbst im Osten nur eine begrenzte Zahl an Ostprodukten führen.4 Selbst bei einer stärkeren Listung in westdeutschen SB-Warenhäusern kann also nur ein begrenztes Absatzwachstum erreicht werden. [...]

Arbeit zitieren:
Bünger, Lars August 2005: Ostprodukte - Wachstumsmotor im Osten, Chancen im Westen, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Marketing, Handel, Konsumpatriotismus, Lebensmittel, Markenprodukte

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