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Die Osterweiterung der Europäischen Währungsunion

Eine ökonomische Analyse der Chancen und Risiken

Die Osterweiterung der Europäischen Währungsunion
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Christian Lorenczik
  • Abgabedatum: Januar 2006
  • Umfang: 93 Seiten
  • Dateigröße: 968,9 KB
  • Note: 1,3
  • Institution / Hochschule: FOM - Fachhochschule für Oekonomie und Management Essen Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-9558-9
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-9558-9 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-9558-9 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Lorenczik, Christian Januar 2006: Die Osterweiterung der Europäischen Währungsunion, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Volkswirtschaft, Geldpolitik, Konvergenzkriterien, Währungsräume, Europäische Union

Diplomarbeit von Christian Lorenczik

Problemstellung:

„The optimum currency area is not the world“ – diese Aussage des Vaters der Theorie optimaler Währungsräume und Nobelpreisträgers für Wirtschaft Robert A. Mundell markierte im Jahr 1961 den Auftakt zur Diskussion über die optimale Abgrenzung eines Währungsgebietes aus ökonomischer Perspektive. Nach anfänglich geringer Aufmerksamkeit gewann die Debatte durch die Perspektive der Einführung einer einheitlichen Europäischen Währung an politischer und wissenschaftlicher Relevanz.

Bereits 1962 wurde eine Währungsunion in Europa von der Europäischen Kommission in ihr Aktionsprogramm zur Europäischen Wirtschaft- und Währungsunion aufgenommen und mit der Beauftragung des damaligen Luxemburger Ministerpräsidenten Pierre Werner zur Erstellung eines Stufenplans zur Einführung einer gemeinsamen Europäischen Währung konkretisiert. Neue theoretische Erkenntnisse und die Erfahrungen mit dem Euro haben neue Einsichten in die Wohlfahrtseffekte einer Währungsunion ermöglicht. Dies veranlasste Mundell mehr als 40 Jahre nach der Veröffentlichung seiner Pionierarbeit zur Revidierung seiner Hypothese: „the global economy needs a global currency“.

Mit der Aufnahme zehn neuer Mitgliedsstaaten aus Mittel- und Osteuropa in die Europäsche Union am 1. Mai 2004 sind diese Länder zugleich auch der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion als Bestandteil des acquis communautaire beigetreten. Damit ist die Einführung des Euros in den Beitrittsländern mit der Erfüllung der im EG-Vertrag festgelegten rechtlichen und ökonomischen Bedingungen obligatorisch, lediglich der Zeitpunkt der Euro-Einführung ist noch offen. Bereits heute nehmen die Länder Estland, Litauen, Slowenien, Lettland, und die Slowakei am Wechselkursmechanismus II teil, der in zwei Jahren die Aufnahmefähigkeit eines Beitrittskandidaten unter Beweis stellen und damit die Einführung des Euros ermöglichen soll. Damit wäre ein Beitritt der drei erstgenannten Staaten bei Erfüllen der anderen Konvergenzkriterien bereits ab Mitte des Jahres 2006 möglich. Aus ökonomischer Perspektive stellt sich die Frage, inwieweit die Aufnahme weiterer Länder in die Europäische Währungsunion Vor- und Nachteile für die bisherigen Mitgliedsländer und die beitretenden Länder mit sich bringen wird und ob die Maastrichter Konvergenzkriterien einen Garanten für einen erfolgreichen Aufnahmeprozess und die Bestimmung des Beitrittszeitpunktes darstellen.

Die vorliegende Arbeit befasst sich aus ökonomischer Perspektive mit den Chancen und Risiken der Einführung des Euros in den Mittel- und Osteuropäischen Beitrittsländern (MOEL). Ziel ist dabei einerseits die Beurteilung, inwieweit die im Maastrichter Vertrag festgelegten Konvergenzkriterien als Aufnahmebedingungen geeignet und ausreichend sind und mit den theoretischen Überlegungen zur Abgrenzung eines optimalen Währungsraumes konform gehen. In diesem Kontext wird ebenso untersucht, welche Risiken sich bei einer Aufnahme ergeben können, falls diese zu einem Zeitpunkt erfolgt, zu dem noch keine ausreichende Konvergenz erreicht ist. Dabei ist auch zu beachten, dass sich die Beitrittsländer nach wie vor in einem wirtschaftlichen Transformationsprozess von der Zentralverwaltungswirtschaft zu Zeiten der Sowjetunion zur Marktwirtschaft befinden.

Andererseits wird der bisherige Stand der Konvergenzerfüllung aus Sicht der Konvergenzkriterien und auf der Basis empirischer Studien der Theorie optimaler Währungsräume untersucht, um eine Bewertung der Beitrittsfähigkeit vornehmen und eine Einschätzung der Chancen und Risiken einer baldigen Aufnahme der Mittel- und Osteuropäischen Länder in die Europäische Währungsunion geben zu können. Darüber hinaus erfolgt die Abwägung einer früheren oder späteren Teilnahme an der Währungsunion und des geeigneten Aufnahmeprozesses bis zur Aufnahme. Letzterer beinhaltet im Gegensatz zur Konstituierung der Eurozone – die für alle Teilnehmer zugleich erfolgte – mehr Freiheitsgrade, da der Zeitpunkt der Aufnahme der Beitrittsländer nicht determiniert, sondern zunächst an eine mindestens zweijährige Teilnahme am Wechselkursmechanismus II gebunden ist.

Gang der Untersuchung:

Um eine strukturierte Analyse der Chancen und Risiken eines Beitritts der Mittel- und Osteuropäischen Länder in die Europäische Währungsunion zu ermöglichen, werden zunächst die wichtigsten Modelle der Theorie optimaler Währungsräume (OWR-Theorie) dargestellt. Dabei werden zunächst die grundlegenden Überlegungen der Pionierphase der OWR-Theorie vorgestellt, die auch im weiteren Verlauf der Theorieentwicklung den analytischen Rahmen geprägt haben. Während diese sich zunächst mit den Kosten einer Währungsunion auseinandersetzen, befasst sich der folgende Abschnitt mit den Nutzenaspekten eines einheitlichen Währungsgebiets.

Darauf aufbauend erfolgt eine Vorstellung der modernen Theorieansätze, unter denen das Konzept der Symmetrie der Störungen eine Integration verschiedener Einzelkriterien darstellt und damit eine Operationalisierung der OWR-Theorie erst ermöglicht. Die modernen Beiträge zur Theorie stellen den Aspekt der Glaubwürdigkeit der Geldpolitik, die Notwendigkeit einer realen Konvergenz der Teilnehmer und die dem Beitritt zu einer Währungsunion inhärenten Veränderungsprozesse in den Vordergrund.

Kapitel 3 befasst sich anschließend mit der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion (WWU) als solcher. Eine Analyse der Chancen und Risiken einer Erweiterung der Eurozone kann nur innerhalb der durch die rechtliche und institutionelle Ausgestaltung gesetzten Rahmenbedingungen erfolgen. Daher erfolgt hier eine Darlegung der Entwicklung und aktuellen Lage des Eurosystems.

Kapitel 4 stellt die Ansätze der Theorie optimaler Währungsräume den tatsächlichen Gegebenheiten innerhalb der WWU gegenüber. Dabei werden Divergenzen in der Aufnahmefähigkeit der MOEL aus der Warte der Maastrichter und der OWR-Kriterien und damit verbundene Auswirkungen auf die Abgrenzung des Euro-Währungsgebietes herausgearbeitet.

Die Auswertung empirischer Studien dient der Analyse der im Vorfeld und nach der Einführung des Euros angestoßenen Entwicklungen in den Beitrittsländern. Zudem werden sowohl die spezifischen Vor- und Nachteile, die sich für einzelne Mitgliedsstaaten aus einem Beitritt in die Europäische Währungsunion ergeben können, als auch die Perspektive der derzeitigen Teilnehmerstaaten erörtert.

Inhaltsverzeichnis:

Abkürzungsverzeichnis IV
Abbildungsverzeichnis V
Tabellenverzeichnis VI
Symbolverzeichnis VI
1. Einleitung 1
1.1 Problemstellung 1
1.2 Zielsetzung 2
1.3 Gang der Untersuchung 3
2. Theorie optimaler Währungsräume 4
2.1 Klassische Theorien zu optimalen Währungsräumen 4
2.1.1 Paradigma flexibler Wechselkurse 5
2.1.2 Kriterium der Faktormobilität 5
2.1.3 Kriterium der Offenheit 8
2.1.4 Kriterium der Diversifikation 10
2.1.5 Finanzmarktintegration und Finanztransfersysteme 10
2.1.6 Politische Integration – Angleichung der Präferenzsysteme der beteiligten Staaten 12
2.1.7 Kritische Würdigung der klassischen Theorien 14
2.2 Vergleich der Kosten- und Nutzeneffekte einheitlicher Währungsgebiete 15
2.2.1 Verringerung der Transaktionskosten 15
2.2.2 Verringerung der Wechselkursunsicherheit und zunehmende Kapitalmarktintegration 16
2.2.3 Verbesserung der volkswirtschaftlichen Stabilität 17
2.2.4 Bewertung des Nettowohlstandseffekts 17
2.3 Metakonzept der Symmetrie der Störungen 18
2.3.1 Asymmetrische Angebots- und Nachfrageschocks 19
2.3.2 Asymmetrische Schocks als Kostenfaktor einer Währungsunion und Anwendung zur Bestimmung einer Währungsunion 20
2.3.3 Intra-industrieller Handel und inter-industrieller Handel 21
2.3.4 Asymmetrische Transmissionsprozesse als Auslöser asymmetrischer Störungen 21
2.4 Integration neuer Erkenntnisse der Volkswirtschaft in die OWR-Theorie 22
2.4.1 Annahme einer vertikalen Phillips-Kurve 22
2.4.2 Glaubwürdigkeit der Geldpolitik 24
2.4.3 Effektivität nominaler Wechselkursänderungen 29
2.4.4 Lucas Kritik und die Endogenität der Kriterien der OWR-Theorie 31
2.4.5 Reale Konvergenz und der Balassa-Samuelson-Effekt 34
2.4.6 Kritische Würdigung 36
2.5 Anwendung der Theorie optimaler Währungsräume auf die Beitrittsländer der EU 37
2.6 Zusammenfassung 38
3. Europäische Währungsunion 39
3.1 Einführung der Europäischen Währungsunion 39
3.2 Institutionen der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion 41
3.2.1 Position der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion im Rechtsgefüge der Europäischen Union 42
3.2.2 Ausübung der Währungspolitik im EZB-Rat 43
3.2.3 Verteilung der fiskalpolitischen und geldpolitischen Kompetenzen 44
3.3 Aufnahme weiterer Länder in die Wirtschafts- und Währungsunion 44
3.3.1 Status der Nichtteilnehmerländer in der Wirtschafts- und Währungsunion 45
3.3.2 Ökonomische Voraussetzungen der EWU-Mitgliedschaft – die Konvergenzkriterien 45
3.3.2.1 Kriterium der Preisstabilität 46
3.3.2.2 Kriterium der öffentlichen Finanzen 46
3.3.2.3 Kriterium der Wechselkursentwicklung 47
3.3.2.4 Kriterium des langfristigen Zinssatzes 48
3.3.3 Nicht-ökonomische Voraussetzungen für die WWU-Mitgliedschaft 48
3.4 Fiskalpolitische Harmonisierung durch den Stabilitäts- und Wachstumspakt 48
3.5 Aufnahmeverfahren zur Teilnahme an der Währungsunion 50
3.6 Kritische Würdigung 50
4. Chancen und Risiken der Aufnahme der Mittel- und Osteuropäischen Länder in das Euro-Währungsgebiet 51
4.1 Vergleich der Kriterien der Theorie optimaler Währungsräume und des Vertrags von Maastricht – reale versus nominale Konvergenz 52
4.2 Stand der Aufnahmefähigkeit der Beitrittskandidaten zur Wirtschafts- und Währungsunion 53
4.2.1 Status der Konvergenzerfüllung nach den Maastrichter Kriterien 54
4.2.2 Aufnahmefähigkeit nach der Theorie optimaler Währungsräume 55
4.2.2.1 Symmetrie der Störungen 56
4.2.2.2 Einfluss des Balassa-Samuelson-Effekts 59
4.2.2.3 Bisherige Konvergenzentwicklung und Endogenität in der Europäischen Währungsunion 63
4.2.3 Unterschiede zwischen Konvergenzkriterien und OWR-Theorie 63
4.3 Chancen und Risiken der Einführung des Euros in den MOEL 64
4.3.1 Perspektive der Beitrittsstaaten 64
4.3.1.1 Vorteile eines frühen Beitritts zur Eurozone 65
4.3.1.2 Risiken einer verfrühten Euroeinführung 65
4.3.2 Perspektive der aktuellen Euro-Länder 67
4.3.2.1 Nutzen eines Beitritts der MOEL zur Eurozone 67
4.3.2.2 Risiken für die jetzigen Mitgliedsstaaten 67
4.3.3 Verbesserung der Beitrittsfähigkeit durch weiter gehende Konvergenz 68
4.4 Aufnahmeprozess auf dem Weg zur Einführung des Euros 70
4.4.1 Zeitpunkt der Aufnahme in die Europäische Währungsunion 70
4.4.2 Währungspolitische Optionen im Konvergenz- und Aufnahmeprozess 71
4.5 Osterweiterung der Eurozone und die weltwirtschaftliche Stellung des Euros 73
4.6 Kritische Würdigung 74
5. Fazit 75
Literaturverzeichnis 79

Automatisiert erstellter Textauszug:

Der Rat der Europäischen Gemeinschaften hat im Mai 1998 einstimmig den Start der Währungsunion zum 1. Januar 1999 mit elf Teilnehmerstaaten beschlossen. Nicht teilgenommen haben zum damaligen Zeitpunkt nur die EU-Mitgliedsländer Dänemark, Griechenland, Großbritannien und Schweden. Während Griechenland nach Erfüllung der Konvergenzkriterien zum Jahresbeginn 2001 beitrat, haben die Länder Dänemark und Großbritannien sich in Protokollen zum Maastrichter Vertrag die Option offen gehalten, nicht der dritten Stufe der WWU beizutreten, von der sie Gebraucht gemacht haben (Opting Out-Klausel).161 Schweden hat keine derartige Option, ist jedoch nicht dem WKM beigetreten und erfüllt nicht die rechtlichen Voraussetzungen einer Aufnahme. 162 Diese drei Länder gehören damit nach Art. 122 (1) EGV zu denjenigen Ländern, für die eine Ausnahmeregelung gilt. Denselben Status haben momentan auch die Beitrittsländer inne; für sie ist eine Teilnahme an der Währungsunion jedoch obligatorisch, da keine Opting Out-Klausel wie im Falle Großbritanniens und Dänemarks existiert. 163 Solange keine Teilnahme an der Währungsunion besteht, sind diese Länder auch von verschiedenen Bestimmungen des EG-Vertrages ausgenommen. So gilt bspw. für diese Länder der Sanktionsmechanismus des Stabilitäts- und Wachstumspakts nicht.164 [...]

Während die Koordination der Wirtschaftspolitik der Mitgliedsstaaten der WWU im EG-Vertrag „als eine Angelegenheit von gemeinsamem Interesse“156 festgelegt ist, fehlt es dennoch an explizit zugewiesenen Kompetenzen, in die Fiskalpolitik der Mitgliedsländer direkt einzugreifen. Daher handelt es sich im Bereich der Fiskalpolitik auch nicht um eine supranationale Aufgabe der EG. 157 Anders im Bereich der Währungspolitik: hier verlieren die Mitgliedsstaaten ihre Entscheidungskompetenz, die an das ESZB übergeben wird. Das vorrangige Ziel des ESZB ist dabei die Wahrung der Preisstabilität und, soweit diese damit nicht gefährdet wird, die Unterstützung der nationalen Wirtschaftspolitik.158 Dabei kann die EZB zur Erfüllung ihrer Aufgaben auf das komplette Instrumentarium der Gemeinschaftsrechtssetzung zurückgreifen.159 [...]

Die institutionelle Ausgestaltung der Europäischen Währungsunion unterscheidet auf der einen Seite das Eurosystem, das aus der EZB und den nationalen Zentralbanken (NZB) der an der Währungsunion teilnehmenden Mitgliedsstaaten besteht und Träger der geldpolitischen Entscheidungskompetenz ist, sowie auf der anderen Seite das Europäische System der Zentralbanken (ESZB), dem neben der EZB die NZB aller Mitgliedsländer der EU angehören.151 Die EZB stellt dabei den Träger geldpolitischer Entscheidungen dar, während die NZB den Leitlinien und Weisungen der EZB Folge zu leisten haben.152 Grundlage für die Aufgaben, die Organisation und Instrumente innerhalb des ESZB ist die Satzung des ESZB und der EZB. Zu den Zielen und Aufgaben des ESZB gehören an erster Stelle die Festsetzung und Ausführung der Geldpolitik der WWU unter Beachtung der Wahrung der Preisniveaustabilität und, sofern diese nicht gefährdet ist, die Unterstützung der Wirtschaftspolitiken der Mitgliedsstaaten. Zudem nimmt die EZB beratende Aufgaben in der Gemeinschaft und den Mitgliedsstaaten ihre Angelegenheiten betreffend wahr. Darüber hinaus ist das ESZB mit der Erhebung statistischer Daten zur Wahrnehmung ihrer [...]

Arbeit zitieren:
Lorenczik, Christian Januar 2006: Die Osterweiterung der Europäischen Währungsunion, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Volkswirtschaft, Geldpolitik, Konvergenzkriterien, Währungsräume, Europäische Union

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