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Orthodoxes Christentum, Bioethik und die Krise der modernen wissenschaftlichen Erkenntnis

Orthodoxes Christentum, Bioethik und die Krise der modernen wissenschaftlichen Erkenntnis
Über dieses Buch
  • Art: Magisterarbeit
  • Autor: Alexander Lapin
  • Abgabedatum: März 2002
  • Umfang: 127 Seiten
  • Dateigröße: 930,2 KB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: University of Presov Slowakei
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-6332-8
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-6332-8 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-6332-8 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Lapin, Alexander März 2002: Orthodoxes Christentum, Bioethik und die Krise der modernen wissenschaftlichen Erkenntnis, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Byzanz, Kirchenväter, Spriritualität, Galileo, Scholastik

Magisterarbeit von Alexander Lapin

Zusammenfassung:

Das Thema „Bioethik“ wird immer öfter aus verschiedenen konfessionellen Perspektiven behandelt. Vom orthodoxen Christentum gibt es dazu jedoch kaum relevante Beträge. Mit den historischen und theologischen Gründen dieses Phänomens beschäftigt sich die vorliegende Arbeit.

Nach grundsätzlicher Erläuterung der Begriffe „Ethik“ und „Bioethik“ wird auf das überraschend hohe Niveau des Gesundheitswesen im Byzantinischen Reich eingegangen. Dieses sollte nicht nur als Erbe der antiken Medizin, sondern vielmehr als eine Folge der autentischen christlichen Lehre insbesondere der Kirchenväter gesehen werden.

Nach dem „Großen Schisma“ 1054 kommt es zur Entfremdung zwischen christlichem Osten und Westen. Neben historisch-politischen Gründen sind es auch dogmatische Unterschiede, die - verstärkt durch die westliche „Scholastik“ zu zwei unterschiedlichen christlichen Mentalitäten führen. So entwickelt sich die Römische Kirche zur politisch-relevanten Machtinstitution, die sich letztlich in Opposition zu neuen Konzeptionen der wissenschaftlicher Erkenntnis wiederfindet, derer Anfang in der Person von Galileo Galilei gesehen werden kann. Die Orthodoxe Kirche bleibt von dieser Entwicklung weitgehend unbeeinflußt und kennt somit das Dilemma aus dem sich die heutige Bioethik entwickelt hat nicht.

Es wird nun auf aktuelle philosophische Aspekten der Bioethik, sowie auf Positionen der vier wichtigsten monotheistischen Religionen eingegangen. Demgegenüber werden Lösungsansätze zu aktuellen Fragen der Bioethik aus orthodoxer Sicht entgegengesetzt. Diese ergeben sich vor allem aus orthodoxer Theologie, patristischer Tradition und gelebter Spiritualität.

Inhaltsverzeichnis:

Zusammenfassung 5
Abstract in English 6
Vorwort zu deutscher Übersetzung 7
EINFÜHRUNG 8
1. ETHIK - "BIOETHIK" 11
1.1 "Ethik" - was ist es ? 11
1.2 .und was ist dann die "Bioethik"? 15
1.3 Grundbereiche der Bioethik 16
a. Theoretische Grundlagen der Ethik 16
b. Reproduktionsethik 17
c. Ethische Aspekte der Genetik 17
d. Ethik und das Ende des Lebens 18
e. Ethische Aspekte bei Verteilung von Ressourcen 19
f. Ethik der Organspende und Transplantation 20
g. Ethik bei Organisation und Leitung des Gesundheitswesens 20
h. Ethik der wissenschaftlichen Forschung 20
i. Ärztliche Ethik (traditionelle ärztliche Ethik) 21
1.4 Sinn und die Bestimmung der heutigen Bioethik 21
2. ETHIK DER WISSENSCHSAFT UND MEDIZIN AUS HISTORISCHER SICHT 23
2.1 Die empirische Erkenntnis in der Antike 23
2.2 Ethik in der hellenistischen Zeit (aus der Sicht der klassischen Philosophie) 25
2.3 Medizinische Ethik in der antiken Zeit 27
2.4 Unterschied zwischen hellenistischer und jüdischer Auffassung von medizinischen Grundbegriffen 29
2.5 Frühchristliche Ethik 31
2.6 Frühchristentum und die wissenschaftliche Erkenntnis 33
2.7 Medizin im Byzantinischen Reich 36
2.8 Soziale Fürsorge im Byzantinischen Reich 39
2.9 Medizin im antiken Hellenismus und die frühchristliche Medizin 40
a. Grundbegriffe 41
b. Krankheit 41
c. Heidnische Ärzte vs christliche Ärzte 44
2.10 Paradoxon der byzantinischen Medizin: Patienten werden von ihren Ärzten in der terminalen Phase ihrer Erkrankung verlassen 47
2.11 Der Begriff der "Symphonie" im Byzantinischen Reich 51
3. THEOLOGISCHEENTFREMDUNG DES WESTENS 53
3.1 Das große Schisma 53
3.2 Unterschiedliches Verständnis der Gnade Gottes 55
3.3 Unterschiedliche Auffassung des Begriffs "Kirche" ("Ekklesiologie") 56
3.4 Unterschiedliches Verständnis von Gott und der "Triadologie" Gottes 57
3.5 Karl der Große und die „Drei-Sprachen Häresie“ 58
3.6 Die Scholastik 61
a. Erkenntnis in der Scholastik - Anselm von Canterbury 66
b. Höhepunkt der Scholastik - Thomas von Aquin 66
c. Mystiker der Spät-Scholastik 68
3.7 Sand der Wüste - verstaubte Bibliothek: Zwei christliche Kulturen 69
a. Unterschiedliche Mentalitäten der östlichen und westlichen Theologie 69
b. Erlösung-Theosis- Satisfaktion: Unterschiedliche Anthropologie und Soteriologie 71
4. BEGINN DER MODERNEN WISSENSCHAFT UND IHR HEUTIGES DILEMMA 73
4.1 Historischer Hintergrund des Hochmittelalters 73
4.2 Galileos Sünde 75
4.3 Entwicklung der wissenschaftlichen Erkenntnis nach Galileo: "atheistische" Naturwissenschaft - "klerikale" Kirche 79
a. Haltung der westlichen Kirche 79
b. Methode der modernen Wissenschaft 81
c. Veränderungen in der Gesellschaft und ihre ideelle Sicht der Welt 83
d. Zum Gipfel der wissenschaftlichen Erkenntnis 85
4.4 Verlorener Sinn der modernen Wissenschaft 88
5. DILEMMA DER MODERNEN MEDIZN 91
5.1 Ist die Gesundheit ein "Geschenk" oder besteht auf sie ein Anspruch ? 91
5.2 Geburtsstunde der modernen Medizin und ihre Ethik 92
6. PHILOSOPHISCHE GRUNDLAGEN DER HEUTIGEN BIOETHIK (UMRISS) 95
6.1 Immanuel Kant und die heutige Bioethik 95
6.2 Der Utilitarismus 96
6.3 Sonstige theoretische Aspekte der Bioethik 97
6.4 "Conflict of interests" 99
7. BIOETHIK UND MONOTHEISTISCHE RELIGIONEN VON HEUTE 100
7.1 Jüdische Bioethik? 100
7.2 Ärztliche Ethik des Islam 102
7.3 Katholische Bioethik 104
7.4 Protestantische Perspektiven in Fragen des Gesundheitswesen 106
8. ORTHODOXES CHRISTENTUM UND BIOETHIK 107
8.1 Voraussetzungen der christlich-orthodoxen Bioethik 109
a. Allgemeine Bedeutung der christlich-orthodoxen Theologie 109
b. Liturgische Quellen 109
c. Glaubensausdruck und seine Anwendung 110
8.2 Theologische Aspekte der christlich-orthodoxen Ethik 111
a. Die Heiligen Kirchenväter und Galileo Galilei 111
b. Der apophatische und der kataphatische Weg 113
c. Die Heilige Dreifaltigkeit 113
d. Der Mensch als Abbild Gottes 114
e. Der Sündenfall des Menschen 115
f. Die Gemeinsamkeit von Körper und Seele 115
g. "Incarnatio Logi" 115
h. Die Kirche als Leib Christi 116
i. Wort - Leben - Licht 116
j. "Mysterien" (Sakramente) der Orthodoxen Kirche 117
k. Eschatologische Vision 117
8.3 Methodische Aspekte der orthodoxen Bioethik 118
a. Christliche Orthodoxie darf sich der wissenschaftlichen Erkenntnis nicht verschließen 118
b. Rolle der Experten für Bioethik aus der orthodoxen Sicht 120
EPILOG 123
Verwendete Literatur 124
"Curriculum vitae" 128

Automatisiert erstellter Textauszug:

2.7 Medizin im Byzantinischen Reich Voltaire sollte sich einmal über die Zeit des Byzantinischen Reichs geäußert haben, etwa in dem Sinne, daß es „eine völlig unnütze Epoche der menschlichen Geschichte war, die nichts gebracht habe...“. Ähnlich sollte sich auch Montesquieu sowie andere Humanisten geäußert haben27. Im allgemeinen Verständnis wird der Begriff „Byzantinismus“ noch immer mit Servilität und übertriebener Pracht und Pompösität assoziiert28. Nur langsam beginnt sich die Meinung durchzusetzen, daß die byzantinische Kultur auch etwas wertvolles ist. Etwas, was wenig bekannt und gleichzeitig exklusiv ist. Etwas, was mit Anfängen der christlichen Kultur und Spiritualität in Verbindung gebracht werden darf. Trotzdem bleibt die Bedeutung der byzantinischen Epoche noch immer unterschätzt. Dies, obwohl sich immer mehr zeigt, daß sie ein untrennbarer Bestandteil des heutigen kulturellen Erbes darstellt. So können wir ein steigendes Interesse an entsprechenden Kulturgütern solcher Länder wie Griechenland, Türkei, Italien oder Rußland sehen und neben zahlreichen populär-wissenschaftlichen Publikationen, die sich durch immer bessere Qualität ihrer Illustrationen auszeichnen, auch Publikationen, die sich mir anderen, wenig konventionellen Themen befassen29. [...]

Basilius der Große stützte sich in vielen seinen Gedankengängen auf das philosophische Erbe von Aristoteles: „die Welt ist das Werk des großen Meister..“. ..In anderen Themen können wir auch die Sicht des Platon erkennen: „..auch in einfachen Dingen gehen wir nicht weiter, als zur Erkenntnis ihrer Eigenschaften, nicht jedoch ihrer Substanz..“ Wie wir sehen, unterscheidet sich der Gedankengang des Basilus des Großen so gut wie gar nicht von den gedanklichen Prozeduren von Wissenschaftlern der modernen Zeit. Schon in seiner Zeit kommt er in Sachen der naturwissenschaftlichen Problematik zu Schlußfolgerungen, die als solche in der allerletzten Zeit ähnlich formuliert und entsprechen aufgeklärt wurden: „...das einfache Körnchen kann man auf den ersten Blick als einen Samen bezeichnen... Erst nach ergiebigerer Analyse vertieft sich unsere Erkenntnis. Doch es bleibt immer ein gewisser „irrationaler Rest“ übrig..“ Heiliger Basilius beschränkte sich nicht ausschließlich auf eine trockene naturwissenschaftliche Beobachtung...Wir würden ‘neu-deutsch´ heute sagen – „only on the natural science“. Sein Werk zeichnet sich – aus heutiger Sicht progressiven – durch ganzeitlicher, ja `holistischer´ Sicht aus. Im Vordergrund stand auch emotionelle, besser gesagt tiefere Betrachtungsweise der gegebenen Problematik: „...vermeide in deinem Herzen die Gottlosigkeit“ „... das reine Herz ist fähig den Gott in dem Menschen selbst zu finden, im Menschen der ja zu seiner Bildnis erschaffen wurde..“ „der Mensch ist ein Mikrokosmos. So wie der Gott ist auch unsere Seele mit den leiblichen Augen nicht ersichtlich...“ „bei der Erkenntnis kann man sich nicht auf eigene Augen verlassen, sondern auf die Augen des Glaubens und auf eigene Vernunft...“ Schon diese Worte allein zeugen von der Größe des heiligen Basilius. Seiner Größe als einen Theologen ebenso, wie eines zeitgenössischen Wissenschaftler und Forscher vom hohen (bio-)ethischen Profil. Bleibt zuzufügen, daß die Theologie des Heiligen Basilius, in entscheidender Weise, das Verständnis der Heiligen Dreifaltigkeit beeinflußt hat. Der Dreifaltigkeit in einer Substanz und drei Personen. Sie wurde keineswegs gleich zum „Dogma“, das von etwaigen kirchlichen Experten `geprüft´ und `offiziell postuliert´ wäre. Statt dessen wurde sie nur stufenweise formuliert, unter anderem am II. allgemeinen Konzil in Nikea im Jahre 381, das Basiluis nicht mehr erlebte. Auf seinem Lebensweg befand sich der heiliger Basilius nicht selten in schwie- [...]

überaus kompetenter christlicher Theologe. Erinnern wir an seine Verurteilung von der sog. „Drei-Sprachen Heräsie“23 24. Die `goldene Zeit der Patristik´ war eine Zeit der Polemik und des Aufeinender-Prallens von Meinungen und Denkansätzten, von denen manche bis hin zur Häresie abgedriftetet haben. In dieser Zeit gab es keine dominante Lehrmeinung, die zentral vorgegeben wäre und auch die Kirchenväter selbst geraten nicht selten in Konflikte mit dem damaligen `Establishment´. Sie wurden in die Verbannnnung geschickt, ja manchmal sogar `anathemisiert´ (de facto excommuniziert). Doch ihre Lehre setzte sich dennoch durch. Gleichzeitig waren die Fragen der empirischen Wissenschaft für Kirchenväter nie ein „tabu“. Im Gegenteil. So war der heilige Basilius der Große (~330-379) nicht nur ein großer Theologe, sondern auch ein großer Naturwissenschaftler. Bekannt sind seine Beobachtungen der tierischen Welt25. Bemerkenswert in diesem Zusammenhang etwa, ist sein folgendes Zitat: „..die Materie hatte alle ihre Qualitäten, die jedoch noch nicht zum Ausdruck kamen..“ ..“alle Gesetze, die der Gott der Materie geschenkt hatte waren in der Potenz und machten sich erkenntlich und wirksam erst nach der Entscheidung Gottes“...“..in jeder Lebensart in der Natur gibt es ein Existenzziel und Existenzsinn. Deshalb kommt sie auf die Welt und vermehrt sie sich nach ihren Gesetzen“...“..der Anfang der Materie ist die Vernunft. Der Einklang der Vernunft mit der Wahrheit ist die Tugend“.. Über das Thema „Erkenntnis“ sprach Basilius etwa so: „..jedem Mensch ist die Möglichkeit gegeben den Gott kennen zu lernen. Der Mensch erkennt den Gott durch die Umwelt, ihre Harmonie, Schönheit sowie ihre Sinnhaftigkeit...“ Bemerken wir, daß sich Basilius keineswegs nicht gegen die „wissenschaftliche Neugier“ des Menschen stellt, sondern er stellt diese in den eindeutigen Kontext der Gottessuche. Also im Kontext der höheren christlichen Ethik. Nicht die „Ethik“ soll „bremsen“ und „lenken“ das wissenschaftliche Interesse, sondern genau umgekehrt: Die christliche Ethik, das Streben nach der Nähe zum `Schöpfer´ und Seinem faszinierenden Werk – dem Leben auf der Erde, soll die Motivation sein für die Erforschung der Welt, ihrer Naturgesetze und der erschaffenen Realität. [...]

Arbeit zitieren:
Lapin, Alexander März 2002: Orthodoxes Christentum, Bioethik und die Krise der modernen wissenschaftlichen Erkenntnis, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Byzanz, Kirchenväter, Spriritualität, Galileo, Scholastik

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