Organisationsentwicklung und Geschlecht: Organisationsentwicklung als Strategie der Gleichstellungspolitik?
Eine qualitative Untersuchung
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Susanne Bolinski
- Abgabedatum: Februar 2000
- Umfang: 286 Seiten
- Dateigröße: 1,3 MB
- Note: 1,0
- Institution / Hochschule: Fachhochschule Nordostniedersachsen, Standort Suderburg Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-2240-0
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-2240-0 P - ISBN (CD) :978-3-8324-2240-0 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Bolinski, Susanne Februar 2000: Organisationsentwicklung und Geschlecht: Organisationsentwicklung als Strategie der Gleichstellungspolitik?, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Frauen, Chancengleichheit, Gleichstellungspolitik, Organisationsentwicklung
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Diplomarbeit von Susanne Bolinski
Gang der Untersuchung:
Ich nähere mich der Untersuchungsfrage in einem theoretischen Teil A und dem Untersuchungsteil B.
Der theoretische Teil A gliedert sich in drei Unterpunkte. In A.1 Systemische Organisationsentwicklung vermittle ich ein Bild dessen, was unter Organisationsentwicklung zu verstehen ist. Ich beziehe mich speziell auf systemische Organisationsentwicklung, weil diese Form der Organisationsentwicklung stark nachgefragt wird und in der öffentlichen Diskussion bestimmend ist.
In A.2 Eine geschlechtstheoretische Konzeption für Gleichstellungspolitik skizziere ich aktuelle Entwicklungen in der sozialwissenschaftlichen Diskussion zur Geschlechtertheorie, um darauf aufbauend eine Geschlechterkonzept für die Praxis der Gleichstellungspolitik zu entwickeln. In A.3 Der Blick auf das Geschlecht in Organisationen geht es mir darum, an ausgewählten Phänomenen zu verdeutlichen, dass Frauen auf unterschiedlichen Ebenen diskriminiert werden, ohne mich dabei einem Erklärungsansatz zu verschreiben. Lediglich in A.3.3 Organisationstheorie und Geschlecht wechsle ich von der beschreibenden auf eine analytische Ebene, weil die Befunde der Organisationstheorie eine besondere Affinität zu der Untersuchungsfrage besitzen.
Der Untersuchungsteil B beschreibt in den Gliederungspunkten B.1 Methodologische Eckpunkte und B.2 Erhebungsverfahren und Auswertungsmethode das Forschungsdesign: Innerhalb welcher methodologischen Eckpunkte positioniert sich die Untersuchung? Welches Erhebungsverfahren und welche Auswertungsmethode entspricht dem skizzierten Forschungsverständnis und ist der Untersuchungsfrage angemessen? Die Dokumentation der Untersuchungsergebnisse beginnt in B.3 Beschreibung der Befunde auf einer zusammenfassenden, berichtenden Ebenen und wechselt in B.4 Analyse auf Gemeinsamkeiten: Fünf zentrale Aussagen auf eine analytische Ebene. In B.5 Rückkoppelung der Untersuchungsergebnisse an Literaturquellen werden die fünf zentralen Aussagen mit Literaturquellen verglichen und geprüft, an welcher Stelle Abweichungen und Übereinstimmungen bestehen und wie sich Praxis und Theorie ergänzen können. Um zu dem ursprünglichen Interesse, der Erschließung von Handlungsspielräumen von Gleichstellungspolitik, zurückzukehren, werden in B.6 Praktischer Ausblick: Konsequenzen für die Gleichstellungspolitik die Untersuchungsergebnisse vor dem Hintergrund ihrer Brauchbarkeit für die Praxis der Gleichstellungspolitik diskutiert und bewertet.
Im Anhang der Arbeit befindet sich der Interviewleitfaden und das Originaldatenmaterial, um eine Überprüfung der Befunde an den Quellen zu ermöglichen.
An dieser Stelle ist es mir wichtig, eine eindeutige und klärende Position zu der Frage der Begrifflichkeiten "Frauenförderung" und "Gleichstellung" zu beziehen. Ich entscheide mich gegen den defizitbehafteten Begriff "Frauenförderung", der impliziert, dass Frauen einer speziellen Förderung im Vergleich zu Männern bedürfen. Die Studie "Situation, Verhaltensweisen und Perspektiven von Führungsfrauen in der Wirtschaft", die vom Frauenministerium in Nordrhein-Westfalen in Auftrag gegeben wurde, brachte ans Licht, dass 90 % der Männer, aber nur 57 % der Frauen von ihren Vorgesetzten gefördert werden. Trotzdem wird der Begriff der "Männerförderung", die faktisch betrieben wird, nicht genannt. Vor diesem Hintergrund entscheide ich mich für den Begriff der "Gleichstellung", der allerdings die Frage aufwirft, wer denn woran und an wen gleich gestellt werden soll. In einem Vorgriff auf die Untersuchungsergebnisse kann jetzt schon gesagt werden, dass der Begriff der "Chancengleichheit" am präzisesten beschreibt, was Gleichstellungspolitik will.
Inhaltsverzeichnis:
| Einleitung: Untersuchungsinteresse und Aufbau der Arbeit | 5 | |
| A. | Theorieteil | 9 |
| A.1 | Systemische Organisationsentwicklung | 10 |
| A.1.1 | Begriff und Begründung von Organisationsentwicklung | 10 |
| A.1.1.1 | Begriff und Definition von Organisation | 10 |
| A.1.1.2 | Was ist Organisationsentwicklung? | 10 |
| A.1.1.3 | Abgrenzung der Organisationsentwicklung von der Organisationsberatung und der Organisationsanalyse | 12 |
| A.1.2 | Systembegriff systemischer Organisationsentwicklung | 14 |
| A.1.2.1 | Annäherung an den Systembegriff | 14 |
| A.1.2.2 | Merkmale sozialer Systeme | 16 |
| A.1.2.3 | Problemlösung aus systemischer Sicht | 18 |
| A.1.2.3.1 | Exkurs: Autonomie und Konsens | 18 |
| A.1.3 | Konzeptionelle Bausteine systemischer Organisationsentwicklung | 21 |
| A.1.3.1 | Aktive Mitbeteiligung | 21 |
| A.1.3.2 | "Jede Organisation ist einmalig" | 22 |
| A.1.3.3 | Angemessene Komplexität | 22 |
| A.1.3.4 | Ansatzpunkte von Organisationsentwicklung | 22 |
| A.1.3.5 | Lernen statt "Revolution" | 23 |
| A.1.3.6 | "Fließgleichgewicht statt Erstarrung" | 23 |
| A.1.3.7 | "Organisationsentwicklung findet am Arbeitsplatz statt" | 23 |
| A.1.3.8 | Ressourcen- und Lösungsorientierung | 24 |
| A.1.4 | Ziele von Organisationsentwicklung | 24 |
| A.1.5 | Phasen systemischer Organisationsentwicklung | 25 |
| A.1.5.1 | Die Orientierungsphase | 26 |
| A.1.5.2 | Die Diagnosephase | 27 |
| A.1.5.3 | Die Veränderungsphase | 28 |
| A.1.5.4 | Die Abschlußphase | 29 |
| A.1.6 | Grenzen systemischer Organisationsentwicklung | 30 |
| A.2 | Eine geschlechtstheoretische Konzeption für die Gleichstellungspolitik | 32 |
| A.2.1 | Warum braucht Gleichstellungspolitik eine geschlechtstheoretische Konzeption? | 32 |
| A.2.2 | Die Differenztheorie | 32 |
| A.2.3 | Die Dekonstruktion der Kategorie Geschlecht | 35 |
| A.2.4 | Geschlecht als Strukturkategorie im Herrschaftszusammenhang | 38 |
| A.2.5 | Ein Geschlechterkonzept für die Praxis der Gleichstellungspolitik | 39 |
| A.3 | Der Blick auf das Geschlecht in Organisationen | 44 |
| A.3.1 | Zielsetzung und Aufbau | 44 |
| A.3.2 | Ausgewählte Daten und Phänomene zur Benachteiligung von Frauen in Organisationen | 45 |
| A.3.2.1 | Allgemeines | 45 |
| A.3.2.2 | Lohndiskriminierung | 46 |
| A.3.2.3 | Die Unterrepräsentanz von Frauen in Führungspositionen | 47 |
| A.3.2.4 | Sexuelle Belästigung und Gewalt in Organisationen | 50 |
| A.3.3 | Organisationstheorie und Geschlecht | 51 |
| A.3.3.1 | Welche Erfahrungen machen Frauen in Organisationen? | 52 |
| A.3.3.2 | Die vergeschlechtlichte Organisation | 52 |
| B. | Untersuchungsbericht | 55 |
| B.1 | Methodologische Eckpunkte | 56 |
| B.1.1 | Offenheit | 56 |
| B.1.2 | Prinzip der Kommunikation | 56 |
| B.1.3 | Einflüsse aus der Frauenforschung | 57 |
| B.2 | Erhebungsverfahren und Auswertungsmethode | 61 |
| B.2.1 | Was sind Expertinneninterviews? | 61 |
| B.2.2 | Wer ist Expertin? | 62 |
| B.2.3 | Was ist der Forschungsgegenstand? | 62 |
| B.2.4 | Das offene, leitfadengestützte Interview | 62 |
| B.2.5 | Aufbereitung und Verdichtung des Datenmaterials | 63 |
| B.2.6 | Die Analyse auf Gemeinsamkeiten | 64 |
| B.2.7 | Feldzugang und Samplebildung | 65 |
| B.3 | Beschreibung der Befunde | 66 |
| B.3.1 | Ziele und Inhalte von Gleichstellungspolitik und Organisationsentwicklung | 66 |
| B.3.2 | Strategien der Gleichstellungspolitik und der Organisationsentwicklung | 73 |
| B.3.3 | Kernprobleme von Frauen in Organisationen | 77 |
| B.3.4 | Auswirkungen von Organisationsentwicklung auf die Arbeits- und Lebensbedingungen von Frauen | 81 |
| B.3.5 | Widerstände gegen Gleichstellung und Organisationsentwicklung | 82 |
| B.4 | Analyse auf Gemeinsamkeiten: Fünf zentrale Aussagen | 93 |
| B.4.1 | Wettbewerb als unhinterfragtes Prinzip von Gleichstellungspolitik und Organisationsentwicklung | 93 |
| B.4.2 | Geschlechtsblindheit von Organisationen | 94 |
| B.4.3 | In Organisationen gibt es Subjekte, die mit unterschiedlichen Eigenschaften ausgestattet sind und ,die sich in eine hierarchische Ordnung bringen lassen | 95 |
| B.4.4 | Organisationsentwicklung ist keine ausdrückliche Strategie der Gleichstellungspolitik | 97 |
| B.4.5 | Gleichstellung erfordert gesellschaftliches Umdenken | 98 |
| B.5 | Rückkoppelung der Untersuchungsergebnisse an die Literaturquellen | 99 |
| B.5.1 | Organisationsentwicklung in Theorie und Praxis | 100 |
| B.5.2 | Ein Geschlechterkonzept für die Praxis der Gleichstellungspolitik | 104 |
| B.5.3 | Zur Geschlechtsblindheit von Organisationen (B.4.2), zum Subjektbegriff im hierarchischen System von Organisationen (B.4.3) und zur Notwendigkeit gesellschaftlichen Umdenkens (B.4.5) | 109 |
| B.5.3.1 | Exkurs: Der Beitrag kritischer Männerforschung zur Gleichstellungspolitik | 114 |
| B.6 | Praktischer Ausblick: Konsequenzen für die Gleichstellungspolitik | 115 |
| Literaturverzeichnis | 120 | |
| Anhang 1: Interviewleitfaden | ||
| Anhang 2: Interview 1-6 |
2. Interview/Susanne Bolinski 135 136 137 138 139 140 141 142 143 144 145 146 147 148 149 150 151 152 153 154 155 156 157 158 159 160 161 162 163 164 165 166 167 168 j Zumindest auch. Es ist kein Entweder Oder. Aber was einer, ichsagmal, nichtpolitisierten Frau, also einer nichtfrauenpolitischorientierten Frau entgegen schlägt ist nicht der Frauenförderplan. Und ich denke er ist auch nur glaubwürdig, wenn beides zusammenkommt. Also die kulturelle Botschaft, du bist hier willkommen, hier sind unterschiedliche Menschen willkommen, wir achten die Unterschiede, und wollen, das jeder das beiträgt, was er kann, was eben auch 5 b Also ihre Herangehensweise wäre über die Unternehmenskultur, da über Leitbildentwicklung, j Beide. Beide. Und ich denke auch es ist sinnvoll zu überlegen, also [...]
2. Interview/Susanne Bolinski 102 103 104 105 106 107 108 109 110 111 112 113 114 115 116 117 118 119 120 121 122 123 124 125 126 127 128 129 130 131 132 133 134 b Meinten sie eben Frauen oder Männer? j Fortbildungen dazu, und sie kann mit beteiligen der Mitarbeiterinnen, aber auch Mitarbeiter in den Unternehmen, was ist hier eigentlich Kultur, wie empfindet ihr euren Betrieb, was sind so unausgesprochene Regeln, wie habt ihr euch gefühlt, als ihr die ersten paar Monate hier ward, wie läuft das, wenn ihr Pläne macht weiterzukommen, und wem erzählt ihr davon, wie geht ihr damit überhaupt um, was ist üblich, und dann, daraus zu entwickeln, was wäre hilfreich. b Was kann OE dazu beitragen? daß man das, zu was man organisationskulturelles, in erster Linie über einen Frauenförderplan lösen kann, meine Erfahrung ist, das einer großer Teil der Frauen, die in diesen Unternehmen arbeiten, damit schlicht nichts am Hut hat. Das fängt mit Namen an, darüber gibt es ja eine lange Diskussion, und da ist ja auch was dran, ich brauch keine Förderung, ich hab selber meine Kompetenz dabei, ich bin doch nicht irgendwie arm und behindert. Und in den Bereichen, die vielleicht nicht solche Vorbehalte hatten jetzt, da dringt es ja meistens gar nicht durch. Diese Konzepte sind ja häufig in den Unternehmen, in denen sie umgesetzt werden in vielen Beschäftigtenbereichen gar nicht bekannt. Also, wenn sie anrufen, und die Telefonistin am Telefon haben, und sagen es gibt doch einen Frauenförderplan, dann sagt die, och das ist ja interessant, davon weiß ich ja gar nichts, und was hab ich damit zu tun. Und so ist es oft, daß es gerade in Großunternehmen, ganz lange braucht, bis es überhaupt bekannt ist, bis überhaupt jemand weiß, also auch auf unteren Ebenen, also im angelernten Bereich, aber auch einfache Sachbearbeitung, die das Wissen (?). Und deshalb glaube ich, das ist wirklich ein schmaler Teil, der notwendig ist, aber der nicht ersetzen kann, sowas wie ein Klima in Unternehmen, das vermittelt, hier sind Entwicklungsmöglichkeiten, hier sind Frauen erwünscht und werden geachtet. Das teilt sich anders als über sowas formales. Und das können auch nicht einzelne Frauenbeauftragte leisten, das muß von vielmehr, ja Frauen natürlich, mitgetragen und weiterverbreitet werden. [...]
2. Interview/Susanne Bolinski 68 69 70 71 72 73 74 75 76 77 78 79 80 81 82 83 84 85 86 87 88 89 90 91 92 93 94 95 96 97 98 99 100 101 j Naja, ich denke, das ist zum einen eine kulturelle Frage, organisationskulturelle Frage, also, was schlägt einer Frau entgegen, oder wenn sie in ein Unternehmen eintrifft, in welche Atmosphäre, ist das eine feindselige Atmosphäre, also du mußt dich hier durchkämpfen, oder ist das eine, wo sie Vorbilder hat, wie Frauen es schon geschafft haben sich zu integrieren, und da auch geachtet zu werde, und auch, wie sie es geschafft haben, Rahmen zu schaffen, in denen die Erfahrungen auch weitergegeben werden. Ich denke nicht, 3 b Welcher Handlungsbedarf leitet sich daraus ab? Wie kann man damit umgehen, darauf reagieren? j (Lacht).Sehr grobe Frage. Ein Kernproblem ist natürlich, immer Vereinbarkeit, jenachdem, ob sie Familie, Kinder haben, die Frauen. Überhaupt, die Lebensplanung, wenn sie einsteigen und merken, es gibt da Erwartungen sich festzulegen, und auch auf Arbeitszeiten festzulegen, die eventuell andere Perspektiven dann ausschließen, und natürlich auch Konkurrenz, welche Erfahrung, welche Erwartungen werden gestellt, und wie können wir damit einen Freiraum haben, falls es so ist, daß wir den Schwerpunkt auf den Privatbereich legen wollen. Und die andere Sache ist dann, alles, was mit durchsetzen, sich durchsetzen, sicherauftreten, sichentwickeln im weitesten Sinne was zu tun hat. Das die Frauen in der Lagen sind, ihre Kompetenzen zum Ausdruck zu bringen, und dann zu wissen, was sie wollen, also Perspektiven zu entwickeln für sich selbst, und da auch Pläne zu entwickeln, wie sie die durchsetzen können. Sowohl in dem einen, aber auch in mehreren Unternehmen. Und dann innerhalb der Unternehmen, sich solche Netzwerke zu schaffen, das sie das auch gegen Widerstände tun können, damit ist auf jeden Fall zu rechnen. b Was sind ihrer Meinung nach die Kernprobleme von Frauen in Organisationen. j Und noch Verbände, bei Verbänden, also Gewerkschaftsverbände, [...]
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http://www.diplom.de/ean/9783832422400
Arbeit zitieren:
Bolinski, Susanne Februar 2000: Organisationsentwicklung und Geschlecht: Organisationsentwicklung als Strategie der Gleichstellungspolitik?, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Frauen, Chancengleichheit, Gleichstellungspolitik, Organisationsentwicklung



