Organisation von nichtkonsensuellen Gesprächsformen in unmoderierten Chats
- Art: Bachelorarbeit
- Autor: Hüseyin Demir
- Abgabedatum: Dezember 2007
- Umfang: 34 Seiten
- Dateigröße: 916,5 KB
- Note: 1,0
- Institution / Hochschule: Universität Bielefeld Deutschland
- Bibliografie: ca. 72
- ISBN (eBook): 978-3-8366-1184-8
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Demir, Hüseyin Dezember 2007: Organisation von nichtkonsensuellen Gesprächsformen in unmoderierten Chats, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Chat, Streitgespräche, Konflikt, Dissente Sequenz, nichtkonsensuelle Gesprächsform
28,00 €
PDF-eBook Download: 28,00 €
Bachelorarbeit von Hüseyin Demir
Einleitung:
Nach Geers wird durch die computervermittelte Kommunikation "die gesamte Natur der menschlichen Kommunikation verändert [...]" und Androutsopulos/Ziegler meinen, dass sie "neue Kommunikationspraktiken und Muster des Sprachgebrauchs ermöglicht, die einen entscheidenden Einfluss auf Sprachwandel haben können." Insgesamt kann demnach angenommen werden, dass die CvK der gegenwärtigen Tendenz entsprechend weiter an Bedeutung gewinnen wird.
Eine der beliebtesten Formen CvK ist der Chat. Aus dieser Formulierung sollte aber nicht geschlossen werden, dass es "den Chat" als solchen gibt.
Runkeh meint hierzu:
"Es zeigt sich […], daß es sehr unterschiedliche Chats gibt und das Pauschalaussagen über das Chatten, wie man sie allzu häufig findet, problematisch sind".
Technisch gesehen bestehen drei Chat-Möglichkeiten, die in Kapitel 2 dargestellt werden sollen.
In der linguistischen Forschung, besonders in der Konversationsanalyse, sind mittlerweile einige Arbeiten zu finden, die sich aber zumeist nur mit sprachlichen Phänomenen im Chat beschäftigen. Es wird dabei jedoch vernachlässigt, dass der Chat eine Kommunikationstechnologie darstellt, die in zahlreichen verschiedenen Bereichen Anwendung findet. (Siehe 2.1) Die untersuchten Chats liegen zumeist ausschließlich im informellen Bereich und können als „Plauderchats“ bezeichnet werden.
In Rahmen dieser Arbeit wird untersucht, wie Kommunikationsteilnehmer unter den medialen bzw. technischen Bedingungen unmoderierter Chats die kommunikative Handlung Dissens bewältigen.
Aufgrund des begrenzten Rahmens dieser Arbeit beschränke ich mich auf die Untersuchung unmoderierter Chats, wobei die Ergebnisse zum Teil auch auf moderierte Chats übertragbar sind.
Die Frage ist gesprächsanalytisch interessant, da essenzielle Merkmale von nichtkonsensuellen Gesprächsformen, wie sie z.B. durch Gruber erläutert werden, im Chat nicht realisierbar sind. Dazu zählen vor allem Phänomene des Sprecherwechsels, wie Unterbrechungen und Überlappungen, aber auch bestimmte Ausdrucksweisen auf para- und nonverbaler Ebene, durch die emotionale Elemente der Kommunikation, denen in nichtkonsensuellen Gesprächsformen eine besondere Bedeutung zukommt, vermittelt werden können. (Siehe 4.3) Außerdem soll herausgestellt werden, welche Konsequenzen das Fehlen von sprachlichen Mustern aus der Face-to-face Kommunikation auf die Chat-Sprache in nichtkonsensuellen Gesprächsformen hat und wie diese Probleme gelöst bzw. kompensiert werden. Daneben werden Aussagen darüber getroffen, in welchen Chats, wie häufig und über welche inhaltlichen oder formalen Aspekte Dissens auftritt.
Es soll aber darauf hingewiesen, dass in dieser Arbeit keine repräsentativen Aussagen zu diesen Fragen gemacht werden können, was vor allem auf der Vielseitigkeit der Chat-Kommunikaton beruht. Sie kann aber durchaus interessante und an Chat-Protokollen von unmoderierten Chats (IRC vs. Proprietäre Chats) belegte Ergebnisse und Annahmen liefern. Einige dieser Chat-Protokolle wurden vom Dortmunder Chat Korpus, das von dem Institut für Deutsche Sprache und Literatur an der Universität Dortmund angelegt wurde, zur Verfügung gestellt, während die restlichen Chat-Protokolle (Logfiles) selbst aufgezeichnet wurden.
In Kapitel 2. erfolgt die Beschreibung und Definition des Untersuchungsgegenstands Chat-Kommunikation, Hinweise zu ihren technischen Grundlagen und wie diese sich auf die Kommunikation auswirken. (2.1). Daneben wird eine für die Untersuchung wichtige Unterscheidung zwischen moderierten und unmoderierten Chats getroffen (2.2.1) und die sprachlichen Besonderheiten der Chat-Kommunikation dargestellt (2.2.2), wobei sich die Chat-Formen, je nach ihrer technischen Grundlage auch in ihren sprachlichen und nichtsprachlichen Ausdrucksmöglichkeiten unterscheiden.
Im folgenden Kapitel wird in Anlehnung an das Modell von Koch/Oesterreicher (1990) versucht, den Chat zwischen Mündlichkeit und Schriftlichkeit einzuordnen (3.1) und zu diskutieren, ob diese Form der CvK als Gesprächsform eingestuft werden kann, damit eine Vergleichbarkeit mit der Face-to-face Kommunikation gewährleistet ist.
In Kapitel 4 folgt die Darstellung von nichtkonsensuellen Gesprächsformen, wobei der Fokus auf der dissenten Sequenz (DS) liegt. In den Unterkapiteln 4.2 und 4.3 werden typische inhaltliche und formale Merkmale nichtkonsensueller Gesprächsformen dargestellt. Hier geht es vor allem um das System des Sprecherwechsels.
Im 5. Kapitel wird versucht, die herausgearbeiteten charakteristischen Merkmale nichtkonsensueller Gesprächsformen auf die entsprechenden Sequenzen in der Chat-Kommunikation anzuwenden und zwischen verschiedenen Chat-Formen zu differenzieren. Im Anschluss an die exemplarische Untersuchung des Protokolls eines proprietären Chats und Aussagen darüber, wie Chat-Teilnehmer die kommunikative Aufgabe Dissens bewältigen, wird dargestellt, wie Kommunikationsteilnehmer die mangelnden Wahrnehmungskanäle in der Chat-Kommunikation durch verbale und semiotische Mittel kompensieren bzw. substituieren.
Zwecks besserer Lesbarkeit wird bei der Bezeichnung von Personengruppen ausschließlich die männliche Form gewählt. Selbstverständlich sind aber sowohl männliche als auch weibliche Mitglieder in diesen Gruppen enthalten.
Inhaltsverzeichnis:
| 1. | Einleitung | 3 |
| 2. | Chat-Kommunikation | 5 |
| 2.1 | Technisches und kommunikatives Setting | 5 |
| 2.2 | Charakteristika der Chat-Kommunikation | 7 |
| 2.2.1 | Moderierte vs unmoderierte Chats | 7 |
| 2.2.2 | Sprachliche Besonderheiten der Chat-Kommunikation | 8 |
| 3. | Schriftlichkeit vs. Mündlichkeit | 10 |
| 3.1 | Schriftlichkeit vs. Mündlichkeit in der Chat-Kommunikation | 10 |
| 4. | Konfliktkommunikation | 13 |
| 4.1 | Dissente Sequenzen und andere nichtkonsensuelle Gesprächsformen | 15 |
| 4.2 | Inhaltliche Merkmale | 17 |
| 4.3 | Formale Merkmale | 17 |
| 4.4 | Zur Rolle von Emotionen in nichtkonsensuellen Gesprächsformen | 21 |
| 5. | Übertragbarkeit der Organisationsstruktur nicht-konsensueller Gesprächsformen auf die Chat-Kommunikation | 22 |
| 5.1 | Exemplarische Untersuchung | 22 |
| 5.2 | Inhaltliche Ebene | 27 |
| 5.3 | Formale Ebene | 28 |
| 5.4 | Kompensations- und Substitutionsmöglichkeiten | 31 |
| 6. | Fazit | 32 |
| Literatuverzeichnis | 36 | |
| Textkorpus | 42 |
Textprobe:
Kapitel 4, Konfliktkommunikation:
Da Konflikte sehr vielschichtig sind, sind in der Forschung auch zahlreiche verschiedene Definitionen zu finden. Generell lassen sich in jedem Konflikt drei Komponenten unterscheiden. 1. Der Widerspruch, also eine Unvereinbarkeit von Zielen, Interessen oder Bedürfnissen. 2. Verhalten, das den Konflikt offenbart und häufig auch verschärft (wie Aggressivität, Wut, Hass) 3. Eine auf den Konflikt bezogene und diesen bewusst oder unbewusst rechtfertigende Einstellung bzw. Haltung.
Der Friedens- und Konfliktforscher Johan Galtung (1998) veranschaulicht diese Komponenten im so genannten Konfliktdreieck - einem wichtigen Werkzeug der Konfliktanalyse.
Das Dreieck verbildlicht den kaum auflösbaren Zusammenhang zwischen den drei Komponenten jedes Konflikts. Deutlich wird ebenfalls, dass ein objektiver Widerspruch allein nicht ausreicht, einen Konflikt zu begründen. Die Grundlage eines manifestierten Konflikts ist, dass sich zumindest eine Partei der konkreten Unvereinbarkeit der Bedürfnisse - des Widerspruchs - subjektiv bewusst ist und durch ihr Verhalten auf eine Veränderung der für sie nicht hinnehmbaren Situation besteht.
Daneben wird durch die Unterscheidung zwischen manifester und latenter Ebene verdeutlicht, dass Außenstehende, aber auch die jeweiligen Konfliktparteien, von Konflikten nur ent-sprechendes Verhalten - verbale oder körperliche Gewalt - wahrnehmen, während der zu Grunde liegende Widerspruch, sowie Einstellungen und Annahmen zunächst verborgen bleiben. Zur Bearbeitung eines Konflikts stehen zwei Lösungswege offen, nämlich Kooperation oder Konfrontation.
Trotz der negativen Konnotierung des Konfliktbegriffs im alltagssprachlichen Gebrauch sind sie eine essenzielle Komponente menschlichen Miteinanders und begegnen in jedem sozialen Raum - dies schließt virtuelle Räume, die einer immer verzweigteren Differenzierung unterworfen sind, mit ein.
Für die konversationsanalytische Arbeit ist im Sinne von Spiegel wichtig, dass es zum Konflikt durch die Entstehung von Diskrepanzen kommt. Diese gehen daraus hervor, dass mindestens zwei "Ideen [...], Personen oder Gruppen in Bezug auf Sachverhalte, Verhaltens- oder Wertvorstellungen aufeinander prallen,[...]." Damit liegt jeder oppositionellen Austragungsform ein Konflikt zugrunde.
Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt Gruber, der die "Nichtübereinstimmung" von Gesprächsparteien als konstitutiv für die Konfliktkommunikation erachtet, wobei der Annahme, dass konfliktäre Gesprächsformen Diskrepanzen voraussetzen, die wiederum als Erklärung für den verbalen Verlauf des Gesprächs dienen können, auch Schwitalla zustimmt. Dem widerspricht jedoch Nothdurft, der darauf besteht, dass Konflikte nicht sprachunabhängig existieren, sondern interaktiv konstruiert werden und somit als Produkt gelten. Daraus ergibt sich die Frage, durch welche sprachlichen Mittel und welche kommunikativen Prozesse ein Konflikt erzeugt wird, die im Verlauf dieser Arbeit wieder aufgegriffen werden soll.
Kapitel 4.1, Dissente Sequenzen und andere nichtkonsensuelle Gesprächsformen:
Nach Gruber stellt die kommunikative Austragung eines Konfliktes nur eine seiner möglichen Bearbeitungsformen dar. Doch auch bei dieser Form stehen verschiedene Möglichkeiten zu seiner Bearbeitung zur Verfügung, die an dieser Stelle erläutert werden sollen.
Die kommunikative Konfliktaustragung lässt sich in Anlehnung an Gruber unter dem Begriff der dissenten Sequenz (im Folgenden abgekürzt als DS) zusammenfassen.
Damit entgeht Gruber dem Problem, dass sich nichtkonsensuelle Gesprächsformen schwer voneinander abgrenzen lassen. Er meint, dass DS sowohl die Gestalt einer Argumentation, als auch die eines Streits annehmen können, wobei er Streit und Argumentation als entgegengesetzte Pole der DS bezeichnet. Hieraus geht hervor, dass die Einordnung der beiden Gesprächsformen nicht dichotomisch ausgerichtet ist, sondern die DS als ein Kontinuum begriffen werden soll, in welches sich nichtkonsensuelle Gesprächssequenzen einordnen lassen. Zwischen den beiden Extremen sind aber vielfältige Mischformen möglich.
Formal sind DS leicht mit Reparatursequenzen zu verwechseln, von denen sie aber deutlich unterschieden werden müssen. Der wichtigste Unterschied zwischen beiden ist, dass man DS nicht nur auf der inhaltlichen, sondern auch auf der strukturellen Ebene nachweisen kann, wobei Gruber die spezifische inhaltliche und strukturelle Organisation von DS als Dissensorganisation von Gesprächen (siehe 4.3) bezeichnet.
Zudem stehen DS auch mit Widerspruchs- und Vorwurfssequenzen in Zusammenhang. Charakteristisch für Widerspruchssequenzen ist ebenfalls die Nichtübereinstimmung mit der Äußerung des Gegenübers, wobei der Widersprechende seinen eigenen Standpunkt aber nicht weiter ausführt. Solche Gesprächsbestandteile können in DS eingebettet sein, leiten sie aber zumeist ein. Strukturell lassen sich Widerspruchssequenzen von DS durch das Vorherrschen der Präferenzorganisation abgrenzen, die für ihre Einordnung als konsensuelle Gesprächsform spricht.
Neben der Funktion DS einzuleiten, können Vorwurfssequenzen dagegen sowohl innerhalb einer DS, als auch alleinstehend auftreten. Diese sind strukturell komplexer aufgebaut als Widerspruchssequenzen, da demjenigen dem etwas vorgeworfen wird prinzipiell zwei Möglichkeiten offen stehen - Rechtfertigung oder Einlenken - die wiederum vom Vorwurfs-Produzenten eine Reaktion erfordern.
Vordergründig können inhaltliche und strukturelle DS unterschieden werden: Inhaltliche DS entstehen durch den Verstoß eines Teilnehmers gegen den Gesprächskonsens, während strukturelle DS durch eine Meinungsverschiedenheit über die Turnvergaberegeln bzw. -reihenfolge (wie "Entschuldigung, darf ich auch mal reden oder wollen sie mich ständig unterbrechen." Elefantenrunde: 9-11) eingeleitet werden können.
Als typische Verlaufsform inhaltlicher DS gilt nach Gruber die Trias von Anlass, Formulierung der gegnerischen Standpunkte und die Aushandlungsphase. Dabei ist jede dieser Phasen durch spezifische Sprechhandlungen charakterisiert. Den Anlass bildet eine Konsensverletzung durch A, worauf entweder die Thematisierung des Konsensverstoßes durch B oder ein Vorwurf folgt, auf den A wiederum mit einer Zurückweisung reagiert, durch den er den Widerspruch manifestiert. In der zweiten Phase werden die divergierenden Standpunkte dargestellt, wobei dies durch (rekursive) Sequenzen von Vorwürfen und Gegenvorwürfen erfolgt, die mehr oder weniger emotional geprägt sein können. Hier ist zu beachten, dass durch neue Anlässe, die in den Vorwürfen gegeben sind re-kursiv neue Vorwurfs-Gegenvorwurfs-Sequenzen entstehen können. In die Aushandlungsphase und damit zur Rückkehr zur Präferenzorganisation gelangen die Parteien zumeist durch einen Themenwechsel. Zum Ende des Dissens sei gesagt, dass sprachlich ausgetragene Konflikte inhaltlich nicht gelöst werden müssen, um von einer Konfliktbeendigung sprechen zu können. Häufig verhindern Kontrahenten dies selbst, da sie vor dem Ziel die eigene Position durchzusetzen, widersprechende Argumente ignorieren oder umdeuten - ein Phänomen, das Keim als Perspektivenabschottung bezeichnet. Für die Lösung des Dissens reicht es aus, wenn die Dissensorganisation nicht mehr die kommunikativen Handlungen der Interaktionspartner bestimmt.
Nach Carmen Spiegel ist Streit eine verbale, kontroverse und unkooperative Austragungsform von Konflikt, die durch Verletzung bzw. Missachtung des Partnerimages und Unkooperativität gekennzeichnet ist. Ohne diese Merkmale ließe sich von eher von einer DS im Sinne von Gruber sprechen.
Beim Streit steht der Beziehungsaspekt im Vordergrund, wobei er nicht nur negative Folgen auf der Beziehungsebene nach sich zieht, sondern gravierende Folgen für den Verlierer bedeutet, weil im Streit auch Identitäten ausgehandelt werden. Da bei einer Identitätsbedrohung im Streit die Emotionen sehr intensive Ausmaße annehmen können, ist die Eskalation solcher Kommunikationsereignisse wahrscheinlicher als bei anderen Formen. Der jeweilige Standpunkt wird dann oft explizit und personenbezogen formuliert (z.B. Vorwurf, Kritik, Beleidigung), wobei weder die eigene Position, noch die der anderen Partei weiter entfaltet werden kann. Daraus geht hervor, dass es, um eine DS als Streit bezeichnen zu können, nicht ausreicht, dass die Teilnehmer unterschiedliche Meinungen vertreten. Charakteristisch für den Streit ist die unkooperative, das Image des Gegners verletzende Art und Weise in der dies geschieht. Darin liegt auch der Unterschied zur Argumentation, wobei bei dieser Konfliktaustragungsform, aufgestellte Behauptungen begründet werden und die Kontrahenten ihre Positionen ausführen. Zwischen den Teilnehmern herrscht auf formaler Ebene Kooperativität, weshalb die Dissensorganisation in Argumentationen nicht zu beobachten ist.
Abgesehen von derartigen inhaltlichen Aspekten, kommt es beim Streit, wie bei der DS, zu einer spezifischen Sequenzierung bzw. Organisation des Gesprächs der Dissensorganisation.
Kapitel 4.2, Inhaltliche Merkmale von DS:
Inhaltlich sind DS durch die kommunikative Austragung interpersoneller Konflikte, also die Darstellung von unterschiedlichen Standpunkten, in deren Folge mindestens zwei Positionen zu einem Thema explizit präsentiert werden, geprägt.
Kommunikativ ausgetragene Konflikte, können an drei globalen Bereichen eskalieren. Dies sind das Weltwissen, die Rollenbeziehungen zwischen den Beteiligten und drittens die Regeln der Gesprächsorganisation. Dazu merkt Gruber an, dass DS, die ihren Ausgangspunkt auf verschiedenen Ebenen haben, auch verschiedene Strukturen aufweisen.
Kapitel 4.3, Formale Merkmale:
Charakteristische formale Merkmale nichtkonsensueller Gesprächsformen lassen sich vor allem auf der Ebene der Gesprächsorganisation benennen. Hierzu zählen verbale Kämpfe um das Wort, simultane Sprechphasen, Unterbrechungen und Forderungen jemanden Aussprechen zu lassen, aber auch auffällig lange Gesprächspausen.
Das wichtigste Merkmal zur Kennzeichnung von DS ist der Wechsel in der Präferenzorganisation. Das Verfahren der Präferenzorganisation wird von Interaktanten aktiv dazu benutzt die Kooperation zu maximieren und das Konfliktpotential zu minimieren. Dabei wird als Antwort auf den ersten Teil einer Paarsequenz vom Rezipienten diejenige mögliche Antwort bevorzugt, die die geringste Imagebedrohung für den Produzenten bedeutet. Diese ist also die präferierte Äußerung. Es treten zwar auch in konsensuellen Gesprächsformen nichtpräferierte Äußerungsteile auf, jedoch werden diese speziell markiert.
Die Kommunikation in DS ist hingegen nicht mehr durch die Ausrichtung auf Kooperation, sondern bewusste Nichtübereinstimmung gekennzeichnet. Daneben scheinen noch weitere Merkmale aus-schlaggebend für die Bewertung einer unkooperativen Gesprächsphase als DS zu sein.
28,00 €
PDF-eBook Download: 28,00 €
Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783836611848
Arbeit zitieren:
Demir, Hüseyin Dezember 2007: Organisation von nichtkonsensuellen Gesprächsformen in unmoderierten Chats, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Chat, Streitgespräche, Konflikt, Dissente Sequenz, nichtkonsensuelle Gesprächsform



