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Organisation atmender und räumlich verteilter Teams in der Softwareentwicklung

Unter besonderer Berücksichtigung der für die Entwicklung komplexer IT-Systeme notwendigen Kommunikation

Organisation atmender und räumlich verteilter Teams in der Softwareentwicklung
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Johannes Feierabend
  • Abgabedatum: November 2005
  • Umfang: 121 Seiten
  • Dateigröße: 1,4 MB
  • Note: 2,0
  • Institution / Hochschule: Universität Rostock Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-9231-1
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-9231-1 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-9231-1 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Feierabend, Johannes November 2005: Organisation atmender und räumlich verteilter Teams in der Softwareentwicklung, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: virtuell, Outsourcing, Open Source, Kommunikation, Softwarelebenszyklus

Diplomarbeit von Johannes Feierabend

Einleitung:

„Das Wort "Globalisierung" begegnet uns nun beinahe täglich als Argument, als Argument allerdings für alles mögliche: Für radikale Bildungsreformen, für Englisch lernen schon im Kindergarten, aber auch für den Abbau von Arbeitsplätzen, für die Lockerung von ethischen Standards, zum Beispiel in der Gentechnik, für die Verlagerung von Firmensitzen, für den Zusammenschluss von Unternehmen – und schließlich als Grund dafür, dass es das ganze Jahr über Erdbeeren gibt. Aus der Geschichte wissen wir: Nichts, keine technische Erfindung, keine politische Entwicklung, keine gesellschaftliche Veränderung führt automatisch und für alle ausschließlich zum Schlechteren oder zum Besseren. Auch bei der Globalisierung kommt es darauf an, was wir aus den neuen Möglichkeiten machen.

Und genau das ist es: „was wir aus den neuen Möglichkeiten machen“. Was der ehemalige Bundespräsident Johannes Rau im Jahr 2002 im Berliner Museum für Kommunikation sagte, ist in besonderem Maße für die Softwareentwicklung zutreffend. In der Welt der Softwareproduktion sieht man sich schon seit langem einem immer stärkeren globalen Wettbewerb „ausgeliefert“. Dies drückt sich in steigenden Anforderungen der Kunden aus, die sich nicht mehr mit verspäteter Lieferung oder unzureichender Qualität abfinden wollen. Unternehmen sind quasi „gezwungen“, den time-to-market so kurz wie möglich zu halten. Damit geht auch einher, dass Software sofort nach der Installation einwandfrei funktionieren muss. Der Bedarf einer nachträglichen Anpassung der Software an veränderte Gegebenheiten, was ebenfalls schnell und einfach möglich sein soll, ist auch sprunghaft gestiegen. Die Weiterentwicklung der Produkte selbst über Jahre hinweg muss effizient möglich sein.

Softwareunternehmen müssen sich anpassen: sie müssen auf kurz- und/oder langfristige Nachfrageschwankungen reagieren können und gleichzeitig die Qualität der Produkte auf hohem Niveau halten bzw. noch verbessern. Sie müssen auf scheinbar gegensätzliche Phänomene, wie steigende Entwicklungsaufwendungen und zunehmenden Preisdruck, geeignet antworten können.

In den letzten Jahren hat sich eine zunehmende multinationale Verflechtung in der IT vollzogen. Angestoßen durch den IT-Fachkräftemangel in den 90igern, suchten viele Unternehmen der Softwarebranche nach gut ausgebildeten Entwicklern im Ausland, die sie in Irland, Israel, Indien, Russland, auf den Philippinen und in anderen Regionen der Welt fanden. Derzeit verlagern sogar schon große indische IT-Firmen das „coding“ nach China. Schon 1983 diskutierte der bekannte Harvard-Ökonom Theodore Levitt in verschiedenen Aufsätzen, dass Globalisierung ein sich selbst verstärkender Prozess ist. Getrieben von den immer leistungsfähiger werdenden Kommunikationstechniken gepaart mit einfacher Bedienung, wird sich grade dieser Prozess in der Softwareentwicklung fortsetzen. Diesen Trend untermauern verschiedene aktuelle Arbeiten zur „Global Software Work“ von Carmel, Sahay, Nicholoson und anderen Wissenschaftlern.

Dies alles impliziert, dass Unternehmen der Softwareindustrie sich an die veränderten Bedingungen anpassen müssen, um Risiken zu vermeiden und Chancen zu nutzen. Damit geht die Suche nach Flexibilisierungsmöglichkeiten, dem optimalen Einsatz neuer Kommunikationsmedien und schließlich auch die komplette Anpassung der Unternehmensstruktur, -philosophie und Arbeitskultur einher.

Während Ende des letzten Jahrtausends die Literatur und die Praxiserfahrungen über atmende und räumlich verteilte Teams noch überschaubar waren, ist sie in den letzten Jahren angewachsen. Diese Entwicklung hat sich vor allem, getrieben durch die immer „reicher“ werdenden Kommunikationsmöglichkeiten und den damit verbundenen neuen Möglichkeiten der Zusammenarbeit ergeben. Unternehmen haben erkannt, dass sich Wettbewerbsvorteile erschließen lassen und die Leistungsfähigkeit & Effizienz der Organisation gesteigert werden kann, wenn man virtuelle Konzepte soziotechnisch richtig umsetzt.

Die große Herausforderung unserer Zeit ist also, alte auf „Ziegel & Mörtel“ aufgebaute Organisationen in neue auf „Knowledge Sharing & Trust“ aufgebaute Organisationen umzuwandeln, die den heutigen und zukünftigen Entwicklungen erfolgreich begegnen können. Konzepte der virtuellen Organisation basieren auf verteilter elektronischer Zusammenarbeit in atmenden Teams, was in dieser Arbeit, bezogen auf die Softwareentwicklung, betrachtet wird.

Softwareentwicklung vollzieht sich, wie bei Unternehmen in anderen Branchen auch, in einem sehr dynamischen Umfeld. Viele Unternehmen sehen Softwareentwicklung heute nicht mehr als ihre Kernkompetenz an und vergeben Entwicklung, Wartung und Betrieb ihrer Applikationen an entsprechende Dienstleister. Die Hersteller von Softwareprodukten wiederum identifizieren immer mehr Teile ihrer Arbeit als außerhalb ihrer Kernkompetenz und sourcen solche Aktivitäten aus. Darüber hinaus sehen sich Unternehmen starken Schwankungen in der Auslastung ihrer Mitarbeiter gegenüber. Noch vor wenigen Jahren haben es die Kunden hinnehmen müssen, dass die Auswirkungen der schwankenden Auslastungen insbesondere über den Preis und ggf. Terminverzug auf die abgewälzt wurden.

Problemstellung:

Ich stelle mir in der vorliegenden Arbeit die Frage, mit welchen Mitteln der Organisation und Kommunikation in der Softwareentwicklung auf solche gravierenden Veränderungen reagiert wird.

Ziel der Arbeit ist es, verschiedene Konzepte, die eine Anpassung der Softwareentwicklung an die veränderten Rahmenbedingungen der Umwelt unterstützen, vorzustellen. Dabei wird auf die besonderen Anforderungen der notwendigen Kommunikation für die Entwicklung komplexer IT-Systeme eingegangen.

Im ersten Teil der Arbeit werden Konzepte zur Flexibilisierung von Teams vorgestellt, danach werden die klassischen Phasen der Softwareentwicklung behandelt und schließlich die Flexibilisierungskonzepte in diese Phasen auf unterschiedliche Weise integriert.

Die Schlussfolgerung aus der Integration ist, dass es zwangsläufig zu verteilten und atmenden Teams kommen muss. Während der Begriff des verteilten Teams in der Literatur nicht neu ist und auf klassische Art behandelt werden kann, sind zum Begriff des atmenden Teams keine wissenschaftlichen Arbeiten vorhanden.

Ein weiteres Ziel ist es also, atmende und räumlich verteilte Teams zu beschreiben und somit einen wissenschaftlichen Grundstein für fortführende Forschungen zu legen.

Bei der atmenden und verteilten Zusammenarbeit entstehen besondere Probleme und Fragen, deren Behandlung durch entsprechende Literaturrecherche geschehen wird.

Am Ende der Arbeit wird versucht, die untersuchten Konzepte verteilter Teams und Möglichkeiten atmender Teams für die Lexware GmbH & Co KG zu adaptieren. Dazu wird das Unternehmen diesbezüglich analysiert und Anpassungsvorschläge erarbeitet. Zunächst soll allerdings erst einmal die wohl wichtigste Grundlage atmender und verteilter Teams behandelt werden – Kommunikationstheorie.

Gang der Untersuchung:

Nach einer Einführung ins Thema im ersten Kapitel der Arbeit stelle ich im zweiten einige Modelle der Kommunikationstheorie vor, insbesondere im Hinblick auf die verwendeten Kommunikationsmedien und deren Auswahl.

Im dritten Kapitel werden personelle Flexibilisierungskonzepte in der Softwareentwicklung dargestellt. Vom Einsatz des Zeitarbeiters, freien Mitarbeiters oder Consultants bis hin zu Outsouring und Mitarbeiterpools stelle ich die verwendeten Modelle ausführlich gegenüber. Vor- und Nachteile werden verglichen und auf ihre Auswirkungen auf die Kommunikation hin bewertet.

Im vierten Kapitel der Arbeit geht es um die Notwendigkeit für verteilte und atmende Teams in der Softwareentwicklung. Ausgehend von den Phasen der Softwareentwicklung werden Flexibilisierungsempfehlungen herausgearbeitet, die zeigen, in welcher Phase, welche Unterstützung möglich ist. Anschließend werden die Flexibilisierungsempfehlungen synthesiert: Es wird ein aus dem Rational Unified Prozess gekanntes Darstellungsmittel zur Verteilung des Aufwands auf die Projektphasen auf den Einsatz verschiedener Flexibilisierungsmodelle angewendet.

Dieses Kapitel schließt mit der Darstellung des Open Source Ansatzes, wobei nachgewiesen wird, dass man mit Hilfe eines atmenden und verteilten Teams Problemlösungen in der Softwareentwicklung finden kann.

Das fünfte Kapitel diskutiert die verteilte und atmende Zusammenarbeit, wobei auf Erfolgsfaktoren, typische Probleme, Führung usw. eingegangen wird. Dabei wird sich vorrangig in den Bereichen Kommunikation und soziale Aspekte bewegt.

Im abschließenden Kapitel werden einige Ansätze wie beispielsweise die Service Oriented Architecture angerissen, weil sie die aufgezeigten Trends eher verstärken werden.

Inhaltsverzeichnis:

I. Inhaltsverzeichnis 2
II. Abkürzungsverzeichnis 4
III. Abbildungsverzeichnis 5
IV. Tabellenverzeichnis 6
1. Einleitung 7
2. Kommunikationstheorie 10
2.1 Kommunikationsmodelle 10
2.2 Überblick über Kommunikationsmedien 12
2.3 Modelle der Medienwahl 13
2.4 Vor- und Nachteile elektronischer Kommunikation 16
3. Personelle Flexibilisierungskonzepte in der Softwareentwicklung 18
3.1 Externe Mitarbeiter 18
3.1.1 Zeitarbeit 18
3.1.2 Consulting 22
3.1.3 Freie Mitarbeiter 23
3.1.4 Vor- und Nachteile Externer Mitarbeiter 28
3.1.5 Probleme bei der Zusammenarbeit Externer und Interner 30
3.1.6 Zusammenfassung 32
3.2 Outsourcing 33
3.2.1 Begrifflichkeiten 34
3.2.2 Traditionelles und Software-Outsourcing 35
3.2.3 Pro & Kontra Outsourcing 37
3.2.4 Auswahl der Aufgabe 43
3.2.5 Auswahl des Outsourcing-Partners 46
3.2.6 Outsouring nur mit Unterstützung der Mitarbeiter 48
3.2.7 Aufbau- und Ablauforganisation des Outsourcing 49
3.2.8 Wissensmanagement in Outsoucingprojekten 52
3.3 Mitarbeiterpools 57
3.3.1 Poolarten 58
3.3.2 Pool als interner freier Markt 59
3.3.3 Möglichkeit zur Organisation eines Pools 60
3.3.4 Soziale und psychologische Wirkungen 62
4. Notwendigkeit für verteilte und atmende Softwareentwicklung 63
4.1 Herausforderungen der Softwareentwicklung 63
4.2 Der Softwarelebenszyklus 65
4.3 Synthese der Flexibilisierungsempfehlungen 75
4.4 Open Source als Triebkraft 77
5. Verteilte und atmende Zusammenarbeit 82
5.1 Verteilt, atmend - virtuell? 82
5.2 SunTeams86 als Vorbild 84
5.3 Eigenschaften 85
5.4 Erfolgsfaktoren 87
5.5 Problemfelder 88
5.6 Vertrauensaufbau und -erhalt 90
5.7 Führung 91
5.8 Phasen virtueller Teams 93
5.9 Bedeutung von Rollen 98
5.10 Das ideale Teammitglied 98
5.11 Orte für virtuelle Teams 99
5.12 Ausgewählte Softwareentwicklungsmodelle 100
5.13 Training für virtuelle und atmende Teams 102
5.14 Zusammenfassung 104
6. Fazit & Ausblick 105
V. Quellenverzeichnis 108
VI. Anhang 117
Die Lexware GmbH & Co KG 117

Automatisiert erstellter Textauszug:

3.0 Personelle Flexibilisierungskonzepte in der Softwareentwicklung Oft können es sich kleine und mittlere Betriebe nicht leisten teures Spezialpersonal zu halten, welches zudem nicht ausgelastet ist. Die logische Alternative ist, dass sich mehrere Unternehmen dieses Personal „teilen“, was letztendlich zur Gründung eines solchen Dienstleistungspools führt. Der Arbeitgeber hat hier einen deutlichen Vorteil. Teilzeitpool Mitarbeiter die auf Teilzeit arbeiten wollen oder müssen, können auch in einem Pool zusammengefasst werden. Vor allem jüngere oder ältere Arbeitskräfte könnten diese Möglichkeit nutzen, um ihren Lebensalltag flexibel zu gestalten. Das Unternehmen profitiert hierdurch vor allem davon, dass das Wissen der Alten nicht zu einem Zeitpunkt weg ist, sondern nach und nach im Unternehmen gespeichert werden kann. Teilen sich mehrere Arbeitnehmer eine Vollzeitstelle, ist die zeitliche Koordination der Arbeit eine Grundvoraussetzung. Auch die gezielte Weitergabe bestimmter Informationen von der einen zur anderen Person und deren asynchrone Zusammenarbeit sind für den Erfolg einer solchen Arbeitsform von entscheidender Bedeutung. Bei dieser Form ist der Arbeitnehmer bevorteilt. Qualifizierungspool Der Trend zur „Lean Organization“ ist seit Jahren ein unaufhaltsamer. Verschlankungen von Unternehmen haben zur Folge, dass sich das noch vorhandene Personal bezüglich seines Aufgabenbereichs verbreitert, also von ihm zusätzliche Aufgaben übernommen werden. Dies impliziert, dass diese Mitarbeiter gezielt geschult werden müssen. Kleine und mittlere Firmen können sich nur gegen die Großen behaupten, wenn sie sich zusammenschließen und gemeinsam entsprechende Qualifizierungsmaßnahmen für ihre Mitarbeiter durchführen. Arbeitnehmer und –geber haben hier gleichermaßen Vorteile. [...]

Dass sich Menschen in Übergangslebensabschnitten durch Mitarbeiterpools besser nutzten lassen, sieht auch Claudia Weinkopf48 so. Werden Leute in Überganssituationen nicht allein gelassen und werden individuelle Lösungen für die Vereinbarkeit mit dem Beruf gefunden, stärkt das die Identifikation mit dem Unternehmen und steigert auch die Loyalität und Treue gegenüber diesem. Solche Übergänge können nach Weinkopf sein: Übergänge zwischen verkürzter und vollzeitiger Beschäftigung Übergänge zwischen Arbeitslosigkeit und Beschäftigung Übergänge zwischen Bildungs- und Beschäftigungssystem Brücken zwischen privater Tätigkeit und Erwerbstätigkeit Brücken zwischen Erwerbsarbeit und Rente Die wohl wichtigsten Fachkräfte kann ein Unternehmen sicherlich durch den Dritten und Fünften Punkte erlangen bzw. halten. Mit den Übergängen zwischen „Bildungs- und Beschäftigungssystem“, können beispielsweise Universitätsabsolventen genutzt werden, die nebenbei ihre Doktorarbeit schreiben wollen. Und mit der „Brücke zwischen Erwerbsarbeit und Rente“, können Unternehmen ältere, erfahrene Mitarbeiter zu längerem Arbeiten anhalten oder einen sozial verträglichen Übergang zur Rente gestalten. Viele ältere Beschäftigte wollen gar nicht von einen Tag auf den anderen nichts mehr tun müssen. Die BAYER AG gibt ein Beispiel wie Auszubildende nach Abschluss ihrer Lehre ins Unternehmen integriert werden. So wird ihnen angeboten in einen Pool zu kommen, der sie für 20 Stunden in der Woche beschäftigt, von dem aus sie je nach Bedarf in die entsprechenden Bereiche des Unternehmens gesendet werden, um dort Personalbedarf zu decken. Fast alle Azubis stimmen gerne diesem Vorschlag zu, da dies eindeutig die besser Alternative zur Arbeitslosigkeit ist. Die BAYER AG hat hierdurch den Vorteil relativ kostengünstig Bedarfsspitzen abflachen zu können und qualifiziertes Nachwuchspersonal auch Vollzeit einsetzten zu können, ohne Ressourcen für deren Suche verbrauchen zu müssen. [...]

3.0 Personelle Flexibilisierungskonzepte in der Softwareentwicklung die kulturelle Differenz zwischen Outsourcer und Provider. Ein Projektmanager der AlpCo (UK) gibt ein Beispiel für kulturelle Barrieren: “When you suggest something, they often don’t question you. They just accept it as correct. I also feel that there is some inferiority complex that they have. They think that you are an English person and you should know better.“ Für die “Sozialisation” ist es wichtig, dass Rückfragen kommen, Unklarheiten geklärt werden und Feedback gegeben wird, um Erfahrungen und Fähigkeiten auf implizite Art und Weise auszutauschen. Beispielsweise hat AlpCo am Anfang ihres OffshoreEngagements indische Softwareentwickler nach England eingeladen. Dort haben sie 6 Monate mit den britischen Teams zusammengearbeitet, ihre Freizeit miteinander verbracht und teilweise auch zusammen gewohnt. So konnten die verschiedenen Denkweisen der Kulturen ausgetauscht und Vertrauen sowie persönliche Nähe aufgebaut werden, was eine wichtige Grundlage für Produktivität und Wissensaustausch ist, dazu wieder ein Onshore-Projektmanager der AlpCo: “We know the people a lot more now, we have been working together for a couple of years and most of the people that we are working now have been to UK. The result is productivity suddenly increased significantly.“ Nachdem die indischen Entwickler zurückgekehrt waren, setzte sich der Sozialisationsprozess am Telefon oder per Chat fort. Man unterhält sich über persönliche Dinge, dessen Diskussion dazu beiträgt die Beziehungen und das Verständnis der Personen füreinander zu verbessern oder zu erhalten und implizites Wissen auszutauschen. Bei der „Externalisierung“ wird implizites in explizites Wissen umgewandelt. Nonaka und Konno beschreiben zwei Schlüsselfaktoren, die dabei die Umwandlung unterstützen. Zum einen sehen sie das Vermitteln von Ideen und Gedanken mit Hilfe von Worten und Verbildlichungen. Zum anderen sehen sie das pure Übersetzen von impliziten Wissen in eine vom Provider verständliche Form. Konkret bei der Offshore-Softwareentwicklung bedeutet dies, dass die impliziten Vorstellungen des Outsourcers in eine explizite Spezifikation, die vom Provider verstanden werden kann, umgewandelt werden müssen. Damit geht immer eine Vereinfachung und somit auch eine Unvollständigkeit der Spezifikation zu Gunsten des Verständnisses einher, welches anschließend durch Diskussion und impliziten Wissensaustausch erweitert werden muss. Dazu ein Zitat eines Projektmanagers von AlpCo (India): “Some developers felt that they didn’t have enough information about the system before they started coding. That is because the project manager was trying to get a lot of questions answered from UK that was not adequately answered. The developers ended up building up systems, which could have been done better if they had better understanding of the systems requirements.” [...]

Arbeit zitieren:
Feierabend, Johannes November 2005: Organisation atmender und räumlich verteilter Teams in der Softwareentwicklung, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
virtuell, Outsourcing, Open Source, Kommunikation, Softwarelebenszyklus

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