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Optimale Vertragsgestaltung bei der Entsendung deutscher Arbeitnehmer in andere Mitgliedstaaten der Europäischen Union

Optimale Vertragsgestaltung bei der Entsendung deutscher Arbeitnehmer in andere Mitgliedstaaten der Europäischen Union
Über dieses Buch
  • Art: MA-Thesis / Master
  • Autor: Jana Siemer
  • Abgabedatum: Juli 2009
  • Umfang: 98 Seiten
  • Dateigröße: 681,8 KB
  • Note: 2,0
  • Institution / Hochschule: Fachhochschule Osnabrück Deutschland
  • Bibliografie: ca. 159
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-4009-1
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Siemer, Jana Juli 2009: Optimale Vertragsgestaltung bei der Entsendung deutscher Arbeitnehmer in andere Mitgliedstaaten der Europäischen Union, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Arbeitnehmerentsendung, Internationales Arbeitsrecht, Europäisches Arbeitsrecht, Europäisches Sozialrecht, Vertragsmodelle

MA-Thesis / Master von Jana Siemer

Einleitung:

Die Entsendung von Arbeitnehmern gewinnt in der Wirtschaft stetig an Bedeutung. Gerade innerhalb der Europäischen Union bringen die Bestrebungen um einen Gemeinsamen Markt viele Situationen mit sich, die einen grenzüberschreitenden Einsatz von Mitarbeitern erfordern. Dies birgt viele Vorteile und neue Herausforderungen für Mitarbeiter und Unternehmen, stellt jedoch auch ganz neue Anforderungen und ungeklärte Fragen an die Gestaltung der zugehörigen Verträge.

Befasst sich ein Großteil der Literatur zum Thema Entsendungen vor allem mit der Nutzung günstiger Arbeitsbedingungen von sog. Niedriglohnländern in der Baubranche, so gerät die Entsendung von hoch qualifizierten Fach- und Führungskräften, die doch ganz anderen Anforderungen gerecht werden muss, nicht so häufig in den Fokus des Interesses. Dennoch spielen diese Entsendungsfälle in der Praxis insbesondere in internationalen Konzernen und angesichts des immer weiter voranschreitenden Realisierungsgrads des Gemeinsamen Marktes eine bedeutende Rolle.

Ziel der Vertragsgestaltung ist es, innerhalb des rechtlichen Rahmens ein Optimum für die beteiligten Parteien herauszuarbeiten. Bei grenzüberschreitenden Sachverhalten stoßen regelmäßig zwei oder mehr nationale Rechtsordnungen aufeinander. Innerhalb der Europäischen Union kommt das Europarecht hinzu, welches durch Richtlinien und Verordnungen ebenfalls großen Einfluss auf das Vertragsverhältnis hat. Ziel dieser Arbeit ist zu analysieren, wie diese verschiedenen Rechtsquellen zusammenwirken und wo eventuelle Konflikte auftreten, sodass schließlich der Einfluss verschiedener Gestaltungsmöglichkeiten im Rahmen von Vertragsmodellen festgehalten und deren Auswirkungen auf diverse arbeitsrechtliche Problemstellungen analysiert werden kann. Als zu Grunde gelegter Sachverhalt dient stets die aus Deutschland entsandte Führungs- oder Fachkraft in ein anderes konzernverbundenes Unternehmen im Ausland. Andere Fallgestaltungen werden mit ihren Besonderheiten an entsprechender Stelle berücksichtigt.

Zentrale Themen im Rahmen der Vertragsgestaltung sind das Arbeitsvertrags- und das Sozialversicherungsstatut, also die Frage nach der auf den Sachverhalt anwendbaren Rechtsordnung, sowie die Möglichkeiten der Einflussnahme auf das anwendbare Recht. Dies kann für die Parteien interessant sein, da sowohl die arbeits- als auch die sozialversicherungsrechtlichen Systeme in den Mitgliedstaaten stark voneinander abweichen und daher Vorteile durch entsprechende Gestaltungen entstehen können. Gerade bei Entsendungen innerhalb der EU entstehen durch das Zusammenspiel von Europarecht und den nationalen Rechtsordnungen Besonderheiten. Daher sind das dritte und vierte Kapitel diesen beiden Themen gewidmet.

Der größte Einfluss auf die oben genannten Parameter kann durch die Wahl des Vertragsmodells genommen werden. Die Entscheidung für bspw. ein ruhendes Arbeitsverhältnis oder eine Zusatzvereinbarung ist nicht nur eine formale Frage, sondern es schwingen weitreichende Konsequenzen für das anwendbare Arbeitsrecht, Sozialversicherungsstatut sowie Auswirkungen auf arbeitsrechtliche Fragen wie z. B. Direktionsrecht und Kündigungsmöglichkeiten mit. Auf diese Fragen soll im fünften und sechsten Kapitel der Arbeit eingegangen werden.

Im Schlussteil der Arbeit werden in einem Gesamtüberblick die Ergebnisse der Arbeit noch einmal zusammengefasst und reflektiert.

Betriebsverfassungsrechtliche Aspekte werden aufgrund ihres nur mittelbaren Einflusses auf die Vertragsgestaltung außer Betracht gelassen. Ebenso wird auf die genauere Darstellung einzelner ausländischer Rechtsordnungen verzichtet, da eine umfassende Analyse den Rahmen dieser Arbeit überschreiten würde.

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 1
2. Einordnung des Themas in die Wirtschafts- und Rechtsordnung 2
2.1 Erfasste Sachverhalte 2
2.1.1 Entsendungsbegriff 2
2.1.2 Vertragsparteien 3
2.2 Rechtsquellen 4
2.2.1 Europäisches Gemeinschaftsrecht 4
2.2.1.1 Primärrecht 4
2.2.1.2 Sekundärrecht 6
2.2.2 Nationales Recht der Mitgliedstaaten 7
2.3 Zwischenergebnis 8
3. Auf die Entsendung anwendbare Arbeitsrechtsordnung 8
3.1 Vertragsstatut nach Internationalem Arbeitsvertragsrecht 8
3.1.1 Verhältnis des EVÜ/EGBGB zur Rom I-Verordnung 8
3.1.2 Freie Rechtswahl 10
3.1.3 Objektives Vertragsstatut 12
3.2 Einschränkungen der freien Rechtswahl 15
3.2.1 Günstigkeitsvergleich gem. Art. 30 I EGBGB 15
3.2.2 Grenzen des Vertragsstatuts 19
3.2.2.1 International zwingende Bestimmungen gem. Art. 34 EGBGB 19
3.2.2.2 Ordre Public, Art. 6 EGBGB 23
3.2.2.3 Entsenderichtlinie 23
3.3 Geltungsbereich des Vertragsstatuts und Berücksichtigung des Rechts des Erfüllungsorts 27
3.4 Vor- und Nachteile einer Rechtswahl 28
3.5 Zwischenergebnis 29
4. Auf die Entsendung anwendbare Sozialrechtsordnung 29
4.1 Grundsatz des Territorialitätsprinzips 30
4.2 Ausstrahlungswirkung nach § 4 I SGB IV 30
4.3 Ausstrahlungswirkung nach den Verordnungen über die soziale Sicherheit 31
4.3.1 Anwendungsbereich 31
4.3.2 Bestimmung des anwendbaren Sozialrechts 33
4.3.2.1 Entsendung i. S. d.Art. 14 VO 1408/71/EG 33
4.3.2.2 Ausnahmegenehmigung i. S. d.Art. 17 VO 1408/71/EG 36
4.3.2.3 Rechtsfolge 38
4.3.3 Gestaltungsmöglichkeiten 38
4.4 Steuerrechtliche Grenzen 39
4.5 Freiwilliger Verbleib im deutschen Sozialversicherungssystem 40
4.6 Zwischenergebnis 42
5. Modelle zur vertraglichen Gestaltung der Entsendung 42
5.1 Erfordernis einer Modifikation des bestehenden Arbeitsvertrags 42
5.2 Einvertragsmodelle 44
5.2.1 klassisches Einvertragsmodell 44
5.2.1.1 Vertragliche Konstruktion und Einsatzfelder 44
5.2.1.2 Auf das Modell anwendbare Arbeitsrechtsordnung 46
5.2.1.3 Auf das Modell anwendbare Sozialrechtsordnung 49
5.2.2 Vertragsbeitritt des empfangenden Unternehmens 50
5.2.2.1 Vertragliche Konstruktion und Einsatzfelder 50
5.2.2.2 Auf das Modell anwendbare Arbeitsrechtsordnung 51
5.2.2.3 Auf das Modell anwendbare Sozialrechtsordnung 52
5.3 Mehrvertragsmodelle 53
5.3.1 Zusatzvereinbarung zum bestehenden Arbeitsvertrag 53
5.3.1.1 Vertragliche Konstruktion und Einsatzfelder 53
5.3.1.2 Auf das Modell anwendbare Arbeitsrechtsordnung 55
5.3.1.3 Auf das Modell anwendbare Sozialrechtsordnung 55
5.3.2 Ruhensvereinbarung und neuer Arbeitsvertrag 55
5.3.2.1 Vertragliche Konstruktion und Einsatzfelder 55
5.3.2.2 Auf das Modell anwendbare Arbeitsrechtsordnung 57
5.3.2.3 Auf das Modell anwendbare Sozialrechtsordnung 58
5.3.3 Split Contract 58
5.3.3.1 Vertragliche Konstruktion und Einsatzfelder 58
5.3.3.2 Auf das Modell anwendbare Arbeitsrechtsordnung 60
5.3.3.3 Auf das Modell anwendbare Sozialrechtsordnung 61
5.4 Übertrittsmodell mit Back-Letter 62
5.4.1 Vertragliche Konstruktion und Einsatzfelder 62
5.4.2 Auf das Modell anwendbare Arbeitsrechtordnung 64
5.4.3 Auf das Modell anwendbare Sozialrechtsordnung 65
5.5 Inter-Company-Vertrag 65
5.5.1 Vertragliche Konstruktion und Einsatzfelder 65
5.5.2 Auf den Vertrag anwendbare Rechtsordnung 67
5.5.3 Sozialversicherungsrechtliche Relevanz 68
5.6 Zwischenergebnis 68
6. Auswirkungen und Besonderheiten der Vertragsmodelle 68
6.1 Befristung der Entsendung 68
6.2 Weisungsrecht 70
6.2.1 Direktionsrecht der Unternehmen im Allgemeinen 70
6.2.2 Direktionsrecht bei abweichenden Feiertagen 71
6.3 Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall 72
6.4 Beendigung des Arbeitsverhältnisses 75
6.4.1 Vorzeitige Beendigung des Auslandseinsatzes 75
6.4.1.1 Rückrufrecht 75
6.4.1.2 Kündigung des Arbeitsvertrags mit der ausländischen Gesellschaft 76
6.4.1.3 Rückkehrklausel 77
6.4.2 Beendigung des gesamten Arbeitsverhältnisses 78
6.4.2.1 Kündigungsschutz und IPR 78
6.4.2.1.1 Allgemeiner Kündigungsschutz 78
6.4.2.1.2 Sonderkündigungsschutz 79
6.4.2.2 Kündigung bei Pflichtverletzungen während des Auslandseinsatzes 80
6.4.2.3 Koppelungsklausel in den Mehrvertragsmodellen 82
6.5 Zwischenergebnis 84
7. Ergebnis 84

Textprobe:

Kapitel 5, Modelle zur vertraglichen Gestaltung der Entsendung:

Im folgenden Kapitel sollen nun verschiedene Modelle der Vertragsgestaltung dargestellt und deren Auswirkungen auf die beiden zentralen kollisionsrechtlichen Fragen nach Vertragsstatut und Sozialversicherungsstatut analysiert werden.

5.1, Erfordernis einer Modifikation des bestehenden Arbeitsvertrags:

Als Vorfrage muss zuerst geklärt werden, ob eine Modifikation des bisher bestehenden Vertrags notwendig ist. Dies ist nicht der Fall, wenn die Entsendung allein durch das Weisungsrecht des Arbeitnehmers begründet werden kann.

Das Weisungsrecht gem. § 106 GewO ist das Recht des Arbeitgebers, die im Arbeitsvertrag nur grob beschriebene Leistungspflicht des Arbeitnehmers durch Weisung einseitig zu konkretisieren. Daher findet das Direktionsrecht im Arbeitsvertrag seine Grenzen. Dort ist in der Regel der Arbeitsort festgelegt. Ohne Weiteres geht das Weisungsrecht des Arbeitgebers also nicht so weit, dass er eine Entsendung ohne Zustimmung des Arbeitnehmers veranlassen kann.

Ist jedoch bereits bei Abschluss des Arbeitsvertrags mit dem Heimatunternehmen absehbar, dass es im weiteren Verlauf des Arbeitsverhältnisses zu einer Entsendung kommen kann, so kann eine entsprechende Klausel vorausschauend in den Arbeitsvertrag aufgenommen werden. Im Ergebnis wäre dann keins der im Folgenden dargestellten Vertragsmodelle notwendig, der Auslandseinsatz kann durch Weisung des Arbeitgebers veranlasst werden. Allerdings muss der Arbeitnehmer gem. § 2 II NachwG über die wesentlichen Rahmenbedingungen vom Arbeitgeber informiert werden, wenn der Einsatz länger als einen Monat dauert. Im Einzelnen bestehen Informationspflichten über die Dauer der im Ausland auszuübenden Tätigkeit, die Währung, in der das Arbeitsentgelt ausgezahlt wird, ein zusätzliches mit dem Auslandsaufenthalt verbundenes Arbeitsentgelt und damit verbundene zusätzliche Sachleistungen sowie die vereinbarten Bedingungen für die Rückkehr des Arbeitnehmers. Zu beachten sind an dieser Stelle die §§ 305 ff. BGB. Handelt es sich bei der Klausel um eine Allgemeine Geschäftsbedingung – dies ist aufgrund der Qualifikation des Arbeitnehmers als Verbraucher bei fast jedem Arbeitsvertrag der Fall, – so kommt zunächst die Kontrolle nach § 308 Nr. 4 BGB in Betracht. Dies ist jedoch vom BAG mit der Begründung abgelehnt worden, dass von der Vorschrift nur einseitige Bestimmungsrechte bzgl. der Leistung des Verwenders erfasst werden, Versetzungsklauseln jedoch auf die Gegenleistung abzielen. Die Möglichkeit, den Arbeitnehmer per Direktionsrecht zu entsenden, darf ihn jedoch nicht i. S. d. § 307 BGB unangemessen benachteiligen. Dies ist je nach Einzelfall zu beurteilen und kann z. B. durch Einbeziehung von einer Ankündigungsfrist, einer Maximaldauer, einer Begrenzung der Häufigkeit der Auslandseinsätze und Kompensationen verhindert werden. Zu beachten ist ferner, dass bei Verbraucherverträgen gem. § 310 III Nr. 3 BGB auch die den Vertragsschluss begleitenden Umstände zu berücksichtigen sind. Gerade das Arbeitsverhältnis ist für den Mitarbeiter oft von existentieller Bedeutung, sodass er sich oft zur Zustimmung zur Aufnahme der Versetzungsklausel genötigt sieht. Dies ist vor allem bei Vertragsneuabschlüssen mit langjähriger Unternehmenszugehörigkeit der Fall. Wird der Arbeitnehmer bei Vertragsschluss übermäßig unter Druck gesetzt, so fließt dies in die Beurteilung der unangemessenen Benachteiligung ein.

Eine weitere Möglichkeit zur einseitigen Erwirkung der Entsendung durch den Arbeitgeber ist die der Änderungskündigung, mit der entweder die Aufnahme einer Versetzungsklausel in den Arbeitsvertrag oder eins der nachfolgend dargestellten Vertragsmodelle erwirkt werden kann. Eine Änderungskündigung kommt jedoch nicht bei jedem im Folgenden dargestellten Vertragsmodell gleichermaßen in Betracht. Vor allem bei den Modellen, in denen die Erfüllung der Voraussetzungen nicht allein von den beiden Parteien, sondern auch vom Abschluss eines Vertrags mit dem ausländischen Unternehmen abhängt, ergeben sich Probleme. So ist der Ausspruch einer Änderungskündigung unter der auflösenden Bedingung des späteren Abschlusses des Vertrags mit dem ausländischen Unternehmen unwirksam, da sie für den Arbeitnehmer einen unzumutbaren Schwebezustand begründet. Möglich ist aber der Abschluss eines Arbeitsvertrags mit dem ausländischen Unternehmen mit der aufschiebenden Bedingung der wirksam durchgeführten Änderungskündigung. Dies ist bei der vertragsgestalterischen Planung der Entsendung zu beachten.

Arbeit zitieren:
Siemer, Jana Juli 2009: Optimale Vertragsgestaltung bei der Entsendung deutscher Arbeitnehmer in andere Mitgliedstaaten der Europäischen Union, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Arbeitnehmerentsendung, Internationales Arbeitsrecht, Europäisches Arbeitsrecht, Europäisches Sozialrecht, Vertragsmodelle

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