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Optimale Ressourcenallokation im Kundenlebenszyklus

Eine Erfolgsbewertung der Kundenorientierung am Beispiel der Automobilindustrie

Optimale Ressourcenallokation im Kundenlebenszyklus
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Oliver Conze
  • Abgabedatum: Dezember 2002
  • Umfang: 127 Seiten
  • Dateigröße: 1,1 MB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Universität Fridericiana Karlsruhe (TH) Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-9156-7
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-9156-7 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-9156-7 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Conze, Oliver Dezember 2002: Optimale Ressourcenallokation im Kundenlebenszyklus, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Marketingeffizienz, Relationship Marketing, CRM, Kundenbindung, Kundenakquisition

Diplomarbeit von Oliver Conze

Problemstellung:

Das ökonomische Management von Geschäftsbeziehungen gilt als kritischer Differenzierungs- und Erfolgsfaktor einer marktorientierten Unternehmensführung. Klassische Unternehmensstrategien wie Kosten- oder Qualitätsführerschaft erweisen sich bei einem Angebotsüberschuss auf hohem Leistungs- und Qualitätsniveau zunehmend als unwirksam. Der hohe Sättigungsgrad vieler Märkte führt zu einem Verdrängungswettbewerb. Um Marktanteile zu steigern, müssen Unternehmen entweder neue Kunden von der Konkurrenz abwerben oder den Umsatz mit der eigenen Kundschaft ausweiten. Geht man von begrenzten Marketing-Ressourcen aus, ergibt sich aus Unternehmenssicht die Problemstellung, wie eine optimale, d.h. den Gewinn maximierende, Balance zwischen der Akquisition neuer Kunden und dem Ausbau bestehender Kundenbeziehungen gefunden werden kann.

Die Intensivierung bestehender Geschäftsbeziehungen zwischen einem Unternehmen und seinen Kunden wird auch als Kundenbindung bezeichnet. Zahlreiche Beiträge aus der betriebswirtschaftlichen Forschung und der Marketing-Praxis kommen zu dem Ergebnis, dass die Kundenakquisition kostenintensiver und weniger profitabel als die Kundenbindung ist. Neuere Veröffentlichungen weisen jedoch darauf hin, dass der ökonomische Erfolg von Maßnahmen der Kundenbindung nicht vorausgesetzt werden kann. Für einen zielgerichteten Ressourcen-Einsatz kommt es vielmehr darauf an, die ”richtigen“ Kunden zu identifizieren und Geschäftspotenziale effektiv und effizient auszuschöpfen.

In der Unternehmenspraxis wurde in den letzten Jahren versucht, den Anforderungen an ein professionelles Kundenbindungsmanagement durch den Einsatz neuer Informations- und Kommunikationstechnologien gerecht zu werden. Der Fokus auf die Implementierung von sogenannten Customer Relationship Management Systemen hat dazu geführt, dass zunehmend IT-Experten die Entwicklung der Marketing-Strategie mit übernommen haben. Folglich ist in vielen Unternehmen ein IT-getriebener Aktivismus zu beobachten. Konzeptionell-strategische Überlegungen scheinen dabei häufig auf der Strecke zu bleiben.

In Zeiten konjunkturschwacher Märkte sinkt die Investitionsbereitschaft von Unternehmen. Investitionen in das Management von Kundenbeziehungen müssen auf ihre Rentabilität überprüft werden. Gelingt es nicht, die immateriellen Vermögensgegenstände wie Marken- oder Kundenwert mit monetären Größen zu bewerten, ist bei einer Shareholder-Value-orientierten Unternehmenssteuerung mit Unterinvestitionen in den Marketing-Bereich zu rechnen.

Die bisherigen Ausführungen haben verdeutlicht, dass dem Ausbau bestehender Kundenbeziehungen im Rahmen einer kundenorientierten Unternehmensführung eine besondere Bedeutung beigemessen wird. Maßnahmen der Kundenbindung versprechen ökonomischen Erfolg. Vor diesem Hintergrund entsteht der Eindruck, dass sich eine einseitige Konzentration auf kundenbindende Maßnahmen positiv auf den Unternehmenserfolg auswirkt. Eine branchenübergreifende Studie europäischer Unternehmen zeigt jedoch, dass in der Unternehmenspraxis die Akquisition von Neukunden weiterhin eine vorrangige Stellung einnimmt. Bei 80 Prozent der untersuchten Unternehmen wurde eine deutliche Übergewichtung der Ausgaben für die Kundenakquisition gegenüber der Kundenbindung ermittelt.

Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, die Kundenbindung als strategisches Unternehmensziel der Kundenakquisition gegenüberzustellen und eine Entscheidungshilfe zur optimalen Allokation knapper Marketing-Ressourcen zu entwickeln. Ein Schwerpunkt der Arbeit soll auf die systematische Aufarbeitung von bestehenden Untersuchungen zur Erfolgswirkung der Kundenbindung gelegt werden. Zur Verdeutlichung des Nutzens für die Unternehmenspraxis werden die vorgestellten und entwickelten Ansätze durchgehend auf die branchenspezifischen Problemstellungen der Automobilindustrie angewendet.

Gang der Untersuchung:

In Kapitel 1 wird auf die Grundlagen der Kundenorientierung eingegangen. Verschiedene Entwicklungslinien und die begriffliche Vielfalt der Kundenorientierung werden aufgezeigt und für den weiteren Verlauf der Arbeit spezifiziert. Es folgt eine ausführliche Untersuchung der branchenspezifischen Anforderungen der Automobilindustrie an eine kundenorientierte Unternehmensführung.

Kapitel 2 dient der Abgrenzung verschiedener Phasen einer Geschäftsbeziehung zwischen einem Unternehmen und seinen Kunden. Zur Strukturierung von Kundenbeziehungen werden vier Anwendungen des Lebenszyklus-Konzepts vorgestellt und zueinander in Bezug gesetzt. Darauf aufbauend werden Maßnahmen für ein phasenbezogenes Management von Kundenbeziehungen erarbeitet.

Die Erfolgswirkung der Kundenbindung wird in Kapitel 3 analysiert. Der Gliederung liegt die Erfolgskette der Kundenbindung zugrunde. Zunächst erfolgt eine theoretische Fundierung der Konstrukte Kundenzufriedenheit und Kundenbindung. Anschließend werden relevante Determinanten, Messverfahren und Analysemethoden der jeweiligen Konstrukte sowohl für den allgemeinen Fall als auch für die Anwendung in der Automobilindustrie diskutiert. Der Zusammenhang von Kundenzufriedenheit und Kundenbindung wird anhand vorhandener Studien dargestellt und durch empirische Analysen überprüft. Die abschließende Untersuchung des Zusammenhangs von Kundenbindung und Unternehmenserfolg gliedert sich in zwei Teile: Der erste Teil erörtert Methoden zur Bestimmung des Kundenwerts. Im zweiten Teil wird die Methode einer empirischen Untersuchung der Erfolgswirkung formal dargestellt und kritisch gewürdigt sowie in theoretischen Überlegungen den Gegebenheiten der Automobilindustrie angepasst.

Kapitel 4 widmet sich dem Allokationsproblem: Es werden drei Ansätze vorgestellt, die sich zur Entscheidungsunterstützung bei der Allokation von Marketing-Ressourcen eignen. Ein deterministischer Ansatz, der den in Kapitel 3 eingeführten Kundenkapitalwert maximiert, liefert eine optimale Lösung. Als Kontrollinstrument eines zielorientierten Einsatzes von Ressourcen wird die Balanced Scorecard vorgestellt. Als dritter Ansatz wird die Anwendung einer Markov-Kette erörtert und als System Dynamics Modell erweitert. Das entwickelte Kundenmigrationsmodell stellt einen neuen Ansatz zur wettbewerbsorientierten und phasenübergreifenden Bewertung der Kundenorientierung dar.

Inhaltsverzeichnis:

Einleitung 1
Motivation und Problemstellung 1
Ziel der Arbeit 2
Aufbau der Arbeit 3
1. Grundlagen der Kundenorientierung 5
1.1 Erfolgsfaktor Kundenorientierung 6
1.1.1 Entwicklungsphasen im Marketing 6
1.1.2 Begriffliche Abgrenzung 8
1.2 Kundenorientierung in der Automobilindustrie 10
1.3 Kundenakquisition versus Kundenbindung 17
2. Kundenorientierung im Kundenlebenszyklus 21
2.1 Lebenszykluskonzepte 21
2.1.1 Kundenbedarfslebenszyklus 23
2.1.2 Kundenlebenszyklus 25
2.1.3 Simultane Betrachtung der Lebenszykluskonzepte 28
2.2 Phasenbezogenes Kundenmanagement 31
2.2.1 Kundenakquisition 31
2.2.2 Kundenbindung 35
2.2.3 Kundenrückgewinnung 37
3. Erfolgskette der Kundenbindung 41
3.1 Kundenzufriedenheit 43
3.1.1 Theoretische Fundierung 43
3.1.2 Determinanten 45
3.1.3 Verfahren zur Messung 47
3.1.4 Analysemethoden 52
3.2 Kundenbindung 57
3.2.1 Theoretische Fundierung 57
3.2.2 Determinanten 58
3.2.3 Verfahren zur Messung 63
3.2.4 Analysemethoden 65
3.3 Kundenzufriedenheit und Kundenbindung 67
3.4 Kundenbindung und ökonomischer Erfolg 71
3.4.1 Kundenwert 72
3.4.2 Loyalitäts-Effekt von Reichheld und Sasser 79
4. Methoden zur Ressourcenallokation 89
4.1 Ressourcenallokation auf Basis von Kundenkapitalwerten 90
4.2 Kundenorientierung durch die Balanced Scorecard 97
4.3 Kundenmigrationsanalyse 100
4.3.1 Marktanteile als Markov-Kette 100
4.3.2 System Dynamics Modell der Kundenmigration 105
Zusammenfassung und Ausblick 115
Literaturverzeichnis 119

Automatisiert erstellter Textauszug:

Methoden zur Messung des Ph¨nomens der Kundenbindung sind weitaus wea niger ausf¨hrlich entwickelt und erprobt als die in Abschnitt 3.1.3 diskutierten u Messverfahren der Kundenzufriedenheit. Bei der Messung der Kundenbindung kann zwischen der intentionalen und der faktischen Kundenbindung unterschieden werden. Die intentionale Kundenbindung erfasst die Verhaltensabsichten der Konsumenten, beispielsweise durch die Erhebung der Wiederkauf- und Weiterempfehlungsabsicht. Indikatoren der faktischen Kundenbindung beziehen sich auf das Konsumentenverhalten der Vergangenheit und Gegenwart, wie z.B. die Wiederkaufrate oder die H¨ufigkeit von a Weiterempfehlungen. Die Erhebung der intentionalen Kundenbindung erfolgt meist mit Hilfe schriftlicher oder m¨ndlicher geschlossener Konsumentenbefragungen. Bei Erhebung der u faktischen Kundenbindung kann oftmals auf bereits bestehende Daten zur¨ckgeu griffen werden. Dazu muss bei der Untersuchung allerdings definiert werden, ab wann eine Gesch¨ftsbeziehung von Seiten des Kunden als aufgel¨st angenommen a o wird. Die Definition der Ungebundenheit“ ist maßgeblich von den industrie” spezifischen Kaufverhaltensmustern abh¨ngig. So wird der Markenwechsel eines a anonymen Zigarettenkonsumenten weitaus schwieriger zu identifizieren sein als der Markenwechsel eines Automobilkunden, der durch die erforderliche An- und Abmeldung des neuen bzw. ersetzten Fahrzeugs in Erscheinung tritt. Tabelle 3.5 stellt zwei Verfahren zur Erhebung der faktischen Kundenbindung f¨r den US-amerikanischen Automobilmarkt gegen¨ber. Das Marktforschungsu u institut J.D.Power ermittelt die Kundenbindung in einer Prim¨rerhebung aus a einer Quoten-Stichprobe von 28.000 K¨ufern eines neuen Automobils; die Kuna den werden direkt befragt, welches Fahrzeugmodell durch das neue ersetzt wurde und welche Faktoren die Entscheidung beeinflusst haben. In einem alternativen Ansatz berechnet das Automobil-Marktforschungsinstitut R.L.Polk die Kundenbindungsrate auf Basis der staatlichen Kfz-Registrierungen; ein Kunde wird als loyal bezeichnet, wenn er innerhalb eines vorgegebenen Zeitfensters nach oder vor dem Kauf eines neuen Fahrzeugs ein Fahrzeug der gleichen Marke bzw. des gleichen Modells verkauft bzw. verschrottet hat. Bei beiden Studien beruht die Definition von loyalen Kunden ausschließlich auf dem einmaligen Wiederkaufverhalten. Kunden, die zum wiederholten Mal aus ¨ innerer Uberzeugung“ wiederkaufen und Kunden, die eher zuf¨llig oder notgea ” [...]

Dieses Kausalmodell und die daraus abgeleiteten Determinanten der Kundenbindung sind in der Marketing-Theorie und -praxis, besonders wegen der zugrun¨ de liegenden rigorosen Konstruktbildung und -validierung, weit verbreitet. Uber die globalen G¨temaße kommt Peter zu dem Schluss, dass 97 Prozent des Konu strukts Kundenbindung erkl¨rt werden k¨nnen. Diesen außergew¨hnlich hohen a o o Wert f¨hrt Krafft (2002, S. 28) zum Teil auf statistische Artefakte zur¨ck und u u kritisiert die gew¨hlte Erhebungsmethode, bei der die Indikatoren der exogenen a und endogenen Variablen innerhalb desselben Fragebogens ermitteln wurden. Die grunds¨tzlichen Erkenntnisse des Modells werden jedoch nicht infrage a gestellt; insbesondere, dass neben der Kundenzufriedenheit auch andere Faktoren wie das Variety Seeking oder die psychischen Wechselbarrieren maßgeblichen Einfluss auf das Konstrukt der Kundenbindung aus¨ben. u Bislang vernachl¨ssigt wurde der Einfluss von soziodemografischen Merkmaa len auf das Ph¨nomen der Kundenbindung. Bei der Konstruktbildung des Kaua salmodells werden acht soziodemografische Merkmale auf ihre prognostische Relevanz f¨r das Zielkonstrukt uberpr¨ft (Peter 1999, S. 160ff.). Lediglich bei der u u ¨ Variable Alter wird ein signifikanter Unterschied f¨r den Mittelwert der sicheu [...]

Abbildung 3.8: Kausalmodell der Kundenbindung (Quelle: Peter 1999, S. 221) Die latente endogene Variable Kundenbindung wird uber die Indikatoren Zu¨ satzkauf-, Weiterempfehlungs- und Wiederkaufabsicht sowie Wiederkaufabsicht bei Fahrzeugdiebstahl und Wiederkaufwahrscheinlichkeit erfasst. F¨r das Beispiel der Automobilk¨ufer ergeben sich direkte positive Effekte u a der Kundenzufriedenheit und der psychischen Wechselbarrieren auf die Kundenbindung, w¨hrend direkte negative Einfl¨sse vom Variety Seeking und der Ata u traktivit¨t des Konkurrenzangebots ausgehen. Wie bereits in Abschnitt 3.1.2 a angenommen, haben die beiden letztgenannten Gr¨ßen sowie die psychischen o Wechselbarrieren Einfluss auf die Kundenzufriedenheit und wirken so auch indirekt auf die Kundenbindung. Den sozialen Wechselbarrieren kommt ausschließlich eine indirekte Wirkung auf die Kundenbindung durch den Einfluss auf die [...]

Arbeit zitieren:
Conze, Oliver Dezember 2002: Optimale Ressourcenallokation im Kundenlebenszyklus, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Marketingeffizienz, Relationship Marketing, CRM, Kundenbindung, Kundenakquisition

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