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Offshoring: Ein neues Paradigma des Außenhandels?

Offshoring: Ein neues Paradigma des Außenhandels?
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Knut Bloedorn
  • Abgabedatum: Juni 2009
  • Umfang: 68 Seiten
  • Dateigröße: 538,8 KB
  • Note: 1,3
  • Institution / Hochschule: Albert-Ludwigs-Universität Freiburg Deutschland
  • Bibliografie: ca. 71
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-4271-2
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Bloedorn, Knut Juni 2009: Offshoring: Ein neues Paradigma des Außenhandels?, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Outsourcing, Außenwirtschaft, Wirtschaftstheorie, Fragmentation, Globalisierung

Diplomarbeit von Knut Bloedorn

Einleitung:

Wenn es um die Globalisierung und ihre Auswirkungen geht, steht zumeist der zunehmende Wettbewerbsdruck durch die Schwellen- und Entwicklungsländer im Vordergrund. Die Arbeitnehmer in den Industriestaaten fürchten, dass sie mit der ‘billigeren’ Konkurrenz aus Osteuropa und Asien nicht mithalten können und durch sie ihren Arbeitsplatz verlieren oder Einkommenseinbuße hinnehmen müssen. Demgegenüber stehen die Wirtschaftswissenschaftler, die dazu neigen, die Chancen eines intensiveren Außenhandels hervorzuheben. Die Grundlage dieser positiven Sichtweise baut auf der traditionellen Außenhandelstheorie auf, die den Ökonomen überzeugende Argumente liefert, warum eine intensivere Globalisierung den beteiligten Ländern (langfristige) Vorteile beschert. Die Kernaussage der traditionellen Theorie besagt, dass durch den Außenhandel zwar distributive Effekte innerhalb eines Landes auftreten können, es jedoch als Ganzes davon profitiert – mit anderen Worten, es gibt zwar auch Verlierer durch die Globalisierung, die Gewinne sollten jedoch groß genug sein, um diese negativen Effekte (theoretisch) zu kompensieren.

In jüngerer Vergangenheit meldeten allerdings auch einige Ökonomen Zweifel an, ob dieses traditionelle Paradigma der Außenhandelstheorie für die aktuelle Phase der Globalisierung noch seine Gültigkeit besitzt. Durch das Phänomen Offshoring – also die internationale Arbeitsteilung durch Produktionsverlagerung einzelner Arbeitsschritte ins Ausland – vermuten sie Verteilungs- und Wohlfahrtseffekte, die vom traditionellen Ansatz abweichen und für erhebliche Schwierigkeiten in den Industriestaaten sorgen könnten.

Mit dieser neueren Debatte um Offshoring wird im Grunde genommen eine akademische Diskussion der neunziger Jahre fortgesetzt, in deren Mittelpunkt die Verteilungswirkung der Globalisierung stand. Anstoß zu der Debatte gaben vorrangig zwei empirische Beobachtungen auf den Arbeitsmärkten der Industriestaaten: Einige Staaten (besonders im angelsächsischen Raum) erlebten seit den achtziger Jahren einen stetigen Anstieg der Lohnungleichheit zwischen qualifizierten und unqualifizierten Arbeitskräften, während die Mehrzahl der Länder (Kontinental-) Europas (und Japan) einen kontinuierlichen Anstieg der Arbeitslosigkeit im unteren Qualifikationsbereich verzeichneten. Als potentieller Auslöser dieser Entwicklungen standen zwei Kandidaten zur Auswahl: Auf der einen Seite der technische Fortschritt der tendenziell hoch qualifizierten Arbeitnehmer begünstigt (Skill-biased technological change) und auf der anderen Seite die zunehmende Globalisierung, die entlang des Stolper-Samuelson-Theorems Druck auf die gering Qualifizierten in den Industriestaaten ausübt. Aufgrund einiger Unzulänglichkeiten der Globalisierungshypothese, gab es einen relativ breiten ‚Konsens’ zugunsten des technischen Fortschritts.

An dieser Stelle knüpft die aktuelle Diskussion um Offshoring an die Debatte der neunziger Jahre an. Technischer Innovationen, einem kontinuierlichen Abbau von Handelshemmnissen und der Anstieg des weltweiten Outputs treiben den Prozess der internationalen Arbeitsteilung weiter voran: Durch verbesserte Koordinationsmöglichkeiten sind die Unternehmen heute in der Lage, vormals vollständig integrierte Produktionsprozesse in ihre Teilaufgaben zu zerlegen und diese weltweit an unterschiedlichen Standorten anzufertigen. Diesem Offshoring-Prozess stehen jedoch die Modelle des traditionellen Ansatzes gegenüber, die noch immer auf einer integrierten Produktion und dem Handel vollständiger Güter fußen und die Verlagerung von einzelnen Teilaufgaben unberücksichtig lassen. Es besteht die Möglichkeit, dass diese Vereinfachung zu groß ist, um die tatsächlichen Auswirkungen der Globalisierung korrekt zu erfassen. Mittlerweile gibt es jedoch eine umfangreiche theoretische Literatur, die versucht die aktuellen Entwicklungen in die Modelle mit einzubeziehen. In der Regel bauen diese auf den traditionellen Modellen der allgemeinen Gleichgewichtstheorie auf, erweitern sie aber um die Möglichkeit von Offshoring.

Der vorliegende Beitrag versucht eine Brücke zwischen der Debatte der neunziger Jahre und der aktuellen Offshoring-Diskussion zu schlagen. Die Arbeit ist dabei wie folgt aufgebaut: Abschnitt 2 liefert zunächst eine Definition und Abgrenzung des Themas. Daraufhin ordnet der Abschnitt 3 die aktuelle Phase der Globalisierung in den historischen Kontext ein und bietet einen Überblick über momentane Trends und Entwicklungen der Weltwirtschaft. Abschnitt 4 zeigt das traditionelle Paradigma anhand des Standard-Modells der Außenhandelstheorie (2x2 Heckscher-Ohlin Modell), geht auf dessen Unzulänglichkeiten ein und bietet ferner einen Überblick über den technischen Fortschritt als Gegenthese. Der fünfte Abschnitt beinhaltet den analytischen Kern der Arbeit. Es wird ein neues Paradigma des Außenhandels präsentiert, das einen alternativen Erklärungsansatz für die Unzulänglichkeiten der Globalisierungshypothese bietet. Dabei wird deutlich, dass die Auswirkungen von Offshoring stark von dem zugrunde liegenden Modellierungsansatz der einzelnen Arbeitsschritte (Tasks) abhängen. Der Abschnitt 6 fasst die Arbeit zusammen und zieht einige Schlussfolgerungen.

Inhaltsverzeichnis:

Abbildungsverzeichnis II
1. Einleitung 1
2. Definition des Phänomens 4
3. Die dritte Welle der Globalisierung 7
3.1 HISTORISCHE EINORDNUNG 7
3.2 AKTUELLE TRENDS DER GLOBALISIERUNG 8
3.2.1 Der Handel mit Zwischenprodukten 9
3.2.2 Die Rolle der Entwicklungsländer 11
3.2.3 Service Offshoring 12
3.3 ARBEITSMÄRKTE & EINKOMMENSVERTEILUNG 15
4. Der traditionelle Ansatz der Außenhandelstheorie 17
4.1 DAS STANDARD-MODELL DER AUßENHANDELSTHEORIE 17
4.2 TECHNOLOGISCHER FORTSCHRITT ALS GEGENTHESE 21
5. Offshoring – Ein neues Paradigma 25
5.1 TRIEBKRÄFTE HINTER OFFSHORING 26
5.2 OFFSHORING VS. FACTOR-BIASED TECHNOLOGICAL CHANGE 29
5.3 OFFSHORING UND ANTI-STOLPER-SAMUELSON EFFEKTE 34
5.3.1 Offshoring mit faktor-spezifischen Tasks 34
5.3.2 Offshoring mit zwei industrie-spezifischen Tasks 45
5.3.3 Ein Kontinuum an industrie-spezifischen Tasks 51
5.4 DISKUSSION UND OFFENE ENDEN 57
6. Schlussfolgerung und Ausblick 60
Literaturverzeichnis 62

Textprobe:

Kapitel 4.2, Technologischer Fortschritt als Gegenthese:

Auch wenn der internationale Handel entlang des Standard-Modells scheinbar das Potential besitzt, einen Erklärungsbeitrag für die wachsende Ungleichheit zu liefern, wurden aus mehreren Gründen Zweifel angemeldet: Laut des Stolper-Samuelson-Theorems müssten sich die Relativlöhne der qualifizierten Arbeitnehmer im Süden in die entgegen gesetzte Richtung des Nordens entwickeln – das Gegenteil ist jedoch eingetreten: Auch im Süden steigt die Lohnungleichheit zugunsten der Qualifizierten. Ein weiterer Mangel ist die Tatsache, dass sich die Qualifikationsintensität über alle Industrien hinweg erhöht hat, obwohl das Standard-Modell wiederum das Gegenteil prognostiziert. Krugman fügt zusätzlich an, dass die Größenordnung des Handels mit den Entwicklungsländern im Grunde zu gering ausfällt, um einen signifikanten Einfluss auf die Lohnungleichheit zu besitzen.

Aufgrund dieser Unzulänglichkeiten tendieren die meisten Studien dazu, die Entwicklungen am Arbeitsmarkt auf den technischen Fortschritt zurückzuführen. Allerdings ist auch diese These nicht unproblematisch. So argumentiert beispielsweise Leamer, dass unter der Annahme einer kleinen, offenen Volkswirtschaft (SMOPEC) innerhalb des Heckscher-Ohlin Ansatzes allein der ‘Sector-bias’ des technischen Fortschritts für die relative Faktorentlohnung relevant sei, während ein ‘Factor-bias’ zugunsten der qualifizierten Arbeitskräfte die Lohnstruktur unberührt lässt. Die unterschiedlichen Auswirkungen eines ‘Sector-bias’ und eines ‘Factor-bias’ lassen sich anhand des Lerner-Diagramms (Abbildung 7a und 7b) verdeutlichen.

In der Abbildung 7a ist zunächst der ‘Sector-bias’ dargestellt: Die eingezeichneten Isoquanten (x1 und x2) entsprechen den Einheitswert-Isoquanten, deren Output auf dem Weltmarkt den Wert eins erzielt (wobei x1 weiterhin das qualifikationsintensivere Gut sei). Aufgrund der Annahme des vollkommenen Wettbewerbs tangieren beide Einheitswert-Isoquanten die Einheitskostengerade AB, deren Steigung dem Relativlohn der gering Qualifizierten (w1/wh) entspricht. Zusätzlich repräsentieren die beiden gebrochenen Ursprungsgeraden (0A und 0B) den Diversifikationskegel, mit dessen Hilfe über die Faktorausstattung auf die Produktionsstruktur der Volkswirtschaft geschlossen werden kann.

Jetzt sei angenommen, dass es zu einem rein sektor-spezifischen (Hicks neutralen) technischem Fortschritt kommt, der sich ausschließlich in Sektor x1 ereignet (‘Sector-bias’). Durch die Produktivitätsverbesserung sinken die Grenzkosten des qualifikationsintensiven Sektors x1, wodurch (unter exogenen Güterpreisen) es zu einer relativen Expansion im Vergleich zum arbeitsintensiven Sektor x2 kommt. Durch diesen Prozess erhöht sich die Relativnachfrage nach qualifizierten Arbeitskräften, sodass sich gleichsam deren Relativlohn verbessert. In der Grafik kommt es dabei zu einer Verschiebung der Einheitswert-Isoquante in Richtung des Ursprungs (x1), wodurch sich die Einheitskostengerade im Uhrzeigersinn dreht, bis sie wieder beiden Einheitswert-Isoquanten tangiert. Aufgrund der flacheren Steigung der Einheitskostengerade ergibt sich für die unqualifizierten Arbeitnehmer ein niedrigerer Relativlohn.

Im Kontrast dazu zeigt die Abbildung 7b ein nicht-neutraler technischer Fortschritt, der die Produktivität der qualifizierten Arbeitskräfte in beiden Sektoren gleichermaßen erhöht (‘Factor-bias’ bzw. ‘Skill-bias’). In diesem Fall bleiben die relativen Grenzkosten der Sektoren konstant, sodass sich auch die relative Entlohnung der Faktoren nicht verändert. Dabei kommt es zu einer Kontraktion des qualifikationsintensiveren Sektors, während der arbeitsintensive Sektor expandiert. Hinzukommend erhöht sich die Qualifikationsintensität der beiden Sektoren. Grafisch verschieben sich die Einheitswert-Isoquanten und die Einheitskostengeraden parallel nach links.

Allerdings fügt Krugman zu Recht an, dass das Szenario eines technischen Fortschritts, der sich speziell in einer kleinen Volkswirtschaft konzentriert, angesichts des universellen Charakters des technologischen Fortschritts unrealistisch sei. Er wählt stattdessen eine Perspektive einer großen Volkswirtschaft, bei der sich die Güterpreise endogen anpassen können. Unter der vereinfachenden Annahme von Cobb-Douglas (bzw. Leotief) Präferenzen zählt dann allein der ‘Factor-bias’ des technischen Fortschritts. Landmann & Pflüger stellen die Unterschiede der beiden Ansätze heraus und zeigen, dass es etliche Variationen gibt, inwieweit sich ein technologischer Fortschritt auf die Faktorentlohnung auswirken kann. Der Verwendung des technologischen Fortschritts als Erklärungsansatz für das ansteigende Lohndifferential haftet demnach eine gewisse Willkür an, denn in der Realität sind ‘Mischformen’ der beiden ‘bias’ wahrscheinlich. Landmann & Pflüger schließen letztendlich daraus, dass es notwendig ist ‘das enge Korsett des klassischen 2x2 Handelsmodells zu verlassen’, um die tatsächlichen Auswirkungen der Globalisierung theoretisch korrekt zu erfassen.

Arbeit zitieren:
Bloedorn, Knut Juni 2009: Offshoring: Ein neues Paradigma des Außenhandels?, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Outsourcing, Außenwirtschaft, Wirtschaftstheorie, Fragmentation, Globalisierung

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