Offener Unterricht als Ressource der integrativen Erziehung im Grundschulbereich
- Art: Magisterarbeit
- Autor: Sylvia Breidel
- Abgabedatum: Februar 2001
- Umfang: 83 Seiten
- Dateigröße: 557,6 KB
- Note: 2,0
- Institution / Hochschule: Leibniz Universität Hannover Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-6138-6
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-6138-6 P - ISBN (CD) :978-3-8324-6138-6 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Breidel, Sylvia Februar 2001: Offener Unterricht als Ressource der integrativen Erziehung im Grundschulbereich, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Integration, integrative Didaktik, Projektunterricht, Wochenplanunterricht, Sonderpädagogik
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Magisterarbeit von Sylvia Breidel
Einleitung:
Im Niedersächsischen Schulgesetz (§14 Abs. 4) wurde 1993 beschlossen, Sonderschulen als Förderzentren neu zu organisieren, um die Sonderschüler in den Unterricht der Regelschulen zu integrieren. In einer „Rahmenplanung für die Fortführung der Integration von Schülerinnen und Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf“ wurde 1998 die Vorgehensweise weiter ausdifferenziert (Niedersächsisches Kultusministerium 1998).
In dieser Rahmenplanung wird lediglich der neue Status von Sonderschulen und die organisatorische Herausforderung beschrieben. Es wird hier nicht die Chance einer veränderten Didaktik für tatsächlichen gemeinsamen Unterricht (z. B. durch Offenen Unterricht und innere Differenzierung) erwähnt. Doch gerade diese integrative Didaktik ist der wesentliche Bestandteil von schulischer Integration.
Es geht mir um die Frage, wie und mit welchen didaktischen Methoden integrative Erziehung am sinnvollsten zu realisieren ist, und welchen Nutzten alle Kinder und Jugendlichen davon haben. Auf zwei Unterrichtsmethoden gehe ich anhand einer Fallstudie ausführlicher ein, dem Projektunterricht und dem Wochenplanunterricht.
Wie können Pädagogen gute Bedingungen für Integration schaffen? Ist der Offene Unterricht überhaupt geeignet für gemeinsames Lernen mit behinderten und nichtbehinderten Kindern? Was sind die Prinzipien von Offenem Unterricht?
Die Chancen für Integration liegen natürlich nicht nur in einem didaktischen Modell, sondern auch in den gesellschaftlichen Bedingungen. Daher möchte ich auch den gesamtgesellschaftlichen Aspekt ansprechen. Was können die Indikatoren für den integrativen Prozeß sein?
Inhaltsverzeichnis:
| 1. | Die Fragestellung, zum Aufbau der Arbeit und Einleitung in die Thematik | 4 |
| 1.1 | Die Aspekte der pädagogischen Bewegung | 7 |
| 1.1.1 | Interkulturelle Pädagogik | 7 |
| 1.1.2 | Feministische Pädagogik | 9 |
| 1.1.3 | Integrationspädagogik - gemeinsame Erziehung von behinderten und nichtbehinderten Kindern | 10 |
| 2. | Menschen mit Behinderungen in der Gesellschaft | 12 |
| 2.1 | Was heißt behindert? | 12 |
| 2.2 | Aussondernde Bildungseinrichtungen für Menschen mit Behinderungen | 15 |
| 2.3 | Integration und Normalisierung | 19 |
| 2.4 | Zur historischen und aktuellen Entwicklung der integrativen Idee in Deutschland und Europa | 22 |
| 3. | Integrative Didaktik und die Organisation in der Schulklasse | 26 |
| 3.1 | Was ist integrative Didaktik? | 26 |
| 3.2 | Die Klassenorganisation | 27 |
| 3.2.1 | Die Rolle des Lehrers und die Beziehung zu seinen Schülern | 28 |
| 3.2.2 | Das Verhältnis unter den Mitschülern | 30 |
| 3.2.3 | Die Eltern und der Aspekt der sozialen Herkunft | 32 |
| 4. | Offener Unterricht | 35 |
| 4.1 | Reformpädagogik und Offener Unterricht | 35 |
| 4.2 | Beispiel I: Der Wochenplanunterricht | 37 |
| 4.2.1 | Célestin Freinet | 37 |
| 4.2.2 | Der Wochenplanunterricht | 41 |
| 4.2.3 | Theorie und Praxis: Der Wochenplanunterricht in einer integrativen Grundschulklasse | 44 |
| 4.3 | Beispiel II: Der Projektunterricht | 53 |
| 4.3.1 | John Dewey | 53 |
| 4.3.2 | Der Projektunterricht | 57 |
| 4.3.3 | Theorie und Praxis : Der Projektunterricht in einer heterogenen Gruppe an der Grundschule | 61 |
| 5. | Die Möglichkeiten und Grenzen des gemeinsamen Unterrichts mit offenen Unterrichtskonzepten | 67 |
| 5.1 | Didaktische Begründungsansätze für Offenen Unterricht in integrativen Lernsituationen | 67 |
| 5.2 | Integration durch das Ausleben von Individualität und das Erleben von Gemeinschaft | 71 |
| 5.3 | Die Grenzen von Offenem Unterricht in heterogenen Lerngruppen | 73 |
| 6. | Spekulationen zu den zukünftigen integrativen Entwicklungen der Gesellschaft und insbesondere den pädagogischen Herausforderungen | 75 |
| Literaturverzeichnis | 78 | |
| Anhang | 82 |
Eines der Kinder, ein türkisches Mädchen, hat eine starke Gehbehinderung. Sie ist besonders bei längeren Wegen auf den Rollstuhl angewiesen. Yasemin22 wurde relativ unbürokratisch in die Klasse eingeschult, sie bekommt jedoch keine weitere Unterstützung durch einen Pädagogen oder einen besonderen Arbeitsplatz (wie bei einer Einzelintegration; siehe Kapitel 3.1.1). Sie wird mit einem Taxi zur Schule gebracht und abgeholt. Bei Tagesausflügen mit der Klasse wird Yasemin von ihrer Mutter begleitet. An Klassenfahrten kann sie jedoch nicht teilnehmen. Wenn das Mädchen während der Schulzeit zur Toilette muß, wird ihre Mutter angerufen, Yasemin muß dann ca. 15 Minuten warten. Yasemin nimmt ansonsten ganz normal wie die anderen Kinder am Unterricht teil, nur im Sportunterricht hat sie andere Aufgaben als ihre Schulkameraden. Ihre Leistungen sind durchschnittlich, und sie geht genauso gern/ ungern zur Schule wie ihre Mitschüler. Yasemin ist ein eher schüchternes Mädchen, hat aber in der Klasse, bzw. Schule einige Freundinnen. Ich habe während meines Praktikums nicht mitbekommen, daß sie wegen ihrer Behinderung gehänselt oder aus der Klassengemeinschaft ausgeschlossen wird. Alle Klassenkameraden nehmen Rücksicht auf sie. Die Kinder sind sehr aufmerksam und hilfsbereit. Es stehen Yasemin meistens mehr Mitschüler zur Seite als notwendig, wenn sie Hilfe braucht. Yasemin ist von den 260 Schülern der Grundschule das einzige Kind mit einer Körperbehinderung. Ihr Klassenraum befindet sich im 2. Stockwerk des Gebäudes, es gibt keinen Aufzug. Der Rollstuhl von Yasemin bleibt im Erdgeschoß, und sie geht unter großer Anstrengung die Treppen hoch. In den großen Pausen darf sie im Gegensatz zu den anderen Schülern oben bleiben. Da Yasemin aber lieber mit den Schulkameraden spielen möchte geht sie meistens mit auf den Schulhof, obwohl sie sehr lange für den Weg braucht und sogar Schmerzen beim Treppensteigen hat. Nach den Pausen kommt sie oft zu spät in den Unterricht. Meine Frage, warum die Klasse wegen Yasemin keinen Raum im Erdgeschoß bekommen hat wurde mit „Aus organisatorischen Gründen ging das nicht anders.“ beantwortet. Der Klassenraum der Klasse 4a ist gut ausgestattet. Es gibt eine Leseecke mit Büchern und Spielen, einen Computer und viele Regale, Schubläden und Kisten mit [...]
4.2.3 Theorie und Praxis : Der Wochenplanunterricht in einer integrativen Grundschulklasse a) Die Klasse 4a Die Klasse 4a, die ich drei Wochen21 als Praktikantin begleitet habe, wird von 14 Mädchen und 8 Jungen besucht. Sie zeichnet sich besonders durch ihre Heterogenität aus : zehn der Kind sind Moslems mit Eltern aus verschiedenen Ländern bzw. Kontinenten, mit unterschiedlichen Muttersprachen, Deutschkenntnissen, kulturellen Hintergründen, unterschiedlicher Vorbildung und unterschiedlichen besonderen Fähigkeiten. Es gibt einige ältere Kinder (Sitzenbleiber) und einen jüngeren Schüler (ein sogenannter Hochbegabter, welcher eine Klasse überspringen konnte). Die Kinder kommen aus verschiedenen sozialen Lagen und unterschiedlichen Familienverhältnissen, z. B. leben sie in einer Großfamilie oder bei einem alleinerziehenden Elternteil. [...]
Die Tatsache, daß jede Woche benotet wird, setzt die Kinder meiner Meinung nach mehr unter Leistungsdruck als die herkömmlichen Klassenarbeiten und Halbjahreszeugnisse. Und auch eine Leistungskurve mit Kategorien von „sehr gut“ bis „ungenügend“ ist eigentlich nichts anderes als ein Zeugnis, gegen das sich Freinet doch eigentlich ausgesprochen hat. Die wichtigste Voraussetzung für das Vertiefen von positiven Fähigkeiten (siehe S.41) ist, daß die Schüler bereits vor der Arbeit mit dem Wochenplan mit den erforderlichen Grundkenntnissen und Arbeitstechniken vertraut sind. Daher empfiehlt Freinet die Durchführung eines Wochenplans erst für Schüler ab der fünften Klasse bzw. ab dem elften Lebensjahr. Da ich mich auf den Grundschulbereich beschränken möchte, und es nicht den Wochenplan in der oben beschriebenen Art gibt, möchte ich über meine Erfahrungen berichten, die ich bei der praktischen Durchführung eines Wochenplans in einer vierten Klasse gemacht habe. [...]
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783832461386
Arbeit zitieren:
Breidel, Sylvia Februar 2001: Offener Unterricht als Ressource der integrativen Erziehung im Grundschulbereich, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Integration, integrative Didaktik, Projektunterricht, Wochenplanunterricht, Sonderpädagogik



