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Ökotourismus - zwei unterschiedliche Ansätze im Vergleich

Nachhaltige Regionalentwicklung mit Tourismus als Chance im peruanischen Amazonasregenwald

Ökotourismus - zwei unterschiedliche Ansätze im Vergleich
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Juliane Palm
  • Abgabedatum: Januar 2004
  • Umfang: 138 Seiten
  • Dateigröße: 2,8 MB
  • Note: 1,5
  • Institution / Hochschule: Fachhochschule Ostfalia Braunschweig/Wolfenbüttel Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-8174-2
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-8174-2 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-8174-2 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Palm, Juliane Januar 2004: Ökotourismus - zwei unterschiedliche Ansätze im Vergleich, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: sanft, Nachhaltigkeit, Bevölkerung, NGO, Community Based Ecotourism

Diplomarbeit von Juliane Palm

Einleitung:

Die touristischen Hauptattraktionen Perus befinden sich in ländlichen Gegenden, wo indigene Völker zu Hause sind. Diese Tatsache und die wachsende Nachfrage nach Tourismus mit Eingeborenenkontakt machen es notwendig, sich mit der Frage nach geeigneten Konzepten zu befassen. Es muss gehandelt werden, um massentouristischen Entwicklungen vorzubeugen und die eingeborene Bevölkerung zu schützen.

Die indianischen Ureinwohner Nord- und Südamerikas kämpfen seit der Invasion der westlichen Welt vor über 500 Jahren für die Einhaltung ihrer Rechte. Auch heute noch werden sie enteignet, übergangen und als gesellschaftliche Randgruppen respektlos behandelt. Der Kampf gegen Ölkonzerne und Holzraubbau hält an. Ihr Leben, ihre Kultur, ihre Zukunft sind bedroht. Doch bekommen sie heute in ihrem Anliegen Unterstützung von außen. Weltweit werden sich immer mehr Menschen des kulturellen Verfalls und der schwierigen Lage der indigenen Bevölkerung auf dem amerikanischen Kontinent bewusst. In vielen Ländern wurden Organisationen gegründet, die sich als Sprachrohr der Ureinwohner verstehen und die ihre Anliegen an die Öffentlichkeit tragen. Als Beispiel für Lateinamerika ist ALASEI (Agencia Latinoamericana de Servicios Especiales de Información) zu nennen, jedoch gibt es auch viele länderübergreifende, weniger spezialisierte oder auch tourismusbezogene Nachrichtendienste wie z. B. tourism - watch. Von ihrer Arbeit profitieren vor allem die Verbände sich selbst organisierender ethnischer Gruppen, im praxisbezogenen Teil C dieser Arbeit sind es die FENAMAD und der COHARYIMA (siehe C 1.3.3).

Da es für die meisten eingeborenen Völker nicht möglich sein wird, ihr Leben abseits des Einflusses der westlichen Welt in alter Tradition fortzusetzen, muss eine nachhaltige und für die Bevölkerung akzeptable Möglichkeit für ihre Zukunftsgestaltung gefunden werden. Immer mehr indigene Dorfgemeinschaften wählen Ökotourismus als alternative Entwicklungsstrategie. Viele Betroffene stehen dem jedoch skeptisch gegenüber. Anhand von zwei Projekten in der Praxis soll aufgezeigt werden, dass Ökotourismus trotz einer oft langwierigen und schwierigen Umsetzung eine nachhaltige Entwicklungsalternative für indigene Dorfgemeinschaften darstellen kann.

Die politische Entwicklung im einleitenden Teil der Arbeit beschreibt eine jahrhundertelange wirtschaftliche Abhängigkeit der Peruaner von ihren europäischen Kolonialherren, von den Großmächten dieser Welt (hauptsächlich den USA) und von jahrzehntelangem Terror und Diktatur. Hiermit soll verdeutlicht werden, vor welchem Hintergrund die heutige Situation der eingeborenen Bevölkerung zu sehen ist. Es ist an der Zeit, dass sie selbständig agieren kann, dass sie die Rechte für ihre traditionellen Territorien erhält und diese eigenverantwortlich verwalten kann. Ökotourismus als Entwicklungskonzept soll hierbei durch interkulturelle Begegnungen mit Interessierten die Identität und die Kultur der Bevölkerung erhalten und die Lebensqualität verbessern.

Des weiteren beinhaltet der Teil A eine Analyse der äußeren Umstände, die bei der Umsetzung solcher Projekte eine Rolle spielen. Es ist essentiell, die heutige Situation in der Tourismus- und Umweltpolitik des Landes zu kennen und zu wissen, ob von dort Unterstützung zu erwarten ist. Die geographische Lage eines Projektes, seine natürliche und touristische Umwelt und die sich daraus ergebenden Hauptreisezeiten sind unbedingt zu berücksichtigen, da die Touren als Reisebaustein vor Ort an die Touristen verkauft werden sollen.

Spätestens seit der Rio-Konferenz 1992 ist Ökotourismus weltweites Anliegen geworden. So werden im Teil B die Grundlagen dieses Begriffs diskutiert und der Ansatz der Nachhaltigkeit, der mit beiden Projekten in der ökologischen, ökonomischen und sozialen Dimension erfüllt werden soll, erläutert. Hieraus ergeben sich die beiden zentralen strategischen Ansätze für die Realisierung dieses Anspruchs. Wichtiger Faktor bei der Projektumsetzung ist außerdem die Berücksichtigung der möglichen Auswirkungen auf das gesamte Ökosystem. Im Teil C werden die praktischen Erfahrungen, die die Autorin während ihres Praxissemesters in Peru sammeln konnte, erläutert. Teil D beinhaltet ein vergleichendes Fazit aus beiden Projekten und eine abschließende Betrachtung der Arbeit.

Motivation für die Auseinandersetzung mit dem Thema des verantwortungsbewussten Reisens in Länder der Dritten Welt waren die persönlichen Erlebnisse der Autorin während einer sechsmonatigen Rucksackreise durch Südamerika. Fasziniert hat sie dabei vor allem das Land Peru. Während des Wahlkampfes im Jahr 2000 wohnte sie sechs Wochen bei einer peruanischen Familie, und hatte so Gelegenheit, das Leben hinter den Kulissen kennen zu lernen. Ihre Reisen haben sie auch nach Cusco geführt, wo die negativen Auswirkungen des Tourismus besonders deutlich werden. Die große Zahl der Indios aus den Anden, die mit aller Macht versuchen, ihren Anteil am Tourismusgeschäft im sauberen Vorzeigeteil der Stadt zu erkämpfen, genauso wie die Bevorzugung der Touristen gegenüber der peruanischen Bevölkerung in vielen alltäglichen Situationen vergrößern das Gefälle zwischen Reisenden und Bereisten stetig. Es ist schwer, Kontakte zu Einheimischen zu knüpfen, die über ein Verkaufsgespräch hinausgehen. Echte Kommunikation gibt es nicht. Touristen belagern die Attraktionen der Gegend in riesigen Gruppen und reduzieren den Wert der Kultur durch den Kauf von billigen Souvenirs (Duplikaten).

Ende des Jahres 2002 bekam die Autorin die Möglichkeit angeboten, in ihrem Praxissemester das Projekt Wanamei Expediciones zu unterstützen, die sie sofort annahm. Kurz vor ihrer Abreise machte sie während ihrer Arbeit auf der Ökotourismusmesse Reisepavillon 2003 eine Bekanntschaft, aus der die Mitarbeit am Projekt Tambo Amana resultierte. Den Vergleich zwischen beiden Projekten vor Ort selbst zu erleben, war der Auslöser für die Wahl des Themas dieser Arbeit. Als eine interessante Herausforderung betrachtete sie die Arbeit mit der eingeborenen Bevölkerung. Der Kontakt, den sie durch die Projekte zur jungen Generation bekam, motivierte sie, einen Beitrag zum Aufbau einer Perspektive leisten zu wollen.

Die menschliche Begegnung im Tourismus und die Lernerfahrung bezüglich anderer Kulturen sind für die Autorin zentrales Reisemotiv. So ist es ihr zum beruflichen Ziel geworden, umsetzbare Konzepte für theoretische Ansätze zu entwickeln und damit die interkulturelle Kommunikation für einen verantwortungsbewussten Tourismus zu fördern.

Ziel dieser Arbeit ist es, dazu beizutragen, begehbare Wege für die nachhaltige Regionalentwicklung mit Tourismus aufzuzeigen und so eine Reiseerfahrung zu ermöglichen, die einem weltweit besseren Verständnis der einzigartigen natürlichen und kulturellen Gegebenheiten Rechnung trägt.

Inhaltsverzeichnis:

Inhaltsverzeichnis II
Abbildungsverzeichnis V
Abkürzungsverzeichnis VI
A. EINLEITUNG UND HINTERGRUNDINFORMATIONEN PERU 1
1. Einleitung 1
2. Peru 4
2.1 Allgemeine Informationen 4
2.2 Politische Entwicklung 6
2.3 Tourismus- und Umweltpolitik 6
2.4 Geographie 10
2.4.1 Allgemeine Informationen zu geographischer Lage und Klima 10
2.4.2 Die Küste 11
2.4.3 Die Sierra 12
2.4.4 Der Regenwald 12
2.5 Tourismus in der Region Cusco 13
2.5.1 Die Stadt Cusco 13
2.5.2 Das Heilige Tal und Machu Picchu 15
2.5.3 Biosphärenreservat Manu 16
B. ÖKOTOURISMUS: CHARAKTERISTIKA, AKTEURE UND AUSWIRKUNGEN 18
1. Der Ökotourismus-Begriff 18
2. Historische Entwicklung des Begriffs Ökotourismus 18
2.1 Sanfter Tourismus 18
2.2 Ansatz der Nachhaltigkeit 20
2.3 Schlagwort Ökotourismus 22
3. Sonderstellung des Ökotourismus 23
3.1 Nachhaltige Tourismusentwicklung in drei Dimensionen 23
3.1.1 Ökologische Dimension 25
3.1.2 Ökonomische Dimension 25
3.1.3 Soziokulturelle Dimension 25
3.2 Ökotourismus als Marktsegment 26
3.2.1 Charakteristika 26
3.2.2 The International Ecotourism Society 28
3.3 Ökotourismus als Entwicklungskonzept 29
3.3.1 Charakteristika 29
3.3.2 Community Based Ecotourism (CBE) 31
4. Mögliche negative Effekte des Ökotourismus 33
5. Akteure in der nachhaltigen Regionalentwicklung mit Tourismus 34
5.1 Non-governmental Organizations (NGOs) 34
5.2 Staat 37
5.3 Lokale Bevölkerung 37
5.4 Touristen 38
C. ÖKOTOURISMUS IN DER PRAXIS ZWEIER PROJEKTE IM PERUANISCHEN AMAZONASREGENWALD 39
1. Überblick über die Reserva Comunal Amarakaeri (RCA) 39
1.1 Geographische Angaben 39
1.2 Die Harakmbut 41
1.2.1 Allgemeine Informationen 41
1.2.2 Das vergangene Jahrhundert 42
1.2.3 Die heutige Situation 43
1.3 Historische Entwicklung 44
1.3.1 Beginn des organisierten Widerstands 44
1.3.2 Erste Erfolge 44
1.3.3 Lösungsansätze 45
2. Die Projekte 47
2.1 Wanamei Expediciones 47
2.1.1 Einleitung 47
2.1.2 Ein gemeinsames Großprojekt 49
2.1.3 Zielsetzungen 50
2.2 Tambo Amana 51
2.2.1 Einleitung 51
2.2.2 Umsetzung der Idee 51
2.2.3 Zielsetzungen 52
3. Umsetzungskonzepte beider Projekte im Vergleich 54
3.1 Die Anfangsphase 54
3.1.1 Einführungsversammlung 54
3.1.2 Machbarkeitsstudie 55
3.2 Voraussetzungen für den Beginn 60
3.2.1 Sicherheit der Touristen 60
3.2.2 Innere Situation 61
3.2.3 Legalisierung der Aktivitäten 62
3.3 Beginn der Projektdurchführung 63
3.3.1 Der Managementplan 63
3.3.2 Die vier Basiselemente 65
3.4 Partizipation bei Ökotourismuskonzepten 69
3.4.1 Beteiligung der lokalen Bevölkerung 69
3.4.2 Guides 71
3.5 Rahmenkomponenten der Durchführung 73
3.5.1 Monitoring 73
3.5.2 Gewinnverteilung 75
3.5.3 Absatz 76
D. FAZIT UND SCHLUSSBETRACHTUNG 77
1. Fazit aus den Projekten 77
2. Schlussbetrachtung 83
Literaturverzeichnis 84
Anhang 92
Eidesstattliche Erklärung 103

Automatisiert erstellter Textauszug:

1986 taten sich die Bewohner der acht Comunidades, die um das Gebiet der heutigen RCA liegen, zusammen und forderten zum ersten Mal, ihr traditionelles Territorium gesetzlich zu schützen, um so den illegalen Aktivitäten Einhalt gebieten zu können. Der Mobil - Elf - Exxon - Konzern rechnet mit der baldigen Bewilligung von Konzessionen für Petroleumbohrungen, während illegaler Bergbauprojekte wird weiterhin nach Gold und anderen Bodenschätzen gesucht, und die nationale Regierung plant den Bau einer Straße quer durch das Gebiet der RCA. Die Flüsse verschmutzen zusehends und der Lebensraum der lokalen Bevölkerung wird zerstört. Die Indianer wollten nicht mehr untätig zusehen, wie sich Weiße ihrer Lebensgrundlagen bedienen, und so begann vor 18 Jahren der Kampf für die Gründung der Reserva Comunal.131 [...]

Heutzutage ist die junge Generation der Comunidad Shintuya in einer schwierigen Situation. Sie ist gefangen zwischen ihrer Kultur und Tradition und dem fortschrittlichen Lebensstil, den die Touristen und Städter aus dem Hochland ihnen vorleben. Sie kennen ihre Wurzeln, verleugnen sie aber oft, da sie im Vergleich zu den Errungenschaften der westlichen Welt keine Bedeutung mehr zu haben scheinen130. Viele der jungen Leute aus den gut erreichbaren Comunidades hatten schon des öfteren die Möglichkeit, nach Cusco zu reisen, und das dortige Leben kennen zu lernen. In der Stadt lernen sie, mit elektrischen Geräten umzugehen, haben Gelegenheit zum Fernsehen und zur Internetnutzung, und tragen westlich geprägte Kleidung. Zu Hause kochen sie über offenem Feuer, haben weder Toilette noch Bad und tragen T-Shirts, Shorts und Badeschuhe. Außer einem kleinen Laden gibt es keinen Supermarkt, das Essen wird angebaut oder gejagt. Diese beiden sich widersprechenden Welten verwirren die Jugendlichen. Sie wissen nicht, wo sie hingehören und worin ihre Zukunft liegt. Durch Hochlandbewohner und Missionare oft degradiert, ist ihr Selbstbewusstsein zerstört. Damit diese wertvollen Kulturen nicht aussterben, muss diesen jungen Menschen wieder eine Perspektive gegeben werden. Sie sollen wieder stolz sein auf das, was sie sind und woher sie kommen. [...]

Während des Goldrauschs der 70er und 80er Jahre erfuhren die Abgewanderten erneute Ausbeutung durch Weiße, die mit von der peruanischen Regierung ausgestellten Claims (auf eine bestimmte Region bezogene Genehmigungen zur Goldsuche) Ansprüche auf das Territorium der Indianer hegten. Zwangsarbeit und unfaire Tauschgeschäfte provozierten Widerstand und blutige Aufstände. Doch ermöglichte das Gold den Indianern auch den Eintritt in die Marktwirtschaft. Zum ersten Mal hatten sie Geld zu ihrer eigenen Verfügung und waren in der Lage, die Gegenstände der westlichen Welt, die sie bei den Weißen gesehen und kennen gelernt hatten, zu erwerben. 1980 konnte der ungleiche Kampf der ethnischen Gruppen der Region einen ersten Erfolg verzeichnen: Die peruanische Regierung händigte der Comunidad San José del Karene ein Dokument aus, das besagte, dass ihr die sie umgebenden 22.040 ha Land vorläufig offiziell zugesprochen werden.129 [...]

Arbeit zitieren:
Palm, Juliane Januar 2004: Ökotourismus - zwei unterschiedliche Ansätze im Vergleich, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
sanft, Nachhaltigkeit, Bevölkerung, NGO, Community Based Ecotourism

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