Ökonomische und sozialpolitische Argumente für und gegen Studiengebühren
Ein Beitrag zur aktuellen bildungspolitischen Diskussion
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Claudia Meijering
- Abgabedatum: Januar 2003
- Umfang: 136 Seiten
- Dateigröße: 960,6 KB
- Note: 1,3
- Institution / Hochschule: Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen (RWTH) Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-6561-2
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-6561-2 P - ISBN (CD) :978-3-8324-6561-2 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Meijering, Claudia Januar 2003: Ökonomische und sozialpolitische Argumente für und gegen Studiengebühren, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Studiengebühren, Hochschulfinanzierung, Hochschulrendite, Bildungspolitik, Humankapitaltheorie
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Diplomarbeit von Claudia Meijering
Zusammenfassung:
Im Vergleich zur Reformbewegung Ende der 60er Jahre, wo die Hochschulorganisation und Hochschulverfassung im Mittelpunkt der öffentlichen Debatte standen, sind es gegenwärtig die Leistungs- und Innovationsfähigkeit sowie die internationale Wettbewerbsfähigkeit in Forschung und Lehre, die das deutsche Hochschulsystem vor neue Herausforderungen stellt.
Ungeachtet dessen, dass der gesellschaftliche Stellenwert von Bildung und Ausbildung in der öffentlichen Diskussion nicht in Frage gestellt wird, führen die wachsenden Anforderungen der Hochschulen einerseits und die zunehmend begrenzten Haushaltsmittel andererseits, zu einer Auseinandersetzung zwischen den Hochschulen, der Öffentlichkeit und den für die Hochschulfinanzierung zuständigen Ministerien über die finanzielle und personelle Ausstattung der Hochschulen. In diesem Kontext wird wiederholt auf die im internationalen Vergleich geringen öffentlichen Hochschulausgaben in Deutschland hingewiesen.
Die fehlenden Finanzmittel der Hochschulen haben eine Diskussion über Formen und Verfahren der Hochschulfinanzierung ausgelöst. Es werden zunehmend Finanzierungskonzepte gefordert, die auf die Erschließung zusätzlicher Finanzierungsquellen abzielen oder das vorhandene Bildungsbudget effizienter nutzen. In der Debatte um die effizientere Nutzung der gegebenen Ressourcen stehen Konzepte wie Globalhaushalt oder Budgetierung im Vordergrund. Zusätzliche Einnahmequellen der Hochschulen ergeben sich durch Stiftungen, Sponsoring, die Einwerbung von Drittmitteln sowie durch Einnahmen aus Dienstleistungen und Weiterbildung. Darüber hinaus wird im Kontext der Gewinnung neuer Finanzierungsquellen zunehmend die Gebührenfreiheit an deutschen Hochschulen zur Disposition gestellt.
Die Studiengebührendebatte wird aber auch vor dem Hintergrund geführt, dass Anreizstrukturen für eine zielgerichtete Studienwahl und ein effektives Studium nicht in ausreichendem Maße im deutschen Hochschulsystem verankert sind. Die Forderung nach effektiver Studienorganisation nimmt in der hochschulpolitischen Debatte und auf dem Arbeitsmarkt jedoch ebenso einen zentralen Stellenwert ein.
Im Spannungsfeld der Studiengebührendiskussion sind nicht nur effizienztheoretische Argumente von Bedeutung, sondern auch Verteilungskonflikte, Chancengleichheit sowie die rückläufige Studierneigung und der steigende Akademikerbedarf. Das durch Bildung angeeignete Humankapital ist jedoch einer der wesentlichen Standortfaktoren der Hochlohnvolkswirtschaften.
Im Rahmen dieser Diplomarbeit werden ökonomische und sozialpolitische Argumente für und gegen Studiengebühren diskutiert. Konkret wird dabei folgenden aussagen nachgegangen:
Staatliche Eingriffe in das Marktgeschehen scheinen aus ökonomischer Sicht u.a. dann gerechtfertigt, wenn der Marktmechanismus selbst zu suboptimalen Ergebnissen führt. In der ökonomisch geführten Diskussion wird daher in einem ersten Schritt untersucht, ob sich die Gebührenfreiheit durch allokatives Marktversagen im öffentlich finanzierten Hochschulsystem legitimieren lässt.
Im Anschluss wird zur Diskussion gestellt, ob sich Studiengebühren aufgrund eines möglichen investiven Charakters des Gutes „Hochschulstudium“ rechtfertigen lassen. Aus ökonomischer Sicht wird ein Studium als Investition in Humankapital betrachtet. Davon ausgehend unterliegt ein Hochschulstudium einem Renditekalkül und die Investitionsaufwendungen sind mit den Erträgen zu vergleichen.
Die sozialpolitische Argumentation geht davon aus, dass ein gebührenfreies Hochschulstudium einhergeht mit einer finanziellen Umverteilung von unten nach oben, und Studiengebühren daher aus Gründen der sozialen Verteilungsgerechtigkeit geboten sind.
Neben den Umverteilungseffekten bestimmt das für die Hochschulen geltende Finanzierungsmodell die Effizienz des Hochschulsystems sowie die Chancengleichheit. So ist ein gewichtiges Argument für Studiengebühren, dass diese ein effizienteres Nachfrageverhalten bewirken. Ein bedeutsames Argument gegen Studiengebühren ist, dass die Studiennachfrage, insbesondere bei einkommensschwachen Haushalten, sinken wird. Dies führt aufgrund des zunehmenden Akademikerbedarfs zu einem gesellschaftlich suboptimalen Ergebnis.
Dieser Diskussion wird eine Beschreibung der Ausgangslage an die Seite gestellt, die die geschichtliche Entwicklung des deutschen Hochschulsystems, die bildungspolitische Studiengebührendebatte, die aktuellen Studiengebührenregelungen auf Bundes- und Länderebene sowie die Finanzierung des Hochschulwesens beinhaltet. Die Arbeit erörtert abschließend mögliche Ausgestaltungen von Studiengebühren.
Inhaltsverzeichnis:
| Tabellenverzeichnis | II | |
| Abbildungsverzeichnis | III | |
| Abkürzungsverzeichnis | IV | |
| 1. | Einleitung | 1 |
| 2. | Ausgangslage | 3 |
| 2.1 | Geschichtliche Entwicklung des deutschen Hochschulwesens | 3 |
| 2.2 | Bildungspolitische Diskussion zum Thema Studiengebühren | 5 |
| 2.3 | Studiengebühren in der BRD | 9 |
| 2.4 | Finanzierung des Hochschulwesens | 13 |
| 2.4.1 | Ausgaben im Hochschulwesen nach Mittelherkunft | 13 |
| 2.4.2 | Entwicklung der Studierendenzahlen | 20 |
| 2.4.3 | Kosten eines Studiums | 23 |
| 2.4.4 | Anteil von Studiengebühren am Hochschuletat | 32 |
| 3. | Ökonomische Argumente für und gegen Studiengebühren | 35 |
| 3.1 | Effizienztheoretische und verteilungspolitische Ansätze | 35 |
| 3.2 | Allokatives Marktversagen im staatlichen Hochschulsystem | 36 |
| 3.2.1 | Öffentliche Güter | 37 |
| 3.2.2 | Monopolistische Situation und sinkende Durchschnittskosten | 40 |
| 3.2.3 | Informationsproblematiken | 42 |
| 3.2.4 | Externe Effekte | 43 |
| 3.2.5 | Zur Theorie des Marktversagens und der meritorischen Güter | 50 |
| 3.3 | Hochschulbildung als Investition | 52 |
| 3.3.1 | Humankapitaltheorie und weitere theoretische Ansätze zur Erklärung von Bildungsentscheidungen | 52 |
| 3.3.2 | Übertragung der Humankapitaltheorie auf die Hochschulbildung | 57 |
| 3.4 | Rendite einer Hochschulausbildung | 70 |
| 3.5 | Fazit | 75 |
| 4. | Umverteilungsaspekte von Studiengebühren | 79 |
| 4.1 | Studie von Grüske | 80 |
| 4.1.1 | Untersuchung im Querschnitt | 81 |
| 4.1.2 | Untersuchung im Längsschnitt | 87 |
| 4.2 | Weitere Untersuchungen | 96 |
| 4.2.1 | Querschnittsanalyse von Hellberger | 96 |
| 4.2.2 | Längsschnittuntersuchung von Weißhuhn | 97 |
| 4.3 | Fazit | 98 |
| 5. | Rahmenbedingungen für Studiengebühren | 99 |
| 6. | Zusammenfassende Betrachtung | 109 |
| Anhang | V | |
| Literaturverzeichnis | VI |
gung, die diese Erträge ins Investitionskalkül aufnehmen.164 Darüber hinaus bestimmt sich das Lebenseinkommen in der Humankapitaltheorie allein aus den individuellen Investitionen. Unberücksichtigt bleiben die Nachfrageseite und damit die gegebenen Bedingungen auf dem Arbeitsmarkt, wie z.B. Konjunktur und Arbeitslosigkeit. Kritisch betrachtet werden muss auch die Annahme der Theorie, dass der Einzelne in der Lage ist, seine Investition in Hinblick auf das zu erzielende Lebenseinkommen zu kalkulieren. Dies würde voraussetzen, dass jedes Individuum zum Zeitpunkt einer Bildungsentscheidung genaue Kenntnisse über das Verhältnis der Wahrscheinlichkeit, ein bestimmtes Einkommen zu erreichen, zu der Wahl eines bestimmten Bildungsweges hat. Die Kritik zielt ferner auf die Schwierigkeit, genaue Aussagen über die Bildungserträge machen zu können. „Damit ist (...) ein rechnerisches Grundproblem der bestehenden Verfahren, Bildungsertrag zu messen, benannt: Zu einem großen Teil wurden/werden Bildungserträge rechnerisch auf eine Weise erfasst, die entweder auf letztlich fragwürdigen Basisannahmen oder Schätzwerten beruht. Dementsprechend wird in der Literatur wiederholt darauf hingewiesen, dass entweder das mathematische Modell oder die Basisannahme/Hypothese letztlich umstritten ist, wesentliche Variablen ausgeblendet bleiben oder nur mangelnde Daten vorliegen.“165 Die Ertragsrate von Bildungsinvestitionen liegt auf Basis von Schätzungen zwischen 5% und 15%.166 Hinsichtlich des Zusammenhangs zwischen Humankapital und Wirtschaftswachstum bzw. Produktivität ergibt sich, dass dieser nicht mehr selbstverständlich vorausgesetzt werden kann.167 So zeigen neuere Studien, dass Ausbildung nicht zwangsläufig die Produktivität steigert, höhere Löhne nicht immer in Abhängigkeit von der Ausbildung gezahlt werden und die Produktivität stärker ansteigen kann, als das Einkommen der Arbeitnehmer.168 Neben der Humankapitaltheorie zählt der Ansatz von Boudon zu den klassischen Theorien zur Erklärung von Bildungsentscheidungen. [...]
Bildungsinvestitionen Kenntnisse und Fähigkeiten ausbilden und darüber die Produktivität beeinflussen.160 Der Umfang der Investition entscheidet damit über die Produktivität der Beteiligten und so letztlich auch über die Höhe der Entlohnung. Die Investitionen in Bildung sind verbunden mit monetären (Kosten) und nichtmonetären Aufwendungen.161 Hinsichtlich der Kosten wird unterschieden in direkte und indirekte Kosten. Die indirekten Kosten entsprechen dem entgangenen Lohn, der im Laufe der Bildungsphase hätte erwirtschaftet werden können162 und werden über den Kreditzins, mit dem die Investition zu finanzieren ist, berücksichtigt. Die Erträge werden in Form von Einkommen gemessen. Da die künftigen Erträge der Bildungsinvestition maßgeblich sind (und weniger die gegenwärtigen), wird das gesamte Lebenseinkommen zugrunde gelegt. In einem Vergleich wird das (aus einer Bildungsinvestition resultierende) höhere Lebenseinkommen zuzüglich der getätigten Bildungsinvestitionen dem Lebenseinkommen gegenübergestellt, das erzielt wird, wenn auf die Bildungsinvestition verzichtet worden wäre. Eine Investition wird getätigt, wenn das höhere bildungsinduzierte Lebenseinkommen, das alternative Lebenseinkommen ohne Investitionen übersteigt.163 Die Ertragsraten sind bei gegebener Bildungsinvestition unabhängig von dem sozialen Status bzw. der Zugehörigkeit zu einer Bevölkerungsschicht. Dies gilt in der Humankapitaltheorie jedoch nicht für die Kostenbelastung und die Erfolgswahrscheinlichkeit. Je geringer das zur Verfügung stehende Familieneinkommen, desto schwerer wiegen die Kosten höhere Bildung. Darüber hinaus wird der Bildungserfolg bei Gruppen mit einem geringeren sozialen Status als gering eingeschätzt. Dies führt zusammen dazu, dass die unteren Schichten weniger Bildung nachfragen als die oberen Bevölkerungsschichten. Durch diese Annahmen erlaubt die Humankapitaltheorie einen Erklärungsansatz hinsichtlich der unterschiedlichen Bildungsnachfrage der verschiedenen sozialen Gruppen. Im Mittelpunkt der Humankapitaltheorie steht weniger die Erklärung von Bildungsungleichheiten als vielmehr der Vergleich, von Kosten und Nutzen der Bildungsausgaben. Die ausschließliche Fokussierung auf das zukünftige Einkommen steht in diesem Kontext zunehmend in der Kritik. Neben den monetären Erträgen wird eine individuelle Bildungsentscheidung auch von nichtmonetären Erträgen bestimmt, wie z.B. soziale Anerkennung. Diese nichtmonetären Erträge werden von der Humankapitaltheorie zwar nicht in Frage gestellt, aber es stehen auch keine Messgrößen zur Verfü- [...]
dungskosten und Schulerfolg die bedeutsamen Kriterien im ökonomisch rationalen Entscheidungsprozess sind. An diese grundsätzliche Maxime knüpfen auch neuere Ansätze von Gambetta151, Erikson und Jonsson152 sowie Breen und Goldthorpe153 an.154 Allen Ansätzen gemeinsam ist, dass die verschiedenen Bevölkerungsgruppen unterschiedliche Bildungsentscheidungen treffen, in Abhängigkeit von modellspezifischen Parametern. Einen wichtigen Beitrag zur Erklärung von Bildungsentscheidungen leistet die sog. Humankapitaltheorie, die Bildung als einen Produktionsfaktor begreift155, der sich im Produktionsprozess rentabel einsetzen lässt. Das ökonomische Konzept der Humankapitaltheorie, dass Anfang der sechziger Jahre entwickelt wurde156, fasst Bildung als Investition157 auf, die Produktivitätssteigerung bewirkt und damit langfristig Erträge. „Die Humankapitaltheorie fußt auf der These, dass Bildungsaktivitäten das Arbeitspotential von Erwerbspersonen so verändern, dass deren Arbeitsqualität und –leistung steigt. Damit steigt ihre Leistung pro Stunde, d.h. ihre (Arbeits-)Produktivität. Die bildungsbedingte höhere Produktivität wird (...) im Arbeitsmarkt durch höheren Verdienst (Lohn, Gehalt) entgolten“.158 Damit erklärt die Humankapitaltheorie die Bildungsnachfrage vor dem Hintergrund zukünftiger Erträge. Wie jede Investition muss sich auch die Bildungsinvestition daran messen lassen, ob die Kosten der Investition und deren Verzinsung durch den entstehenden Nutzen gedeckt werden. In der Folge wird Bildung nachgefragt, wenn sie sich unter Berücksichtigung der entstehenden Kosten lohnt.159 Der Ansatz der Humankapitaltheorie geht von vollkommenem Wettbewerb und einer Entlohnung in Abhängigkeit von der Produktivität aus. Diese Annahmen entsprechen denen im neoklassischen Modell. Eine weitere Bedingung des neoklassischen Modells erfüllt die Humankapitaltheorie jedoch nicht. Während im neoklassischen Modell der Produktionsfaktor Arbeit homogen ist und infolgedessen variable eingesetzt werden kann, geht die Humankapitaltheorie davon aus, dass [...]
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http://www.diplom.de/ean/9783832465612
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Meijering, Claudia Januar 2003: Ökonomische und sozialpolitische Argumente für und gegen Studiengebühren, Hamburg: Diplomica Verlag
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Studiengebühren, Hochschulfinanzierung, Hochschulrendite, Bildungspolitik, Humankapitaltheorie



