Ökonomische Aspekte der Bereitstellung von Wasser
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Michael Harbach
- Abgabedatum: November 2004
- Umfang: 64 Seiten
- Dateigröße: 989,9 KB
- Note: 2,0
- Institution / Hochschule: Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-8742-3
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-8742-3 P - ISBN (CD) :978-3-8324-8742-3 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Harbach, Michael November 2004: Ökonomische Aspekte der Bereitstellung von Wasser, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Wasserversorgung, Liberalisierung, Wasserpreis, natürliches Monopol
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Diplomarbeit von Michael Harbach
Einleitung:
Wasser ist ein wichtiger Bestandteil des täglichen Lebens. Ohne Wasser wäre Leben auf der Erde nicht möglich. Doch die Süßwasservorkommen der Erde sind nicht unbegrenzt. Trotzdem verbrauchen die Menschen Wasser als wären die Vorräte unerschöpfbar. Mark Twain soll daher während des Goldrauschs in Kalifornien im 19. Jahrhundert folgende Feststellung getroffen haben: „Whisky is for drinking, water is for fighting over“. 1995 griff der damalige Weltbank-Vizepräsident Ismail Serageldin diesen Spruch in einer später oft zitierten Prognose wieder auf: Wenn es in den Kriegen dieses Jahrhunderts um Öl ging, so wird es in den Kriegen des nächsten Jahrhunderts um Wasser gehen. Die ökologischen Auswirkungen eines zu hohen Wasserkonsums lassen sich mancherorts schon heute erkennen. Der Aralsee war früher der viertgrößte Binnensee der Welt. Eine zu hohe Wasserentnahme aus seinen Zulieferflüssen hat jedoch dazu geführt, dass der See 75 Prozent seines Volumens seit 1960 verloren hat.
Eine Änderung der Umgangsweise mit Wasser ist unumgänglich. Wasser darf nicht weiter zu niedrigen Preisen oder gar kostenlos angeboten werden, auch wenn zahlreiche Interessengruppen anderer Meinung sind. Diese propagierte Preispolitik konnte die Versorgung armer Haushalte mit Trinkwasser jedoch nicht verbessern. Im Gegenteil, sie hat das Problem der Verschwendung noch verschärft.
Nicht politische sondern ökonomische Überlegungen müssen bei der Versorgung mit Wasser zugrunde gelegt werden. Ziel dieser Arbeit ist es, die ökonomischen Aspekte der Bereitstellung von Wasser aufzuzeigen. Diese Aspekte beschränken sich nicht nur auf den Wasserpreis, sondern auch auf verschiedene Angebotsformen und mögliche Gründe für Eingriffe des Staates.
Zwischen den einzelnen Aspekten bestehen enge Zusammenhänge. Im Mittelpunkt der Diskussion tauchen immer wieder die gleichen Probleme der Wasserversorgung auf. Eine schrittweise Beschreibung und Diskussion der ökonomischen Aspekte ist daher schwierig, da immer wieder auf andere Aspekte und Problemstellungen vor- oder zurückgegriffen werden muss. Solche Kernprobleme sind beispielsweise die Frage, ob Wasser ein öffentliches Gut ist, die monopolistische Stellung eines Wasseranbieters, der Wasserpreis oder die Multifunktionalität des Wassers.
Trotz der engen Zusammenhänge sollen in dieser Arbeit die einzelnen Aspekte der Bereitstellung von Wasser nacheinander und soweit wie möglich jeder für sich diskutiert werden. Abschnitt 2 gibt zu Beginn einen allgemeinen Überblick über Wasser, sein weltweites Vorkommen sowie die aktuelle und zukünftige Versorgungssituation. Im nächsten Abschnitt folgt eine Untersuchung der Ressource Wasser auf ihre ökonomischen Eigenschaften hin. Ferner werden die Akteure vorgestellt, die Wasser anbieten oder nachfragen.
Ein genaueres Porträt der Wasserversorger und der damit zusammenhängenden Angebotsformen folgt in Abschnitt 4. Im darauf folgenden Abschnitt werden dann die Schwierigkeiten betrachtet, die sich bei privater oder öffentlicher Versorgung ergeben. Außerdem wird der Frage nachgegangen, ob staatliche Eingriffe und Regulierungen bei einer privaten Wasserversorgung notwendig sind.
Gründe für einen schonenderen Umgang mit den Wasservorräten und (ökonomische) Lösungsvorschläge zur Erreichung dieses Vorhabens werden in Abschnitt 6 vorgestellt. Im Laufe der Diskussion wird deutlich werden, dass dem Wasserpreis eine hohe Bedeutung zukommt. Daher folgen in Abschnitt 7 theoretische Überlegungen zu Aussehen und Gestaltung des optimalen Wasserpreises sowie zu den Reaktionen der Nachfrager auf Preisänderungen.
Da die praktische Umsetzung dieser Überlegungen stark davon abhängt, ob der Wasserverbrauch pro Nachfrager ermittelt werden kann, werden in Abschnitt 8 verschiedene Konzepte eines Preissystems vorgestellt, denen entweder die Messung des Verbrauchs oder andere Faktoren zugrunde liegen. Dabei wird deutlich werden, dass sich die in Abschnitt 7 getroffenen Überlegungen nicht in einem einzigen Preissystem verwirklichen lassen. In Abschnitt 9 werden Argumente vorgestellt, die für eine stärkere Liberalisierung des Wassermarktes sprechen. Gleichzeitig wird auch betont, dass die Privatisierung der Wasserversorgung nicht einen Rückzug des Staates aus dem Wassermarkt bedeuten darf.
In Abschnitt 10 wird die Privatisierung der Wasserwerke in England und Wales im Jahr 1989 untersucht. Es erfolgt eine Beschreibung der Anstrengungen, die die Wasseranbieter erbringen mussten, um den neuen politischen Rahmenbedingungen und Vorgaben zu entsprechen, sowie eine Bewertung der heutigen Situation der privaten Wasserversorgung. Bei der Analyse wird sich zeigen, dass sich einige vorher angestellte Überlegungen und Argumente anhand der Entwicklung in England und Wales bestätigen lassen.
Inhaltsverzeichnis:
| 1. | Einleitung | 1 |
| 2. | Zahlen und Fakten | 3 |
| 2.1 | Weltweite Wasservorkommen und –versorgung | 3 |
| 2.2 | Ein Ausblick in die Zukunft | 5 |
| 2.2.1 | Ausreichende Wasservorkommen? | 5 |
| 2.2.2 | Wasserkonflikte und grenzüberschreitende Wasservorkommen | 6 |
| 3. | Wasser: ein ökonomisches Gut | 8 |
| 3.1 | Gründe für eine ökonomische Behandlung | 8 |
| 3.2 | Die Dublin-Konferenz | 8 |
| 3.3 | Ökonomische Eigenschaften von Wasser | 9 |
| 3.4 | Eigenschaften der Angebots- und Nachfrageseite | 11 |
| 3.4.1 | Nachfrageseite | 11 |
| 3.4.2 | Angebotseite | 15 |
| 4. | Unterschiedliche Anbieter von Wasser | 16 |
| 4.1 | Öffentliche Versorgung | 16 |
| 4.2 | Private Anbieter | 17 |
| 4.2.1 | Aufgabenaufteilung | 17 |
| 4.2.2 | Ein Franchising-Modell | 18 |
| 5. | Schwierigkeiten bei der Wasserversorgung | 20 |
| 5.1 | Probleme bei öffentlicher Versorgung | 20 |
| 5.2 | Probleme bei privater Versorgung | 21 |
| 5.3 | Gründe für staatliche Interventionen und Regulierungen | 22 |
| 5.3.1 | Marktversagen | 23 |
| 5.3.2 | Qualitätssicherung | 23 |
| 5.3.3 | Soziale Aspekte | 23 |
| 6. | Blick in die Zukunft : Schonenderer Verbrauch | 26 |
| 6.1 | Verstärkte Abwassersammlung | 26 |
| 6.2 | Finanzielle Anreize | 26 |
| 6.3 | Wasser als Inputfaktor | 27 |
| 7. | Wasserpreise: Theorie | 28 |
| 7.1 | Theoretische Überlegungen | 29 |
| 7.1.1 | Faire Preise | 31 |
| 7.1.2 | Ökonomische Effizienz | 31 |
| 7.1.3 | Administrative Durchsetzbarkeit und Effizienz | 31 |
| 7.1.4 | Kostendeckende Preise | 32 |
| 7.2 | Zusammensetzung der Kosten | 32 |
| 7.3 | Preiselastizitäten der Nachfrager | 34 |
| 7.3.1 | Landwirtschaft | 34 |
| 7.3.2 | Industrie | 34 |
| 7.3.3 | Haushalte | 34 |
| 8. | Wasserpreise: Unterschiedliche Konzepte | 36 |
| 8.1 | Verbrauchsabhängige Preissysteme | 36 |
| 8.1.1 | Wasserpreise entsprechen den Grenzkosten | 37 |
| 8.1.2 | Wasserpreise entsprechen den Durchschnittskosten | 38 |
| 8.1.3 | Steigende Blocktarife | 38 |
| 8.2 | Verbrauchsunabhängige Preissysteme | 40 |
| 8.3 | Wassermärkte | 41 |
| 9. | Blick in die Zukunft: Stärkere Liberalisierung | 43 |
| 9.1 | Vorteile einer Liberalisierung | 43 |
| 9.2 | Regulierung privater Versorger | 44 |
| 10. | Die Privatisierung in England und Wales | 46 |
| 10.1 | Ausgangssituation | 46 |
| 10.2 | Privatisierungsphase | 47 |
| 10.3 | Bewertung der Privatisierung | 47 |
| 11. | Zusammenfassung | 49 |
| 12. | Schlussfolgerungen | 53 |
| Literatur | 54 |
zahlen hat, um Zugang zu Wasser zu haben oder Wasser nutzen zu können. Der Wasserpreis kann sich dabei direkt nach dem Verbrauch richten oder auch in Form einer Abgabe erhoben werden, die sich beispielsweise in der Landwirtschaft nach der zu bewässernden Fläche oder den angebauten Feldfrüchten richtet. Diese zweite Variante ndet häug Anwendung, da in vielen Ländern der Wasserverbrauch aufgrund fehlender Wasseruhren nicht quantitativ abgerechnet werden kann. Diese Denition macht deutlich, dass es kostenloses Wasser, wie es oft von verschiedenen Gruppierungen gefordert wird, nicht geben kann. Letztendlich muss immer irgendjemand für das Wasser bezahlen; sei es nun nach Verbrauch oder über Abgaben. Savenije und van der Zaag [...]
Der Wasserpreis ist das zentrale Problem bei der gesamten Diskussion um die Bereitstellung von Wasser. Alle Schwierigkeiten und Kritikpunkte hängen mit der Gestaltung des Wasserpreises zusammen. Sei es das schlechte Wasserangebot öentlicher Versorger, die Angst vor privaten Anbietern oder der verschwenderische Umgang mit Wasser. Der Preis des Wassers spielt immer eine wichtige Rolle: Öentliche Anbieter haben zu niedrige Preise und können deshalb ihre Kosten nicht alleine über die Einnahmen decken. Private Anbieter wiederum haben den Ruf, den Wasserpreis in die Höhe zu treiben, um sich auf Kosten der Verbraucher zu bereichern. Und als geeignetes Mittel gegen den verschwenderischen Umgang wurden in der bisherigen Diskussion stets höhere Wasserpreise genannt. Eine genaue Beschreibung jedoch, wie solche höheren Preise gestaltet sein sollten, fand noch nicht statt. In diesem Abschnitt folgt daher eine nähere Betrachtung des Wasserpreises, wobei vor allem untersucht wird, welche Anforderungen ein Wasserpreis optimalerweise erfüllen muss. Nach Garrido [...]
die Industrie. Sie kommen zu dem Ergebnis, dass der Wasserverbrauch infolge höherer Wasserpreise zurückgeht. Als Ursache für diesen geringeren Verbrauch nennen Tate, Renzetti und Shaw durch die Preissteigerung initiierte technologische Veränderungen in der Produktionskette. Der heutige Umgang mit den eigenen Wasservorkommen wird sich auch auf die nationale Produktionsstruktur in der Zukunft auswirken. Wasser ist zu schwer, um über längere Strecken transportiert werden zu können. Dem zu Folge haben Länder, die in der Zukunft noch über ausreichende Wasservorkommen verfügen einen Standortvorteil gegenüber Ländern, in denen Wasser knapp ist. An das Modell von Heckscher und Ohlin angelehnt, lässt sich das auch wie folgt ausdrücken: Der Produktionsfaktor Wasser ist national mobil [...]
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783832487423
Arbeit zitieren:
Harbach, Michael November 2004: Ökonomische Aspekte der Bereitstellung von Wasser, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Wasserversorgung, Liberalisierung, Wasserpreis, natürliches Monopol



