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Ökonomische Analyse der flexiblen Kompensationsmechanismen der Klimapolitik

Joint Implementation und Clean Development Mechanismen

Ökonomische Analyse der flexiblen Kompensationsmechanismen der Klimapolitik
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Marco Jungmann
  • Abgabedatum: April 2004
  • Umfang: 109 Seiten
  • Dateigröße: 528,9 KB
  • Note: 2,3
  • Institution / Hochschule: Universität Duisburg-Essen, Standort Essen Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-8489-7
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-8489-7 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-8489-7 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Jungmann, Marco April 2004: Ökonomische Analyse der flexiblen Kompensationsmechanismen der Klimapolitik, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Kyoto-Protokoll, Additionality, Emissionshandel, Grenzvermeidungskosten, Transaktionskosten

Diplomarbeit von Marco Jungmann

Zusammenfassung:

Die internationale Klimapolitik hatte ihren unbestrittenen Höhepunkt im völkerrechtlich vereinbarten Klima-Protokoll von Kyoto. Auf dieser Klimafolgekonferenz der Klimarahmenkonvention aus dem Jahre 1992 in Rio wurde nochmals der Einfluss menschlichen Handelns und dessen Auswirkungen betont und infolgedessen eine erstmalige, bindende Vereinbarung der Konferenzparteien getroffen, den Ausstoß der so genannten Treibhausgase in der 1.Verpflichtungsperiode 2008-2012 um 5,2 % (Referenzjahr 1990) zu senken. Damit diese Reduktionsziele erreicht werden, stehen den Vertragsparteien die flexiblen Kompensationsmechanismen Joint Implementation und Clean Development Mechanism als ‚add-on’ zum herkömmlichen ‚policy-mix’ zur Verfügung.

Obwohl von der Konzeption her ähnlich aufgebaut unterscheiden sich die beiden Instrumente doch wesentlich in Ihren Anwendungsvoraussetzungen. Diese Strukturen werden in der Studie definiert, erklärt und analysiert. Nach einer Einführung in die naturwissenschaftlichen Grundlagen des Treibhauseffekts und seiner Auswirkungen, wird die Geschichte der klimapolitischen Verhandlungen mit ihren wesentlichen Höhepunkten im Zeitverlauf dargestellt.

Daraufhin erfolgt eine eingehende Erläuterung der Anwendungskriterien sowie ein kurzer Blick über den ‚Tellerrand’ auf die im Zusammenhang mit der Durchführung entstehenden Nebeneffekte (politisch, technologisch, sozioökonomisch). In diesem Zusammenhang wird auch das dritte flexible Instrument des International Emission Trading dessen Anwendung im EU ETS ab 2005 und Verbindung bzw. Verknüpfung zu JI und CDM kurz erläutert.

Der Kernpunkt der Analyse folgt im Anschluss. Dieser setzt sich vertieft mit den Kosten- und Erlöskomponenten (Investitionskosten, Transaktionskosten), der internationalen Anrechnung der Reduktionseinheiten und deren ökonomischen Konsequenzen auseinander. Nach einer Darstellung exemplarischer bi- bzw. multilateraler Beispiele erfolgt als weiterer wesentlicher Bestandteil der Studie eine detaillierte Ausarbeitung der auftretenden Schwierigkeiten. Abschließend wird ein Ausblick auf die Post-Kyoto-Phase (nach 2012) gegeben.

Die Studie gibt einen Überblick über alle wesentlichen Inhalte der internationalen Klimaverhandlungen und erlangt ganz aktuell vor dem Hintergrund des Inkrafttretens des Kyoto-Protokoll am 16.Februar 2005 zusätzliche Bedeutung.

Inhaltsverzeichnis:

1. Einführung in die Problemstellung und Aufbau der Arbeit 1
2. Grundlagen und Entwicklungen in der Klimapolitik 4
2.1 Der anthropogene Treibhauseffekt 4
2.2 Der klimapolitische Prozess 6
2.2.1 Beteiligte und Interessengruppen zwischen Harmonie und Hegemonie 6
2.2.2 Bedeutende Stationen 10
2.2.2.1 UNFCCC - Klimarahmenkonferenz, Rio de Janeiro 1992 10
2.2.2.2 COP 1- Das Berliner Mandat 1995 11
2.2.2.3 COP 3- Kyoto-Protokoll 1997 12
2.2.2.4 COP 7- Die ‚Marrakesch Accords' 2001 13
2.2.3 Notwendigkeiten und Herausforderungen für die internationalen Staatengemeinschaft 14
3. Umsetzung des Kompensationsgedankens in der Klimapolitik 15
3.1 Primärinstrumente der Umweltpolitik als Basis 15
3.2 Das klimapolitische Instrumentarium als ‚add-on' 17
3.2.1 Die flexiblen Mechanismen Joint Implementation und Clean Development Mechanism 18
3.2.1.1 Der Grundgedanke 18
3.2.1.2 Die Kriterien der Ausgestaltung 20
3.2.1.2.1 'Additionality' 20
3.2.1.2.2 'Sustainable Development' 23
3.2.1.2.3 Verification und Monitoring 25
3.2.1.3 Die institutionelle Ausgestaltung 27
3.2.1.3.1 Joint Implementation 28
3.2.1.3.2 Clean Development Mechanism 29
3.2.1.4 Nebeneffekte: politisch, technologisch, sozioökonomisch 30
3.2.1.4.1 Positive Nebeneffekte 31
3.2.1.4.2 Negative Nebeneffekte 32
3.2.2 International Emission Trading 32
3.2.3 Die Verknüpfung von JI, CDM & IET 36
4. Ökonomie des Kompensationsmechanismus 38
4.1 Voraussetzungen 38
4.1.1 Qualifizierung, Quantifizierung und Monetarisierung von THG 38
4.1.2 Sanktionierung nicht eingehaltener Emissionsreduktionsziele 40
4.2 Grenzvermeidungskosten 40
4.3 Projektspezifische Kostenfaktoren 44
4.3.1 Investitionskosten 44
4.3.2 Transaktionskosten 46
4.3.3 Organisationskosten 50
4.3.4 Risk-Management als Kostengröße 52
4.4 Erlöse der Emissionsreduktionseinheiten (ERU/CER) 56
5. Wirtschaftlichkeit von JI- und CDM-Projekten 58
5.1 Analysemodelle 58
5.1.1 'bottom-up'-Modell 58
5.1.2 'top-down'-Modell 59
5.2 Projekte 59
5.2.1 Projektteilnehmer und Handelspartner 60
5.2.2 Projektgestaltung 61
5.2.2.1 Das bilaterale Modell am Beispiel China 61
5.2.2.2 Das multilaterale Modell am Beispiel des ERUPT/CERUPT-Programms 64
5.2.2.3 Der ‚Prototype Carbon Fund' als Alternativmodell 66
5.3 Unsicherheitsfaktoren bei der Feststellung und Dynamisierung der Wirtschaftlichkeit von JI- und CDM-Projekten 68
6. Probleme und Hindernisse der Umsetzung des Kompensationsgedankens 69
6.1 ‚Baseline-Clearing' - Standardisierung oder Flexibilisierung 69
6.2 Treibhausgassenken und Aufforstungsprojekte 72
6.3 Nord-Süd-Konflikt: ‚win-win'-Situation oder ‚low-hanging-fruits' 74
6.4 Mitnahmeeffekte durch den wirtschaftlichen Zusammenbruch der CEIT - ‚Hot Air' 76
7. Ausblick 78

Automatisiert erstellter Textauszug:

4.1 Voraussetzungen 4.1.1 Qualifizierung, Quantifizierung und Monetarisierung von THG Die elementare Voraussetzung für die Feststellung der Wirtschaftlichkeit und somit der Identifikation der Kosten- und Ertragsfaktoren ist die Transformation der durch die Emission von Treibhausgasen verursachten Schäden in monetäre Größen. Diese Transformation beinhaltet einerseits die ex-ante Prognose der voraussichtlich durch das Projekt reduzierten Emissionsmengen, was eines möglichst exakten Vergleichs der Projektemissionen mit einem Referenzfall bedarf. Andererseits müssen die tatsächlich emittierten Mengen THG in einem fortwährenden Prozess erfasst und geprüft, schließlich einer ex-post durchgeführten Verifizierung und Zertifizierung unterzogen werden. Für diesen Prozess müssen zunächst die relevanten THG und deren Wirkung identifiziert und qualifiziert werden. Die Vergleichbarkeit der im KP genannten THG wird durch die Formulierung in CO2-Äquivalenten erreicht. Deren unterschiedliche klimabezogene Wirkung mittels Berechnung der GWP’s geschätzt wird. Hierbei sind bereits schwerwiegende Unsicherheiten und Probleme bei der Modellierung und stark differierende naturwissenschaftliche Einschätzungen bezgl. der Klimarelevanz und –wirkungen festzustellen. 98 Hierzu gehören die vielseitig kritisierten Berechnungen und Annahmen des IPCC. [...]

reduzieren und einen intensiven Technologietransfer verhindern. Im beschriebenen EU ETS zur Umsetzung der Emissionshandelsrichtlinie der EU wird die Integration der Emissionsgutschriften aus den projektbezogenen Mechanismen zwar als „…wünschenswert und wichtig…“ herausgestellt und die Nutzung grundsätzlich anerkannt, jedoch fehlen genauere Vorschriften. 94 Hierfür ist ein erster Entwurf einer ‚Linking Directive’ 95 veröffentlich worden, in der Bestimmungen zur Äquivalenz und Fungibilität, zur Begrenzung der Verwendung von ERU’s/CER’s, zur problematischen Doppelzählung und zur zeitlichen Erfassung der Reduktionseinheiten gemacht wurden. 96 Zunächst wird die Vergleichbarkeit der Reduktionszertifikate sichergestellt, in dem die ERU’s/CER’s in ein einheitliches EU ETSZertifikat umgetauscht werden sollen. Die Anwendungsbegrenzung ist derzeit nicht definitiv quantifiziert. In der Direktive ist ab einem Anteil von 6 % der ERU’s/CER’s an den gesamten Emissionszertifikaten lediglich eine Überprüfung vorgesehen. Dies hat den Hintergrund, dass die nationalen Maßnahmen zur Emissionsreduzierung in der EU Vorrang haben und mind. 50 % ausmachen müssen. Ein wahrscheinliches Ziel für die Begrenzung der Emissionsgutschriften der JI und des CDM liegt bei 8 %. Das Problem der Doppelzählung entsteht aufgrund bereits vereinbarter JI-Projekte in Sektoren (z.B. Elektrizitätserzeugung) die auch durch das EU ETS erfasst werden. In diesen Sektoren soll die Durchführung solcher Projekte eingeschränkt werden. Da CER’s bereits ab 2000 angespart werden, ERU’s aber erst ab 2008 angerechnet werden können (s. a. 3.2.1), sollen beide Reduktionseinheiten erst für Verpflichtungen der zweiten Handelsperiode ge nutzt werden. Trotz dieser noch nicht abschließend geklärten Fragen ist die Kombination des EU ETS mit dem JI und dem CDM zudem wegen der Arbitrage-Möglichkeiten für ERU’s und CER’s interessant. Der direkte Marktwert dieser Reduktionseinheiten in der Handelsperiode 2008-2012 könnte durch die Integration verdoppelt werden und in der Summe ein Marktvolumen von 7,5 Mrd. Euro erreichen.97 [...]

3.2.3 Die Verknüpfung von JI, CDM & IET Die Kyoto-Mechanismen sind vereinbart worden, um die globale Umwelt- und Klimapolitik zu flexibilisieren. Bei gleichem oder höherem ökologischen Zielerreichungsgrad sollen die kosteneffizientesten Vermeidungsoptionen realisiert werden. Damit alle Vermeidungsoptionen miteinander verglichen werden, müssen die projektbasierten Instrumente JI und CDM sowie die hieraus generierten und zertifizierten Reduktionseinheiten (ERU/CER) in einen internationalen Handel mit Emissionszertifikaten integriert werden. Erst die Kombination aller flexiblen Instrumente i. V. m. mit dem alternativ vorhandenen ‚Policy-Mix’ vervollständigt die Vermeidungskostenkurve aller Vermeidungsoptionen. Das Minimum der Gesamtvermeidungskostenkurve ergibt die kostenoptimale Kombination von internen und externen Maßna hmen. 93 Die Synergieeffekte einer Kombination der flexiblen Instrumente sind vielfältig. Die Erhöhung der Anzahl der Vermeidungsoptionen bietet, neben der Verringerung der Zertifikatspreise und der Vermeidungskosten, die Möglichkeit durch ein zunehmendes Angebot an Emissionsberechtigungen die Liquidität der Emissionshandelsmärkte zu sichern bzw. zu erhöhen. Die Integrität der ERU’s und CER’s könnte zusätzlich die Nachfrage nach JI- und CDM-Projekten stimulieren und, bei Einhaltung der Anwendungskriterien, additive Impulse zur umwelttechnologischen Entwicklung und Förderung der Nachhaltigkeit in den Osterweiterungsstaaten der EU geben. Damit eine regulatorische Sicherheit für die betroffenen Unternehmen und Betreiber der Anlagen gewährleistet ist, müssen die Regelungen des KP und der MA, die projektbasierten Mechanismen betreffend, eins zu eins übernommen werden. Eine Erhöhung der Komplexität durch Einführung eigener Regelungen im Zusammenhang mit der Anerkennung und Durchführung von JI- und CDMProjekten würde den internationalen klimapolitischen Prozess ne gativ beeinflussen. Die entstehe nden Unsicherheiten würden die Anzahl der realisierten Projekte [...]

Arbeit zitieren:
Jungmann, Marco April 2004: Ökonomische Analyse der flexiblen Kompensationsmechanismen der Klimapolitik, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Kyoto-Protokoll, Additionality, Emissionshandel, Grenzvermeidungskosten, Transaktionskosten

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