Ökologische Strategien in der Logistik
Analyse und Konzeption der Wirkungszusammenhänge von Wettbewerbsstrategien, Logistikstrategien und ökologischer Betroffenheit in Unternehmen
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Percy Michalak
- Abgabedatum: August 2008
- Umfang: 109 Seiten
- Dateigröße: 2,1 MB
- Note: 1,3
- Institution / Hochschule: Technische Universität Berlin Deutschland
- Bibliografie: ca. 164
- ISBN (eBook): 978-3-8366-2602-6
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Michalak, Percy August 2008: Ökologische Strategien in der Logistik, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Logistik, Ökologie, Wettbewerb, Wettbewerbsstrategie, Betroffenheit
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Diplomarbeit von Percy Michalak
Einleitung:
Die Rahmenbedingungen der Unternehmen in Wirtschaft und Industrie haben sich in den vergangenen Jahren tiefgreifend verändert. Neben dem Anstieg von Vielfalt und Dynamik sind in letzter Zeit verstärkt umweltpolitische Themen in den Fokus der Gesellschaft und der Unternehmen gerückt. Die öffentliche Meinung fordert verstärkt umweltfreundliche Produkte und setzen die Unternehmen dadurch unter Druck, darauf zu reagieren.
Die erfolgreiche Bewältigung dieser Herausforderung setzt ein ökologisches Umdenken sowie das Umsetzen von nachhaltigen Ansätzen in der Unternehmung voraus. Ein verantwortungsvolles Handeln gegenüber der Umwelt bei gleichzeitigem Erlangen und Verteidigen von Wettbewerbsvorteilen auf diesem wachsenden Markt, verlangt eine Neuausrichtung der vorhandenen Unternehmensstrategie. Ökologische Strategien ermöglichen die Erfüllung der umwelt- und ressourcenschonenden Forderungen der Kunden und die Generierung langfristiger Wettbewerbsvorteile am Markt.
Die Logistik nimmt in diesem Zusammenhang eine besondere Stellung ein. In der Logistik liegen einerseits Potenziale zur Reduktion der vom Unternehmen produzierten Umweltverschmutzung, andererseits werden mit Hilfe der Logistik Wettbewerbsvorteile erzielt. Eine Studie der Unternehmensberatung Accenture zeigt, dass für 70% der Deutschen die Angabe des für Herstellung, Logistik und Verpackung einer Ware ausgestoßenen klimaschädlichen CO2, ein wichtiges Kriterium beim Lebensmittelkauf wäre.
Dies verdeutlicht, dass die Logistik in zunehmendem Maße als gestaltende Einflussgröße auf den langfristigen Unternehmenserfolg angesehen wird. Im Zuge steigender Preise für Energie und Rohstoffe suchen Kunden und Unternehmen nach neuen logistischen Lösungen, um dieser Herausforderung entgegen zu treten. Daraus leitet sich die Notwendigkeit ab, strategische Änderungen auf dem Gebiet der Logistik vorzunehmen, um den ökologischen Forderungen der Anspruchsgruppen gerecht zu werden.
Das Ziel dieser Arbeit liegt in der Darstellung der Wirkungszusammenhänge von Wettbewerbsstrategien, Logistikstrategien und ökologischer Betroffenheit in Unternehmen. Aus dieser Zielstellung leiten sich folgende Teilziele ab:
Ein erstes Untersuchungsziel besteht darin, die Veränderungen in den Funktionsbereichen der Unternehmensführung aufgrund der ökologischen Herausforderungen herauszuarbeiten. In diesem Zusammenhang ist ebenfalls zu untersuchen, welchen Einfluss die verschiedenen Anspruchsgruppen auf die Kultur und Politik der Unternehmung besitzen.
Das zweite Untersuchungsziel beinhaltet die Darstellung und Beschreibung von ökologischen Unternehmensstrategien. Dabei gilt es aufzuzeigen, ob die Wettbewerbsstrategien von Porter und Ansoff ausreichen, um der ökologischen Betroffenheit entgegenzutreten, oder ob andere strategische Konzepte diese Aufgabe besser erfüllen können.
Das dritte Untersuchungsziel besteht im Aufzeigen der strategischen Relevanz einer ökologischen Logistik. Dabei soll einerseits der Einfluss der Logistik auf die Unternehmenspolitik gezeigt werden. Andererseits sollen die möglichen Wettbewerbsvorteile und notwendigen Bedingungen bei der Einführung einer ökologischen Logistik erarbeitet werden.
Das vierte Untersuchungsziel liegt in der Entwicklung einer ökologischen Logistikstrategie. Zu diesem Zweck werden allgemeine Logistikstrategien anhand von endogenen und exogenen Faktoren entwickelt und auf ökologische Fähigkeiten hin untersucht.
Auf diese Weise soll der Beweis, „dass ökologischer Wandel in der Marktwirtschaft auch ökonomisch sinnvoll ist“ erbracht werden.
Die vorliegende Arbeit ist in sechs Kapitel unterteilt (siehe Abbildung 1-1). Nach der Präsentation der Problemstellung, der Zielsetzung und des Aufbaus der Arbeit, erfolgt in Kapitel 2 die Untersuchung, inwiefern sich Umwelt- und Ressourcenschutz in Unternehmen verankert haben. Ausgehend vom Ansatz der Nachhaltigkeit werden die Grundsätze dieses Prinzips auf die Unternehmen in der Wirtschaft übertragen. Dabei werden nachhaltige Ansätze auf den einzelnen Hierarchieebenen skizziert und die Bedeutung der Anspruchsgruppen erläutert. Anschließend werden die Möglichkeiten und Ziele einer ökologisch verantwortungsbewussten Unternehmung aufgezeigt, indem neben dem Aufdecken von Problemen auch mögliche Vorteile dargelegt werden. Daran anknüpfend wird der Einfluss der Anspruchsgruppen auf die Unternehmung unter dem Begriff der ökologischen Betroffenheit erklärt.
In Kapitel 3 wird nach einem Überblick über Strategien und deren Entwicklung untersucht, inwieweit strategische Ansätze zur Verfolgung der ökologischen Idee in Unternehmen bereits vorhanden sind. Neben den strategischen Konzepten von Porter und Ansoff werden weitere umwelt- und ressourcenschonende Wettbewerbsstrategien vorgestellt. Dabei liegt der Fokus der Betrachtung auf der Erarbeitung von Strategien im Kontext der ökologischen Betroffenheit.
Kapitel 4 zeigt, dass die ökologische Betroffenheit auch Einfluss auf die Logistik nimmt. Nach einer Darstellung der zeitliche Entwicklung der Logistik in der Wahrnehmung der Unternehmen, erfolgt eine Beurteilung über die Abhängigkeit der Logistik von den Anspruchsgruppen. Anschließend wird der Einfluss der Logistik auf die einzelnen Hierarchieebenen der Unternehmen durchleuchtet. Auf dieser Basis, erfolgt die Darstellung und Bewertung der Logistik mit ökologischen Möglichkeiten und Zielen. Abschließend werden notwendige Bedingungen zur Generierung einer ökologischen Logistik aufgezeigt.
In Kapitel 5 werden Strategien aufgezeigt, die für eine erfolgreiche Logistik benötigt werden. Zu Beginn des Kapitels werden die Einflüsse der Logistikstrategie auf die Unternehmung untersucht und die an Porters Wettbewerbsstrategien angelehnten Logistikstrategien auf ihre Eignung zur Verfolgung ökologischer Ziele untersucht. Im Anschluss daran erfolgt die Entwicklung einer ökologischen Logistikstrategie, die anhand von endogenen und exogenen Kriterien erstellt wird.
Das Kapitel 6 beginnt mit einer Zusammenfassung der Ergebnisse. Anschließend erfolgt ein Ausblick auf das Entwicklungspotenzial der ökologischen Logistik.
Inhaltsverzeichnis:
| INHALTSVERZEICHNIS | I | |
| ABBILDUNGSVERZEICHNIS | III | |
| TABELLENVERZEICHNIS | IV | |
| ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS | V | |
| 1. | EINLEITUNG | 1 |
| 1.1 | AUSGANGSLAGE | 1 |
| 1.2 | ZIEL DER ARBEIT | 2 |
| 1.3 | VORGEHENSWEISE | 2 |
| 2. | UMWELT- UND RESSOURCENSCHUTZ IM UNTERNEHMEN | 5 |
| 2.1 | DAS NACHHALTIGKEITSPRINZIP | 5 |
| 2.2 | ABLEITUNG DER NACHHALTIGEN ENTWICKLUNG AUF UNTERNEHMEN | 7 |
| 2.2.1 | ÖKONOMIE/UNTERNEHMEN | 8 |
| 2.2.2 | GESELLSCHAFT BZW. ANSPRUCHSGRUPPEN | 11 |
| 2.2.3 | ÖKOLOGIE/NATUR | 12 |
| 2.3 | MÖGLICHKEITEN UND ZIELE EINER ÖKOLOGISCH VERANTWORTUNGSBEWUSSTEN UNTERNEHMUNG | 14 |
| 2.3.1 | INTEGRIERUNG ÖKOLOGISCHER ANSÄTZE IN DIE UNTERNEHMUNG - PROBLEMDIMENSION ODER WETTBEWERBSVORTEIL | 15 |
| 2.3.2 | ÖKOLOGISCHE HANDLUNGSFELDER DER UNTERNEHMUNG | 16 |
| 2.3.3 | HANDLUNGSEBENEN DES ÖKOLOGISCH BEWUSSTEN MANAGEMENTS | 18 |
| 2.4 | ÖKOLOGISCHE BETROFFENHEIT DER UNTERNEHMEN | 19 |
| 2.4.1 | FAKTOREN DER ÖKOLOGISCHEN BETROFFENHEIT | 21 |
| 2.4.2 | BETROFFENHEITSSITUATION | 22 |
| 3. | DARSTELLUNG ÖKOLOGISCHER UNTERNEHMENSSTRATEGIEN | 24 |
| 3.1 | ALLGEMEINE STRATEGIEERKLÄRUNG | 24 |
| 3.1.1 | STRATEGIEENTWICKLUNG | 25 |
| 3.2 | UMWELT- UND RESSOURCENSCHONENDE UNTERNEHMENSSTRATEGIEN | 26 |
| 3.2.1 | INTEGRATION ÖKOLOGISCHER RESSOURCENSCHONUNG IM KONZEPT VON PORTER | 27 |
| 3.2.2 | INTEGRATION ÖKOLOGISCHER RESSOURCENSCHONUNG IM KONZEPT VON ANSOFF | 30 |
| 3.2.3 | UMWELTSCHUTZBEZOGENE WETTBEWERBSSTRATEGIEN NACH MEFFERT UND KIRCHGEORG | 31 |
| 3.2.4 | NACHHALTIGKEITSORIENTIERTE WETTBEWERBSSTRATEGIEN UND DEREN UMSETZUNG | 33 |
| 3.2.5 | UMWELTSCHUTZBEZOGENE WETTBEWERBSSTRATEGIEN NACH DYLLICK, BELZ UND SCHNEIDEWIND | 34 |
| 3.2.6 | UMWELTFOKUSSIERTE KOOPERATIONSSTRATEGIEN | 35 |
| 3.2.7 | ÖKO - PUSH UND ÖKO - PULL STRATEGIE | 36 |
| 3.2.8 | UMWELTSTRATEGIEN VON HUMMEL | 37 |
| 3.3 | STRATEGIEEMPFEHLUNG VOM GRAD DER ÖKOLOGISCHEN BETROFFENHEIT | 38 |
| 4. | DIE LOGISTIK IM ÖKOLOGISCHE EINFLUSS | 43 |
| 4.1 | ENTWICKLUNG UND BEDEUTUNG DER LOGISTIK | 43 |
| 4.1.1 | EVOLUTION DER LOGISTIK | 43 |
| 4.1.2 | LOGISTIK IN ABHÄNGIGKEIT DER ANSPRUCHSGRUPPEN | 45 |
| 4.2 | LOGISTIK IM RAHMEN DES NORMATIVEN MANAGEMENTS | 48 |
| 4.2.1 | BEDEUTUNG DER LOGISTIK IM RAHMEN DER UNTERNEHMENSKULTUR | 49 |
| 4.2.2 | BEDEUTUNG DER LOGISTIK IM RAHMEN DER UNTERNEHMENSPOLITIK | 50 |
| 4.3 | DARSTELLUNG UND BEWERTUNG EINER ÖKOLOGISCHEN LOGISTIK | 51 |
| 4.3.1 | LOGISTIK VS. GRÜNER LOGISTIK | 52 |
| 4.3.2 | INTERDEPENDENZEN VON ÖKOLOGIE UND LOGISTIK | 55 |
| 4.3.3 | MÖGLICHKEITEN UND ZIELE ÖKOLOGISCH VERANTWORTUNGSBEWUSSTER LOGISTIK | 57 |
| 4.4 | NOTWENDIGE BEDINGUNGEN ZUR GENERIERUNG EINER „GRÜNEN LOGISTIK“ | 60 |
| 5. | LOGISTIKSTRATEGIEN IM KONTEXT DER ÖKOLOGIE | 63 |
| 5.1 | LOGISTIKSTRATEGIEN | 63 |
| 5.2 | HERLEITUNG VON LOGISTIKSTRATEGIEN | 65 |
| 5.2.1 | LOGISTIKSTRATEGIE DER KOSTENFÜHRERSCHAFT | 66 |
| 5.2.2 | LOGISTIKSTRATEGIE DER DIFFERENZIERUNG | 68 |
| 5.2.3 | MISCHFORMEN | 71 |
| 5.3 | ENTWICKLUNG EINER ÖKOLOGISCHEN LOGISTIKSTRATEGIE | 72 |
| 5.3.1 | ENTWICKLUNG EINER LOGISTIKSTRATEGIE UNTER EINFLUSSNAHME VON EXOGENEN KONTEXTFAKTOREN | 73 |
| 5.3.2 | ENTWICKLUNG EINER LOGISTIKSTRATEGIE UNTER EINFLUSSNAHME VON ENDOGENEN KONTEXTFAKTOREN | 76 |
| 5.3.3 | BESCHAFFUNGSSTRATEGIE | 77 |
| 5.3.4 | DISTRIBUTIONSSTRATEGIE | 81 |
| 5.4 | REALISIERUNG EINER ÖKOLOGISCHEN BESCHAFFUNGS- UND DISTRIBUTIONSSTRATEGIE | 85 |
| 6. | ZUSAMMENFASSUNG UND AUSBLICK | 88 |
| LITERATURVERZEICHNIS | 91 |
Textprobe:
Kapitel 3.3, Strategieempfehlung vom Grad der ökologischen Betroffenheit: In diesem Abschnitt wird untersucht, ob ein Zusammenhang zwischen der ökologischen Betroffenheitssituation und einer umweltschutzbezogenen Wettbewerbsstrategie vorliegt. Der Grad der ökologischen Betroffenheit geht wie in Kapitel 2.2 beschrieben in erster Linie aus den Forderungen der Anspruchsgruppen an die Unternehmung hervor. In den bereits analysierten Strategien zum Umweltschutz wurde in einigen die Betroffenheit als Bemessungsfaktor berücksichtigt, jedoch nicht als Hauptfaktor identifiziert.
Wie in Kapitel 2.2 bereits dargelegt, wirkt eine starke ökologische Betroffenheit auf betriebliche Entscheidungen und Handlungen. Aus diesem Grund sollte der Grad der Betroffenheit in die Generierung von Strategien einfließen. Die Grundbedingung zur Analyse der ökologischen Betroffenheit beruht auf der Festlegung, dass der Schutz der Umwelt als Formalziel und somit als gleichberechtigte Stellung neben ökonomischen Zielen in der Unternehmung verankert ist. Um den Umwelt- und Ressourcenschutz als Ziel zu sehen und in der Strategie zu berücksichtigen, bedarf es jedoch einer ökologischen Betroffenheit des Unternehmens im Zuge der Planung und Strategiefindung. Dies impliziert, dass die Stärke der ökologischen Betroffenheit die Ausmaße und Gewichtung des Umweltschutzzieles beeinflusst. Des Weiteren spielt die Betroffenheit auch in den auf Unternehmen wirkenden Wettbewerbskräften von Porter (siehe hiezu S. 24) eine große Rolle. So erhöhen ökologische Forderung von Seiten der Lieferanten bzw. der Abnehmer an die Unternehmung die ökologische Betroffenheit. Auch die Gefahr von ökologische Ersatzprodukte oder der Einsatz von umweltgerechten Problemlösungen von neuen Konkurrenten führt zu einer Beeinflussung des Wettbewerbsumfeldes und somit zu einer ökologischen Betroffenheit der Unternehmung.
Die Beispiele zeigen, dass die Anspruchsgruppen neben den Zielen der Unternehmung auch die im Markt geltenden Wettbewerbskräfte beeinflussen und somit die Betroffenheitssituation der Unternehmung zu einem notwendigen zu berücksichtigen Faktor befördern. Auch führt die aktive Anpassung an die vorliegende Betroffenheitssituation zu Vorteilen für das Unternehmen. So werde alle Chancen und Risiken, die von der ökologischen Betroffenheit ausgehen, zum Wohle des Unternehmens genutzt bzw. erkannt und die Forderungen der Anspruchsgruppen befriedigt. Es ist möglich die Erkennung und Analyse der ökologischen Betroffenheit als Chance zu bewerten und wettbewerbsstrategisch zu nutzen. Darüber hinaus können auf diese Weise die auftretenden Risiken ermittelt und diesen mit geeigneten ökologischen Maßnahmen entgegen gesteuert werden.
Zusammenfassend zeigt sich, dass aufgrund des starken Einflusses der Forderungen der strategischen Anspruchsgruppen eine Reaktion eines Unternehmens unausweichlich ist, um seine gesellschaftliche Legitimation zu festigen und eine erfolgreiche Wettbewerbsposition zu erlangen. Im Folgenden werden die drei Wettbewerbsstrategien in Abhängigkeit der im Kapitel 2.4.2 vorgestellten unterschiedlichern Betroffenheitssituationen aufgezeigt.
Kapitel 3.3.1.1, Wettbewerbsstrategische Optionen bei potentieller Betroffenheit: Im Falle einer potentiellen ökologischen Betroffenheit ist es sinnvoll, lediglich die gesetzlichen ökologischen Bestimmungen zu verfolgen und keine weitergehenden freiwilligen Umweltschutzmaßnahmen zu tätigen. Falls eine zunehmende ökologische Betroffenheit vorhergesagt wird, ist eine Rolle als Öko-Pionier mit einer Nischenstrategie ratsam. Ebenso können mit der freiwilligen Umsetzung ökologischer Maßnahmen einhergehende positive Effekte, wie Image, Mitarbeitermotivation und Kundenzufriedenheit, genutzt werden.
Kapitel 3.3.1.2, Wettbewerbsstrategische Optionen bei latenter Betroffenheit: Die latente Betroffenheit charakterisiert eine Situation, in der ökologische Forderungen seitens der Anspruchsgruppen bereits getätigt wurden oder in naher Zukunft an die Unternehmung herangetragen werden. Aufgrund der gestiegenen ökologischen Betroffenheit sollte in der Unternehmung das Thema Umweltschutz einen höheren Stellenwert bzw. mehr Gewicht bei Entscheidungen erhalten. Zur Befriedigung der Bedürfnisse bzw. zur Ermittlung der Chancen und Risiken einer Betroffenheit, müssen zuerst die Anspruchsgruppen und ihre konkreten Forderungen an das Unternehmen identifiziert werden. Anschließend müssen geeignete ökologische Maßnahmen im Rahmen der Wettbewerbsstrategie gefunden werden.
Zur einfachen und schnellen Lösung werden meist so genannte „end-of-pipe-Lösungen“ angewandt, die jedoch lediglich am Ende der Schadstoffkette regulierend eingreifen. Derartige Maßnahmen führen in der Regel nur zu höheren Kosten und erfüllen meist nicht die ökologischen Erwartungen der Anspruchsgruppen, die an einer integrierten, langfristigen ökologischen Lösung interessiert sind.
Aufgrund der steigenden ökonomischen Nachfrage nach produkt- oder prozessbezogenen Umweltschutzmaßnahmen seitens der Anspruchsgruppen erscheint eine Differenzierungsstrategie bzw. umweltfreundliche Sortimentsauswahl sinnvoll. Unterstützend sollte zur öffentlichen Verbreitung des eigenen Umweltschutzengagements eine offensive ökologische Kommunikationspolitik betrieben werden.
Die Verfolgung einer Kostenführerschaftsstrategie ist in einer latenten Betroffenheitssituation möglich und sinnvoll, da die meisten potentiellen Kunden noch nicht bereit sind einen Mehrpreis für ökologische Zusatznutzen zu bezahlen. Jedoch erscheit die Verfolgung einer derartigen Strategie mit zunehmendem ökologischem Interesse der Anspruchsgruppen immer schwieriger, da tendenziell der Umweltschutz mit einer gleichzeitigen Kostenminimierungsstrategie nicht vereinbar ist.
Kapitel 3.3.1.3, Wettbewerbsstrategische Optionen bei aktueller Betroffenheit: Die Betroffenheitssituation bedeutet, dass hohe ökologische Forderungen an das Unternehmen seitens der Anspruchsgruppen herangetragen werden und somit ein großer Markt für ökologische Produkte besteht. Dies bedeutet, dass durch eine aktive ökologische Differenzierungsstrategie der gesamte Markt bedient und Wettbewerbsvorteile erzielt werden können. Falls im Markt bereits ein reger Wettbewerb um ökologische Profilierung herrscht, empfiehlt sich einerseits die Einführung ökologischer innovativer Produkte oder Dienstleistungen sowie andererseits den im Markt vorzufindenden ökologischen Standard zum besten Preis anzubieten. Zum Ausnutzen der optimalen Wettbewerbsvorteile wird somit bei einer starken Betroffenheitssituation eine hybride Wettbewerbsstrategie aus Differenzierungs- und Kostenoptimierungselementen angestrebt. Dafür eignet sich der Ansatz von Hummel, der das Gleichgewicht von Qualität, Kosten und Ökologie als optimal erachtet. Ebenfalls bietet es sich an, im Sinne einer ökologischen Produkterweiterung neue Geschäftsfelder zu erschließen, um vorhandene Potenziale auszunutzen.
Ökologisch aktuell betroffene Unternehmen müssen somit eine ökologische Optimierung entlang des Produktklebenszyklus vornehmen und auf dem Weg zu einer Ökologieführerschaft im ganzheitlichen Umweltmanagement erfolgreich sein. Des Weiteren ist eine gewisse Flexibilität erforderlich, um sich den ändernden und wachsenden Bedingungen am Markt erfolgreich anzupassen. Denn der unternehmerische Erfolg hängt unter anderem von der Wandlung und Anpassung des Unternehmens an die aktuelle Situationen ab. Eine aktive, offensive Reaktion auf das unternehmensindividuelle Umfeld zeigt langfristig eine größere Erfolgswahrscheinlichkeit, als das passive Reagieren auf neue Bedingungen. Denn die offensiven Strategien betrachten das Thema Umweltschutz nicht nur als Kostengröße und Hindernis, sondern nehmen diese Herausforderung als Investitionsobjekt und Chance war.
Einige dieser Strategien, die mit ressourcen- und umweltschonenden Unternehmenszielen vereinbar sind, wurden in diesem Kapitel vorgestellt. Dabei wurde detailliert im letzten Teil auf Wettbewerbsstrategien eingegangen, die sich vor dem Hintergrund einer ökologischen Betroffenheit ergeben. Es wurden Handlungs- und Strategieoptionen, ausgehend von der Betroffenheitsdefinition aus Kapitel 2.4.2, dargelegt.
Die dort aufgezeigte Betroffenheitssituation gibt einen bedeutenden Wertbeitrag zur Generierung und Auswahl von Unternehmensstrategien. Die Schwerpunkte zur Erstellung und Findung der geeigneten Strategie sind neben den Wettbewerbskräften auch die dynamische Umwelt. Diese von Porter aufgestellten Kräfte im Wettbewerb werden ebenfalls von der Betroffenheit der Anspruchsgruppen beeinflusst. Die Betroffenheit äußert sich weiterhin auch in der dynamischen Umwelt, welche den Anspruchsgruppen entspricht und in der Zielsetzung des Unternehmens integriert ist. Die Zielsetzung wird (wie in Kap. 2.2.2 erläutert) von den Anspruchsgruppen gelenkt und unterliegt somit der Beeinflussung von außen, der Betroffenheit der Anspruchsgruppen.
Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass die „Art“ der Betroffenheit die Ziele der Unternehmung bestimmt, die Unternehmenspolitik festlegt und dadurch die abzuleitenden Strategien beeinflusst. Bezogen auf den Umwelt- und Ressourcenschutz bedeutet dies, dass die ökologische Betroffenheit „einen primären Einflussfaktor bei der strategischen Ausrichtung von Unternehmen“ darstellt. Eine starke ökologische Betroffenheitssituation kann somit als eine Art Katalysator zur Verfolgung ökologischer Ziele gesehen werden. Die Situation kann zur Implementierung ökologischer Strategien beitragen, da das Verhalten sowie die Wünsche und Bedürfnisse der Kunden bei allen Strategiealternativen als Handlungsmaxime berücksichtigt werden muss.
Die so aufgestellte ökologische Unternehmensstrategie bildet den Rahmen, innerhalb dessen die Strategien für die einzelnen Funktionsbereiche wie Marketingstrategie, Produktionsstrategie oder Logistikstrategie entwickelt werden. Zur Verwirklichung der Idee des nachhaltigen Ansatzes müssen zwar alle Ebenen der Unternehmung und alle Funktionen der Strategie berücksichtigt werden jedoch kommt dem Funktionsbereich der Logistik dabei ein besonderer Stellenwert zu. Erstens steht die Logistik im direkten Kontakt zum Kunden und ist somit direkter Auslöser für eine Betroffenheit beim Kunden. Zweitens liegen im Bereich der Logistik noch Potenziale für einen umfangreichen Ressourcen- und Umweltschutz. Auf die Möglichkeiten und Chancen einer Integrierung von Umweltschutzzielen in der Logistik zu verankern, dreht sich das folgende Kapitel. Dabei wird im weiteren Verlauf der Arbeit explizit auf ökologische Logistikstrategien eingegangen. Es wird aufgezeigt, inwiefern die Realisierung von logistischen Basisstrategien in Abhängigkeit von Wettbewerbsstrategien steht und mit umwelt- und ressourcenschonende Logistikstrategien vereinbar sind. Die Logistik im ökologische Einfluss. Die strategische Bedeutung der Logistik für die Unternehmen steigt beständig. Dies kann aufgrund von drei entscheidenden Entwicklungen aufgezeigt werden: Erstens findet aufgrund der zunehmenden Globalisierung der Märkte eine Komplexitätssteigerung der Güter- und Informationsströme statt. Zweitens entsteht aufgrund des gestiegenen Wettbewerbsdrucks und der größeren Anzahl von Wettbewerbern am Markt ein zunehmender Kosten- und Rentabilitätsdruck für die Unternehmen. Drittens bedarf es zur Generierung von Wettbewerbsvorteilen andere Mittel als den Preis und die Qualität, um den immer breiter werdenden Kundenanforderungen gerecht zu werden. Die Logistik ist in jedem dieser drei Entwicklungstrends eine wichtige Einflussgröße. Die Unternehmen müssen zur Bewältigung dieser Aufgabe die logistischen Prozesse an die veränderten externen Rahmenbedingungen anpassen. Aufgrund der sich ändernden Einflüsse auf die Unternehmen hat sich im Laufe der Zeit das Verständnis des Begriffs Logistik für die Unternehmen verändert.
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783836626026
Arbeit zitieren:
Michalak, Percy August 2008: Ökologische Strategien in der Logistik, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Logistik, Ökologie, Wettbewerb, Wettbewerbsstrategie, Betroffenheit



