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Ökologische Nachhaltigkeit in der Bekleidungsindustrie

Ökologische Nachhaltigkeit in der Bekleidungsindustrie
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Edith Piegsa
  • Abgabedatum: August 2008
  • Umfang: 95 Seiten
  • Dateigröße: 5,0 MB
  • Note: 2,0
  • Institution / Hochschule: Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin Deutschland
  • Bibliografie: ca. 150
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-4491-4
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Piegsa, Edith August 2008: Ökologische Nachhaltigkeit in der Bekleidungsindustrie, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Textilindustrie, Nachhaltigkeit, Richtlinien, Ökosiegel, Ökobilanz

Diplomarbeit von Edith Piegsa

Einleitung:

Im Kontext der globalen Debatte um Klimawandel und sich verschärfender Knappheit an Wasser und Ackerfläche mit Blick auf den rapiden Anstieg der Weltbevölkerung, rückt der „ökologische Rucksack” von Produkten, gefüllt mit deren Materialinput, immer stärker in das öffentliche Bewusstsein. Dass man an eben diesem ökologischen Rucksack für Textilprodukte sehr schwer tragen kann, wird schon hinsichtlich des konventionellen Baumwollanbaus, welcher mit einem enormen Wasser- und Pestizidverbrauch verbunden ist, augenscheinlich.

Seit Jahren bestehen deshalb Bestrebungen der globalen Textil- und Bekleidungsindustrie in Kooperation mit Regierungen als auch mit Nichtregierungsorganisationen, Prozesse entlang der textilen Kette ökologisch zu innovieren. Diese Bestrebungen gipfeln in der Initiierung des „Global Organic Textile Standard” im Jahr 2006, einem weltweit gültigen Standard zur ökologischen Produktion von Naturtextilien und symbolisch in der Erklärung des Jahres 2009 zum Jahr der Naturfasern durch die UNESCO.

Simultan nimmt die Gruppe der LOHAS (Lifestyle of Health and Sustainability), welche Menschen umfasst, die gesund leben und sich persönlich weiterentwickeln wollen sowie für Umweltschutz, Nachhaltigkeit und soziale Gerechtigkeit eintreten, einen immer stärkeren Stelleinwert ein und macht mittlerweile laut einer Studie des Burda-Verlags 3,67 Millionen Menschen allein in Deutschland aus.

Um die Macht dieser wachsenden Konsumentengruppe wissend, integrieren viele Bekleidungsunternehmen ökologische Anforderungen in ihre Qualitätsmanagementsysteme und ökologische Kollektionen in ihr Sortiment, um diese wiederum, wenn nicht aus eigener Unternehmensethik, zumindest aus Marktgründen an die Verbraucher zu kommunizieren. Sofern diese Bemühungen jedoch nicht abbrechen, sind die ökologischen Folgen positiv zu vermerken und die dahinter stehenden Beweggründe (relativ) irrelevant.

Die textile Kette jedenfalls birgt ökologisch beleuchtet noch großes Optimierungspotential, auch wenn die ersten Steine auf dem Weg zu ihrer Ökologieverträglichkeit bereits gelegt wurden.

Die Zielstellung dieser Diplomarbeit ist damit einhergehend die Ökologieverträglichkeit aller Lebenszyklusphasen der Bekleidung in allen drei Teilbereichen der Textilökologie zu beleuchten, im Folgenden genannt:

Produktionsökologie, welche die Umweltrelevanz (Energie- und Rohstoffdurchsatz, Emissionen in Luft, Wasser und Boden, Abfälle und andere) der Faserstofferzeugung, Textil- und Bekleidungsherstellung sowie der Textilpflege umfasst Humanökologie, welche sich mit der Hautresorption und Bioverträglichkeit von Textilien und Bekleidung und der daraus resultierenden irritativen, allergischen und toxikologischen (vor allem kanzerogenen, mutagenen und teratogenen) Auswirkungen auf den Menschen beschäftigt Entsorgungsökologie, welche sich auf die Entsorgung (Kompostierung, Müllverbrennung, Deponierung) und das Recycling (Rückführung in den Verbrauchs- und Produktionszyklus) textiler Produkte bezieht.

Der Bereich der Humanökologie wird innerhalb der Betrachtung der ökologischen Nachhaltigkeit aus logischen Gründen parallel zur Produktions- und Entsorgungsökologie reflektiert.

Da in der industriellen Praxis Ökologie und Ökonomie Hand in Hand gehen, sollen den ökologischen Belastungen der textilen Kette ökologisch innovative und wirtschaftlich sinnvolle Alternativen gegenübergestellt und Bestrebungen und Einschränkungen der Textil- und Bekleidungsindustrie aufgezeigt werden.

Den Bereich der Textilökologie aufgreifend, sollen in dieser Arbeit weiterhin Textilsiegel dargestellt und vor dem Hintergrund von Anforderungen an Umweltschutz und Schadstofffreiheit auf ihre Qualität hin untersucht werden.

Abschließend wird unter Hinzunahme von Zahlen zum Ressourcenverbrauch der Textil-, Bekleidungs- und Chemieindustrie unter Beachtung bekleidungsphysiologischer Aspekte eine Ökobilanz erstellt, aus welcher als Resultat eine Empfehlung mit der Tendenz zu einer Faser(-mischung) und einem einschlägigen Produktionsprozess hervorgehen soll.

Weitgehend unberücksichtigt bleiben soziale Gesichtspunkte als auch die Betrachtung von Pelz- und Lederbekleidung, die aufgrund ihrer nicht textilen Rohstoffe und spezifischer Herstellungsverfahren mit anderen ökologischen Problemen behaftet ist.

Inhaltsverzeichnis:

I. ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS V
II. ABBILDUNGSVERZEICHNIS VI
III. TABELLENVERZEICHNIS VIII
1. EINLEITUNG 1
2. ZIELSTELLUNG 1
3. ÖKOLOGISCHE NACHHALTIGKEIT ENTLANG DER TEXTILEN KETTE 3
3.1. ROHSTOFFGEWINNUNG 4
3.1.1. Pflanzenfasern 5
3.1.1.1. Baumwolle 5
3.1.1.1.1. Konventioneller Anbau 5
3.1.1.1.2. Integrierter Anbau 6
3.1.1.1.3. Ökologischer Anbau 7
3.1.2. Tierfasern 8
3.1.2.1. Wolle 8
3.1.2.1.1. Konventionelle Schafhaltung 8
3.1.2.1.2. Ökologische Schafhaltung 9
3.1.3. Zellulosische Chemiefasern (Zelluloseregenerate) 10
3.1.3.1. Viskose 10
3.1.3.2. Lyocell 11
3.1.4. Synthetische Chemiefasern 12
3.1.4.1. Polyester (PES) 13
3.1.5. Post Consumer Recycling (PCR) 15
3.1.5.1. Recyceltes Polyethylenterephthalat (PET) 15
3.2. SPINNEN/GARNHERSTELLUNG 16
3.3. TEXTILE FLÄCHENERZEUGUNG 17
3.3.1. Weben 17
3.3.2. Stricken/Wirken 18
3.3.3. Vliesstoffherstellung 19
3.4. TEXTILVEREDLUNG 20
3.4.1. Vorbehandlung 21
3.4.1.1. Entschlichten 21
3.4.1.2. Reinigen 23
3.4.1.3. Bleichen 23
3.4.1.4. Mercerisieren 23
3.4.2. Färben 24
3.4.3. Drucken 27
3.4.4. Ausrüstung 27
3.4.5. Arbeitsplatzgrenzwerte (AGW) 30
3.5. KONFEKTION 31
3.5.1. Ökologische Verantwortung bei der Lieferantenauswahl 31
3.5.2. CAD optimierter Zuschnitt 32
3.5.3. Zusatzstoffe/Hilfsmittel 33
3.6. HANDEL UND VERTRIEB 34
3.6.1. Transportverpackungen 34
3.6.1.1. Mehrwegverpackungen 34
3.6.1.2. Einwegverpackungen 34
3.6.2. Kleiderbügel 35
3.6.2.1. Standard Kleiderbügel 35
3.6.2.2. Green Hanger 36
3.6.3. Einkaufstüten 37
3.7. TEXTILPFLEGE 38
3.7.1. Private Haushalte 40
3.7.2. Gewerbliche Wäschereien 43
3.8. ENTSORGUNG 44
3.8.1. Wiederverwenden und stoffliches Verwerten 44
3.8.2. Energetisches Verwerten 46
4. NEUE ÖKOLOGISCHE ENTWICKLUNGEN IN DER TEXTILVEREDLUNG 47
4.1. ENZYMTECHNOLOGIE 47
4.2. PLASMATECHNOLOGIE 47
4.3. LASERTECHNOLOGIE 48
4.4. INKJET-DRUCKTECHNIK 48
4.5. ÜBERKRITISCHES KOHLENDIOXID 49
4.6. ELEKTROCHEMISCHES FÄRBEN 49
4.7. CHITOSAN 50
4.8. ULTRASCHALLBEHANDLUNG 50
4.9. NIEDERTEMPERATURTECHNIKEN 51
4.10. OZONUNGSANLAGEN 51
4.11. FOTOKATALYTISCHE REINIGUNGSVERFAHREN 51
5. INDUSTRIELLE UND RECHTLICHE ÖKOLOGISCHE RICHTLINIEN 53
5.1. REACH 53
5.2. GEWÄSSERÖKOLOGISCHE KLASSIFIZIERUNG DER TEGEWA 53
5.3. RESPONSIBLE CARE 53
6. ÖKOSIEGEL 55
6.1. GOTS 57
6.2. UNABHÄNGIGE ZERTIFIKATE 58
6.2.1. Qualitätszeichen NATURTEXTIL 58
6.2.2. Öko-Tex Standard 100plus 58
6.2.3. Europäisches Umweltzeichen 58
6.2.4. ECOPROOF 59
6.2.5. bluesign 59
6.3. HERSTELLEREIGENE LABELS 60
6.3.1. Hess Natur 60
6.3.2. LamuLamu 60
6.3.3. Green Cotton 60
6.3.4. PURE WEAR 61
6.4. SCHADSTOFFSIEGEL 62
6.4.1. Öko-Tex Standard 100 62
6.4.2. TOXPROOF 62
6.4.3. SG – Schadstoffgeprüft 62
6.4.4. Hautfreundlich, weil schadstoffgeprüft (Otto Group) 63
6.4.5. Hautfreundlich, weil schadstoffgeprüft (Quelle) 63
6.4.6. Hautsache körperverträglich - medizinisch getestet und schadstoffgeprüft 63
7. ÖKOBILANZ 65
7.1. ENERGIEBEDARF 67
7.2. WASSERVERBRAUCH 70
7.3. FLÄCHENBEDARF 72
7.4. TOXIZITÄT 73
7.5. CO?-EMISSIONEN 75
7.6. AUSWERTUNG 77
8. FAZIT 78
9. QUELLENANGABEN 80

Textprobe:

Kapitel 4, Neue ökologische Entwicklungen in der Textilveredlung:

Neue Entwicklungen in der Textilveredlungsindustrie richten sich neben den wachsenden Bedürfnissen der Verbraucher vor allem auch nach dem Umweltschutz. Ressourcenschonende Materialien, Techniken und Prozesse in der Textilveredlung gewinnen dabei an Relevanz, da sie sowohl weniger Wasser als auch Energie und Chemikalien beanspruchen. Positiv sind dabei die ökologischen Bemühungen der Industrie zu verzeichnen.

Enzymtechnologie:

Enzyme bestehen wie alle Proteine aus aneinandergereihten Aminosäuren und werden in der Textilveredlung vor allem als Biokatalysatoren verwendet. Als solche beschleunigen sie chemische Reaktionen, wobei sie auch Chemikalien ersetzen können, ohne jedoch unerwünschte Nebenprodukte zu bilden. So können Rohstoffe und Energie eingespart und die Katalysatoren biologisch abgebaut werden (Abb. 4.1.: Biotechnische Herstellung von Enzymen in Fermentern).

Ihren Einsatz finden sie u.a. bei schonenden Vorbehandlungsverfahren in der Vorwäsche bei der Färbung von Wollgeweben (Proteasen), in der Veredlung von Baumwolle (Biobleaching mit Katalasen, Biopolishing und Biostoning mit Cellulasen) und in der EU mit dem Hauptanteil von 40% in Wasch- und Reinigungsmitteln (Lipasen, Proteasen und Amylasen, welche Fette, Proteine und Stärke auf Kleidung spalten und lösen).

Äußerst ressoucenschonend ist das Biostoning, da im Gegensatz zum Stonewash-Verfahren auf Bimssteine verzichtet werden kann, deren Ressourcen allmählich knapp werden (auf eine Tonne Jenas fallen 0,6 Tonnen Steinabrieb an) und deren Entsorgung schon immer problematisch war. Hinzukommend können beim Bimsstein-Verzicht Maschinen, Leitungen als auch das Abwasser geschont werden (Abb. 4.2.: Bimssteine).

Plasmatechnologie:

Im Gegensatz zu nasschemischen Ausrüstungen beeinträchtigen mit der Plasmatechnologie (Plasma wird physikalisch als ein ionisiertes Gas mit exakt gleicher Anzahl positiver und negativer Ladungen definiert) aufgetragene Plasmaschichten aufgrund ihrer Schichtdicke im Nanometerbereich nicht die textilen Eigenschaften wie z.B. Festigkeit und Griff des behandelten Materials (Abb. 4.3.: Mögliche Einsatzbereiche der Plasmabehandlung im textilen Sektor).

So können durch Oberflächenmodifizierung Funktionalitäten wie Benetzbarkeit, Wasser-/Schmutzabweisung, Leitfähigkeit, Biokompatibilität usw. durch das trockene und umweltfreundliche Plasmaverfahren erzeugt werden, bei dem kaum Chemikalien eingesetzt werden und somit Abwässer vermieden und Ressourcen geschont werden. Darüber hinaus können bei der Plasmareinigung textile Oberflächen sehr effektiv von Spinnölen, Schlichten gereinigt, durch Erhöhung der Mikrorauhigkeit eine verbesserte Filzfreiausrüstung von Wolle erhalten und durch Plasmapolymerisation multifunktionale Oberflächenschichten gebildet werden, die z.B. antibakteriell ausgerichtet die Wundheilung verbessern und Infektionen vermeiden (Smart Textiles)(Abb. 4.4.: Wasserabweisend ausgerüstetes Baumwoll-/Polyester-Gewebe. Links unbehandelt, rechts nach Plasmaausrüstung Lasertechnologie).

Neben dem Laserschneiden und Textilschweißen wird Lasertechnologie vermehrt für Oberfflächeneffekte bei textilen Flächen durch Veränderung der Oberfläche eingesetzt.

Oberflächen können perforiert, abgetragen (somit u.a. Farbtiefen beeinflusst werden) oder beschriftet werden. Das Ergebnis ist in jedem Fall wasser- und wischfest und sehr dauerhaft, weswegen Laserbeschriftung als ein schnelles, automatisiertes und individualisierbares Verfahren oft zur Nummerierung von Einzelteilen verwendet wird (Abb. 4.5.: Laserbeschriftung von Leder Inkjet-Drucktechnik).

Mit Inkjet-Drucktechnik wird eine digitale Drucktechnik bzeichnet, bei der das „Bedrucken“ wasserfrei durch computergesteuertes Aufsprühen von Farbe, also ohne Druckformen und ohne aufwendige Umrüstzeiten beim Wechsel von Dessins auf den Druckmaschinen erfolgt. Neben der Ressource Wasser können also auch Materialien und Druckschablonen und Energie eingespart werden. Der Einsatz der Farbstoffe reicht dabei von Reaktiv-, über Säure- und Dispersionsfarbstoffe zu Pigmenten.

Um hohe Farbechtheiten zu garantieren werden die zu bedruckenden Materialien mit Alkali, Ammoniumsulfate, Harnstoff oder Verdickungsmittel vorbehandelt und zur Fixierung mit Dampf nachbehandelt (Abb. 4.6.: Inkjet-Drucker).

Überkritisches Kohlendioxid:

Überkritisches Kohlendioxid (Kohlendioxid im Aggregatzustand zwischen flüssig und gasförmig) eignet sich insbesondere für hydophobe Substanzen hervorragend als Lösemittel und wird aufgrund dieser Eigenschaft bei der Behandlung von Textilien für Wasch- und Färbeverfahren eingesetzt. Beide Verfahren erfolgen wasser- und abwasserfrei, benötigen neben den Farbstoffen keine weiteren Chemikalien und viel weniger Energie, da die Prozesse schneller Ablaufen, da das Trocknen der Fasern entfällt. Somit stellt die textile Behandlung mit überkritischem Kohlendioxid erhebliche ökologische Vorteile dar.

Des Weiteren ist das Färbeergebnis weltweit reproduzierbar, da es unabhängig von den Frischwasserqualitäten und oft nicht zu unterschätzen auch vom Wassermangel an vielen Produktionsstandorten ist.

Beide Verfahren ähneln sich im Ablauf. Beim Färben wird z.B. flüssiges Kohlendioxid aus dem Vorratstank mit einer Hochdruckpumpe komprimiert, über einen Wärmetauscher erwärmt und in den überkritischen Zustand überführt. Dann durchströmt es im Autoklav die auf einen Färbebaum gewickelten textilen Fasern. Diese (bisher ist das Verfahren beschränkt auf Polyester, Polyamid, Triacetat und Elasthan) weiten sich in dem festgelegten Druck- und Temperaturbereich und nehmen die Farbstoffe tief in sich auf.

Die Lösung aus Kohlendioxid und Farbstoff zirkuliert anschließend in der Anlage, bis die Farbstoffaufnahme abgeschlossen ist. Beide Prozesse greifen die Fasern weit weniger an als das Färben in Wasser. Abschließend werden Farbstoffüberschüsse an der Faseroberfläche mit frischem Kohlendioxid von den Fasern gespült und im Separator abgetrennt. Da beim Spülen die Temperatur gesenkt wird, schließen sich die Fasern wieder und die Farbstoffe werden so fest eingebunden (Abb. 4.7.: Funktionsschema einer Anlage zur Färbung mit überkritischem Kohlendioxid).

Elektrochemisches Färben:

Der Vorgang des elektrochemischen Färbens ersetzt durch regenerierbare Redoxsysteme Reduktions- und Oxidationsmittel, die normalerweise nicht mehr aus der Färbeflotte wiedergewonnen und abgebaut werden können. Solche Reduktions- und Oxidationsmittel werden u.a. für das Färben mit Küpenfarbstoffen, zu denen auch Indigo gehört und die Färbung mit Schwefelfarbstoffen benötigt.

Dabei wird entweder gänzlich auf chemische Reduktionsmittel verzichtet (direkte Elektrolyse) oder mit wiederverwendbaren Mediatoren gearbeitet (indirekte Elektrolyse), wodurch sowohl das Mediatorsystem als auch die Färbeflotte recycelt werden können. Da wassertoxische Mittel wie u.a. Na2S2O4, Formaldehydsulfoxylate, Hydroxyaceton und Wasserstoffperoxid, welche konventionell bei einem Großteil der Färbungen für cellulosische Fasern eingesetzt werden, somit wegfallen, ist eine signifikante Einsparung im Chemikalien- als auch im Wasserverbrauch zu verkennzeichnen.

Bei dem elektrochemischen Verfahren werden die Farbstoffe zum Aufziehen auf die Faser entweder bei der direkten Elektrolyse auf der Kathodenoberfläche reduziert oder wie bei der indirekten Elektrolyse durch aus der Kathode austretende Elektronen über ein lösliches, reversibles Redoxsystem. Da der dispergierte Farbstoff im Färbebad nicht ohne den Zusatz einer ausreichenden Konzentration an reduziertem Mediator (Botenstoff) in einem stabilen Reduktionszustand erhalten werden kann, wird das Färbebad in Zirkulation durch die Elektrolysezelle gehalten. Bei abgeschlossenem Färbevorgang können die Farbstoffe entfernt und das Mediatorsystem, da es beim Prozess nicht verbraucht wurde, regeneriert werden (Abb. 4.8.: Prinzipschema einer elektrochemischen Färbeanlage).

Chitosan:

Chitosan, ein Derivat des zweithäifigsten Biopolymers Chitin (Hauptstrukturkomponente von Krustentieren) neben Cellulose, wird aufgrund seiner sterilisierenden und komplexierenden Eigenschaften verstärkt in der Textilveredelung eingesetzt. Neben seinem Einsatz als Schlichtemittel (s.a. Kapitel 3.4.1.1. „Entschlichten“) wird das nicht toxische, nicht allergene und biologisch abbaubare Biopolymer verwendet um antimikrobielle Effekte auf u.a. Vliesen zu erzielen. Beim Färbevorgang erhöht es die Farbstoffaufnahme und verbessert in der Nachbehandlung von Direktfärbungen die Echtheitseigenschaften. Des Weiteren wird es als Weichmacher und als Bindemittel bei Vliesen eingesetzt und stellt alles in allem ein humanökologisches und abbaubares Substitut für die sonst verwendeten Chemikalien dar.

Ultraschallbehandlung:

Durch den Einsatz von Ultraschallwellen (Wellen mit einer Frequenz über 16.000 Hz) bei Vorgängen, welche Flüssigkeiten enthalten, erhöht sich die Diffusionsrate und die Relativgeschwindigkeit der Teilchen. Daraus resultierend können niedrigere Prozesstemperaturen eingesetzt werden, die Prozesszeit verkürzt werden und der Textilhilfsmittelverbrauch reduziert werden, was zu einer erheblichen Energie- und Chemikalieneinsparung führt.

In einem Färbebad besitzt Ultraschallenergie eine homogenisierende und dispergisierende Wirkung auf Farbmittel und Textilhilfsmittel. Gleichzeitig können erhöhte Egalisiereigenschaften erreicht werden. Bei Bleichvorgängen wird eine höhere Effizienz erreicht und bei Waschprozessen die Ablösung von lipidischen und mineralischen Stoffen gefördert.

Niedertemperaturtechniken:

Durch den Einsatz von Heizanlagen mit Niedertemperaturtechniken bei Textilveredlungsprozessen kann der Heizölverbrauch um bis zu einem Drittel eingespart und die Schadstoffemission bis zu 50% reduziert werden. Darüber hinaus liegt die Energieausnutzung bei modernen Anlagen bei über 90%.

Im Vergleich zu konventionellen Anlagen, deren Kesselwassertemperatur konstant auf bis zu 90°C eingestellt ist, richtet sich die Betriebstemperatur bei modernen Anlagen nach dem Wärmebedarf und liegt somit nur zwischen 40-75°C (Abb. 4.9.: Einsparmöglichkeiten beim Einsatz von Niedertemperaturheizungen).

Ozonungsanlagen:

Das Ozonungsverfahren ermöglicht durch das Entfärben des konzentrierten Farbabwassers mit Ozon in einem Reaktor ein umfangreiches und ökologisches Wasserrecycling in der Textilindustrie. Betriebliche Abwässer können unter Verzicht auf Chemikalien gereinigt werden und zu einem Großteil wieder in den Wasserkreislauf zurückgeführt werden, sei es für den Einsatz von Färbeprozessen oder Reinigungsprozessen. So können im Vergleich zu herkömmlichen Verfahren neben der Chemikalieneinsparung zusätzlich Klärabfälle verringert und über 5000 m³ Frischwasser jährlich eingespart werden.

Ein vom Umweltinnovationsprogramm des Bundes gefördertes Pilotprojekt dazu wurde in einem Textilunternehmen in Nordrhein-Westfalen gestartet.

Fotokatalytische Reinigungsverfahren:

Fotokatalytische Verfahren stellen eine ökologische Alternative zur konventionellen Abwasserreinigung, welche mit einem enormen Chemikalien- und Energieeinsatz verbunden ist, dar. Erzeugte Radikale verbinden sich mit langkettigen und biologisch schlecht abbaubaren Kohlenwasserstoffen wie z.B. Spulölen aus der Flächenherstellung, Appreturen, Schlichten, organischen Farbstoffen und anderen in der Textilveredlung anfallenden umweltbelastenden Abwasserinhaltsstoffen und brechen diese auf. Bei ausreichendem Vorhandensein von Radikalen im Wasser können die organischen Verbindungen sogar vollständig zu Kohlendioxid und Wasser abgebaut werden.

In einem gemeinsamen Projekt des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) mit der Gardinenfabrik Carl Albani und Enviro Tex wurden mehrere fotokatalytische Verfahren auf ihre Fähigkeit untersucht Wasserinhaltsstoffe abzubauen und Emulsionen zu spalten und als Ergebnis neben der Foto-Fenton-Reaktion, bei welcher mithilfe UV- Lichts als Aktivierungsenergie aus Wasserstoffperoxid Hydroxylradikale erzeugt werden, Titandioxid-Katalysatoren und die Photosensibilisierung vorgestellt. Das ausgereifte Verfahren kann sowohl zur Behandlung der Abwässer vor der Abgabe an das kommunale Netz als auch zur vollständigen Reinigung und Kreislaufschließung geeigneter Prozessabwässer eingesetzt werden.

Arbeit zitieren:
Piegsa, Edith August 2008: Ökologische Nachhaltigkeit in der Bekleidungsindustrie, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Textilindustrie, Nachhaltigkeit, Richtlinien, Ökosiegel, Ökobilanz

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