Oberstufensport zwischen Richtlinienanspruch, Abitur und Unterrichtsalltag
- Art: Dissertation / Doktorarbeit
- Autor: Timo K. Stiller
- Abgabedatum: November 2004
- Umfang: 318 Seiten
- Dateigröße: 1,8 MB
- Note: 1,0
- Institution / Hochschule: Deutsche Sporthochschule Köln Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-8894-9
- ISBN (CD) :978-3-8324-8894-9 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Stiller, Timo K. November 2004: Oberstufensport zwischen Richtlinienanspruch, Abitur und Unterrichtsalltag, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Sportdidaktik, viertes Prüfungsfach der Abiturprüfung, Schulversuch NRW, Systemtheoretische Beobachtungsmehtodik, Gleichwertigkeit
In den Warenkorb
74,00 €
Dissertation / Doktorarbeit von Timo K. Stiller
Problemstellung:
Betrachtet man die Anforderungen, die seit den letzten dreißig Jahren an oberstufengemäßen und abiturrelevanten Sportunterricht gestellt werden, könnte sich folgender Eindruck verdichten: Je länger die Diskussionen andauern, desto komplexer und anspruchsvoller erscheinen die Anforderungen, denen der Sportunterricht als gleichwertiges Fach im Kanon der Abiturfächer genügen muss.
Sieht sich der Schulsport in den siebziger und achtziger Jahren schwerpunktmäßig einem Qualifikationsauftrag verpflichtet, der sich im Grundkurs auf die Vertiefung und Verbesserung konditioneller Fähigkeiten und technomotorischer Fertigkeiten in ausgewählten Sportarten konzentriert und im Leistungskurs vornehmlich die Vermittlung wissenschaftstheoretischen Fachwissens vorsieht, richtet sich in den neunziger Jahren der Blick zunehmend auf die erzieherischen Potentiale des Sports, um mit ihnen einen entsprechenden Anteil an der Trias der Ziele der gymnasialen Oberstufe leisten zu können.
Analysiert man die Richtlinien und Lehrpläne Sport für Gymnasien des Landes Nordrhein-Westfalen aus dem Jahre 1999 mit Blick auf die Umsetzung abiturrelevanten Sportunterrichts, verdichtet sich jedoch der Verdacht, allein Lösungen bzw. Umsetzungshilfen auf einer theoretischen Ebene beschrieben zu haben. Eine Anbindung an eine detaillierte Problemsituation aus dem Unterricht, auf welche die empfohlenen Absichten eine konkrete Qualitätsentwicklung darstellen, bleibt hingegen verborgen. Ebenfalls verborgen bleiben jedoch auch vergleichbare Normen und Kriterien der Abiturfähigkeit, welche den Status eines Abiturfaches legitimieren.
Demnach könnte es als folgerichtig bezeichnet werden, dass mit der Einführung der neuen Richtlinien und Lehrpläne das Ministerium für Schule und Weiterbildung, Wissenschaft und Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen (MSWWF) quasi die Konsequenzen aus den fachdidaktischen Versäumnissen zieht und dem Sportunterricht der gymnasialen Oberstufe eine grundsätzliche Legitimation als viertes Prüfungsfach in der Abiturprüfung abspricht. Gleichzeitig wird dem Fach Sport jedoch die Rücknahme dieses Beschlusses in Aussicht gestellt, falls es innerhalb eines Schulversuchs gelinge, die Abiturfähigkeit des Faches nachzuweisen.
Ausgehend von dem Schulversuch liegt die inhaltliche Schwerpunktsetzung der Arbeit darin, die Schieflage zwischen theoretischer Fachdiskussion und konkreter Unterrichtssituation auszugleichen.
Diese Zielsetzung ist:
- geprägt von dem Auftrag und Anspruch, die Abiturfähigkeit des Faches Sport zu evaluieren.
- beeinflusst von den Rahmenvorgaben und Auflagen des MSWWF.
- mit Blick auf mögliche Konsequenzen der Ergebnisse für den zukünftigen Stellenwert des Faches sicherlich auch direkt oder indirekt einem gewissen Druck ausgesetzt, Aussagen über Möglichkeiten, aber auch Grenzen des Faches treffen zu wollen.
Eine grundlegend didaktisch-normative Aufgabe besteht für die vorliegende Arbeit daher in dem Versuch, ein auf qualitative Aussagen angelegtes und mit Blick auf die RuL’99 operationalisierbares Raster zu erstellen, vor dessen Folie Aussagen über den Beitrag des Faches zur Realisierung der Trias der Ziele der gymnasialen Oberstufe getroffen werden können. Auf Grundlage dieser Aussagen wird dann die Frage diskutiert, wie sich eine konsistente und vor allem an der Praxis des Unterrichts erprobte Didaktik für Grundkurse der gymnasialen Oberstufe formulieren ließe, die in Bezug auf normativen Aspekte konzeptionell handlungsleitend sein könnte.
Der erhobene Anspruch einer Verbindung tatsächlichen Unterrichts mit den Vorgaben und Ansprüchen der Richtlinien und Lehrpläne wird somit notwendigerweise weitere interdependente Themenbereiche umfassen: Die Bestimmung von Normen und Kriterien für Sportunterricht mit Blick auf die geforderte Abiturfähigkeit sowie die Entwicklung von Instrumentarien, mit Hilfe derer sich diese Normen und Kriterien im Sportunterricht bezüglich ihrer Realisierbarkeit beobachten und letztlich für einen externen Rezipienten nachvollziehbar beschreiben lassen.
Gang der Untersuchung:
In der Aufarbeitung des Forschungsstandes orientiert sich die Arbeit zunächst an einem kurzen historischen Abriss der Entwicklungen und Veränderungsbestrebungen fachübergreifender Abituranforderungen. Diese werden in der momentan geltenden Fassung diskutiert, wobei vor dem Hintergrund der fachwissenschaftlichen Diskussion neben einer historischen Darstellung und Nennung dieser Kriterien außerdem versucht wird, diese Ziele hermeneutisch voneinander abzugrenzen und für die weitere Verwendung innerhalb der Arbeit zu operationalisieren.
Ebenfalls an einer historisch-hermeneutischen Darstellung orientierend, werden diese allgemeinen Vorgaben dann mit den landes- und fachspezifischen Richtlinien und Lehrplänen des Sportunterrichts in der gymnasialen Oberstufe für das Land Nordrhein-Westfalen in Verbindung gesetzt. Des Weiteren sollte ersichtlich werden, inwieweit die seit 1999 in NRW geltenden Richtlinien und Lehrpläne Sport in einer Linie zu den geltenden ministeriellen Vorgaben gesehen werden können. Auf Grundlage dieser sowohl fachübergreifenden als auch fachspezifischen Vorgaben gilt es dann, Normen und Kriterien für oberstufengemäßen und abiturrelevanten Oberstufensport zu formulieren.
Der sich daran anschließende Hauptteil der Arbeit wird neben einer fundierten Darstellung der verwendeten systemischen Beobachtungstheorien eine ausführliche und detaillierte Stundenbeschreibung umfassen, mit der Absicht, die theoretischen Forderungen mit dem beobachteten Unterricht in Verbindung zu setzen.
Aufgrund der qualitativen, subjektorientierten Beschreibung der Beobachtungsgegenstände sei darauf hingewiesen, dass eine stringente Trennung zwischen dem Kapitel zur Untersuchungsmethodik, der Darstellung der Beobachtungsgegenstände sowie dem Kapitel der Untersuchungsergebnisse nicht in der traditionell gängigen Form vorgenommen wird. Punkt 5 des Inhaltsverzeichnisses „Darstellung ausgewählter Sportstunden und der dazugehörigen Klausur- und Abiturprüfungen“ wird daher vor allem innerhalb des jeweils formulierten Fazits bereits starke auswertende bzw. bewertende Aspekte beinhalten, die im traditionellen Sinne dem Kapitel der Untersuchungsergebnisse zugeordnet werden könnten.
Die trotzdem vorgenommene Abgrenzung zwischen den Kapiteln 5 und 6 begründet sich dadurch, dass sich die im Kapitel 6 beschriebenen Untersuchungsergebnisse auf Erkenntnisse stützen, welche über die Beschreibung einzelner Beobachtungsgegenstände innerhalb des fünften Kapitels hinausgehen und sich mehr auf übereinstimmende Strukturen der Beobachtungsgegenstände beziehen bzw. möglicherweise den Beobachter befähigen, eine übergreifende Problemsituation aufzudecken.
Mit engem Bezug auf die verwendeten systemischen Beobachtungstheorien (Kapitel 4) wird auf Grundlage der konkreten Beschreibungen der Beobachtungsgegenstände (Kapitel 5) somit im sechsten Kapitel beabsichtigt, Strukturen und Funktionsmechanismen zu formulieren sowie Interventionsmöglichkeiten darzustellen, die den beobachteten Unterricht bestimmt haben bzw. zukünftigen Sportunterricht im Sinne der Rahmenvorgaben bestimmen könnten.
Das abschließende Fazit wird die formulierten Anforderungen mit den beschriebenen Beobachtungsergebnissen in Verbindung setzen sowie Aussagen über die Realisierbarkeit, aber auch mögliche Auswirkungen einer Umsetzung dieser Anforderungen auf den alltäglichen Sportunterricht in der gymnasialen Oberstufe erwarten lassen dürfen.
Inhaltsverzeichnis:
| 1. | PROBLEMHINFÜHRUNG | 8 |
| 1.1 | Einleitende Vorbemerkungen | 8 |
| 1.2 | Zum Aufbau der Arbeit | 12 |
| 2. | FORSCHUNGSSTAND | 14 |
| 2.1 | Zwischen Reifezeugnis und Hochschulzugangsberechtigung –die Anforderungen an die gymnasiale Oberstufe und das Abiturexamen | 14 |
| 2.1.1 | Allgemeine Bildung | 31 |
| 2.1.2 | Wissenschaftspropädeutik | 36 |
| 2.1.3 | Studierfähigkeit | 38 |
| 2.1.4 | Schlüsselqualifikationen | 42 |
| 2.2 | Der Einfluss der KMK Beschlüsse auf das Fach Sport seit 1972 | 46 |
| 2.2.1 | Zur Notwendigkeit und Entwicklung neuer Richtlinien und Lehrpläne für das Land Nordrhein-Westfalen im Fach Sport der Sekundarstufe II | 46 |
| 2.2.2 | Die nordrhein-westfälischen Richtlinien und Lehrpläne Sport von 1999 | 51 |
| 2.2.3 | Die Richtlinien und Lehrpläne Sport von 1999 für die Sekundarstufe II – Gymnasium/ Gesamtschule des Landes Nordrhein-Westfalen | 53 |
| 2.3 | Die Frage der Gleichwertigkeit des Faches Sport inner- halb des Fächerkanons der gymnasialen Oberstufe | 74 |
| 2.4 | Der Schulversuch Sport als viertes Fach in der Abiturprüfung und der diesem Versuch zugrunde liegende Erprobungsrahmen | 76 |
| 3. | PROBLEMSTELLUNG | 80 |
| 4. | UNTERSUCHUNGSMETHODIK | 84 |
| 4.1 | Darstellung bisheriger Untersuchungen zum Unterrichtsgeschehen | 84 |
| 4.2 | Zur Notwendigkeit einer systemischen Unterrichtsbeobachtung | 86 |
| 4.3 | Grundlagen einer systemischen Unterrichtsbeobachtung | 88 |
| 4.3.1 | Zur vorgenommenen System-/ Umweltbestimmung | 92 |
| 4.3.2 | Probleme des Übergangs von Beobachtung zu Beschreibung | 95 |
| 4.4 | Darstellung der Beobachtungsmethodik, Entstehung der verwendeten Beobachtungsraster | 97 |
| 4.4.1 | Zur Bestimmung des Beobachters | 98 |
| 4.4.2 | Zur Bezeichnung der Unterscheidung (Form der Unterscheidung) | 99 |
| 4.4.3 | Zur Bestimmung des zu beobachtenden Systems und der dazu gehörigen Umwelt (Beobachtungsgegenstände) | 101 |
| 4.4.4 | Zur Gewichtung, Bedeutung verschiedener Umwelten in Bezug auf das System | 104 |
| 4.4.5 | Zur semantischen Darstellung der Beobachtungen | 105 |
| 4.4.6 | Darstellung des Beobachtungsrasters für das System Sportstunde | 107 |
| 4.4.7 | Darstellung des Beobachtungsrasters für die Teilumwelt Klausur und Abiturprüfung | 111 |
| 4.4.8 | Abschließende graphische Darstellung des Untersuchungsaufbaus | 117 |
| 4.4.9 | Zur Auswahl der Beobachtungsgegenstände | 118 |
| 5. | DARSTELLUNG AUSGEWÄHLTER SPORTSTUNDEN UND DER DAZUGEHÖRIGEN KLAUSUREN/ ABITURPRÜFUNGEN | 122 |
| 5.1 | Beobachtungsraster für das System Sportstunde Bm.S.D/Eund die dazugehörige Teilumwelt Klausur | 122 |
| 5.2 | Beobachtungsraster für das System Sportstunde Dg.S.B und die dazugehörige Teilumwelt Abiturprüfung | 140 |
| 5.3 | Beobachtungsraster für das System Sportstunde Kd.S.D/E und die dazugehörige Teilumwelt Klausur | 159 |
| 5.4 | Beobachtungsraster für das System Sportstunde Ku.S.A/D/Eund die dazugehörige Teilumwelt Abiturprüfung | 172 |
| 5.5 | Beobachtungsraster für das System Sportstunde Mm.S.B/Aund die dazugehörige Teilumwelt Klausur | 188 |
| 5.6 | Beobachtungsraster für das System Sportstunde Wh.S.F/D und die dazugehörige Teilumwelt Abiturprüfung | 203 |
| 6. | UNTERSUCHUNGSERGEBNISSE | 219 |
| 6.1 | Zusammenfassung der Beobachtungsgegenstände vor dem Hintergrund der Praxis-Theorie-Verknüpfung | 223 |
| 6.1.1 | Zu den beschriebenen Systemen Sportstunde | 226 |
| 6.1.2 | Zu den beschriebenen Teilumwelten Klausur und Abiturprüfung | 230 |
| 6.1.3 | Abgleichung der dargestellten spezifischen Strukturen für die Systeme Sportstunde mit den Teilumwelten Klausur und Abiturprüfung | 233 |
| 6.2 | Zusammenfassung der Beobachtungsgegenstände vor dem Hintergrund der Methoden und Formen selbständigen Arbeitens | 236 |
| 6.2.1 | Zu den beschriebenen Systemen Sportstunde | 240 |
| 6.2.2 | Zu den beschriebenen Teilumwelten Klausur und Abiturprüfung | 242 |
| 6.2.3 | Abgleichung der dargestellten spezifischen Strukturen für die Systeme Sportstunde mit den Teilumwelten Klausur und Abiturprüfung | 246 |
| 6.3 | Zusammenfassung der Beobachtungsgegenstände vor dem Hintergrund der Mehrperspektivität | 249 |
| 6.3.1 | Zu den beschriebenen Systemen Sportstunde | 251 |
| 6.3.2 | Zu den beschriebenen Teilumwelten Klausur und Abiturprüfung | 254 |
| 6.3.3 | Abgleichung der dargestellten spezifischen Strukturen für die Systeme Sportstunde mit den Teilumwelten Klausur und Abiturprüfung | 255 |
| 6.4 | Fazit der übergreifenden Zusammenfassung der Beobachtungsgegenstände und der daraus ableitbaren internen Funktionslogik der fokalen Systeme und Teilumwelten | 258 |
| 6.4.1 | Zur Funktionslogik des beobachteten Systems Sportstunde | 259 |
| 6.4.2 | Zur Funktionslogik der beobachteten Teilumwelt Klausur und Abiturprüfung | 261 |
| 6.4.3 | Graphische Darstellung der System-Umwelt-Interdependenzen | 262 |
| 6.5 | Aus den Funktionslogiken ableitbare Erkenntnisse mit Blick auf Umsetzung und Umsetzbarkeit der RuL’99 (Erläuterung des Schaubildes) | 263 |
| 6.6 | Abschließende Diskussion der Untersuchungsergebnisse mit Blick auf die Umsetzbarkeit der RuL’99 im Unterrichtsalltag | 268 |
| 6.6.1 | Aus den Beschreibungen ableitbare Strukturen und Prinzipien richtliniengemäßen Unterrichts | 273 |
| 6.6.2 | Thesen zur Realisierbarkeit der RuL’99 innerhalb der Prüfungssituationen sowie Überlegungen zu Interventionsmöglichkeiten und deren Auswirkungen | 275 |
| 6.6.3 | Thesen zur Realisierbarkeit der RuL’99 innerhalb der Sportstunden sowie Überlegungen zu Interventionsmöglichkeiten und deren Auswirkungen | 280 |
| 6.6.4 | Graphische Darstellung der beschriebenen Interventionsmöglichkeit | 284 |
| 7. | FAZIT UND AUSBLICK | 285 |
| 8. | LITERATURVERZEICHNIS | 298 |
Verknüpfung von sportmotorischer Praxis mit Theorie – Vermittlung, – Nachweis, – Anwendung, – Übertragung auf Neues von Handlungswissen und Erklärungswissen. realisierte Möglichkeiten: Vereinzelt wurde auf der Vermittlungsebene seitens des Lehrers der Bewegungsablauf des oberen Zuspiels in der Grobform (Phase II) beschrieben. Ansätze zur Ausführung einer komplexen sportmotorische Bewegung im Sinne einer Vermittlung von Handlungswissen wurden durch die Aufforderung „die Füße mehr einzusetzen“ verbalisiert. Ausgewählte biomechanische Prinzipien sollten so zwar anhand der Bewegung bewusst werden, die Eigenerfahrung dieser Prinzipien im Bewegungsablauf konnte jedoch aufgrund des geringen Fertigkeitsniveaus der Schüler größtenteils nicht realisiert werden. mögliche Möglichkeiten: Mögliche Möglichkeiten zur Vermittlung und zum Nachweis von Handlungswissen und Erklärungswissen (Phase I & II) hätten dann erreicht werden können, wenn der Lehrer verstärkt die individuelle Bewegungsreflexion der Schüler in das Unterrichtsgeschehen einbezogen hätte. Dies hätte vorausgesetzt, dass sich der Lehrer bei den Ist-Sollwert-Beschreibungen der Schülerleistungen massiv zu Gunsten der Schülerbeiträge zurückgenommen hätte. In diesem Zusammenhang hätte der Lehrer außerdem die Regeländerungen vielmehr an dem niedrigen Leistungsniveau der jeweiligen Gruppe orientieren können. Kommentar: Der Lehrer versuchte von den gemachten Bewegungserfahrungen der Schüler auszugehen und diese als Grundlage für sein weiteres Vorgehen, seine weiteren Aufgabenstellungen darzulegen. So führte der Lehrer in Phase III aufgrund der beobachteten Fehler bzw. Schwierigkeiten bei der Bewegungsausführung (Phase II) unterschiedliche Regelvariationen ein: Das Spielfeld wurde verkleinert, es wurde die Regel aufgehoben, ein Spielzug nach drei Ballkontakten beenden zu müssen, und den Spielern wurde zugestanden, den Ball zweimal zu pritschen bzw. den Ball auch einmal pro Spielzug zu Boden fallen lassen zu dürfen. Allerdings stellten die Regeländerungen nicht die erhoffte Erleichterung der Bewegungsausführungen dar und die Schüler waren vor allem mit der Aufforderung des zweimaligen Pritschens überfordert. Eventuell könnte die im Stundenverlauf zu beobachtende nachlassende Leistungsbereitschaft auf diese Überforderung zurückzuführen sein. [...]
V. 46 – 51` Abschließende Reflexionsphase, vor allem Thematisierung der Gründe für das Misslingen der einzelnen Übungsvariationen. Beschreibung anhand der Beobachtungskriterien Vertiefung und Erweiterung des motorisch-konditionellen Leistungsniveaus realisierte Möglichkeiten: In Phase I – V wurde seitens des Lehrers versucht, die Schüler zu einer Verbesserung des oberen Zuspiels im Volleyball zu führen. Kommentar: Die offensichtlich realisierten Möglichkeiten müssen in zweierlei Hinsicht relativiert werden. Zum einen beschränkte sich der Bewegungsradius der Schüler – vor allem in Phase IV – auf nicht mehr als einen Meter, zum anderen erschien das motorisch-koordinative Anforderungsniveau für die meisten Schüler eine Überforderung darzustellen. mögliche Möglichkeiten: Das Hauptproblem der Stunde bestand in der technomotorischen Überforderung der Schüler. Die Stunde hätte, ausgehend von einer Spielvariation, die Möglichkeit bieten müssen, einen technomotorischen Lernzuwachs im Vergleich zu den früheren Stunden zu erreichen. So demotivierten die schwierigen Übungsanforderungen die Schüler, gezielt und konzentriert technische Fertigkeiten zu verbessern, die es in Zukunft erlauben sollten, das Volleyballspiel spielbar werden zu lassen. Durch die Berücksichtigung grundlegender methodischer Aspekte wie „vom Einfachen zum Schweren“ hätte die anfängliche Leistungsbereitschaft der Schüler (Phase II im Vergleich zu Phase IV) erhalten bleiben können. Ausgehend von diesen konkreten Beobachtungen hätte eine mögliche Intention dieser Stunde allerdings auch gerade in einer absichtlichen Überforderung der Schüler liegen können. Von diesen offensichtlichen technomotorischen Überforderungen hätten sich dann aber theoriebezogene Anschlussmöglichkeiten ergeben müssen, die das spezifische technomotorische Anforderungsprofil des Volleyballspiels thematisieren. Im Anschluss daran hätten problemorientierte Ansätze entwickelt werden können, die sich auf eine adressatengerechte Vermittlung dieser anspruchsvollen Sportart beziehen. [...]
Chronologische Darstellung der Unterrichtsinhalte: I. 1 – 18` Begrüßung, ein Schüler gestaltet ein allgemeines Aufwärmprogramm. II. 19 – 30` Sportmotorische Phase: Wiederholung des oberen Zuspiels, freies Üben. Im Verlauf der Übung gibt der Lehrer den Hinweis, selbständig einen Abstand zum Partner zu finden, der eine Ausführung des oberen Zuspiels ermöglicht. III. 31 – 33` Kognitive Reflexionsphase: Die Bewegungsausführungen werden beschrieben und mögliche Gründe für das Misslingen des oberen Zuspiels diskutiert. Der Lehrer wiederholt die Notwendigkeit der Beinstreckung für eine weite Flugkurve des Balls beim Pritschen. IV. 34 – 45` Sportmotorische Übungsphase: Mit Bezugnahme auf das Stundenthema, Volleyball spielbar werden zu lassen, initiiert der Lehrer unterschiedliche Regeländerungen. 1. Verkleinerung des Spielfelds. 2. Die Regel, einen Spielzug nach drei Ballkontakten beenden zu müssen, wird aufgehoben. 3. Den Schülern wird zugestanden, den Ball zweimal zu pritschen bzw. den Ball auch einmal pro Spielzug zu Boden fallen lassen zu dürfen. [...]
In den Warenkorb
74,00 €
Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783832488949
Arbeit zitieren:
Stiller, Timo K. November 2004: Oberstufensport zwischen Richtlinienanspruch, Abitur und Unterrichtsalltag, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Sportdidaktik, viertes Prüfungsfach der Abiturprüfung, Schulversuch NRW, Systemtheoretische Beobachtungsmehtodik, Gleichwertigkeit



