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Nutzungs- und Gestaltungskonzeption für eine Lückenschließung in der Stralsunder Altstadt

Nutzungs- und Gestaltungskonzeption für eine Lückenschließung in der Stralsunder Altstadt
Über dieses Buch
  • Art: MA-Thesis / Master
  • Autor: Swen Krause
  • Abgabedatum: August 2006
  • Umfang: 89 Seiten
  • Dateigröße: 2,4 MB
  • Note: 1,3
  • Institution / Hochschule: Hochschule Wismar Deutschland
  • Bibliografie: ca. 28
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-1326-2
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Krause, Swen August 2006: Nutzungs- und Gestaltungskonzeption für eine Lückenschließung in der Stralsunder Altstadt, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Stralsund, Bauvorhaben Stralsund, Lückenschließung, Architektur, Bauforschung

MA-Thesis / Master von Swen Krause

Zusammenfassung:

In der vorliegenden Arbeit wurde ein Quartier innerhalb der historischen Altstadt der Hansestadt Stralsund untersucht, welches seit 1944 als ungenutzte Brachfläche existiert. Dieses befindet sich östlich des Nikolai –Viertels, zum Teil außerhalb des historischen Verlaufs der Stadtmauer.

Die Arbeit gliedert sich in einen theoretischen Teil, welcher sich auf die Erforschung der historischen Bebauung bezieht sowie in einen planerischen Teil, in dem ich versuchte ein Nutzungskonzept für dieses innerstädtische Areal, in Form eines dem Charakter der Altstadt entsprechenden Gebäudeensembles zu entwickeln.

Innerhalb des theoretischen Teils fasste ich zuerst die Stadtgeschichte kurz zusammen um dem Leser mit der Stadt und Ihrer einzigartigen Struktur vertraut zu machen, welche bereits seit dem 14. Jahrhundert nahezu unverändert erhalten geblieben ist. Darauf aufbauend wurde die Vorgeschichte des zu beplanenden Grundstücks näher erläutert. Dabei untersuchte ich die Lage des Quartiers innerhalb der Altstadt und ging auch auf bedeutende Straßen sowie auf den Ursprung der Straßennamen ein. Um die Parzellierungen der einzelnen Gebäude nachvollziehbar zu gestalten, nutzte ich Aufzeichnungen der Schwedischen Stadtaufnahme, archivarische Zeichnungen und griff auf Untersuchungen von Stefan Kroll und Gyula Pàpay zurück, die die Grundstücksgrößen zu dieser Zeit in einem -Historischen Stadtinformationssystem-Wohnen und Wirtschaften in Stralsund um 1700 - beschreiben. An Hand der Literaturrecherchen konnte ich auch Aussagen zu den ursprünglichen Haustypologien machen. Zur Eingruppierung in Steuerklassen wurde der Verwaltungsterminus Häuser, Buden und Keller verwendet.

Die Gebäude auf dem von mir zu untersuchenden Gelände sind allesamt als Buden in den Steuerregistern eingetragen.

Im Anschluss daran fasste ich zu jedem der ehemals sechs Gebäude die Eigentümerfolge nachvollziehbar zusammen und stellte die baulichen Veränderungen in chronologischer Reihenfolge dar. Diese Auswertung erfolgte durch ausgiebige Akten- Recherche im Stralsunder Stadtarchiv und Bauamt. Dabei wurde nicht nur auf größere Veränderungsmaßnahen der Gebäude eingegangen. Es wurden auch kleinere Um- und Ausbaumaßnahmen mit berücksichtigt um eine möglichst lückenlose und nachvollziehbare Abfolge der baulichen Veränderungen wiedergeben zu können. Dabei wurden auch Korrespondenzen zwischen den Eigentümern und den zuständigen Ämtern zur Erforschung herangezogen. Diese wurden zum Teil auch übersetzt um den Inhalt der Schriften dem Leser näher zu bringen. Denn in diesen Aufzeichnungen wurde oft sehr detailliert über ein Problem geschrieben, welches mir einen Einblick in die Beschaffenheit der Gebäude der entsprechenden Zeit erlaubte.

In der städtebaulichen und denkmalpflegerischen Bewertung erläuterte ich die gestalterischen und städtebaulichen Möglichkeiten einer Neubebauung an Hand der Auswertung städtischer Vorgaben. Dabei wurden die vorangegangenen Untersuchungen des Areals mit herangezogen. Da es sich bei diesem Gelände um ein Bodendenkmal handelt, sind vor Beginn der Baumaßnahem archäo-logische Grabungen durchzuführen um historische Spuren zu sichern. Ein Baugrundgutachten wurde bereits durchgeführt. Dazu wurden zwei Bohrungen und eine Rammsondierung zwischen 6,0 m und 13,0 m Baugrundtiefe durchgeführt. Es besagt, dass zur Gründung der Gebäude, auf Grund der Nähe zum Strelasund, mit erhöhtem Gründungsaufwand und Beeinträchtigungen durch wechselnde Wasserstände zu rechnen ist. Seitens der Stadt gab es, wie oben bereits erwähnt, entsprechende Vorgaben die einzuhalten waren. Diese Vorgaben zur Realisierung eines Neubaues innerhalb der historischen Altstadt dienen der Erhaltung des bestehenden Stadtbildes und sollen einer untypischen Bebauung vorbeugen. Sie wurden auf ihre Notwendigkeit hin geprüft und ein erstes Konzept für eine Bebauung des Grundstücks erarbeitet.

Aus den Ergebnissen der theoretischen Untersuchung konnten wichtige Kenntnisse gewonnen werden um im planerischen Teil, zusammen mit den von der Stadt gestellten Anforderungen für eine Neubebauung, eine realisierbare Bebauung zuschaffen. Darauf aufbauend wurden erste Vorentwürfe angefertigt. In diesen Entwürfen versuchte ich zunächst die einzelnen Gebäude entlang den historischen Parzellenbegrenzungen zu orientieren und jedes Haus als einzelnen Baukörper innerhalb des Ensembles sichtbar zu machen. Die Größe und Lage der Ladenflächen sowie die der Wohnungsgrundrisse wurden geprüft. Dadurch entstanden unterschiedliche Anordnungen der Wohneinheiten, teils auch als Maisonettewohnungen, innerhalb jeden Hauses. Bei den Gebäudehöhen orientierte ich mich an den städtischen Vorgaben, versuchte aber auch, entlang der Wasserstraße, die Anzahl der möglichen Geschosse um eines zu erhöhen.

Auf diese Weise konnte nicht nur zusätzlicher Wohnraum geschaffen, sondern auch die Eigenständigkeit eines jeden Gebäudes verstärkt werden. Dadurch entsteht zudem eine aufgelockerte Staffelung in der stadttypischen Dachlandschaft und das gesamte Ensemble erhält zusätzlich einen eigenen, modernen Charakter. Insgesamt entstanden zehn Wohneinheiten.

Die Einzelbaukörper sollten auch als solche innerhalb des Ensembles zu erkennen sein. Dies wurde in der Vorzugsvariante u.a. durch die Anordnung der Erschließungszonen erreicht, welche um etwa 10 cm in der Fassade zurückversetzt sind. Die Mittelzone des Gebäudes 4 ab dem 1. OG wurde mit einer 20 cm tiefen Auskragung versehen. Durch diese Auskrakung entsteht ein zentraler Bereich des Gebäudeensembles, welcher entlang der Wasserstraße im Dachgeschoss in einem Zwerchgiebel endet.

Zudem gliedern sich die Fassaden der Gebäude, entlang aller drei umgebenden Straßen, in einem sich wiederholenden Raster in folgende Abfolge: Gebäude - Erschließung - Gebäude - Gebäude Die geforderte Stellplatzanzahl konnte auf der zur Verfügung stehenden Fläche realisiert werden.

Dabei entstanden sechs Stellplätze im Innenhof, welche sich auf dem Niveau der Wasserstraße befinden, sowie ein Parklift für acht Fahrzeuge.

Mit meinem Entwurf einer möglichen Neubebauung dieses Stadtquartiers, ist es gelungen Raumstrukturen entstehen zu lassen, die an die gewachsenen Stadtgrundriss - Strukturen anlehnen. Die fehlenden Raumkanten wurden geschlossen und historische Baufluchten wieder verdeutlicht. Zudem ist der Forderung nach einer kleinteiligen Bebauung und damit die Darstellung der Gebäude als Einzelbaukörper erfüllt wurden. Diese modernen Gebäude, welche eigenständig und doch auch als ein Gesamtensemble ablesbar sind, gliedern sich behutsam in das Raumgefüge ein und geben nun endlich, nach zweiundsechzig Jahren, dem Quartier seine städtebauliche Qualität zurück.

Auszüge der Zusammenfassung der Seiten 84 bis 86

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 6
2. Stadtgeschichtliche und städtebauliche Quartiersuntersuchung 10
2.1 Die Stadtgeschichte der Hansestadt Stralsund 10
2.1.1 Frühgeschichte 10
2.1.2 Die Zeit der Hanse 12
2.1.3 Die Schwedenzeit 14
2.1.4 Die Preußenzeit 16
2.1.5 Der Nationalsozialismus 18
2.1.6 Stralsund nach dem Krieg und heute 20
2.2 Zur Vorgeschichte des Grundstücks (historische Quartiersbeschreibung) 21
2.2.1 Die Lage in der Stadt 21
2.2.2 Die Parzellierung 21
2.2.3 Straßenbezeichnungen 22
2.2.4 Die ursprüngliche Haustypologie 26
2.2.5 Eigentümerfolge und Bauphasen 27
2.2.6 Städtebauliche Bewertung 42
2.2.7 Denkmalpflegerische Bewertung 43
2.3 Vorangegangene Untersuchungen 45
2.3.1 Archäologische Grabungen 45
2.3.2 Baugrundgutachten 45
2.4 Ziele der geplanten Neubebauung und städtische Vorgaben 46
2.4.1 Stellungnahme zur Bebauung des Landesamts für Bodendenkmalpflege 46
2.4.2 Stadtbildplanung der Hansestadt Stralsund 46
2.4.3 Parameter der LEG 47
2.4.4 Zusammenfassung 47
3. Nutzungskonzept in Varianten (Variantendiskussion) 49
3.1 Vorüberlegungen 49
3.2 Vorentwürfe 50
3.2.1 Variante 1 50
3.2.2 Variante 2 52
3.2.3 Variante 3 54
3.3 Gegenüberstellungen der Varianten 56
3.4 Vorzugsvariante 57
4. Entwurfs- und Genehmigungsplanung für die Vorzugsvariante 60
4.1 Erläuterung und Begründung 60
4.2 Baubeschreibung Haus 5 60
4.3 Bauphysikalische Untersuchung ausgewählter Bauteile 69
4.3.1 Fassade West 69
4.3.2 Deckenauskragung Erdgeschoss 72
4.3.3 Terrasse Dachgeschoss 75
4.3.4 Dach 79
5. Ausführungsplanung - Detailplanung für ein Gebäude 83
6. Zusammenfassung 84
Literaturverzeichnis 87
Quellenverzeichnis 87
Abbildungsnachweis 90

Textprobe:

Kapitel 2., Stadtgeschichtliche und städtebauliche Quartiersuntersuchung:

DIE STADTGESCHICHTE DER HANSESTADT STRALSUND:

Frühgeschichte:

Für die Entstehung Stralsunds waren verschiedene, begünstigende Faktoren ausschlaggebend.

Einen entscheidenden Einfluss hatte dabei die Lage der entstehenden Stadt am Strelasund.

Von dort ausgehend bot sich in westlicher und östlicher Richtung ein Zugang zur offenen See. Der entstehenden Stadt war eine kleine Insel - »Strale« oder »Strela«- vorgelagert, die später Dänholm genannt werden sollte. Sie schuf einen natürlichen Hafen an welchem schon im 12. Jahrhundert Dänische Schiffe anlegten. Zu dem ließ sich der Ort, an dem die Stadt entstehen sollte, von der Landseite her gut gegen Angriffe verteidigen. Das umgebende Sumpf- und Teichgelände bot dabei eine gut geschützte Lage. Da sich hier außerdem alte Handelsstraßen kreuzten war dieser Platz hervorragend zur Besiedelung geeignet. Auch die Nähe zu sehr ertragreichen Heringsfanggründen in den Gewässern um Rügen ist wohl der Grund für die frühe Besiedlung. Natürlich lassen sich die Anfänge der Stadt nicht genau rekonstruieren. Dennoch existierte bereits vor der späteren Stadtgründung ein slawisches Fährdorf. Vermutlich trug es den Namen Stralow. Wie lange diese Ansiedlung am Strelasund schon bestand und wo genau sich diese befand, ist nicht mehr nachvollziehbar. Wahrscheinlich lag sie auf einer südöstlichen Halbinsel der ursprünglichen Altstadtinsel im Bereich der unteren Langen- und Heiligeiststraße. Archäologische Befunde für eine derartige Siedlung stehen bisher aber noch aus.

Dem kleinen slawischen Fischerdorf Stralow wurde 1234 das Stadtrecht nach Lübischen Recht vom rügenschen Fürsten Witzlaw I. verliehen und trat somit unmittelbar unter dessen Hoheit. Damit war Stralesund, wie die Stadt damals hieß, gegründet. Am 26. Februar 1240 wiederholte er die Stadtrechtsprechung. Über seine Beweggründe gibt es von Historikern nur Vermutungen und unterschiedliche Deutungen. Wahrscheinlich spielten Rostocker Bürger - vor allem wohl Kaufleute - bei der Gründung Stralsunds eine entscheidende Rolle, die für die Zeit des Heringsfangs auf dem späteren Stadtgründungsgebiet Saisonniederlassungen besaßen. Gefolgt von weiteren Zuwanderern wuchs die Bevölkerung schnell an. Ausgezeichnetes Material über deren geografische Herkunft liefern Aufzeichnungen des ältesten Stadtbuchs von 1270 sowie des ersten Bürgerbuches aus dem Jahre 1319. Ausgangspunkt der Stadtentwicklung war vermutlich der Alte Markt an den sich dann das Gebiet der heutigen Altstadt anschloss, wobei der Appolonienmarkt -Papenstraße die Grenze des Altstadtgebietes darstellte. Der Markt wurde von Bauten wie der St. Nikolai Kirche (1276 erstmalig im Stadtbuch erwähnt) beherrscht. Sie ist die Hauptkirche der Altstadt. Neben der Nikolaikirche befindet sich der wichtigste Profanbau der Stadt, das Rathaus. In ihm wurde nicht nur Recht und Gesetz gesprochen, sondern auch Handel betrieben. In Stralesund lebte vor allem Kaufleute, die sich das ertragreiche Umland und den Fischreichtum der Boddengewässer der Insel Rügen zu Nutze machten. Dadurch brachte es Stralsund bald zu Wohlstand und zu einer ansehnlichen Größe.

1 Ewe, Herbert (Hrsg.): Geschichte der Stadt Stralsund: Veröffentlichungen des Stadtarchivs Stralsund, Bd. X; Weimar. 1984, S. 10.

2 Die Handelsstraßen, welche von Lübeck nach Rostock ins Odermündungsgebiet verliefen, kreuzten sich mit dem von Demmin und Tribsees nach Rügen gerichteten Verkehrswegen. Eine der wichtigsten Handelsstraßen war wohl die »via regia«. Außerdem existierte bereits seit wendischer Zeit eine Fährstelle nach Rügen.

3 Dieses Buch enthält u. a. Eintragungen wie Rechts- und Schuldgeschäfte aus den Jahren 1270-1310, sowie das städtische Einnahmeregister von 1278-1308 und ist in lateinischer Sprache verfasst.

4 Die Bezeichnung »forum anticuum« für den Alten Markt taucht erstmals 1288 in schriftlichen Quellen auf. Er war der Mittelpunkt des städtischen Lebens und diente als Zentrum des Handels innerhalb der Stadt. Das wichtigste Gebäude am Alten Markt war das Rathaus.

5 Diese Bezeichnung taucht zum ersten mal im Stadtkataster von 1789 auf und beruht vermutlich auf einer Fehlinterpretation der Bezeichnung »plunde, plunne«. Dies bedeutete soviel wie »schlechtes oder altes Zeug/Gerümpel« und war der gängige Begriff für alte Kleider. Der Verfertigter des Katasters hielt den Begriff »plunne« vielmehr für das ähnlich lautende Wort »plonnie«, der niederdeutschen Form für »Appolonia«.

6 Mit Pape oder auch Pfaffe bezeichnete man früher die Geistlichkeit. Diesen Namen führten einige Zeit zwei Parrallelstraßen gleichzeitig. Seit 1446 wurde der Straßenabschnitt zwischen heutiger Filterstraße und Jakobiturmstraße Papenstraße genannt.

Die von West nach Ost verlaufenden und zugleich die ältesten Straßen (Baden-, Knieper-, Fähr-, Semlowerstraße) stellten die Verbindungen von Markt zum Hafen hin dar. Die später in Nord- Süd-Richtung verlaufenden und die Altstadt mit der Neustadt verbindenden Straßen (Mönch-, und Ossenreyerstraße) spielten in ihrer frühen Geschichte eine eher untergeordnete Rolle. Ihre Bedeutung beginnt sich erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts zu ändern. Und als sich die Stadt im 20. Jahrhundert mehr an den Landseiten orientiert und dadurch ihren Inselcharakter verliert, nimmt die Bedeutung der zum Hafen verlaufenden Straßen ab und die der von Nord nach Süd verlaufenden zu.

Die Nachbarstadt Lübeck zerstörte 1249 die Stadt völlig, da sich Stralsund zu einer ernst zu nehmenden, konkurrenzfähigen Stadt entwickelte. Lübeck besaß bereits im Jahre 1224 ein Privileg für Handel im Fürstentum Rügen und konnte sich somit die rügischen Heringsfangrechte sichern. Durch die Entstehung der neuen Stadt, wurde das Privileg der Lübecker zwar nicht aufgekündigt, dennoch verlor es stetig an Wert, wodurch sich schließlich ein Konkurrenzstreit entwickelte.

Nach dem Überfall bauten die Einwohner ihre Stadt wieder auf und bereits 1254, 20 Jahre nach der Stadtrechtsverleihung, wurde mit der ersten Stadterweiterung begonnen und die Stadt entwickelte sich weiter in südlicher Richtung. Ungefähr gleichzeitig mit dieser Erweiterung erfolgte die Begründung der Neustadt (1256 zum ersten Mal urkundlich erwähnt). Neuere Forschungen haben ergeben, dass es sich bei der Neustadt vermutlich um eine zweite, parallel gegründete Stadt namens »Schadegard « handelt, der man aber sehr früh die Stadtrechte wieder entzogen hatte. Über diese Stadt existieren nur zwei Aufzeichnungen, eine Urkunde aus dem Jahre 1269 und eine Notiz im Stralsunder Stadtbuch von 1271. Vermutlich handelte es sich um eine Burg- oder Befestigungsanlage nordwestlich der Altstadt am Ufer des Strelasundes, welche zum Schutz von Stralsund errichtet wurde. 1256 begann man mit dem Bau der Stadtmauer, die letztlich auf einer Länge von 3.100 Metern die gesamte Stadt umgab und ursprünglich aus Erdwällen bestand. Um 1320 war die Stadtmauer fertig gestellt. Bereits vor Vollendung der Stadtmauer und auch während deren Erbauung entstanden zehn Tore, sechs Wassertore und vier Landtore. Diese ermöglichten den Zu- und Ausgang durch die Mauer, welche von etwa 30 Türmen gekrönt wurde. Der Mauergürtel und der die Stadt umgebende Ring von Teichen verlieh Stralsund den Charakter einer Wasserburg.

Entlang der Straßenzüge wurden, da ein Mangel am Baustoff Holz sowie an Lehm und Ton nicht bestand, die Gebäude vermutlich in Fachwerkbauweise errichtet. 1271 zerstörte ein Großbrand große Teile der aufblühenden Stadt. Beim anschließenden Neuaufbau bedienten sich die Stralsunder im stärkeren Maße der Ziegelbauweise - so genannte Steinhäuser - entstanden.Um 1283 gab es bereits drei Ziegeleien. 1289 wurde mit dem Bau der Marienkirche (in der Neustadt) begonnen.

Um diese Zeit fügten sich die beiden Stadtteile -Alt- und Neustadt - zu einerbaulichen Einheit, innerhalb der Stadtmauer zusammen. Die Entwicklung Stralsunds ging rasch voran.

2.2 ZUR VORGESCHICHTE DES GRUNDSTÜCKS (HISTORISCHE QUARTIERSBESCHREIBUNG):

Die Lage in der Stadt:

Die Stadt Stralsund gliedert sich in vier Stadtquartiere. St. Jürgens, St. Nikolai, St. Jakobi und St. Marienquartier. Das heutige St. Jürgensviertel wird im Norden durch das Kniepertor, im Süden durch das Heilgeisttor, im Westen durch den Knieperwall und im Osten durch die Ossenreyerstraße begrenzt.

Das heutige St. Nikolaiviertel grenzt im Norden an das Kniepertor, im Süden an die Heilgeiststraße, im Westen an die Ossenreyer- und Knieperstraße und im Osten an den Fischmarkt und den Fährwall.

Das heutige St. Jakobiviertel wird im Norden von der Heilgeiststraße, im Süden vom Frankenwall, im Westen vom Knieperwall und im Osten von der Ossenreyer-, Unnützer-, Filter- und Blauturmstraße umschlossen. Und das heutige St. Marienquartierviertel begrenzt im Norden das Heilgeisttor, im Süden der Frankenwall, im Westen die Ossenreyer-, Unnützer-, Filter- und Blauturmstraße und im Osten die Klosterstraße und das Heilgeistkloster. Das zu Untersuchende Areal befindet sich östlich des Nikolaiviertels, zwischen Semlowerstraße und Badenstraße, zum Teil außerhalb des historischen Verlaufes der Stadtmauer. Es wird westlich von der Mauerstraße und östlich von der Wasserstraße begrenzt. Bereits ab dem 13. Jahrhundert wurde das Gebiet der Hafenvorstadt durch Auffüllungen als Bauland gewonnen. Die von West nach Ost verlaufenden Hauptstraßen -Baden-, Knieper-, Fähr- und Semlowerstraße - der Stadt wurden verlängert und Schiffsbrücken in den Sund vorgetrieben.

Es entstand eine Hafenvorstadt, in welcher erste Holzbauten errichtet wurden. Diese wiederum wurden durch eine, das Wasser vom Lande trennende massive Mauer, geschützt. Bereits im 17. Jahrhundert war die Fläche durch weitere Aufschüttungen vergrößert worden. Durch diese Baulandgewinnung verschob sich die Uferlinie noch weiter nach Osten.

Die Parzellierung:

Zur Einteilung und Bestimmung der einzelnen Parzellen und deren Größen wurden von mir die Gebäudebeschreibungen der Schwedischen Stadtaufnahme von 1706/07 zur Untersuchung herangezogen. Diese Dokumente geben aber keine konkreten Hinweise auf den genauen Verlauf der einzelnen Parzellengrenzen. Dennoch wird hier sehr gut die Beschaffenheit, Bauart und Geschossanzahl der damaligen Hauptgebäude sowie evtl. vorhandener Anbauten beschrieben. Dadurch können zumindest Rückschlüsse auf die Parzellengrößen gezogen werden. Durch einen anschließenden Vergleich der einzelnen Parzellengrößen untereinander lassen sie sich nun in verschieden große Grundstücke unterteilen. Wobei zu erkennen ist, dass die Grundstücksgrößen abhängig von der Lage der Gebäude sind. So sind die Gebäude entlang der Mauerstraße als ein- bis zweigeschossig, mit Keller und ohne weitere Anbauten beschrieben. Denn durch die östliche Angrenzung an die Stadtmauer und den westlichen Verlauf der Mauerstraße wurden die Grundstücke begrenzt, so dass sich sehr schmale, wenig tiefe (Stadtmauerbegrenzung) Grundstücksgrößen ergaben.

Die Gebäude entlang der Badenstraße, einer wirtschaftlich wichtigen Ost-West-Verbindung zum Hafen, besaßen demnach eine höhere Wertigkeit und waren Repräsentativer gestaltet. So ist das Haus Badenstraße 113 (30) als zweigeschossig mit Keller, Hintergebäuden und Pferdeställen beschrieben. Demnach war zusätzlich ein nach Norden verlängertes Grundstück vorhanden. Das gesamte Grundstück wurde westlich vom Haus Mauerstaße 114 (3) und östlich vom Eckhaus Badenstraße/Wasserstraße 112 (29/17) begrenzt. Das Grundstück war also im Vergleich mit den zuvor beschriebenen erheblich größer. Ebenso verhält es sich mit dem Grundstück des o. g. Eckhauses, welches durch Haus 113 (30) und die Wasserstraße begrenzt wurde. Die Grundstücke der Gebäude Wasserstraße 16/16a verliefen westwärts bis an die Stadtmauer heran. Daher waren diese ebenfalls größer als die der Mauerstraße.

Allein durch den Vergleich der Gebäudebeschreibungen der Schwedischen Stadtaufnahme können Aussagen zu den Grundstücksgrößen gemacht und auf den möglichen Verlauf der Parzellengrenzen geschlossen werden. Weitaus genauere Hinweise auf den Verlauf der Parzellen geben Zeichnungen mit dargestellten Parzellengrenzen zu dieser Zeit. Ab der Mitte des 18. Jahrhunderts können auf Grund archivarischer Aufzeichnungen die Parzellengrenzen sehr genau nachvollzogen werden.[[Abb. 12, S.22]] Zudem griff ich auf die Ergebnisse der Untersuchungen von Stefan Kroll und Gyula Pàpay, die die Grundstücksgrößen um 1706/07 beschreiben, zurück. Entsprechend der Karte »Grundstücksgröße« und der darin beschriebenen Einteilung nach Grundstücksgrößen, bestand entlang der Mauerstraße um diese Zeit eine kleinteilige Bebauung auf Parzellen von weniger als 150m².

Arbeit zitieren:
Krause, Swen August 2006: Nutzungs- und Gestaltungskonzeption für eine Lückenschließung in der Stralsunder Altstadt, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Stralsund, Bauvorhaben Stralsund, Lückenschließung, Architektur, Bauforschung

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