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Nuruddin Farahs "Sardines" als Spiegel von Entstehung postkolonialer Literatur

Nuruddin Farahs "Sardines" als Spiegel von Entstehung postkolonialer Literatur
Über dieses Buch
  • Art: Magisterarbeit
  • Autor: Stephanie Neumann
  • Abgabedatum: Mai 1996
  • Umfang: 87 Seiten
  • Dateigröße: 546,9 KB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Universität Hamburg Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-2308-7
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-2308-7 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-2308-7 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Neumann, Stephanie Mai 1996: Nuruddin Farahs "Sardines" als Spiegel von Entstehung postkolonialer Literatur, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Geschlecht, Oralität, Postkolonialismus, Somalia, Körper

Magisterarbeit von Stephanie Neumann

Einleitung:

Die Arbeit befaßt sich mit dem Roman "Sardines" (1981) des somalischen Autors Nuruddin Farah. Als zweiter Teil der Trilogie "Variations on a Theme of an African Tictatorship" zeichnet der Autor auch hier ein Bild der vielschichtigen Ursachen und Auswirkungen totalitärer Herrschaft in einer postkolonialen afrikanischen Gesellschaft. Auf diese Weise durchbricht er das Informationsmonopol des Siyad-Barre-Regimes und nutzt seine kreativen Fähigkeiten, um den Leser gegen politische und soziale Unterdrückung zu mobilisieren. Gelesen als postkolonialer Roman läßt sich anhand von "Sardines" die theoretische Konzeption von Postkolonialismus deutlich verfolgen. Die Aneignung von Sprache, schriftlicher Tradition und die damit verbundene Aneignung des Ortes stehen im Mittelpunkt des Textes und veranschaulichen auf unterschiedlichen Ebenen die Entstehung postkolonialer Literatur.

Inhaltsverzeichnis:

I. Einleitung 1
II. Sprache in der postkolonialen Gesellschaft 13
1. Die Wahl einer Sprache als schriftlichem Medium 14
2. Die sprachliche Erziehung der jungen Generation 21
3. Sprache und Macht 28
III. Aneignung von schriftlicher Tradition 35
1. Medinas Umgang mit schriftlicher Tradition 35
2. Dulman als Verkörperung der oralen Tradition 42
3. Diktatur und Oralität 50
IV. Raum in postkolonialer Literatur 58
1. Medinas Heimkehr 60
2. Der weibliche Körper als Territorium 66
V. Schlußbemerkung 73
Literaturliste 76

Automatisiert erstellter Textauszug:

Ein weiteres Indiz für Medinas außerordentliches Interesse an Oratur ist ihre Aufmerksamkeit gegenüber oralen Elementen in afrikanischer Literatur. Aus Chinua Achebes "Things Fall Apart" hat sie eine Ibo Erzählung herausgelöst und übersetzt. "[Ubax's] favourite story had been a folktale Medina adapted from Chinua Achebe's Things Fall Apart, to which she had given the interpretative title 'He'."104 In dieser Geschichte gelingt es einer Schildkröte, mit allen Vögeln einer Einladung in den Himmel zu folgen. Da die Schildkröte sich jedoch kurz vor dem Aufbruch in "All of you" umgenannt hat, beansprucht sie alle "For all of you" bereiteten Speisen. Daraufhin begeben sich die Vögel wieder auf die Erde und lassen die Schildkröte zurück. Als sie vom Himmel herunterspringt, bricht ihr Panzer.105 Samater schlägt vor, diese Geschichte entgegen Medinas Entscheidung "All of you" zu nennen. Daraufhin geraten die beiden in eine Diskussion, in der [...]

39 Auszugs aus dem Haus, das sie gemeinsam mit Samater bewohnte. Mit den Geschichten, die sie Ubax als Antwort auf deren unbequeme Fragen erzählt, schützt sie sich und ihre Tochter. "Medina stitched for Ubax out of her patches of wordy threads a canopy under which the two would tent to protect themselves from the wicked eyes of the vicious, the evil tongues of the mean and the gossipy, the envious lot."102 Um die herausragende Bedeutung der Oratur für Medinas Leben zu verdeutlichen, konstruiert der abstrakte Autor einen Vergleich zwischen Medina und Scheherazade. Mit Überlegungen zu Scheherazades Erzählmotivation beantwortet sich der Erzähler seine Frage nach Medinas Motiven, aus denen heraus sie für ihre Tochter in komplizierten Situationen Geschichten erfindet. Beide Frauen erzählen für ihr eigenes Überleben und die Rettung anderer. [...]

38 daß sich Literatur und Oratur nicht gegenseitig ausschließen. Zu Besuch bei ihrer Mutter Fatima bint Thabit, umgeben von der sehr weitläufigen Verwandtschaft, überdenkt sie angesichts deren zahlreicher Nachkommenschaft die Lebenserwartung von somalischen Kindern. Medina findet auf ihre Fragen keine passenden Antworten und entschließt sich, über dieses Thema schriftlich zu reflektieren. "She decided she would write an article on this, perhaps with the collaboration of Nasser."97 Meiner Ansicht nach ist Medinas Plan besonders interessant, da sich hier ihr Selbstverständnis als Journalistin zeigt. Sie läßt sich von Problemen ihrer Umgebung inspirieren und kann auf diesem Weg für sich selbst und Andere Zusammenhänge aufdecken. Darüber hinaus wird deutlich, daß sie an der Kooperation mit Intellektuellen interessiert, wenn nicht sogar auf einen Austausch angewiesen ist. Trotz ihrer Ausbildung als Literaturwissenschaftlerin, besitzt Medina ein sehr breit gefächertes Wissen über orale Tradition verschiedener Kulturen. Obwohl sie aufgrund ihres Berufes der schriftlichen Tradition sehr nahe steht, bedient sie sich gekonnt der Oratur als Ausdrucksmedium. Dies tritt insbesondere in ihrer Beziehung zu Ubax hervor, da ihre Erziehungsmethoden sich an orale Tradition anlehnen. "Medina had spun for her daughter a tale of cambric fineness, woven out of the threads of her colourful experience and knowledge."98 Um Ubax nach einem heftigen Streit wieder zu beruhigen, erzählt sie ihr Geschichten. "Medina was telling her daughter a personalized version of the Arabian Nights"99. Wie auch bei ihrer Arbeit als Übersetzerin wandelt sie den Inhalt der Erzählung leicht ab. Für Ubax plaziert sie das Geschehen in eine ihr bekannte Umgebung. "Medina changed the gift from bear to horse and the snow to sand"100. Orale Tradition scheint für Medina eine unentbehrliche Erfahrungswelt darzustellen. Als sie die Handlungsstrategie gegenüber Idil durchdenkt, dienen ihr Volkssagen als Vorbild. "She told herself to calm down. Then she quoted literary antecedents in Indian and Arabic folktales in which mothersin-law terrorized their son's wives and drove them senselessly mad. No, this would not happen to her."101 Darüber hinaus bietet die Oratur Medina eine Fluchtmöglichkeit vor der Gewalt des Regimes und den Folgen ihres [...]

Arbeit zitieren:
Neumann, Stephanie Mai 1996: Nuruddin Farahs "Sardines" als Spiegel von Entstehung postkolonialer Literatur, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Geschlecht, Oralität, Postkolonialismus, Somalia, Körper

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