Zwischen Neugier und Tabu: Geschlechtsspezifische Sozialisation muslimischer Mädchen in Deutschland
Eine Studie im Rahmen der Schulsozialarbeit an einer Hauptschule in Ludwigsburg
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Sarah Geist
- Abgabedatum: März 2006
- Umfang: 144 Seiten
- Dateigröße: 1,0 MB
- Note: 1,5
- Institution / Hochschule: Duale Hochschule Baden-Württemberg Deutschland
- Bibliografie: ca. 68
- ISBN (eBook): 978-3-8366-0066-8
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8366-0066-8 P - ISBN (CD) :978-3-8366-0066-8 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Geist, Sarah März 2006: Zwischen Neugier und Tabu: Geschlechtsspezifische Sozialisation muslimischer Mädchen in Deutschland, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Muslime, Islam, Migration, Zwangsehe, Sozialisation
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Diplomarbeit von Sarah Geist
Einleitung:
2,6 Millionen aus der Türkei stammenden Menschen leben in Deutschland. Man kann nicht länger davon absehen, dass Deutschland ein Einwanderungsland ist und in Zukunft noch stärker multikulturell sein wird. Trotz dieser Tatsache findet die Problematik der Lebenssituation muslimischer Mädchen in der deutschen Öffentlichkeit nur ein geringes Interesse. Geringe Kenntnisse sind Grund für Vorurteile und Stereotype.
In der Literatur ist hauptsächlich von muslimischen Frauen die Rede, die unselbstständig, unterdrückt und psychisch sehr stark belastet sind. Auch in den Medien dominiert, gerade in Bezug auf Frauen mit Kopftuch, ein rückständiges Frauenbild.
Doch welche Rolle spielt für die muslimischen Mädchen Gleichberechtigung und Selbständigkeit? Wie verläuft die geschlechtsspezifische Sozialisation muslimischer Mädchen in Deutschland und welchen Einfluss üben deutsche Einrichtungen, wie die Schule, auf diese Mädchen aus?
Diese und weitere Fragestellungen werden in theoretischen sowie empirischen Erhebungen dieser Arbeit aufgegriffen.
Die Motivation für dieses Thema ergab sich dadurch, dass ich im Rahmen der Mädchenarbeit in der Schulsozialarbeit immer wieder auf Themen wie die unterschiedliche Lebenswelt von muslimischen und deutschen Mädchen oder auch auf Unterschiede in der Erziehung muslimischer Mädchen und Jungen von den Mädchen angesprochen wurde. Diese Mädchen befinden sich in einem Spannungsverhältnis zwischen Neugierde, vor allem in Bezug auf Sexualität, Partnerschaft und mädchenspezifische Wünsche, und den Tabus der traditionellen türkischen Gesellschaft.
Gang der Untersuchung:
Um dieser Fragestellung gerecht zu werden, wurde die Arbeit in folgender Weise gegliedert: Im ersten Teil der Arbeit wird das Thema theoretisch erarbeitet und diskutiert. Dazu werden zunächst die wichtigsten Begrifflichkeiten in Bezug auf die Sozialisation zum besseren Verständnis der Arbeit erläutert, um im Folgenden die allgemeine Sozialisation sowie Sozialisationsinstanzen junger Menschen zu erörtern.
Im Anschluss wird auf die genaue Fragestellung der Arbeit eingegangen. Auch hierbei werden vorangehend an die Untersuchung für ein besseres Verständnis die zentralen Begrifflichkeiten und Grundlagen dargelegt. Darauf folgend wird die Sozialisation muslimischer Mädchen, vor allem in Hinblick auf die traditionelle Familie, tiefergehend untersucht.
Ebenfalls wird die Bedeutung der Migration im Hinblick auf Sozialisationsprozesse der gesamten Familie, sowie der Einfluss der deutschen Gesellschaft und deren Sozialisationsinstanzen im Hinblick auf muslimische Mädchen hierbei berücksichtigt, um auch den Kulturkonflikt, der ebenfalls erläutert wird besser nachvollziehen zu können.
Basierend auf den theoretischen Ausführungen und Ergebnissen der sozialwissenschaftlichen Forschung werden zum Abschluss des ersten Teils der Arbeit die gewonnenen Hypothesen vorgestellt.
Im zweiten empirischen Teil der Arbeit wird zunächst die Einrichtung, in deren Rahmen die nachfolgende Untersuchung stattfand, vorgestellt. Die Uhlandschule wird hierbei ebenso berücksichtigt, wie die Schulsozialarbeit der Schule an sich.
Daran anschließend werden die Sozialisationsbedingungen muslimischer Mädchen an dieser Schule anhand der Interviewmethode untersucht.
Abschließend werden Folgerungen für die Soziale Arbeit, sowie für die Gesellschaft im Allgemeinen, vorgestellt. Auch Konzepte und Entwicklungen für die Schulsozialarbeit in Ludwigsburg und deren Mädchenarbeit werden nochmals vertieft dargestellt.
Inhaltsverzeichnis:
| INHALTSVERZEICHNIS | I | |
| ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS | III | |
| 1. | EINLEITUNG | 1 |
| THEORIE | 3 | |
| 2. | SOZIALISATION UND SOZIALISATIONSINSTANZEN IM JUGENDALTER | 3 |
| 2.1 | BEGRIFF DER SOZIALISATION | 3 |
| 2.1.1 | Allgemeine Sozialisation | 3 |
| 2.1.1 | Geschlechtsspezifische Sozialisation | 4 |
| 2.2 | SOZIALISATIONSINSTANZEN | 5 |
| 2.2.1 | Familie | 5 |
| 2.2.2 | Schule | 6 |
| 2.2.3 | Peer-Group | 6 |
| 2.2.4 | Sozialpädagogische Institutionen: Schulsozialarbeit | 7 |
| 2.3 | LEBENSPHASE JUGEND | 9 |
| 2.3.1 | Abgrenzung Kindheit - Jugend | 9 |
| 2.3.2 | Wichtige Themen und Entwicklungen der Jugendphase | 10 |
| 3. | GESCHLECHTSSPEZIFISCHE SOZIALISATION MUSLIMISCHER MÄDCHEN | 12 |
| 3.1 | DEFINITION UND GRUNDLAGE ZUM VERSTÄNDNIS | 12 |
| 3.1.1 | Begriffsdefinition: Muslime | 12 |
| 3.1.2 | Verschiedene Familienformen der türkischen Migranten | 12 |
| 3.1.3 | Wichtigste Werte in der türkischen Familie | 13 |
| 3.2 | SOZIALISATION IN DER TRADITIONELLEN TÜRKISCHEN FAMILIE | 15 |
| 3.2.1 | Rolle des Glaubens | 16 |
| 3.2.2 | Einstellung zum Thema Sexualität | 18 |
| 3.2.3 | Freizeitverhalten muslimischer Mädchen | 19 |
| 3.2.4 | Geschlechtsspezifische Erziehung | 20 |
| 3.2.4.1 | Stellung der weiblichen Familienmitglieder | 20 |
| 3.2.4.2 | Innerfamiliäre Beziehungen | 22 |
| 3.2.4.3 | Konfliktthema Kopftuch | 22 |
| 3.2.4.4 | Die Bedeutung der Ehe | 24 |
| 3.3 | BEDEUTUNG DER MIGRATION FÜR DIE SOZIALISATION | 26 |
| 3.3.1 | Bedingungen der Migration in der BRD | 26 |
| 3.3.2 | Die erste Generation | 27 |
| 3.3.3 | Die zweite und dritte Generation | 28 |
| 3.4 | LEBEN ZWISCHEN DEN KULTUREN: SOZIALISATION IN DER DEUTSCHEN GESELLSCHAFT | 30 |
| 3.4.1 | Zur Kulturkonflikttheorie | 30 |
| 3.4.2 | Sozialisation in derdeutschen Schule | 31 |
| 3.4.3 | Sozialisation durch die deutsche Peer-Group | 33 |
| 3.4.4 | Sozialisation durch die Medien | 34 |
| 4. | HYPOTHESEN | 36 |
| EMPIRIE | 38 | |
| 5. | BESCHREIBUNG DER UHLANDSCHULE IN LUDWIGSBURG | 38 |
| 5.1 | ZIELE DER SCHULE | 39 |
| 5.2 | GRUNDSÄTZE DER SCHULE | 40 |
| 5.3 | SCHULCURRICULUM: THEMEN FÜR MUSLIMISCHE MÄDCHEN | 40 |
| 6. | BESCHREIBUNG DER SCHULSOZIALARBEIT AN DER UHLANDSCHULE | 42 |
| 6.1 | KLIENTEL DER SCHULSOZIALARBEIT AN DER UHLANDSCHULE | 42 |
| 6.2 | ZIELE DER SCHULSOZIALARBEIT | 43 |
| 6.3 | LEISTUNGSBEREICHE | 43 |
| 6.3.1 | Offene Arbeit im Schülertreff | 43 |
| 6.3.2 | Beratung und soziale Einzelhilfe | 44 |
| 6.3.3 | Gruppenarbeit: Mädchennachmittag | 45 |
| 7. | UNTERSUCHUNG | 47 |
| 7.1 | VORSTELLUNG DER UNTERSUCHUNGSGRUPPE | 47 |
| 7.2 | AUSWAHL DES UNTERSUCHUNGSINSTRUMENTS | 48 |
| 7.3 | VORBEREITUNG UND HERANGEHENSWEISEN ZUR UNTERSUCHUNG | 49 |
| 7.4 | KONSTRUKTION UND AUFBAU DES UNTERSUCHUNGSINSTRUMENTS | 51 |
| 8. | AUSWERTUNG UND INTERPRETATION | 53 |
| 8.1 | EINZELNE BIOGRAFISCHE BESONDERHEITEN | 54 |
| 8.1.1 | Feride | 54 |
| 8.1.2 | Hatice | 54 |
| 8.1.3 | Ayse | 55 |
| 8.1.4 | Semra | 56 |
| 8.1.5 | Melek | 56 |
| 8.1.6 | Özlem | 57 |
| 8.2 | SOZIALISATION IN DER FAMILIE | 58 |
| 8.2.1 | Geschlechtsspezifische Sozialisation | 58 |
| 8.2.2 | Die Tabus in der türkischen Familie | 59 |
| 8.2.3 | Aufklärung und Sexualität in türkischen Familien | 61 |
| 8.2.4 | Die Rolle des Glaubens | 62 |
| 8.2.5 | Das Kopftuch: Zwang oder freiwillig? | 63 |
| 8.3 | WEITERE WICHTIGE SOZIALISATIONSINSTANZEN FÜR MUSLIMISCHE MÄDCHEN | 65 |
| 8.3.1 | Die peer group und das Freizeitverhalten | 65 |
| 8.3.2 | Die Medien | 66 |
| 8.3.3 | Die Schule | 68 |
| 8.3.4 | Die Schulsozialarbeit und andere sozialpädagogische Einrichtungen | 69 |
| 8.4 | UNTERSCHIEDE ZWISCHEN DER DEUTSCHEN UND TÜRKISCHEN GESELLSCHAFT | 70 |
| 8.5 | ZUKUNFT | 71 |
| 8.5.1 | Berufliche Pläne | 71 |
| 8.5.2 | Soziale Lebenspläne und Erziehungsziele für die eigenen Kinder | 71 |
| 8.6 | ZUSAMMENFASSUNG | 73 |
| SCHLUSSFOLGERUNGEN | 75 | |
| 9. | FOLGERUNGEN FÜR DIE ARBEIT MIT MUSLIMISCHEN MÄDCHEN | 75 |
| 9.1 | ALLGEMEINE FOLGERUNGEN | 75 |
| 9.2 | FOLGERUNGEN FÜR DIE SCHULSOZIALARBEIT AN DER UHLANDSCHULE | 77 |
| 9.3 | THEMEN UND PROJEKTE FÜR DEN „MÄDCHENNACHMITTAG“ | 80 |
| 10. | SCHLUSSWORT | 83 |
| 11. | LITERATURVERZEICHNIS | 85 |
| 12. | ANHANG | 94 |
| 12.1 | TEILSTRUKTURIERTER INTERVIEWLEITFADEN | 94 |
| 12.2 | INTERVIEW MIT HERRN KUNZE | 96 |
| 12.3 | SCHRIFTLICHES INTERVIEW MIT FRAU DR. HAGSPIEL | 104 |
| 12.4 | INTERVIEWS MIT DEN MUSLIMISCHEN MÄDCHEN | 107 |
Inhaltsverzeichnis:
| INHALTSVERZEICHNIS | I | |
| ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS | III | |
| 1. | EINLEITUNG | 1 |
| THEORIE | 3 | |
| 2. | SOZIALISATION UND SOZIALISATIONSINSTANZEN IM JUGENDALTER | 3 |
| 2.1 | BEGRIFF DER SOZIALISATION | 3 |
| 2.1.1 | Allgemeine Sozialisation | 3 |
| 2.1.1 | Geschlechtsspezifische Sozialisation | 4 |
| 2.2 | SOZIALISATIONSINSTANZEN | 5 |
| 2.2.1 | Familie | 5 |
| 2.2.2 | Schule | 6 |
| 2.2.3 | Peer-Group | 6 |
| 2.2.4 | Sozialpädagogische Institutionen: Schulsozialarbeit | 7 |
| 2.3 | LEBENSPHASE JUGEND | 9 |
| 2.3.1 | Abgrenzung Kindheit - Jugend | 9 |
| 2.3.2 | Wichtige Themen und Entwicklungen der Jugendphase | 10 |
| 3. | GESCHLECHTSSPEZIFISCHE SOZIALISATION MUSLIMISCHER MÄDCHEN | 12 |
| 3.1 | DEFINITION UND GRUNDLAGE ZUM VERSTÄNDNIS | 12 |
| 3.1.1 | Begriffsdefinition: Muslime | 12 |
| 3.1.2 | Verschiedene Familienformen der türkischen Migranten | 12 |
| 3.1.3 | Wichtigste Werte in der türkischen Familie | 13 |
| 3.2 | SOZIALISATION IN DER TRADITIONELLEN TÜRKISCHEN FAMILIE | 15 |
| 3.2.1 | Rolle des Glaubens | 16 |
| 3.2.2 | Einstellung zum Thema Sexualität | 18 |
| 3.2.3 | Freizeitverhalten muslimischer Mädchen | 19 |
| 3.2.4 | Geschlechtsspezifische Erziehung | 20 |
| 3.2.4.1 | Stellung der weiblichen Familienmitglieder | 20 |
| 3.2.4.2 | Innerfamiliäre Beziehungen | 22 |
| 3.2.4.3 | Konfliktthema Kopftuch | 22 |
| 3.2.4.4 | Die Bedeutung der Ehe | 24 |
| 3.3 | BEDEUTUNG DER MIGRATION FÜR DIE SOZIALISATION | 26 |
| 3.3.1 | Bedingungen der Migration in der BRD | 26 |
| 3.3.2 | Die erste Generation | 27 |
| 3.3.3 | Die zweite und dritte Generation | 28 |
| 3.4 | LEBEN ZWISCHEN DEN KULTUREN: SOZIALISATION IN DER DEUTSCHEN GESELLSCHAFT | 30 |
| 3.4.1 | Zur Kulturkonflikttheorie | 30 |
| 3.4.2 | Sozialisation in derdeutschen Schule | 31 |
| 3.4.3 | Sozialisation durch die deutsche Peer-Group | 33 |
| 3.4.4 | Sozialisation durch die Medien | 34 |
| 4. | HYPOTHESEN | 36 |
| EMPIRIE | 38 | |
| 5. | BESCHREIBUNG DER UHLANDSCHULE IN LUDWIGSBURG | 38 |
| 5.1 | ZIELE DER SCHULE | 39 |
| 5.2 | GRUNDSÄTZE DER SCHULE | 40 |
| 5.3 | SCHULCURRICULUM: THEMEN FÜR MUSLIMISCHE MÄDCHEN | 40 |
| 6. | BESCHREIBUNG DER SCHULSOZIALARBEIT AN DER UHLANDSCHULE | 42 |
| 6.1 | KLIENTEL DER SCHULSOZIALARBEIT AN DER UHLANDSCHULE | 42 |
| 6.2 | ZIELE DER SCHULSOZIALARBEIT | 43 |
| 6.3 | LEISTUNGSBEREICHE | 43 |
| 6.3.1 | Offene Arbeit im Schülertreff | 43 |
| 6.3.2 | Beratung und soziale Einzelhilfe | 44 |
| 6.3.3 | Gruppenarbeit: Mädchennachmittag | 45 |
| 7. | UNTERSUCHUNG | 47 |
| 7.1 | VORSTELLUNG DER UNTERSUCHUNGSGRUPPE | 47 |
| 7.2 | AUSWAHL DES UNTERSUCHUNGSINSTRUMENTS | 48 |
| 7.3 | VORBEREITUNG UND HERANGEHENSWEISEN ZUR UNTERSUCHUNG | 49 |
| 7.4 | KONSTRUKTION UND AUFBAU DES UNTERSUCHUNGSINSTRUMENTS | 51 |
| 8. | AUSWERTUNG UND INTERPRETATION | 53 |
| 8.1 | EINZELNE BIOGRAFISCHE BESONDERHEITEN | 54 |
| 8.1.1 | Feride | 54 |
| 8.1.2 | Hatice | 54 |
| 8.1.3 | Ayse | 55 |
| 8.1.4 | Semra | 56 |
| 8.1.5 | Melek | 56 |
| 8.1.6 | Özlem | 57 |
| 8.2 | SOZIALISATION IN DER FAMILIE | 58 |
| 8.2.1 | Geschlechtsspezifische Sozialisation | 58 |
| 8.2.2 | Die Tabus in der türkischen Familie | 59 |
| 8.2.3 | Aufklärung und Sexualität in türkischen Familien | 61 |
| 8.2.4 | Die Rolle des Glaubens | 62 |
| 8.2.5 | Das Kopftuch: Zwang oder freiwillig? | 63 |
| 8.3 | WEITERE WICHTIGE SOZIALISATIONSINSTANZEN FÜR MUSLIMISCHE MÄDCHEN | 65 |
| 8.3.1 | Die peer group und das Freizeitverhalten | 65 |
| 8.3.2 | Die Medien | 66 |
| 8.3.3 | Die Schule | 68 |
| 8.3.4 | Die Schulsozialarbeit und andere sozialpädagogische Einrichtungen | 69 |
| 8.4 | UNTERSCHIEDE ZWISCHEN DER DEUTSCHEN UND TÜRKISCHEN GESELLSCHAFT | 70 |
| 8.5 | ZUKUNFT | 71 |
| 8.5.1 | Berufliche Pläne | 71 |
| 8.5.2 | Soziale Lebenspläne und Erziehungsziele für die eigenen Kinder | 71 |
| 8.6 | ZUSAMMENFASSUNG | 73 |
| SCHLUSSFOLGERUNGEN | 75 | |
| 9. | FOLGERUNGEN FÜR DIE ARBEIT MIT MUSLIMISCHEN MÄDCHEN | 75 |
| 9.1 | ALLGEMEINE FOLGERUNGEN | 75 |
| 9.2 | FOLGERUNGEN FÜR DIE SCHULSOZIALARBEIT AN DER UHLANDSCHULE | 77 |
| 9.3 | THEMEN UND PROJEKTE FÜR DEN „MÄDCHENNACHMITTAG“ | 80 |
| 10. | SCHLUSSWORT | 83 |
| 11. | LITERATURVERZEICHNIS | 85 |
| 12. | ANHANG | 94 |
| 12.1 | TEILSTRUKTURIERTER INTERVIEWLEITFADEN | 94 |
| 12.2 | INTERVIEW MIT HERRN KUNZE | 96 |
| 12.3 | SCHRIFTLICHES INTERVIEW MIT FRAU DR. HAGSPIEL | 104 |
| 12.4 | INTERVIEWS MIT DEN MUSLIMISCHEN MÄDCHEN | 107 |
Textprobe:
Kapitel 3.3, Bedeutung der Migration für die Sozialisation: Migration als Überbegriff bezeichnet die Wanderung von Einzelpersonen oder Gruppen über die Landesgrenze hinweg. Türkischen Migranten sind in der Regel Arbeitsmigranten, das heißt sie haben freiwillig ihre Heimat verlassen, um in einem anderen Land bessere Beschäftigungs- und Verdienstmöglichkeiten zu erhalten. Zu den Migranten zählen nicht nur die Arbeiter selbst, sondern auch ihre Frauen und Kinder, die sie mit in die neue Heimat bringen.
Am 31.10.1962 wurde das „Abkommen zur Anwerbung türkischer Arbeitskräfte für den deutschen Arbeitsmarkt zwischen der Türkei und der Bundesrepublik Deutschland“ ausgehandelt. Die türkischen Gastarbeiter kamen als billige Arbeitskräfte nach Deutschland, niemand ging jedoch davon aus, dass diese länger bleiben würden; auch die Migranten selbst nicht. Daher galt es damals lediglich eine „Integration auf Zeit“ durchzuführen. Erst in den achtziger Jahren machte man sich in der Politik Gedanken über einen längerfristigen Verleib der Migranten und versuchte Modelle zu entwickeln, um die Integration der Ausländer zu erleichtern.
Im Januar 2000 schließlich trat das vom Gesetzgeber verabschiedete neue Staatsbürgerrecht in Kraft. Kinder, die in Deutschland geboren werden und deren Eltern mindestens seit acht Jahren in Deutschland leben, erhalten nun automatisch die deutsche Staatsbürgerschaft. Wenn sie zusätzlich die Staatsbürgerschaft der Eltern erwerben, müssen sie sich bis zu ihrem 23. Lebensjahr für eine von beiden Staatsbürgerschaften entscheiden. Auch für Erwachsene wurden die Einbürgerungsbedingungen wesentlich erleichtert. So ist nun eine Einbürgerung bereits nach acht Jahren möglich. Hierzu wird allerdings ein zusätzlicher Sprachtest verlangt.
In Baden-Württemberg gibt es seit Anfang 2006 zusätzlich noch einen weiteren Einbürgerungstest, nämlich einen Fragebogen, der Themen behandelt, wie zum Beispiel die Einstellung zur Gleichberechtigung der Frau, zur Religionsfreiheit und zur Homosexualität. Dieser Test ist allerdings sehr umstritten. Viele verstehen darunter einen Muslimtest, wobei dieser für alle Ausländer gelten sollte. Es sei ein Gesinnungstest, der gegen den Gleichheitsgrundsatz der Verfassung spreche, hieß es von Seiten der SPD.
Der Fragebogen, der von Heribert Rech (CDU) vielmehr als Gesprächsleitfaden gesehen wird, soll in Erfahrung bringen, ob der Einbürgerungswillige auch eine innere Übereinstimmung mit der Verfassung der Bundesrepublik Deutschland hat.
Es ist allerdings fraglich, ob man auf diese Weise die wahrheitsgemäße Einstellung mancher muslimischer Migranten erfragen kann. Insgesamt sind bis zum Ende des Jahres 2004 665.000 Türkinnen und Türken in Deutschland eingebürgert worden. Das bedeutet, dass mehr als ein Viertel der gesamten türkischstämmigen Bevölkerung eingebürgert ist. Auch die Kinder, die in Deutschland geboren werden und somit die deutsche Staatsbürgerschaft automatisch erhalten, müssen dazu addiert werden. Seit der Gesetzesänderung im Jahr 2000 waren dies rund 175.000 Kinder. Angesichts dieser Zahlen lässt sich nun die Behauptung aufstellen, dass die Mehrheit der Türken eine Zukunft in Deutschland anstrebt.
Die erste Generation besteht aus Arbeitsmigranten der 60iger Jahre und macht zurzeit etwa ein Viertel der türkischen Bevölkerung in der BRD aus. Diese Migranten erreichen nun allmählich das Rentenalter, sind aber in ihrem Herkunftsland aufgewachsen und haben dort wesentliche Teile ihres gesamten Sozialisationsprozesses erfahren. Diese Türken fühlen sich deshalb sehr stark mit der Heimat verbunden und orientieren sich auch an den Familienangehörigen in der Heimat. Das wichtigste für sie ist die Bewahrung der Herkunftskultur.
Auch der Gedanke an eine Rückkehr in die Heimat ist bei den Älteren deutlich ausgeprägter als in der zweiten und dritten Generation. Allerdings sind nur wenige von ihnen tatsächlich wieder zurück in die Türkei gegangen. Deutschland wurde ursprünglich nur als vorübergehender Aufenthaltsort gesehen. Hier wollten sie genügend Geld verdienen, um sich in der Heimat eine besseres Leben leisten zu können. Daher sahen sie es auch nicht für notwendig an, die deutsche Sprache zu lernen oder Freundschaften und Kontakte zu Deutschen zu pflegen. Die deutsche Kultur ist ihnen bis heute fremd.
Auch die Wohnsituation und das Lebensumfeld unterscheiden sich von dem der deutschen Bevölkerung. Da die türkischen Gastarbeiter in Fabriken in der Stadt arbeiteten, wohnten sie auch meistens in der Stadt. Etwa 80 Prozent der türkischen Bevölkerung lebt in Städten, die mehr als 100.000 Einwohner haben.
Die Größe der Haushalte der türkischen Migranten und der deutschen Bevölkerung unterscheidet sich ebenfalls, da die Zahl der Haushalte mit vier oder mehr Personen bei den türkischen Einwanderern deutlich höher liegt. Allerdings leben sie deshalb oft sehr beengt. 36 % der türkischen Haushalte mit fünf und mehr Personen lebt in Zwei- und Drei-Zimmer Wohnungen. Die Qualität der Wohnungen liegt deutlich unter der von deutschen Bürgern. Bedingt durch diese Umstände entwickelten sich seit Beginn der Migrantenbewegung Wohnviertel, in denen hauptsächlich Ausländer wohnen.
Doch der Trend geht auch bei Türken offensichtlich zu immer kleineren Haushalten und auch die Aussicht auf ein längeres Leben in Deutschland bewegt immer mehr türkische Familien zum Sparen auf ein Eigenheim. Diese Trends sind aber vor allem bei der zweiten und dritten Generation zu beobachten, auf welche nun im Folgenden näher eingegangen wird.
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Arbeit zitieren:
Geist, Sarah März 2006: Zwischen Neugier und Tabu: Geschlechtsspezifische Sozialisation muslimischer Mädchen in Deutschland, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Muslime, Islam, Migration, Zwangsehe, Sozialisation



