Neuere Ansätze in der nicht-kooperativen Koalitionstheorie am Beispiel der Bildung globaler Umweltabkommen
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Michael Dobmeier
- Abgabedatum: Mai 2002
- Umfang: 66 Seiten
- Dateigröße: 473,9 KB
- Note: 2,0
- Institution / Hochschule: FernUniversität in Hagen Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-5661-0
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-5661-0 P - ISBN (CD) :978-3-8324-5661-0 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Dobmeier, Michael Mai 2002: Neuere Ansätze in der nicht-kooperativen Koalitionstheorie am Beispiel der Bildung globaler Umweltabkommen, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Spieltheorie, Externalität, Freifahrer, Kooperation, Nash
In den Warenkorb
48,00 €
Diplomarbeit von Michael Dobmeier
Einleitung:
Die Umwelt ist ein öffentliches Gut. Umweltressourcen wie Luft und Wasser stehen jedem zur Verfügung und niemand kann von ihrem Ge- bzw. Verbrauch ausgeschlossen werden. Neben der „nonexcludability“ gilt bei deren Nutzung auch das Prinzip der Nichtrivalität. Weil es einen freien Zugang zu diesen Ressourcen gibt, geht jeder auf unterschiedliche Art und Weise mit ihnen um. Die Folgen des jeweiligen Verhaltens treffen dabei nicht immer ausschließlich den Verursacher. So haben Entscheidungen bzgl. dem Einsatz von Ressourcen oder einem bestimmten Handeln oder Unterlassen seitens souveräner Staaten Auswirkungen auf Nachbarstaaten oder gar weltweite Folgewirkungen und erzeugen somit externe Effekte: Was auf nationaler Ebene als die beste Handlungsempfehlung für ein Land angesehen wird, entpuppt sich auf internationaler Ebene durch entstehende Wechselwirkungen nur noch als suboptimale Lösung.
Die Zusammenarbeit zwischen Staaten soll dazu beitragen, Externalitäten zu internalisieren. International Environmental Agreements (IEAs) stellen ein Instrument dar, solch eine Internalisierung herbeizuführen: „The IEA allows domestic decision makers to coordinate their resource management decisions across national boundaries”. Dieser Koordinationsfunktion von Umweltabkommen stehen entscheidende Hürden entgegen: Warum sollten souveräne Staaten Rücksicht auf andere Länder nehmen? Warum sollten sie sich mit anderen Ländern zusammenschließen und ihre Handlungen mit anderen Ländern im Rahmen eines IEA koordinieren, wenn doch die eigenständige Problemlösung innerhalb des eigenen Landes zu einem befriedigenden Ergebnis führt? Schließlich wirkt ein IEA durch die darin eingegangenen Verpflichtungen unmittelbar auf den Handlungsspielraum eines Staates zurück: Die im IEA vereinbarten Ziele müssen innerhalb jedes teilnehmenden Landes durch entsprechende Maßnahmen umgesetzt werden.
Um internationale Problemstellungen lösen zu können, müssen souveräne Staaten demnach freiwillig miteinander kooperieren, die gemeinsamen Maßnahmen im Konsens verabschieden und selbst für deren Umsetzung sorgen. Die Formen solch einer Zusammenarbeit können vielfältig sein, jedoch bilden bi- oder multilaterale Abkommen zwischen den Ländern meistens die formale Grundlage einer Kooperation. Die zentrale Frage dabei ist: Welche Koalitionen werden eingegangen? Die Koalitionstheorie versucht, mit Hilfe der Spieltheorie die sich in Abhängigkeit von den jeweils zugrunde gelegten Spielregeln und Gleichgewichtskonzepten ergebenden Koalitionsstrukturen zu definieren.
Gang der Untersuchung:
Im Folgenden werden zunächst einige spieltheoretische Grundlagen dargelegt (Kapitel 2), um danach auf verschiedene konventionelle Koalitionskonzepte einzugehen (Kapitel 3). Daran schließt sich die Erörterung neuerer Ansätze in der Koalitionstheorie sowie einiger Koalitionsspiele an (Kapitel 4). Hierauf gehe ich auf das Global Emission Game als einen Modellrahmen ein, der eine einheitliche Grundlage für die Bestimmung gleichgewichtiger Koalitionsstrukturen bietet (Kapitel 5).
In Kapitel 6 werde ich die Ergebnisse der Anwendung des Global Emission Games auf die verschiedenen neueren Koalitionsansätze interpretieren, wobei der Auswirkung zuvor definierter „Spielregeln“ auf die potentiellen Koalitionsstrukturen eine besondere Bedeutung zukommt: Erstens die Möglichkeit, statt eines einzelnen Abkommens auch mehrere Abkommen zu etablieren. Zweitens die Rolle der Zutrittsmöglichkeiten zu einem Abkommen (offene oder exklusive Mitgliedschaft). Drittens die Mitwirkungsrechte der Koalitionäre hinsichtlich dem Grad der notwendigen Zustimmungspflicht bei Aufnahme neuer Mitglieder. Dem schließt sich in Kapitel 7 eine kritische Betrachtung der untersuchten Koalitionsmodelle sowie ihrer Annahmen und Ergebnisse an. In Kapitel 8 werden einige praktische Anwendungen realer Abkommen vorgestellt und erörtert, um schließlich im neunten und letzten Kapitel ein Fazit der Anwendbarkeit der Koalitionstheorie für die Praxis zu ziehen.
Inhaltsverzeichnis:
| Inhaltsverzeichnis | I | |
| Abkürzungsverzeichnis | III | |
| Abbildungsverzeichnis | V | |
| 1. | Einleitung | 1 |
| 2. | Klassifizierung der spieltheoretischen Basis | 2 |
| 2.1 | Kooperative versus nicht-kooperative Spielsituation | 3 |
| 2.2 | Dynamische Spielmodelle contra reduzierte Spielstufenmodelle | 4 |
| 2.3 | Die Bedeutung von externen Effekten | 6 |
| 2.3.1 | Negative Externalitäten | 6 |
| 2.3.2 | Positive Externalitäten | 7 |
| 2.4 | Die Arten des Freifahrerverhaltens | 8 |
| 3. | Konventionelle Konzepte im Rahmen der reduzierten Spielstufenmodelle | 10 |
| 3.1 | Konzept des Kerns | 10 |
| 3.2 | Konzept der internen & externen Stabilität | 11 |
| 3.3 | Vergleich und Kritik der beiden konventionellen Konzepte | 11 |
| 4. | Neuere Ansätze in der Koalitionstheorie | 13 |
| 4.1 | Gleichgewichtskonzepte | 13 |
| 4.1.1 | Nash Gleichgewicht (NE) | 14 |
| 4.1.2 | Strenges Nash Gleichgewicht (SNE) | 15 |
| 4.1.3 | Koalitionsgeprüftes Nash Gleichgewicht (CPNE) | 15 |
| 4.2 | Spielregeln als Grundlage von Koalitionsspielen | 16 |
| 4.2.1 | Anzahl der möglichen Abkommen | 16 |
| 4.2.2 | Modalitäten für den Beitritt zu einem Abkommen | 17 |
| 4.2.3 | Mitwirkungsrechte anderer Koalitionäre | 17 |
| 4.3 | Koalitionsspiele | 18 |
| 4.3.1 | Open Membership Single Coalition Game (OM-SCG) | 18 |
| 4.3.2 | Open Membership Multiple Coalition Game (OM-MCG) | 19 |
| 4.3.3 | Exclusive Membership-D Multiple Coalition Game (EMD-MCG) | 20 |
| 4.3.4 | Exclusive Membership-G Multiple Coalition Game (EMG-MCG) | 21 |
| 5. | Darstellung einer einheitlichen Beurteilungsgrundlage zur Ermittlung gleichgewichtiger Koalitionsstrukturen | 22 |
| 5.1 | Allgemeine Definitionen und Annahmen | 23 |
| 5.2 | Die allgemeine Auszahlungsfunktion | 24 |
| 5.3 | Die Rolle der Emissionen | 25 |
| 5.4 | Die Eigenschaften des Global Emission Games | 26 |
| 5.5 | Generelle Eigenschaften zur Charakterisierung von Koalitionsstrukturen | 27 |
| 6. | Interpretation der Ergebnisse bei Anwendung des Global Emission Games | 28 |
| 6.1 | Gleichgewichtige Koalitionsstrukturen | 28 |
| 6.2 | Einfluss von Spielregeln auf die Bildung von Koalitionen | 32 |
| 6.2.1 | Einzelnes gegenüber mehreren Abkommen | 32 |
| 6.2.2 | Offene versus exklusive Mitgliedschaft | 32 |
| 6.2.3 | Grad der notwendigen Zustimmungspflicht | 33 |
| 6.2.4 | Konzeptbezogene Schlussfolgerungen | 34 |
| 7. | Diskurs der vorgestellten Theorien und Modelle | 34 |
| 7.1 | Kritische Würdigung der Annahmen | 34 |
| 7.2 | Evaluierung des Global Emission Games und der neueren Koalitionsansätze | 39 |
| 8. | Praktische Anwendungen | 43 |
| 8.1 | Politische Abkommen und Verträge | 43 |
| 8.2 | Internationale Umweltabkommen | 46 |
| 9. | Fazit | 49 |
| Literaturverzeichnis | 51 | |
| Erklärung | 55 | |
| Anhang | ||
| 1. | Politische Abkommen und Verträge | 56 |
| 2. | Internationale Umweltabkommen | 58 |
aufgrund von globalen Emissionen ein, wobei π einen streng konkaven Kurvenverlauf aufweist (Finus/Rundshagen 2001): N πi = β (ei) - φ ( Σ ej ) j=1 Dabei gilt: πi ist die Auszahlungsfunktion bzw. Wohlfahrt des Landes i, β(ei) ist der Nutzen aus der eigenen Emission, φ(Σej) ist der Schaden, hervorgerufen durch globale, aggregierte Emissionen, N ist Anzahl der Länder. Somit hängt der Funktionsverlauf ausschließlich von Emissionen ab. Finus/Rundshagen (2001) weisen nach, dass in der zweiten Spielstufe ein einzigartiges Nash Gleichgewicht existiert (siehe Gliederungspunkt 4.1.1). Aufgrund dieser Tatsache können die beiden Spielstufen zu einer einzigen reduziert werden (Yi 1997). Bevor einige Eigenschaften des globalen Emissionsspiels angeführt werden, von denen Finus (2001a) und Yi (1997) sagen, es sei die Charakterisierung der per-member partition function für positive Externalitätenspiele, muss noch auf den Zusammenhang zwischen Koalitionen und Emissionen hingewiesen werden. [...]
Koalitionsanzahl und -größe abhängt, jedoch nicht davon, welche Länder zu welchen Koalitionen gehören. Da die Entscheidungen der Spieler in der zweiten Stufe exogen vorgegeben und somit bereits zum Zeitpunkt der ersten Spielstufe bekannt sind sowie die Auszahlungen ebenfalls erst am Ende der zweiten Stufe erzielt werden, kann man durch backwards induction die beiden Spielstufen zu einer einzigen reduzieren (Finus 2001a). Somit stellt eine sogenannte per-membership partition function für ein Land alle entscheidungsrelevanten Informationen hinsichtlich einer möglichen Koalition zur Verfügung. Finus/Rundshagen (2001) wählen eine Gleichgewichtsbewertung, bei der ihnen die länderindividuellen Auszahlungen, die zu der sich jeweils ergebenden Koalitionsstruktur gehören, als Grundlage dienen. Dabei trachten die Länder danach, ihre Auszahlung unter den gegebenen Rahmenbedingungen, wie z.B. die Koalition, der sie in einer bestimmten Koalitionsstruktur angehören oder die Verteilungsregeln für den Koalitionsgewinn, zu maximieren. Ebenso wie Bloch (1997) und Yi (1997) verwenden auch Finus/Rundshagen (2001) die Konzepte der Vergröberung bzw. der Konzentration, um verschieden Koalitionsstrukturen miteinander vergleichen zu können. Man spricht dann von einer Vergröberung (coarsening) der Koalitionsstruktur, wenn man verschiedene Koalitionen zu einer größeren Koalition zusammenfassen oder fusionieren kann. Dabei gehen bisherige Koalitionen in einer größeren Koalition auf. Bei einer Konzentration hingegen wird zu einem Zeitpunkt immer nur ein Koalitionsmitglied in eine andere Koalition gleichen oder größeren Umfangs eingebunden. Dabei können Koalitionen auch verschwinden, müssen aber nicht. Generell gilt, dass jede Vergröberung gleichzeitig auch eine Konzentration ist. Das Gegenteil trifft nicht zu (Yi 1997). [...]
Als einheitlichen Rahmen zur Beurteilung gleichgewichtiger Koalitionsstrukturen wählen Finus und Rundshagen ein reduziertes Spielstufenmodell, bestehend aus zwei Stufen: Während in der ersten Stufe eine Entscheidung bezüglich einer Koalitionsmitgliedschaft fällt (coalition game), findet in der zweiten Stufe ein nichtkooperatives Spiel statt, bei dem in Abhängigkeit von der in der ersten Stufe definierten Koalitionsstruktur das jeweilige Emissionsniveau festgelegt wird (emission game). Dabei wird innerhalb einer Koalition kooperativ auf die Maximierung der Koalitionswohlfahrt hingearbeitet, während man gegen andere, nicht der Koalition angehörende Koalitionen bzw. Länder eine nicht-kooperative Nash-Strategie betreibt und gleichsam wie ein einziger Spieler auftritt (Carraro 2000). Außerdem wird angenommen, dass die Länder ex-ante symmetrisch sind, der Koalitionsgewinn unter den Koalitionsmitgliedern gleichmäßig verteilt wird und deshalb keine Transfers vorgenommen werden müssen (Finus/Rundshagen 2001, Yi 1997). Während die kooperative Spieltheorie die charakteristische Funktion verwendet, um die Koalitionsbildung zu bewerten, bedient sich die nicht-kooperative Spieltheorie „ ... games in partition function form where the worth of a coalition depends on the entire coalition structure“. (Bloch (1997), S. 312). Mit solch einer partition function wird dem individuellen Anreiz der Spieler in einer Koalitionsstruktur Rechnung getragen und es können demnach Externalitäten gegenüber anderen Koalitionen berücksichtigt werden (Finus 2001a). Yi (1997) weist darauf hin, dass die erreichbare Auszahlung für eine Koalition, unter der Annahme ex-ante symmetrischer Länder, lediglich von der [...]
In den Warenkorb
48,00 €
Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783832456610
Arbeit zitieren:
Dobmeier, Michael Mai 2002: Neuere Ansätze in der nicht-kooperativen Koalitionstheorie am Beispiel der Bildung globaler Umweltabkommen, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Spieltheorie, Externalität, Freifahrer, Kooperation, Nash



