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Neokonservative Bürgergesellschaft und Zivilgesellschaftlicher Republikanismus

Neokonservative Bürgergesellschaft und Zivilgesellschaftlicher Republikanismus
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Erich Gamsjäger
  • Abgabedatum: Februar 2003
  • Umfang: 166 Seiten
  • Dateigröße: 715,9 KB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Paris-Lodron-Universität Salzburg Österreich
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-7922-0
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-7922-0 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-7922-0 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Gamsjäger, Erich Februar 2003: Neokonservative Bürgergesellschaft und Zivilgesellschaftlicher Republikanismus, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: (Neo)Konservatismus, Zivilgesellschaft, Demokratietheorie, Staat, Libertär

Diplomarbeit von Erich Gamsjäger

Problemstellung:

Die zentrale Fragestellung der Diplomarbeit lautet: „Welche Ergebnisse bringt die Anwendung der „Theorie des Zivilgesellschaftlichen Republikanismus“ auf die neokonservativen Gesellschaftsentwürfe?“. Zur Beantwortung dieser Frage soll konkret nach Maßgabe zentraler zivilgesellschaftlich-republikanischer Kategorien und Inhalte versucht werden, bürgergesellschaftliche Problemfelder zu identifizieren, anschließend kritisch zu diskutieren und abschließend einem interpretativen Urteil zu unterziehen.

Gang der Untersuchung:

Es wird theoretische Forschung betrieben, weil das Untersuchungsobjekt (= die Bürgergesellschaftsentwürfe) nicht Teil der empirischen Wirklichkeit ist. Die Datenerhebung aus den Literaturquellen zur Bürgergesellschaft versucht dabei explizite, implizite (Annahmen, Prämissen) sowie absente (ungenannte aber funktionsnotwendige) Elemente festzustellen. Auf hermeneutischer Ebene wird anschließend transzendente Kritik am Untersuchungsobjekt durch das Analyseinstrument (= der Zivilgesellschaftliche Republikanismus) im Sinne der Beantwortung der zentralen Fragestellung geübt.

Zusammenfassung:

Im ersten Kapitel des Hauptteils wird versucht einen Begriff des (Neo)Konservatismus zu erarbeiten, der sich instrumentell anwenden lässt. Dazu werden 16 Elemente in der Bedeutung von Sinnangeboten in die fünf Gruppen Epistemologie, Geschichtsphilosophie, Technokratie, Organologie und Pädagogik gegliedert. Die Gruppenkonstellation folgt grob jener Logik, die Fragen nach einem Erkenntnismodus, der mit dem behaupteten Geschichtsbild und -verlauf übereinstimmt als Grundlage an den Beginn stellt und darauf das präferierte Herrschaftssystem errichtet, welches vom favorisierten Gesellschaftsbild gestützt werden soll, das durch erziehende Zurichtung der Bürger/Innen seine Verwirklichung finden soll.

Anschließend werden die Bürgergesellschaftsentwürfe von Andreas Khol, Alois Glück und Lothar Späth vorgestellt. Ihnen gemeinsam ist unter anderem in unterschiedlichem Ausmaß die Forderung nach Abbau des Sozialstaates und der Privatisierung seiner Agenden. Verbindliche Grundwerte und Tugenden sowie ein starker Staat sollen die Bürger/Innen zu bürgerschaftlichem Handeln „aktivieren“, welches je nach Entwurf misch- oder eigenfinanziert werden soll. Die Erziehung zum bürgerschaftlichen Handeln soll v.a. in der Familie und der Schule erfolgen und bürgerschaftlicher Handlungsraum ist dabei v.a. das kommunale Umfeld.

Im folgenden Kapitel werden die drei Bürgergesellschaftsentwürfe auf ihren neokonservativen Gehalt hin analysiert. Dazu wird der Nachweis erbracht, dass die im ersten Kapitel erarbeiteten Elemente des (Neo)Konservatismus allesamt in den Bürgergesellschaftsentwürfen Eingang und Verwendung finden. Es sind dies btfd. Epistemologie Nation, Religion, Intellektuellenkritik, btfd. Geschichtsphilosophie Tradition, Pragmatismus, Dialektik, „Konservative Revolution“, btfd. Technokratie Staat, Politik, Demokratieverständnis, btfd. Organologie Körper-Politik, Gesellschaftsbild, Frauenbild und btfd. Pädagogik Menschenbild, Kulturkritik und autoritäre Institutionen. Der nächste Abschnitt befasst sich mit der Erklärung des „Zivilgesellschaftlichen Republikanismus“ von Claude Lefort bzw. in Folge von Helmut Dubiel, Günter Frankenberg und Ulrich Rödel. Es werden diesbezüglich politisch-philosophische und historische Grundlagen aufgearbeitet, bevor die zentralen Kategorien der Theorie eingeführt werden. Dabei handelt es sich im wesentlichen um Zivilgesellschaft, Konflikt, öffentlich-politische Sphäre bzw. Republik sowie das Macht-Recht-Wissen – Verhältnis und als besonders bedeutsam die Menschen-rechte und politische Wahlen.

Im letzten Kapitel des Hauptteils wird der „Zivilgesellschaftliche Republikanismus“ unter Verwendung der Kategorien Gesellschaft, öffentlich-politische Sphäre, Konflikt (inkl. Menschenrechte), Macht-Recht-Wissen (inkl. Ideologie, Zivilreligion) instrumentell auf die drei neokonservativen Bürgergesellschaftsentwürfe angewandt.

Inhaltsverzeichnis:

VORWORT 1
1. EINLEITUNG 2
1.1 Relevanz 2
1.2 Thema 4
1.3 Methoden 8
1.4 Literatur 10
2. (NEO)KONSERVATISMUS 15
2.1 Entwicklung 16
2.2 Definition 19
2.2.1 Begriff 19
2.2.2 Elemente 21
2.2.2.1 Epistemologie 21
2.2.2.2 Geschichtsphilosophie 23
2.2.2.3 Technokratie 26
2.2.2.4 Organologie 29
2.2.2.5 Pädagogik 31
3. BÜRGERGESELLSCHAFTSENTWÜRFE 35
3.1 Andreas Khol 35
3.2 Alois Glück 39
3.3 Lothar Späth 45
4. NEOKONSERVATIVER GEHALT DER BÜRGERGESELLSCHAFTSENTWÜRFE 50
4.1 Andreas Khol 50
4.1.1 Epistemologie 50
4.1.2 Geschichtsphilosophie 52
4.1.3 Technokratie 54
4.1.4 Organologie 56
4.1.5 Pädagogik 58
4.2 Alois Glück 60
4.2.1 Epistemologie 60
4.2.2 Geschichtsphilosophie 63
4.2.3 Technokratie 66
4.2.4 Organologie 70
4.2.5 Pädagogik 73
4.3 Lothar Späth 76
4.3.1 Epistemologie 76
4.3.2 Geschichtsphilosophie 79
4.3.3 Technokratie 82
4.3.4 Organologie 86
4.3.5 Pädagogik 89
5. ZIVILGESELLSCHAFTLICHER REPUBLIKANISMUS 92
5.1 Claude Leforts Politische Philosophie 93
5.1.1 Grundlagen und Entwicklung 93
5.1.1.1 Biographie und Kontext 93
5.1.1.2 Bürokratie 95
5.1.1.3 Ideologie 97
5.1.2 Zivilgesellschaftlicher Republikanismus bei Claude Lefort 100
5.1.2.1 Politisch-Philosophische und historische Grundlagen 100
5.1.2.2 Demokratietheorie 104
5.1.2.3 Menschenrechte 108
5.1.2.4 Totalitarismus 111
5.2 Zivilgesellschaftlicher Republikanismus bei Helmut Dubiel, Günter Frankenberg und Ulrich Rödel 113
5.2.1 Historische Grundlagen 113
5.2.2 Zivilgesellschaft 113
5.2.3 Konflikt 114
5.2.4 Republik 116
5.2.5 Ziviler Ungehorsam 117
5.2.6 Begründung des sozialen Sicherungssystems 118
Exkurs 120
6. ZIVILGESELLSCHAFTLICH-REPUBLIKANISCHE IMPLIKATIONEN NEOKONSERVATIVER GESELLSCHAFTSENTWÜRFE 124
6.1 Gesellschaft 124
6.2 Öffentlich-Politische Sphäre 128
6.3 Konflikt 130
6.3.1 Menschenrechte 135
6.4 Macht – Recht – Wissen 138
6.4.1 Ideologie 140
6.4.1.1 Bürgerliche Ideologie 142
6.4.1.2 Totalitäre Ideologie 144
6.4.2 Zivilreligion 147
7. ZUSAMMENFASSUNG 150
8. LITERATURVERZEICHNIS 156

Automatisiert erstellter Textauszug:

liegende Menschenbild „entgegen linker und liberaler Schwärmereien und Utopien“ (S. 74) entwirft. Er meint unter Anwendung eines sportlichen Vergleichs weiters: „Die Regeln gehören dazu, weil sonst etwa ein Fußballspiel von Chaos und Fouls geprägt wäre“ (S. 39). Auch bei Glück führt die Absenz von Institutionen also zu Chaos, weil Regeln auf eine regelsetzende Institution verweisen, zumeist auch auf eine ihre Einhaltung kontrollierende. In der „Aktiven Bürgergesellschaft“ sind es die Institutionen des Soziallebens denen eine wichtige Bedeutung zukommt, weil das Gemeinschaftsleben in ihnen neben Wertorientierung und Tradition zur inneren Stabilität, einem Hauptziel des Gesellschaftskonzepts von Glück, beitragen soll (S. 67). Die meisten Menschen „suchen und sie brauchen die Gemeinschaft, sie suchen eine Ordnung, in der sie auch sich orientieren können, die sie schützt und die ihnen Entfaltungsmöglichkeiten gibt. Wo dies nachhaltig gestört ist, wo dieses Angebot nicht mehr besteht, kommt es rasch zu Störungen im gesellschaftlichen Gefüge und in Verhaltensweisen“ (S. 68f), denn „die orientierende und stabilisierende Wirkung überschaubarer Lebenseinheiten entfällt in den anonymen Strukturen“ (S. 62). Der konservativen Institutionenordnung entspricht bezüglich der sozialen und politischen Aufgabenverteilung das Subsidiaritätsprinzip. Bei Alois Glücks Entwurf ist es ebenfalls das diesbezügliche zentrale Gestaltungsprinzip, es ist das „Strukturprinzip der Aktiven Bürgergesellschaft“ (Kapiteltitel, S. 7) und gilt damit für alle im Buch thematisierten sozialen und politischen Bereiche. Es gilt „eine generell richtige Grundentscheidung: Vorfahrt für die kleinere Einheit im Sinne des Subsidiaritätsprinzips“ (S. 111). [...]

Wie bei Andreas Khol kann auch der Bürgergesellschaftsentwurf von Alois Glück als autoritär eingeschätzt werden, weil er innerhalb von bei genauer Lektüre engen „Rahmenbedingungen“, also gesetzlichen Normen, den Bürgerinnen und Bürgern einen bestimmten Habitus vorschreibt, der mit den Bedingungen einer pluralen Gesellschaft, die auf der Selbstbestimmung des Individuums aufbaut konkurriert. Die starke Stellung von Autoritäten, wie sie für den Konservatismus typisch ist, findet auch bei Alois Glücks Gesellschaftskonzept ihre Entsprechung, v.a. im Status der Institutionen Familie, Schule und des Staates. Die Familie ist für den Konservatismus eine der allerwichtigsten Institutionen, auch für Alois Glück, weil „in der Aktiven Bürgergesellschaft ist die Familie eine Gemeinschaftsaufgabe der ganzen Gesellschaft, aller Politikbereiche und aller staatlichen Handlungsebenen. Noch wichtiger als ein Pakt oder Bündnis für Arbeit ist ein „Bündnis für die Familie““ (S. 165f), wobei „die Ehe ... trotz hoher Scheidungsraten zu den wirksamsten bestandssichernden Faktoren der Lebensgemeinschaft Familie“ (S. 162) zählt. Die im schulischen Bildungsbereich gültigen und einzuhaltenden „Werte wie Respekt, Ordnung, Disziplin und Anstrengung“ (S. 74) und „so genannte „Arbeitstugenden“ wie Fleiß, Genauigkeit, Sauberkeit, Zuverlässigkeit, Selbständigkeit und Teamfähigkeit“ (S. 173) und die Übernahme von Verantwortung (S. 90) durch eine „Erziehung zum Engagement“ (S. 98) sind erforderlich, denn laut Glück „mangelt es an Respekt gegenüber den Lehrern (von Seiten der Schüler, Anm. EG) und zwischen Lehrerschaft und Elternschaft“ (S. 168). Für letztere ist eine stärkere Integration in die Schule vorgesehen (S. 175), was sich auch mit der konservativen Institutionenhierarchie deckt, in der die Familie über der Schule steht. Für die Schulen gehören darüber hinaus „die Förderung einer guten Gesprächskultur, das Feiern von Festen und die Pflege der Gemeinschaft ... ebenso zu den Zielen“ (S. 173). In der konservativen Weltsicht spielen Institutionen eine zentrale Rolle, auch bei Alois Glück, denn „die fortschreitende Globalisierung erfordert ... weltweit durchsetzbare Spielregeln und starke Institutionen“ (S. 215). Wo es keine Institutionen gibt treten für den Konservatismus Chaos und Entropie auf, weswegen Utopien vorweg abzuwehren sind, auch bei Glück, der zB. das seiner „Aktiven Bürgergesellschaft“ zugrunde [...]

nünftig und mangelhaft darstellt. Für viele Menschen zähle die „Fixierung auf den eigenen Nabel und den höchstmöglichen Spaß“ (S. 35), die Pflege der eigenen Individualität sei eine „unausrottbare Sehnsucht der Menschen“ (S. 129), in sozialen Organisationsformen sei eine Haltung gegenüber Pflichten wie Buchführung, Kontrolle, Rechenschaft, usw. nach dem Motto „Ach was, diese Formalien sind doch nicht so wichtig“ (S. 230) typisch. Als Ziel der „Aktiven Bürgergesellschaft“ gilt Glück neben der Stärkung der Innovationskraft die Förderung innerer Stabilität in der Gesellschaft, was u.a. durch den Wert Tradition erreicht werden soll, welcher wiederum, und das formuliert Glück explizit, durch den Konservatismus gespeist werden soll und „der zentrale Anker konservativer Weltsicht ist das Menschenbild. Entgegen linker und liberaler Schwärmereien und Utopien ist für die Konservativen der Mensch unvollkommen und nicht unbegrenzt bildbar. ... Diese Weltsicht hat Konsequenzen für die Leitvorstellungen für Erziehung und Bildung. Werte wie Respekt, Ordnung, Disziplin und Anstrengung haben darin einen Stellenwert als „Pflicht-Werte““ (S. 74) und „so genannte „Arbeitstugenden“ wie Fleiß, Genauigkeit, Sauberkeit, Zuverlässigkeit, Selbständigkeit und Teamfähigkeit sollten eine größere Wertschätzung genießen“ (S. 173). „Aufgabe verantwortungsvoller Politik ist es also, ein umfassenderes gesellschaftspolitisches Konzept und Projekt für das Gemeinwesen zu entwickeln, das alle gleichermaßen in die Pflicht nimmt. Dies darf nicht auf einem idealistischen Bild vom Menschen und auf moralischen Appellen aufbauen“ (S. 27). Das Mangelwesen Mensch muß um gesellschaftsfähig zu sein nach konservativer Vorstellung in seinen Freiheiten eingeschränkt werden. Bei Glück wird das in der „Aktiven Bürgergesellschaft“ erreicht, u.a. indem Verhaltensanforderungen gestellt werden, weil „wir unsere Fähigkeiten nur entwickeln, wenn wir gefordert werden“ (S. 37) und die Integration in sozialen Organisationen gefordert wird, die „Orientierung und Halt“ (S. 115) bieten, „auch durch Sozialkontrolle“ (S. 115). Letztlich und endgültig helfen jedoch auch solche Maßnahmen nicht, denn „der Mensch braucht die Orientierung und Rückbindung auf eine „höhere Instanz“, im christlichen Verständnis auf Gott“ (S. 53). Auch diese Forderung deckt sich mit dem konservativen Menschenbild. [...]

Arbeit zitieren:
Gamsjäger, Erich Februar 2003: Neokonservative Bürgergesellschaft und Zivilgesellschaftlicher Republikanismus, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
(Neo)Konservatismus, Zivilgesellschaft, Demokratietheorie, Staat, Libertär

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