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Nationalstaatsbildung und Demokratisierung in Kroatien

Nationalstaatsbildung und Demokratisierung in Kroatien
Über dieses Buch
  • Art: Magisterarbeit
  • Autor: Bernd Stegmann
  • Abgabedatum: Oktober 2001
  • Umfang: 129 Seiten
  • Dateigröße: 1,0 MB
  • Note: 1,1
  • Institution / Hochschule: Ludwig-Maximilians-Universität München Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-5089-2
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Stegmann, Bernd Oktober 2001: Nationalstaatsbildung und Demokratisierung in Kroatien, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Transformation, Südosteuropa

Magisterarbeit von Bernd Stegmann

Einleitung:

Fragen der Nationalstaats-Bildung beherrschten am Ende der 80er und zu Beginn der 90er Jahre in Kroatien mehr das politische Geschehen als Fragen der Demokratisierung und des wirtschaftlichen Strukturwandels. Die Politik der kroatischen Staatsführung und ihre nationalen Ideologien, die Verwicklung in den Krieg mit Serbien und in Bosnien-Herzegowina trieben Kroatien ab Mitte der 90er Jahre verstärkt in die sowohl freiwillige als auch erzwungene Isolation. Haben sich diese Prioritäten nun verschoben und ist der kroatische Nationalstaat nun soweit gefestigt, dass mit dem Wechsel der Regierung Anfang 2000 eine Annäherung an westeuropäische Demokratiestandards und nach dem Ausscheiden aus der jugoslawischen Föderation eine verstärkte Integration in und Kooperation mit inter- und supranationalen Organisationen möglich ist?

Die vorliegende Arbeit möchte auf den historischen und theoretischen Spuren von Nation(alstaat)sbildung und Demokratisierung den doppelten bzw. dreifachen Systemwandel in Kroatien untersuchen und dabei eine Antwort auf Verlauf und Stand der angestrebten Demokratisierung des kroatischen Systems geben.

Inhaltsverzeichnis:

EINLEITUNG 5
TEIL 1: BEGRIFFLICHE GRUNDLAGEN UND THEORETISCHE KONZEPTE 9
1. NATIONALSTAAT UND NATIONSVERSTÄNDNIS 9
1.1 Vormoderne Staatlichkeit 10
1.2 Nationalstaatstypen und Nationsverständnisse 11
1.2.1 Demokratisch-revolutionäre Umgestaltung von bereits bestehenden Staaten 12
1.2.2 Integrative Staatsbildung als nationaler Vereinigungsprozess von Teilstaaten 13
1.2.3 Sezessionistische Staatsbildung von Nationen in Osteuropa 14
1.2.4 Diskrepanzen bei Nationalstaatsbildungen auf dem Balkan 16
1.2.5 Exkurs: Selbstbestimmungsrecht und Minderheitenschutz 19
1.3 Staatsbildung, Nationenbildung und Demokratie 21
1.3.1 Hintergrundbedingungen für Staaten- und Nationenbildung aus modernisierungstheoretischer Sicht 21
1.3.2 Krisen und Nationalismen auf dem Weg zur Nationenbildung 22
2. DEMOKRATISIERUNGSTHEORIEN UND TRANSITIONSPROZESSE 27
2.1 Modernisierungstheorien 27
2.2 Transnationale Theorien 28
2.3 Akteursorientierte Theorien 29
2.4 Interaktive Theorien 30
2.5 Der Transitionsprozess - Entwicklung und Formen 31
2.5.1 Liberalisierung, Demokratisierung und Konsolidierung 31
2.5.2 Transformation, Replacement und Transplacement 32
2.6 Ein „integratives“ Modell 33
2.6.1 Das „Dilemma der Gleichzeitigkeit“: Demokratisierung, Nationalstaatlichkeit und wirtschaftliche Transformation 34
TEIL 2: NATIONALSTAATSBILDUNG UND DEMOKRATISIERUNG IN KROATIEN 38
1. KURZE GESCHICHTE DER KROATISCHEN NATIONS- UND STAATSBILDUNG 38
1.1 Vorgeschichte, historische Territorien und erste Anfänge eines „Ständenationalismus“ 40
1.2 Die Entfaltung der kroatischen Nationalpolitik bis 1918 44
1.2.1 Illyrismus, Jugoslawismus, Nationalismus 44
1.2.2 Die Revolution 1848/49 und der Neoabsolutismus 46
1.2.3 Parteienbildung und nationale Programme 47
1.3 Zwischenkriegszeit und Zweiter Weltkrieg - Scheitern des ersten Jugoslawischen Staates 50
1.3.1 Vorarbeit für einen neuen Staat im In- und Ausland 50
1.3.2 Vom „Staat der Slowenen, Kroaten und Serben“ zum „Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen“ - Föderalismus versus Zentralismus 51
1.3.3 Wirtschaftliche und soziale Krisenfaktoren 54
1.3.4 Parlamentarischer Pluralismus ohne Bekenntnis auf eine gemeinsame verfassungsmäßige Grundlage 55
1.3.5 Von der Königsdiktatur über die „Banschaft Kroatien“ zum „Unabhängigen Staat Kroatien“ – Zwischen Verständigung und Extremismus 57
1.3.6 Ustasa-Bewegung und Besatzungsregime 59
1.3.7 Widerstand und die Gründung des Föderativen Jugoslawiens 60
1.4 Systemmerkmale und -schwächen des Sozialistischen Bundesstaats Jugoslawien - Vom sozialistischen Vorzeigemodell bis zu seinem Zerfall 62
1.4.1 Föderalismus, Blockfreiheit und Selbstverwaltungssozialismus 63
1.4.2 Wirtschaftliche Dauerkrise und nicht fluchtende Reformen 65
1.4.3 Föderative Entscheidungsunfähigkeit und Auflösung des Staates 66
2. DIE RENAISSANCE DER NATIONALEN FRAGE 68
2.1 Liberalisierung und Renaissance der nationalen Frage in der jugoslawischen Republik 68
2.2 Pluralistische Öffnung und polarisierende Gründungswahlen 71
2.3 Der Weg in Unabhängigkeit und Krieg 75
3. DIE LANGE ZEIT DES ÜBERGANGS 79
3.1 Präsidialregime und Parteihegemonie: Kennzeichen des System Tudman 79
3.1.1 Die Politik des „drzavotvornost“ 79
3.1.2 Tudman als „Vater der Nation“ 81
3.1.3 Die HDZ als neue „Staatspartei“ 82
3.1.4 Schwache und gespaltene Opposition 83
3.1.5 Zwischen Souveränität und Isolation - eine Skizze der Außenpolitik Tudmans im Lichte seiner „Selbstbestimmungsideologie“ 85
3.1.6 Wirtschaftliche und soziale Entwicklung 90
3.1.7 Die Krise des HDZ Regimes und die Wahlen 2000 91
3.2 Neuanfang in Zagreb 95
4. RÜCK- UND AUSBLICK AUF DIE KROATISCHEN SYSTEMWANDEL 101
4.1 Rückblick auf die national-demokratische Revolution 101
4.2 Der dritte kroatische Frühling? 103
LITERATURVERZEICHNIS 107
ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS 112
ANHANG 113
A 1 Die Republik Kroatien im Jahr 2001 113
A 2 Ausdehnung des Kroatischen Königreichs 909-1102 114
A 3 Kroatien im 18. Jahrhundert 115
A 4 Territorium Jugoslawiens von 1918 115
A 5 Skizze: Übersicht über analoge Integrationsphasen der kroatischen Nation 116
A 6 Die Einteilung Jugoslawiens in Banovine 1929 und die Bildung der Banovina Kroatien 117
A 7 Zahlen zu den Entwicklungsunterschieden in den Republiken des sozialistischen Jugoslawiens 118
A 8 Karten zu Kroatien zwischen 1989 und 1999 119
A 9 Wahlergebnisse von 1990 bis 2000 120
A 9a Verteilung der Mandate im Sabor nach Koalitionen nach der Wahl 2000 121
A 9b Ergebnisse der Parlamentswahlen 2000 121
A 10 Indikatoren zur Wirtschaftsentwicklung in Kroatien (1990-2000) 122
A11 Indikatoren zur Wirtschaftsentwicklung nach dem Regierungswechsel 2000 122
A 12 Eckdaten der kroatischen Geschichte 123
Autorenprofil 125

Automatisiert erstellter Textauszug:

Transitionsprozesse in den postkommunistischen Gesellschaften sind von Liberalisierung und Demokratisierung gekennzeichnet. Transitionsperioden sind auf der einen Seite beschränkt von den Prozessen der Auflösung des totalitären Regimes und auf der anderen Seite von der Errichtung eines neuen Regimes. In diesem Zeitraum sind die politischen Spielregeln nicht genau definiert und einem konstanten Wandel unterworfen. Die verschiedenen Akteure versuchen unter Beachtung der eigenen Interessen und der ihrer Lobbies neue Regeln und Prozeduren zur Gestaltung des zukünftigen politischen Lebens zu implementieren.74 Der Prozess der Liberalisierung erweitert bereits die Rechte von Personen und Gruppen und beginnt schon im autoritären Regime, so dass eine Liberalisierung ohne Demokratisierung möglich ist. Demokratisierung beginnt dann, wenn die Bürgerrechte zur Beteiligung am politischen Leben erweitert und diesem Zweck dienende Institutionen (wie ein demokratisch gewähltes Parlament, regionale Verwaltungseinheiten oder Gewerkschaften) geschaffen werden.75 Zur Beurteilung, ob der politische Transformationsprozess abgeschlossen ist, bedarf es der Analyse des Konsolidierungsprozesses einer Demokratie. Der Konsolidierungsprozess bedeutet nach Przeworski76 die Transformation der Anordnungen, Normen und politischen Lösungen, die direkt nach dem Fall des vorigen Systems entstanden sind, in verlässliche kooperative und kompetitive Strukturen, die von den politischen Akteuren und Gruppen regelmäßig praktiziert und freiwillig akzeptiert werden. Als konsolidiert gilt das demokratische System dann, wenn seine Bürger freien und gleichen Zugang zu [...]

Zwar schon in früheren Regimetheorien angewandt, wurden interaktive Theorien vor allem durch die multiplen Transformationen der 90er Jahre stärker in Erwägung gezogen, um nicht nur die Übergangsphase, sondern den gesamten Demokratisierungsprozess erforschen zu können.70 Dessen Ausgang und Verlauf gilt nicht nur als nicht vorhersehbar, sondern auch als komplex und multi-dimensional. Zentraler Ausgangspunkt der Theorie ist eine Art zirkulärer Interaktion verschiedener politischer, ökonomischer und sozialer Hintergrundbedingungen. Zugleich wird versucht, das Zusammenspiel struktureller und konjunktureller Faktoren und den Einfluss politischer Akteure auf den Transitionsprozess einzubeziehen. Diese „confining conditions“ werden von Kirchheimer als „the particular social and intellectual conditions present at the births of these regimes“ bezeichnet. Die Umstände bei der Entstehung eines neuen Regimes haben insofern einen Einfluss auf die nachfolgenden Handlungen, weil eine entscheidende Interrelation zwischen sozio-ökonomischer Bedingtheit und dem willkürlichen Element der Entscheidung des Regimes besteht.71 Auch wenn in den 90ern eine durchgehende Debatte über die „simultanity“, „sequencing“ und „asynchrony“72 politischer und wirtschaftlicher Transformation entbrannt ist, geht man davon aus, dass die dritte Form des Wandels, nämlich der territoria69 [...]

Ebd., S. 101f. So sieht Huntinton z.B. einen Zusammenhang zwischen dem Kampf von Solidarnosc in Polen und dem Fall von Marco in den Philippinen mit einem Nachhall und positiven Einfluss auf die Situation in Chile, da die Menschen trotz weiter Entfernung über die Medien voneinander wussten. Pridham, Democratization in the Balkan countries, S. 4 Bos, Ellen, Die Rolle von Eliten und kollektiven Akteuren in Transitionsprozessen, in: Merkel, Wolfgang (Hrsg.): Systemwechsel 1. Theorien, Ansätze und Konzepte der Transitionsforschung, Opladen, 2. Auflage, 1996, S. 81-109 Wasilewski, Jacek: Elite Circulation and Consolidation of Democracy in Poland, in: Postcommunist Elites and Democracy in Eastern Europe, London, New York 1998, S. 163 [...]

Arbeit zitieren:
Stegmann, Bernd Oktober 2001: Nationalstaatsbildung und Demokratisierung in Kroatien, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Transformation, Südosteuropa

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