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Zwischen Nation und Region

Die Zeitschrift 'Gartenlaube' in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts

Zwischen Nation und Region
Über dieses Buch
  • Art: Magisterarbeit
  • Autor: Franka Zaumseil
  • Abgabedatum: Dezember 2006
  • Umfang: 102 Seiten
  • Dateigröße: 697,0 KB
  • Note: 1,3
  • Institution / Hochschule: Universität Leipzig Deutschland
  • Originaltitel: Wandel der Öffentlichkeit in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Die Zeitschrift „Gartenlaube“ im Spannungsfeld von Nation, Region und Internationalisierung
  • Bibliografie: ca. 90
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-0501-4
  • ISBN (CD) :978-3-8366-0501-4 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Zaumseil, Franka Dezember 2006: Zwischen Nation und Region, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Die Gartenlaube (Zeitschrift, Berlin), Nationenbildung, Öffentlichkeit, Sozialer Wandel

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Magisterarbeit von Franka Zaumseil

Zusammenfassung:

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der 1853 gegründeten Familienzeitschrift Die Gartenlaube. Mittels einer quantitativen Inhaltsanalyse von vier Jahrgängen (à 52 Ausgaben) im Zeitraum von fünfzig Jahren soll gezeigt werden, inwieweit bestimmte nationale, regionale und internationale Themen von den Medien des „langen 19. Jahrhunderts“, zumindest von der Gattung der unterhaltenden Presse, für die die Gartenlaube stellvertretend stehen soll, aufgegriffen, bearbeitet und an das lesende Publikum weiter- bzw. zurückgegeben wurden. Die Gartenlaube ist ein „Spiegel“ für die Verhältnisse der damaligen Zeit, sie war in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die auflagenstärkste Zeitschrift im deutschen Raum.

Die anvisierte Fragestellung dieser Arbeit lautete, wie der Wandel der Öffentlichkeit einhergehend mit dem sozialen Wandel in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts innerhalb der Gartenlaube abgebildet bzw. sich aus der Analyse der dort abgedruckten Beiträge nachvollziehen lässt. Zwar konzentrierte sich die Zeitschrift (naturgemäß) weniger auf die politischen Tagesereignisse, trotzdem kann man in „den Aufsätzen der Gartenlaube […] das Gesicht einer ganzen Nation“ auch politischer Art wieder finden. Die Gartenlaube war ein „Sprachrohr“ (Hermann Zang) des Bürgertums (wenn auch kein offizielles der liberalen Parteien) und zeigt, wie eben diese Schicht Lösungen bzw. Sinn konstruierte für ihre Handlungsaufgaben, speziell für eine Aufgabe: die Gründung einer deutschen Nation 1871. Nation und bürgerliche Gesellschaft waren im 19. Jahrhundert durch ein Spannungsverhältnis von integrativen und abgrenzenden, von vergemeinschaftenden und vergesellschaftenden Mechanismen bestimmt. Die hier durchgeführte Analyse hat gezeigt, dass die Abgrenzung nach außen (sei es durch Feind- oder Freundbilder) ein konstituierendes Element in der Repräsentation der inneren Einheit darstellte.

Um gegen Ende des 19. Jahrhunderts mit der Kälte und den Bedrohungen einer – aus Sicht der Betroffenen - äußerst schwierig gewordenen Welt fertig zu werden, musste ein Ausgleich geschaffen werden. Durch Themen wie die Darstellung des von Fortschritt angeblich unberührt gebliebenen Landlebens sowie der Familie als Ort der Sicherheit und der Stabilität wurde Harmonie erzeugt als Pendant zu einem zunehmend ins Wanken geratenen, instabilen Lebensgefühl. Fazit: Die Gartenlaube war eine bürgerliche Familienzeitschrift, anfänglich liberal mit einem ehrgeizigen auch politischen Konzept, später, nach der Reichsgründung, zunehmend unpolitisch auf Unterhaltung angelegt. Dieser Wandel der Zeitschrift, der in der Arbeit nachgezeichnet wurde, lässt sich synonym für den Wandel einer (am Ende des 19. Jahrhunderts ausdifferenzierten Teil-) Öffentlichkeit sehen, der bürgerlichen.

Inhaltsverzeichnis:

Einleitung 3
I. Forschungsstand und Methode 6
II. Theoretische Grundlagen
2.1 Öffentlichkeit und Wandel 9
2.2 Nationale Identität als sozial konstruiertes kollektives Bewusstsein 14
2.3 Regionalismus als Gegen- oder Parallelphänomen zum Nationalismus 20
2.4 Internationalisierung als Abgrenzung nach Außen 23
III. Empirische Grundlagen
3.1 „Die Gartenlaube“ als Massenmedium ihrer Zeit 26
3.2 Der soziopolitische Rahmen: Reichseinigungs- und Konsolidierungsbewegungen 29
3.3 Der ideelle Rahmen: Staatsnation vs. Kulturnation 31
IV. Die massenmediale Konstruktion von Öffentlichkeit im Prozess der Reichsgründung
4.1 Konzeption der Inhaltsanalyse 33
4.1.1 Hypothesen 36
4.1.2 Stichprobe und Operationalisierung 38
4.2 Auswertung der Ergebnisse aus der Inhaltsanalyse 42
4.2.1 Die Phase vor der Reichsgründung 1853-1871 43
Zwischen Suchen und Finden – die Kategorie „Nation“ 43
Die unbekannte Größe – die Kategorien „Region/Lokal“ 52
Im Spiegel der Anderen – die Kategorie „Internationalisierung“ 53
4.2.2 Die Phase nach der Reichsgründung 1872-1900 56
Zwischen Für und Wider – die Kategorie „Nation“ 57
Zwischen Urbanisierung und Agrarromantik – die Kategorien „Region/Lokal“ 61
Zwischen Abgrenzung und Öffnung - die Kategorie „Internationalisierung“ 68
4.3 Fazit: Die „Gartenlaube“ zwischen „deutscher Identität“ und den „Anderen“ 72
V. Zusammenfassung
Anhang 80
Literaturverzeichnis 94

Inhaltsverzeichnis:

Einleitung 3
I. Forschungsstand und Methode 6
II. Theoretische Grundlagen
2.1 Öffentlichkeit und Wandel 9
2.2 Nationale Identität als sozial konstruiertes kollektives Bewusstsein 14
2.3 Regionalismus als Gegen- oder Parallelphänomen zum Nationalismus 20
2.4 Internationalisierung als Abgrenzung nach Außen 23
III. Empirische Grundlagen
3.1 „Die Gartenlaube“ als Massenmedium ihrer Zeit 26
3.2 Der soziopolitische Rahmen: Reichseinigungs- und Konsolidierungsbewegungen 29
3.3 Der ideelle Rahmen: Staatsnation vs. Kulturnation 31
IV. Die massenmediale Konstruktion von Öffentlichkeit im Prozess der Reichsgründung
4.1 Konzeption der Inhaltsanalyse 33
4.1.1 Hypothesen 36
4.1.2 Stichprobe und Operationalisierung 38
4.2 Auswertung der Ergebnisse aus der Inhaltsanalyse 42
4.2.1 Die Phase vor der Reichsgründung 1853-1871 43
Zwischen Suchen und Finden – die Kategorie „Nation“ 43
Die unbekannte Größe – die Kategorien „Region/Lokal“ 52
Im Spiegel der Anderen – die Kategorie „Internationalisierung“ 53
4.2.2 Die Phase nach der Reichsgründung 1872-1900 56
Zwischen Für und Wider – die Kategorie „Nation“ 57
Zwischen Urbanisierung und Agrarromantik – die Kategorien „Region/Lokal“ 61
Zwischen Abgrenzung und Öffnung - die Kategorie „Internationalisierung“ 68
4.3 Fazit: Die „Gartenlaube“ zwischen „deutscher Identität“ und den „Anderen“ 72
V. Zusammenfassung
Anhang 80
Literaturverzeichnis 94

Textprobe:

Kapitel 4.1.1, Hypothesen:

Mit der Reichseinigung 1871 entstand eine deutsche Nation im politischen und rechtlichen Sinne. Die Zusammenfassung der Bundesstaaten brachte aber nicht nur administrative Änderungen mit sich, es änderte sich auch der Deutungskontext für die Bürger. Deswegen wird davon ausgegangen, dass sich mit der veränderten politischen Situation und einhergehend mit der Professionalisierung des Berufes des Journalisten ein Wandel der Öffentlichkeit im Allgemeinen sowie ein Wandel der Berichterstattung der Gartenlaube im Speziellem nachweisen lässt. Die Nullhypothese lautet dementsprechend: die Gartenlaube berichtet konsequent (gleich bleibend häufig) bis zunehmend (häufiger) im untersuchten Zeitraum gemäß ihres proklamierten Programms, angekündigt auf der ersten Seite der ersten Ausgabe im Jahr 1853. Es sei „nicht Aufgabe der Gartenlaube […], sich in das Getriebe der Tagespolitik zu mischen“, sondern „neben der Unterhaltung und Belehrung“ wolle man „alle Bestrebungen der Humanität und Aufklärung und die Kräftigung des Nationalsinns in entschiedener Weise […] fördern“. (Nullhypothese) Die Gartenlaube war eine liberale Zeitschrift, wenn auch nicht explizit als „Sprachrohr“ tätig, so vermittelte sie doch liberale Werte. Die Zielsetzung der Liberalen ist mit der erfolgten Reichsgründung erfüllt. Nach 1871 muss die Gartenlaube deswegen, genau wie die Liberalen, ihre Ziele neu definieren bzw. sich anpassen. Aufgrund der politischen Änderungen schwenkt die Gartenlaube nach und nach auf den Kurs der Regierung ein und unterstützt die Nationsbildung. Mit der Etablierung des neuen Systems aber, und einhergehend mit dem Machtverlust der Liberalen, schwenkt die Gartenlaube gegen Ende des 19. Jahrhunderts zunehmend in eine apolitische Richtung um. Es wird vermutet, dass die Gartenlaube von der Gründung 1853 bis zum Ende des 19. Jahrhunderts im Wesentlichen drei Phasen durchgemacht hat. Von einem unpolitischen Unterhaltungsblatt wandelte sie sich zu einer Zeitschrift, die die Reichsgründung beeinflusst bzw. vorantreibt mit den folgenden Schwerpunkten: von kaum Nation, wenig Region und viel Internationalisierung zu viel Nation, wenig Region und wenig Internationalisierung. Mit der Reichseinigung änderten sich diese Schwerpunkte der Zeitschrift erneut wieder in den unpolitischen Unterhaltungsbereich: von viel Nation, kaum Region und wenig Internationalisierung hin zu abschwächend Nation, zunehmend Region und mehr Internationalisierung. (Hypothese 1) Die Gartenlaube versuchte, über das Aufzeigen von Differenzen und Ähnlichkeiten in Artikeln über das Deutsche Reich und seine Bevölkerung (lokal, regional, national), diese zu homogenisieren und so beim Aufbau einer Nation und der dazugehörigen Identität zu helfen. In Artikelserien über Regionen und Orte aus dem Deutschen Reich war die Gartenlaube darum bemüht, dem deutschen Leser die Gesamtbevölkerung des neuen Staatenbundes vorzustellen und zu verdeutlichen, dass allen Bürgern des Deutschen Reiches trotz der Entfernungen und der unterschiedlichen Regionen bestimmte Merkmale eigen sind, die als typisch deutsch anzusehen sind. Deswegen wird vermutet, dass Artikel über die Bevölkerung und die Regionen Deutschlands unmittelbar vor und nach der Reichsgründung 1871 verstärkt zu finden sind. (Hypothese 2) Die Gartenlaube versuchte in den Jahren vor der Reichsgründung, über die Kontrastierung zwischen dem Eigenen (Deutschen Reich) und dem Fremden (andere Staaten wie Frankreich, England und den USA) eine positive Außensicht (und eine negative Innenansicht) zu erzeugen, die das Bestreben nach einer eigenen Nation legitimieren und verstärken sollte. In Artikeln über andere Staaten wurde positiv deren politisches System hervorgehoben. Dies sollte dazu beitragen, die Nationsbildung voran zu treiben, dem „guten“ Beispiel der Nachbarstaaten zu folgen. (Hypothese 3) Ebenso wird vermutet, dass – aufbauend auf die vorhergehenden Hypothesen – die Gartenlaube in den Jahren nach der Reichsgründung versuchte, über die Kontrastierung zwischen dem Eigenen (Deutsches Reich) und dem Fremden (andere Staaten wie Frankreich, England und den USA) eine positive Innenansicht (und einer negativen Außensicht) zu erzeugen, die den Aufbau von nationaler (deutscher) Identität verstärken sollte. In Artikeln über andere Staaten wurden die negativen Auswüchse der Industrialisierung und des Fortschritts hervorgehoben, um das Wohlbefinden der Bürger im eigenen Land bzw. System zu steigern. (Hypothese 4) Schlussendlich wird angenommen, dass die Gartenlaube vor der Reichsgründung nationalistisch-fortschrittsorientiert, nach 1871 aber zunehmend partikularistisch-fortschrittsfeindlich berichtete. Werden vor der Reichsgründung Gemeinsamkeiten hervorgehoben, so werden nach der Reichsgründung aus Frust über das politische System und die Folgen der Industrialisierung und Modernisierung mehr die Unterschiede betont. (Hypothese 5)

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Arbeit zitieren:
Zaumseil, Franka Dezember 2006: Zwischen Nation und Region, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Die Gartenlaube (Zeitschrift, Berlin), Nationenbildung, Öffentlichkeit, Sozialer Wandel

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