Die Nahrung von Graugänsen Anser anser (L., 1758) im Naturschutzgebiet Riddagshausen (Stadt Braunschweig)
Freilandökologische und mikroskopische Analysen potentieller Nahrungspflanzen und der tatsächlichen Nahrung im raumzeitlichen Kontext
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Inken Hegewald
- Abgabedatum: Mai 2002
- Umfang: 233 Seiten
- Note: 1,0
- Institution / Hochschule: Leibniz Universität Hannover Deutschland
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-5779-2 P - ISBN (CD) :978-3-8324-5779-2 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Hegewald, Inken Mai 2002: Die Nahrung von Graugänsen Anser anser (L., 1758) im Naturschutzgebiet Riddagshausen (Stadt Braunschweig), Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Mikroskopischer Bestimmungsschlüssel für Blattepidemien, Farbatlas von Blattepidemien, Faeasanalyse (Kotananlyse), Arifannistik, Nahrungsanalyse
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Diplomarbeit von Inken Hegewald
Einleitung:
Über die Graugans (Anser anser L., 1758) sind bereits zahlreiche Untersuchungen durchgeführt worden. So haben beispielsweise Konrad Lorenz und seine Mitarbeiter das Sozialverhalten der Graugans ausführlich studier. Doch wurden die beobachteten Gänse in Gefangenschaft oder halbzahm gehalten und waren von Menschen geprägt. Die nahrungsökologische Dimension mußte allerdings aus der Untersuchung ausgeschlossenwerden, da die Graugänse von den Forschern gefüttert wurden.
In dieser Arbeit soll dargestellt werden, welche Nahrungsquellen die freilebenden Graugänse im Naturschutzgebiet Riddagshausen im raumzeitlichen Kontext nutzen, um ihren Energiebedarf zu decken. Wildlebende Gänse sind normalerweise Zugvögel. Die Graugänse im Naturschutzgebiet Riddagshausen hingegen, die in den 1960er Jahren dort wieder eingebürgert wurden, bleiben auch im Winter in ihrem Brutgebiet oder in dessen Umgebung.
In der Zeit vom 02.05.2001 bis 17.12.2001 wurden im Naturschutzgebiet Riddagshausen und den umliegenden Flächen Faecesproben von Graugänsen für die mikroskopische Nahrungsanalyse entnommen. Die hauptsächliche Datenerhebung erfolgte dabei von September bis Dezember 2001.
Pflanzliche Nahrung ist häufig schlecht verdaulich und liefert nur wenige Nährstoffe. Die Zellwände in der pflanzlichen Nahrung behindern die Verdauung, da sie hauptsächlich aus ß-1,4-Polysacchariden wie Cellulose und Hemicellulose bestehen. Diese Komponenten können durch mikrobielle Fermentation abgebaut werden. Da dies ein zeitabhängiger Prozeß ist, können Herbivore mit einer langen Verdauungszeit ihre Nahrung am besten in Energieträger umwandeln. Im Gegensatz zu Wiederkäuern besitzen Gänse als Herbivore ein Verdauungssystem mit einer kurzen Retentionszeit. Der Abbau der Zellwandsubstanzen ist unvollständig, so daß die Epidermen der gefressenen Pflanzen nach der Darmpassage weitestgehend erhalten bleiben. Dies ermöglicht eine Bestimmung der einzelnen Blattepidermen mit der mikroskopischen Faecesanalyse, wie Ranwell & Downing, Luther, Owen, Scotcher und Stahl bereits gezeigt haben.
In dieser Studie wird sowohl eine freilandökologische Analyse, nämlich die Beobachtung und Zählung der Gänse bei der Nahrungsaufnahme, als auch eine mikroskopische Faecesanalyse zur Bestimmung der Nahrung durchgeführt. Die Erstellung eines Referenzatlasses und eines mikroskopischen Bestimmungsschlüssels der Blattepidermen der potentiellen und tatsächlichen Nahrungspflanzen der Graugänse im Naturschutzgebiet Riddagshausen ist für die Bestimmung der epidermalen Pflanzenfragmente in den Faeces erforderlich. Die Freilandarbeit ermöglicht zusätzlich Aussagen über die Raumnutzung und Nutzungsintensität der Graugänse auf den verschiedenen Äsungsflächen im raumzeitlichen Kontext. Ist der Energiewert der im Naturschutzgebiet vorhandenen Nahrung für die Gänse ausreichend, oder müssen Flächen außerhalb des Gebietes zur Äsung genutzt werden?
Es ergeben sich durch diese Untersuchung Erkenntnisse über das Nahrungsverhalten und über potentielle Zeiträume von Engpässen in der Ernährung. Durch die Kombination aus Freilandarbeit und mikroskopischer Arbeit kann festgestellt werden, zu welchem Zeitpunkt bestimmte Pflanzen von den Gänsen im Untersuchungsgebiet bevorzugt oder gemieden werden, oder ob die Graugänse unselektiv fressen. Dafür wird die durch die Vegetationsaufnahmen ermittelte Bestandshäufigkeit der potentiellen Nahrungspflanzen mit der tatsächlichen Nahrung verglichen. Die qualitative und quantitative Faecesanalyse dient der Bestimmung der tatsächlichen Nahrung.
Nachfolgende Fragen werden zu klären versucht. Selektieren die Graugänse bestimmte Nahrungspflanzen, welche sind dies und worin liegen die Ursachen für die Präferenz? Gibt es einen Einfluß der Vegetation auf das Nahrungsverhalten der Gänse und in welcher Form äußert sich dies? Wird u.U. der Jahresrhythmus der Graugänse von der Vegetation bestimmt?
Der Einfluß abiotischer Veränderungen auf die Nahrungswahl und die Raumnutzung der Gänse im Naturschutzgebiet Riddagshausen sowie der umliegenden Flächen wird dargestellt und diskutiert. Sind nach Veränderungen der Umwelt wie Mahd, Schneefall oder Gefrieren der Teiche Nahrungsumstellungen bei den Graugänsen zu verzeichnen?
Auch die anthropogenen Einflüsse sind Teil der Diplomarbeit. Gibt es einen Zusammenhang zwischen Jagdzeit und Raumnutzung der Graugänse? Wird die Raumnutzung und somit Nahrungswahl der Graugänse durch Fußgänger oder Fütterungen beeinflußt?
Nicht zuletzt tritt bei dieser Untersuchung die Frage auf, ob die Nahrungsressourcen Einfluß auf den Vogelzug haben. Hierfür ist die Erfassung der zur herbstlichen Zugzeit vorhandenen Nahrung und deren Energiewert im Untersuchungsgebiet wesentlich. Die wieder eingebürgerten Graugänse im Naturschutzgebiet Riddagshausen überwintern in ihrem Brutgebiet. Warum überwintern sie dort und fliegen nicht fort?
Inhaltsverzeichnis:
| Einleitung | 1 | |
| 1. | Material | 3 |
| 1.1 | Die Graugans (Anser anser) | 3 |
| 1.1.1 | Systematische Einordnung | 3 |
| 1.1.2 | Feldkennzeichen und Unterarten | 3 |
| 1.1.3 | Brutverbreitung und Bestandszahlen | 4 |
| 1.1.4 | Lebensraum und Zugstrategie | 6 |
| 1.1.5 | Nahrung und Nahrungsaufnahme | 6 |
| 1.1.6 | Verdauung der Nahrung | 8 |
| 1.1.7 | Gänsemanagement und Gänseschaden | 10 |
| 1.2 | Das Untersuchungsgebiet | 11 |
| 1.2.1 | Lage und Abgrenzung | 11 |
| 1.2.2 | Klima | 11 |
| 1.2.3 | Das Europareservat und Naturschutzgebiet Riddagshausen | 13 |
| 1.2.4 | Historie von Anser anser anser im Naturschutzgebiet Riddagshausen | 14 |
| 1.2.5 | Lage und Bezeichnung der Untersuchungsflächen | 15 |
| 2. | Methoden | 19 |
| 2.1 | Erfassung der potentiellen Nahrungspflanzen im Untersuchungsgebiet | 19 |
| 2.2 | Vegetationsaufnahmen nach Braun-Blanquet | 19 |
| 2.3 | Erstellung des mikroskopischen Bestimmungsschlüssels für Blattepidermen | 20 |
| 2.4 | Durchführung der Faecesanalyse | 23 |
| 2.5 | Ermittlung der Nahrung im Verdauungstrakt einer Graugans | 25 |
| 2.6 | Avifaunistische freiland ökologische Analysen | 25 |
| 2.6.1 | Durchführung der Raumnutzungsanalyse | 25 |
| 2.6.2 | Durchführung der Verhaltensanalyse der Graugänse | 26 |
| 2.6.3 | Bestandsaufnahme | 27 |
| 2.6.4 | Ermittlungen zum Vogelzug | 28 |
| 3. | Ergebnisse | 29 |
| 3.1 | Potentielle und tatsächliche Nahrungspflanzen im Untersuchungsgebiet | 29 |
| 3.2 | Äsungsflächen | 30 |
| 3.2.1 | Nahrungshabitate der Äsungsflächen | 31 |
| 3.2.2 | Pflanzensoziologische Einordnung der Äsungsflächen | 33 |
| 3.2.3 | Vegetationshöhen | 33 |
| 3.3 | Mikromorphologische Bestimmungsmerkmale der Pflanzenarten | 34 |
| 3.3.1 | Stomata | 34 |
| 3.3.2 | Lang- und Kurzzellen | 36 |
| 3.3.3 | Zellwand | 39 |
| 3.3.4 | Trichome | 40 |
| 3.3.5 | Besonderheiten | 41 |
| 3.4 | Mikroskopischer Bestimmungsschlüssel für Blattepidermen | 43 |
| Artenindex des Bestimmungsschlüssels | 52 | |
| 3.5 | Faecesanalyse im raumzeitlichen Kontext | 53 |
| 3.5.1 | Fundorte der Faecesproben | 54 |
| 3.5.2 | Analyse der Faeces auf Ackerfl¨achen | 54 |
| 3.5.3 | Analyse der Faeces auf Grünland | 61 |
| 3.5.4 | Analyse der Faeces auf Wegr¨andern | 62 |
| 3.5.5 | Analyse der Faeces auf der Insel im Schapenbruchteich | 63 |
| 3.6 | Nahrung im Verdauungstrakt einer Graugans | 63 |
| 3.7 | Avifaunistische freilandökologische Analysen | 65 |
| 3.7.1 | Raumnutzungsanalyse | 65 |
| 3.7.2 | Nahrungsökologische Untersuchungen in Beziehung zum Verhalten | 72 |
| 3.7.3 | Bestandszahlen und Bestandsentwicklung | 74 |
| 3.7.4 | Vogelzug | 75 |
| 4. | Diskussion | 76 |
| 4.1 | Mikroskopische Merkmale der Pflanzenarten | 76 |
| 4.1.1 | Stomata | 76 |
| 4.1.2 | Lang- und Kurzzellen | 77 |
| 4.1.3 | Zellwand | 77 |
| 4.1.4 | Trichome | 77 |
| 4.1.5 | Besonderheiten | 78 |
| 4.2 | Die Ernährung im raumzeitlichen Kontext | 78 |
| 4.2.1 | Die Zusammensetzung der Ernährung im Vergleich mit der Vegetation | 78 |
| 4.2.2 | Ausgewählte Nahrungspflanzen | 97 |
| 4.3 | Das Nahrungsspektrum einer verendeten Graugans | 103 |
| 4.4 | Ökologie der Ernährung | 104 |
| 4.5 | Avifaunistische freilandökologische Analysen | 106 |
| 4.5.1 | Raumnutzungsanalyse | 106 |
| 4.5.2 | Bestandszahlen und Bestandsentwicklung | 118 |
| 4.5.3 | Vogelzug | 119 |
| 4.6 | Methodenkritik | 120 |
| 5. | Zusammenfassung | 122 |
| 6. | Ausblick | 124 |
| Danksagung | 126 | |
| Literaturverzeichnis | 127 | |
| Anhang |
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783832457792
Arbeit zitieren:
Hegewald, Inken Mai 2002: Die Nahrung von Graugänsen Anser anser (L., 1758) im Naturschutzgebiet Riddagshausen (Stadt Braunschweig), Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Mikroskopischer Bestimmungsschlüssel für Blattepidemien, Farbatlas von Blattepidemien, Faeasanalyse (Kotananlyse), Arifannistik, Nahrungsanalyse



