Nachweis von Erythropoietin-Missbrauch im Sport
Am Beispiel der Dopingkontrollen während der Olympischen Winterspiele Salt Lake City 2002
- Art: Dissertation / Doktorarbeit
- Autor: Andreas Breidbach
- Abgabedatum: März 2004
- Umfang: 127 Seiten
- Dateigröße: 1,1 MB
- Note: 1,0
- Institution / Hochschule: Deutsche Sporthochschule Köln Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-4097-8
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-4097-8 P - ISBN (CD) :978-3-8324-4097-8 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Breidbach, Andreas März 2004: Nachweis von Erythropoietin-Missbrauch im Sport, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Isoelektrische Fokussierung, Hämatologie, Immuno Blotting, Urin
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Dissertation / Doktorarbeit von Andreas Breidbach
Einleitung:
Diese Arbeit beschreibt die Methodik der Erythropoietin (EPO)-Dopingkontrollanalytik am Beispiel der Olympischen Winterspiele Salt Lake City 2002 (SLC2002) und wertet die dort gesammelten Daten aus. Es wurde bei einem Athleten und zwei Athletinnen ein Missbrauch von Darbepoetin alfa (Aranesp Ô) nachgewiesen, ein zu der Zeit erst seit kurzem erhältliches Nachfolgeprodukt von rekombinanten, humanem EPO (rhEPO).
Humanes EPO, ein Glykoprotein mit 165 Aminosäuren, einem Sauerstoffund drei Stickstoff-gebundenen Kohlenhydratresten, ist ein Hormon, dass die Bildung der roten Blutkörperchen (Erythrozyten) im menschlichen Körper steuert. Sein Molekulargewicht beträgt ca. 30 kDa mit einem Kohlenhydratanteil von 30-40 %. Die Existenz dieses Hormons ist bereits 1906 postuliert worden. Seit 1948 wird es Erythropoietin genannt. 1957 wurde als Hauptbildungsort im erwachsenen Menschen die Niere ausgemacht. 1977 ist dann mit der Isolierung von wenigen Milligramm EPO aus dem Urin von Patienten mit aplastischer Anämie ein Meilenstein in der EPO-Forschung erreicht worden. Acht Jahre später, 1985, wurde das EPO-Gen erfolgreich kloniert.
Seit 1988 ist rhEPO für die Behandlung von Anämie als Folge von Nierenversagen erhältlich. Die Verfügbarkeit von rhEPO hat seitdem wesentlich zur Verbesserung der Lebensqualität von Menschen mit Nierenversagen beigetragen. Inzwischen wird rhEPO auch in vielen anderen Gebieten als Behandlungsmittel eingesetzt.
Auch im gesunden Menschen kann rhEPO die Anzahl der Erythrozyten erhöhen. Dies macht es zu einem potenten Dopingmittel, da die Ausdauerleistungsfähigkeit durch diese Erhöhung verbessert wird. Aus diesem Grund hat 1990 das Internationale Olympische Komitee rhEPO in die Liste der verbotenen Substanzen aufgenommen. Aber bis zum Jahre 2000, als zwei unterschiedliche Nachweisverfahren veröffentlicht wurden, war ein Missbrauch von rhEPO nicht nachweisbar.
Das eine dieser zwei Verfahren beruhte auf den Veränderungen im roten Blutbild, die durch die Anwendung von rhEPO verursacht werden. Damit ist es ein indirektes Verfahren, da nur Wirkungen gemessen werden. Das andere Verfahren beruht auf dem Erkennen von rhEPO im Urin durch isoelektrische Fokussierung eines Urinkonzentrates mit nachfolgendem Immunoblotting, was ein direktes Verfahren darstellt und einem indirekten vorzuziehen ist. Beide Verfahren sind bei SLC2002 eingesetzt worden und werden hier beschrieben.
Es wird gezeigt, dass ein erster, schneller und einfacher Bluttest 133 verdächtige Proben identifizierte. 72 Blut- und Urinproben wurden daraufhin eingehender untersucht. Danach bestand nur noch bei 25 Blutproben ein Verdacht auf aktuellen Missbrauch, der aber durch den Urintest bei allen außer fünf Proben von drei Athleten/innen entkräftet wurde.
Die Wettkampfstätten in SLC 2002 lagen alle auf über 1500mü.N.N.
Die daraus resultierende Hypoxie kann kurzfristig zu einem Anstieg der Retikulozytenzahl und damit langfristig zu einem Anstieg der Hämoglobinkonzentration führen.
In dieser Arbeit soll anhand der in SLC 2002 gesammelten Datengezeigt werden, dass die erhöhten „ON model scores“ auf diese Höhenlage und nicht auf EPO-Missbrauch zurückzuführen sind. Auf dieser Grundlage soll dann der Nutzen und Sinn von Blutkontrollen in diesem Kontext diskutiert werden, für den speziellen Fall einer Umgebung wie in SLC 2002.
Aufgrund der Pharmakodynamik und -kinetik von rhEPO wäre der Test auf Missbrauch am wirkungsvollsten, wenn er als unangemeldete Trainingskontrolle durchgeführt würde. Die Vorgabe des IOC, einen kombinierten Blut/Urin- Test durchzuführen, erschwert aber die angemessene Durchführung von Trainingskontrollen erheblich. Deshalb soll auch für die generelle Kontrolle eines EPO-Missbrauches der Sinn von Blutproben diskutiert werden.
Inhaltsverzeichnis:
| 1. | Einleitung | 1 |
| 1.1 | Humanes Erythropoietin | 1 |
| 1.1.1 | Geschichtlicher Überblick | 1 |
| 1.1.2 | Molekularbiologie | 2 |
| 1.1.3 | Leistungssteigernde Wirkung | 4 |
| 1.1.4 | Nachweisbarkeit | 5 |
| 1.2 | EPO-Tests bei Olympischen Spielen | 9 |
| 1.3 | „Paul Ziffren Olympic Analytical Laboratory” | 11 |
| 1.4 | Ziel dieser Arbeit | 11 |
| 2. | Experimenteller Teil | 13 |
| 2.1 | Direkter Nachweis | 13 |
| 2.1.1 | Grundlagen | 13 |
| 2.1.2 | Der uEPO-Test nach Lasne | 19 |
| 2.2 | Indirekter Nachweis | 28 |
| 2.2.1 | Grundlagen | 28 |
| 2.2.2 | Der Bluttest nach Parisotto | 31 |
| 2.3 | Der kombinierte Blut/ Urin-Test | 33 |
| 2.3.1 | Grundlagen | 33 |
| 2.3.2 | Durchführung des kombinierten Test während der Winterspiele | 35 |
| 2.4 | Untersuchte Sportler | 36 |
| 2.5 | Vergleichswerte | 36 |
| 2.6 | „Zweite-Generation Bluttest“ | 37 |
| 2.7 | Isoformenprofile | 38 |
| 2.8 | Statistische Auswertung | 38 |
| 3. | Ergebnisse | 39 |
| 3.1 | Blut | 39 |
| 3.2 | Urin | 50 |
| 3.2.1 | Qualitätskontroll-Urinproben | 50 |
| 3.2.2 | Athleten-Urinproben | 52 |
| 3.3 | Kombinierter Test | 52 |
| 3.3.1 | „Normale” Profile | 52 |
| 3.3.2 | „Unnormale” Profile | 54 |
| 3.3.3 | „Saure” Profile | 54 |
| 3.3.4 | „Keine” Profile | 57 |
| 4. | Diskussion | 61 |
| 4.1 | „Vor-Ort-Screening“ | 61 |
| 4.2 | „ON model score“ | 63 |
| 4.3 | Der Urintest | 67 |
| 4.4 | Blut vor Urin: Sinn und Notwendigkeit | 69 |
| 4.4.1 | „Zweite-Generation“-Bluttest | 72 |
| 4.4.2 | Trainings- oder Wettkampfkontrollen | 73 |
| 4.5 | Schlussfolgerungen | 75 |
| Anhang A | 77 | |
| Glossar | 109 |
2.2. INDIREKTER NACHWEIS wird und das Antigen mindestens zwei Epitope besitzt. Bei der Reaktion sind drei Bereiche zu unterscheiden: 1. Antikörper-Überschuss: Es bilden sich nur einfache Komplexe, alle Antigen-Bindungsstellen sind belegt, es gibt keine oder nur wenige Quervernetzungen und damit keinen Niederschlag, die Anzahl an Komplexen nimmt mit steigender Antigenkonzentration proportional zu. 2. Antikörper-Antigen-Gleichgewicht: Optimale Konzentration, bei der jeder Antikörper zwei Antigene bindet, durch Quervernetzung bilden sich unlösliche Komplexe, die ausfallen. 3. Antigen-Überschuss: Evtl. entstandener Niederschlag geht wieder in Lösung über, da durch den Antigen-Überschuss die Quervernetzungen aufgebrochen werden. Die nephelometrische Messung muss im Bereich des Antikörper-Überschusses vorgenommen werden, da nur dort ein stöchiometrischer Zusammenhang zwischen Komplex- und Antigenkonzentration besteht. Die Nephelometrie läuft recht schnell ab, meistens in Minuten, verglichen mit Festphasen-immunometrischen Methoden, die im Bereich von Stunden liegen. Allerdings ist die Empfindlichkeit wesentlich kleiner, so dass die Nephelometrie nur für Analyten mit höheren Konzentrationen, wie sTfR, in Betracht kommt. [...]
mit %RET = Anteil der Retikulozyten an ERY in Prozent, M CV r = mittleres Zellvolumen der Retikulozyten in fL. Die Serumparameter sEPO und sTfR wurden immunologisch bestimmt. Zur Bestimmung von sEPO wurde ein immunometrischer Test44 für den vollautomatischen Immulite-Analysator von Diagnostics Products Corporation (DPC) eingesetzt. Es handelt sich dabei um einen Zwei-Schritt-Test. Im ersten Schritt werden eine mit Avidin-beschichtete Polystyren-Perle, ein biotin-markierter, monoklonaler anti-EPO-Antikörper und das zu analysierende Serum zusammen inkubiert. EPO aus dem Serum bindet an den Antikörper und dieser an die Polystyren-Perle. Im zweiten Schritt wird ein polyklonaler anti-EPO-Antikörper zugegeben, der an ein zweites Epitop des EPO-Moleküls bindet. Dieser sekundäre Antikörper ist mit alkalischer Phosphatase markiert. Da der entstandene Komplex an die Polystyren-Perle gebunden ist, kann in einem Waschschritt überschüssiges Reagenz wirkungsvoll entfernt werden. Nach Zugabe eines Chemilumineszenz-Substrats für die alkalische Phosphatase wird das emittierte Licht mit einer PhotonenVervielfacher-Röhre gemessen. Zur Bestimmung von sTfR wurde ein nephelometrischer Test für den Dade Behring BN Prospec Nephelometer eingesetzt. Die Nephelometrie beruht darauf, dass in eine Lösung einfallendes Licht an Partikeln in dieser Lösung, in diesem Fall Antigen-Antikörper-Komplexe, gestreut wird. Diese Lichtstreuung beruht auf dem Tyndall-Effekt. Eine Grundvorraussetzung ist, dass ein bivalenter Antikörper eingesetzt [...]
KAPITEL 2. EXPERIMENTELLER TEIL Auch die Retikulozyten werden aufgekugelt. Zusätzlich wird durch einen Farbstoff die RNS angefärbt, die den Retikulozyten vom Erythrozyten unterscheidet. Die Menge an RNS, und damit an gebundenem Farbstoff, ist abhängig vom Alter des Retikulozyten. Sie nimmt mit zunehmenden Alter des Retikulozyten ab. Der Farbstoff absorbiert das Laserlicht, so dass zwischen Erythrozyten (keine Absorption) und den verschiedenen Alterstufen der Retikulozyten (jung - hohe Absorption, alt - niedrige Absorption) unterschieden werden kann. Und wie für Erythrozyten kann für jeden Retikulozyten Größe und Dichte bestimmt werden. Aus diesen Werten lässt sich dann der RetikulozytenHämatokrit analog zu Gl. 2.2 wie folgt ableiten: rHkt = ERY × %RET × M CV r 100 (2.3) [...]
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http://www.diplom.de/ean/9783832440978
Arbeit zitieren:
Breidbach, Andreas März 2004: Nachweis von Erythropoietin-Missbrauch im Sport, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Isoelektrische Fokussierung, Hämatologie, Immuno Blotting, Urin



