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Das Nachbarsprachenmodell in der Praxis

Einstellungen und Motivation zum Erlernen der 2. Fremdsprache, untersucht am binationalen / bilingualen Augustum-Annen-Gymnasium Görlitz

Das Nachbarsprachenmodell in der Praxis
Über dieses Buch
  • Art: Magisterarbeit
  • Autor: Justyna Wieczorek-Hecker
  • Abgabedatum: Januar 2006
  • Umfang: 142 Seiten
  • Dateigröße: 1,2 MB
  • Note: 1,3
  • Institution / Hochschule: Technische Universität Dresden Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-9688-3
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-9688-3 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-9688-3 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Wieczorek-Hecker, Justyna Januar 2006: Das Nachbarsprachenmodell in der Praxis, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: bilingual, Mehrsprachigkeit, Motivationsforschung, deutsch-polnisch, Spachenpolitik

Magisterarbeit von Justyna Wieczorek-Hecker

Einleitung:

Das Ziel der vorliegenden Arbeit besteht darin, die Motivation zum Erlernen der polnischen bzw. deutschen Sprache im binationalen-bilingualen Zweig des Augustum-Annen-Gymnasiums Görlitz zu erforschen sowie die Motivation im Sachfachunterricht mit bilingualen Modulen.

Bilingualer Unterricht findet heutzutage immer mehr Zuspruch. Mit dieser Arbeit soll aufgezeigt werden, welche Einstellung die deutschen/polnischen Schüler zum binat.-biling. Bildungszweig haben und inwieweit die Kontakte zu Polen bzw. Deutschland einen Einfluss auf die Sprachwahl hatten.

Im Weiteren soll untersucht werden, wie die Schüler selbst als Teilnehmende ihren Unterricht beurteilen, welche Schwierigkeiten der bilinguale Sachfachunterricht mit sich bringt und welche Vorteile sie darin sehen. Darüber hinaus sollte in Erfahrung gebracht werden, ob bilingualer Unterricht auch das Verhalten und Interessen der Schüler beeinflusst, sie beispielsweise dazu ermutigt, Kontakte mit polnischen/deutschen Gleichaltrigen zu suchen oder polnische/deutsche Medien zu nutzen.

Im Blick auf das gemeinsame Lernen der deutschen und polnischen Schüler in einem Klassenzimmer war für diese Studie auch von Interesse, welchen Einfluss dieser Faktor auf die Einstellungen der anderen gegenüber ausübt.

Die vorliegende Arbeit besteht aus sieben Kapiteln, wobei das erste und das letzte Kapitel der Einleitung bzw. der Zusammenfassung vorbehalten sind. Der Einleitung ist das Vorwort vorangestellt.

Im zweiten Kapitel werden bildungspolitische Rahmenbedingungen für das Erlernen von Fremdsprachen sowie verschiedene Aspekte der Vermittlung von Mehrsprachigkeit in Grenzregionen (das Nachbarsprachenmodell) erörtert. Das 3. Kapitel stellt eine komprimierte Skizze der Entwicklung und Struktur der bilingualen Bildungsangebote in Deutsch-Polnischem Kontext dar. Der theoretische Teil zur Bildungspolitik, unter besonderer Berücksichtigung der Grenzregion Görlitz erklärt, weswegen es bilinguale Bildungsgänge überhaupt gibt.

Schwerpunkt des Theorieteils ist das darauf folgende Kapitel zur Motivationsforschung, in dem sowohl unterschiedliche Motivationskonzeptionen für den Fremdsprachenunterricht als auch Motivationen der Lerner für die Verwendung einer Fremdsprache im Sachfachunterricht in Bezug auf verschiedene Fachliteratur analysiert werden. Daraus ergeben sich die theoretischen Grundlagen für die nachfolgende empirische Untersuchung der Motive und Einstellungen.

Darauf folgt die Beschreibung und ausführliche Darstellung der eigentlichen Untersuchungen (5. Kapitel). Die empirische Analyse beinhaltet die explizite Erklärung und Begründung der Untersuchungsfragen und Untersuchungsmethoden, denen die Vorstellung der Schule Augustum-Annen-Gymnasium Görlitz vorangestellt wird.

Eine kritische Prüfung und Bewertung der Untersuchungsergebnisse und deren Rückschlusse auf die Motivation und Einstellungen im bilingualen Sachfachunterricht bilden den Abschluss der Arbeit.

Einen Anspruch auf Vollständigkeit bezüglich der inhaltlichen Kapazität sowie hinsichtlich einer Plausibilität der festgestellten Ergebnisse kann diese Arbeit nicht erheben. Insofern versteht sie sich als eine Teilleistung zu einer komplexen Sprachlernmotivationsforschung von internationalem Ausmaß. Nach der Auswertung des Materials im Schlusskapitel soll sie jedoch einen Beitrag zur Diskussion um die Motivation beim Fremdsprachenerwerb sowie um Erfahrungen im bilingualen Modul leisten.

Bei der Untersuchung werden in Anlehnung an Albert/Koster und Lamnek folgende Methoden angewandt:

Die Vorgehensweise im theoretischen Teil beruht auf einer Auswertung der vorhandenen Materialien und Literatur zu den Themen der Sprachpolitik, der Struktur der bilingualen Bildungsgänge in Deutschland und in Polen und der aktuellen Motivationsforschung, die als theoretische Grundsteine der vorliegenden Auseinandersetzung angesehen werden.

Im empirischen Teil wird die Methode der schriftlichen Befragung eingesetzt. Als Instrument zu deren Umsetzung wird ein Fragebogen mit offenen und geschlossenen, direkten und indirekten Fragen entwickelt. Bei der Wahl der Stichprobe wird das Quotenverfahren angewandt, das heißt, die Probanden wurden nach bestimmten, für die Untersuchung relevanten Merkmalen (Sprache: Deutsch/Polnisch sowie altes/neues Entwicklungskonzept des biling.-binat. Bildungsganges) ausgewählt. Die methodische Herangehensweise dieser Studie ist qualitativ. Die Auswertung der Ergebnisse dieser qualitativen Studie ist entsprechend interpretativ. Die Erhebungsdaten zur Motivation und Einstellung erfolgen in einer tabellarischen Zusammenfassung.

Inhaltsverzeichnis:

Vorwort 4
1. Einleitung 6
1.1 Zielsetzung 6
1.2 Inhaltliche Leitlinien der Arbeit 6
1.3 Methodisches Vorgehen 8
2. Förderung der Mehrsprachigkeit in Europa 9
2.1 Bildungspolitische Rahmenbedingungen für das Erlernen von Fremdsprachen 10
2.1.1 Stellung der Sprachen in den Lehrplänen der Europäischen Union 10
2.1.2 Fremdsprachenunterricht an deutschen und polnischen Schulen 13
2.2 Das Nachbarsprachenmodell als einer der Wege zur Sicherung der Mehrsprachigkeit in Europa 17
3. Vermittlung von Mehrsprachigkeit im Rahmen bilingualer Bildungsgänge 22
3.1 Begriffsbestimmungen 22
3.2 Ziele und Motive für die Einrichtung bilingualer Angebote 23
3.3 Bilinguale Bildungsgänge in Deutschland und in Polen 26
3.3.1 Gestaltung und Struktur des bilingualen Lernens in Deutschland 26
3.3.2 Gestaltung und Struktur des bilingualen Lernens in Polen 28
3.4 Desiderata und Perspektiven 30
4. Motivationsforschung im Fremdsprachenunterricht 34
4.1 Klärung der Begriffe: Motiv, Motivation und Einstellung 34
4.2 Motivationskonzeptionen für den Fremdsprachenunterricht 38
4.3 Motivation der Lerner zur Verwendung einer Fremdsprache im Sachfachunterricht 47
5. Empirische Untersuchung am Augustum-Annen-Gymnasium Görlitz 49
5.1 Vorstellen der Schule 49
5.1.1 Entwicklung des binationalen Bildungsganges 49
5.1.2 Zugangsvoraussetzungen und Aufnahmeprüfung 50
5.1.3 Struktur des binationalen-bilingualen Bildungsganges Polnisch (Sekundarstufe I und II) 51
5.1.4 Unterrichtsergänzende Angebote 53
5.2 Fragestellungen und Hypothesen der Untersuchung 55
5.3 Methoden der Untersuchung 57
5.3.1 Schriftliche Befragung 57
5.3.2 Auswahl der Stichprobe 58
5.3.3 Durchführung der Befragung 59
6. Untersuchungsergebnisse 60
6.1 Einstellungen der polnischen und deutschen Schüler zum Besuch des binationalen-bilingualen Zweiges (Fragen im Bereich A) 60
6.2 Gründe für die Sprachwahl (Fragen im Bereich B) 64
6.3 Einschätzung des Gebrauchs der Fremdsprache im Sachfachunterricht (Fragen im Bereich C) 69
6.4 Zusammenhang zwischen der Berufsvorstellung der Schüler und dem Besuch des binationalen-bilingualen Zweiges respektive Motivation zum Erlernen der polnischen bzw. deutschen Sprache (Fragen im Bereich D) 77
7. Resümee und Diskussion der Ergebnisse der Erhebung 79
Verzeichnis der Abbildungen und Tabellen 88
Verzeichnis der Abkürzungen 90
Literaturverzeichnis 91
Anhang 101

Automatisiert erstellter Textauszug:

In Frage 7 sollte in Erfahrung gebracht werden, welche Vor- und Nachteile die Schüler spontan und ohne Vorgaben mit dem Besuch des binat.-biling. Zweiges verbinden.133 Deutlich erkennbar ist, dass wiederholend in allen Untersuchungsgruppen gute Bedingungen zum Polnisch/Deutsch lernen und zum Kennen lernen der anderen Mentalität, anderer Sitten sowie zum Abbau von Vorurteilen genannt werden. Bei der Analyse zeigt sich, dass die von pl. und dt. Probanden genannten Nachteile teilweise unterschiedlich sind. Während die Polen den Kontakt mit anderen polnischen Schülern sowie Freunden aus Polen als benachteiligt sehen, beschweren sich die dt. Probanden über den Geographieunterricht auf Polnisch sowie über den Rückstand zu anderen Klassen in naturwissenschaftlichen Fächern. Größerer Lernaufwand wird mehrfach (15 Nennungen) von beiden Gruppen genannt. 5 Schüler (3 pl. und 2 dt. jeweils Kl. 7b) sehen keine Nachteile im Besuch der binat.-biling. Klasse. Die Analyse der Frage 8 zeigt folgende Ergebnisse: 76% der Schüler sind stolz auf den Besuch des binat.-biling. Bildungsganges. Die Begründung der ja - Antworten lässt eine gemeinsame Richtung erkennen: Sprachkenntnisse und bessere Zukunftsperspektiven, wie: ja natürlich, als Zweisprachige wird man immer noch beachtet (dt. Schüler, Kl. 7b); weil ich besser Deutsch kann als meine Bekannte aus Polen (2 pl. Schüler, Kl. 7b); bessere Möglichkeiten danach (pl. Schüler, Kl. 7b); bessere Chance für gute Universität (ebd.); weil ich mit polnischen Schülern polnisch lerne (dt. Schüler, Kl. 7b) etc. Einzigartigkeit des Bildungsganges: weil es schon besonders ist und nicht überall vorkommt (dt. Schüler, Kl. 9b); weil unsere Klasse als Individuum existiert (ebd.); weil ich in der ersten binat.-biling. Klasse bin (ebd.); ich bin damit etwas Besonderes - macht nicht jeder (dt. Schüler, Kl. 7b); weil nicht viele solche Schulen besuchen (pl. Schüler, Kl. 7b) etc. Persönliche Herausforderung: weil es meine eigene Entscheidung war und ich die Herausforderung angenommen habe (dt. Schüler, Kl. 9b); ja, weil ich die Prüfungen bestanden habe (pl. Schüler, Kl. 7b); meiner Meinung nach ist es [...]

angespannte Stimmung zwischen pl. und dt. Schülern lassen die folgenden Aussagen schließen: [am wenigsten gefällt mir], dass manche sich wegen der Vorurteile des jeweiligen Landes nicht mögen und dass zwei Gruppen entstanden sind: Polen und Deutsche (Deutsche bemühen sich weniger den Kontakt zu Polen aufzunehmen) (Kl. 9b, pl. Schüler). Die Beziehungen zwischen den polnischen und deutschen Schülern (pl. Schüler, Kl. 9b) sowie das Zusammenspiel der Klasse (pl. Schüler, Kl. 7b), verursacht teilweise von der ungleichmäßigen Zahl der beiden Schülergruppen, sollen nach Aussagen der Probanden in den b-Klassen verbessert werden. Die kritischen Stimmen hinsichtlich der Planung der b-Klassen kamen wiederholt von der Kl. 9b (altes Schulkonzept): alles soll besser geplant werden; bessere Planung; mehr übergreifender Unterricht zwischen Geo und Polnisch; kein ständiger Lehrerwechsel im Fach Geo und Polnisch; polnische Lehrer nicht jährlich wechseln; gezielter, festgelegter, optimierter Polnischunterricht. Andererseits wird ersichtlich, dass die Integration der pl. und dt. Schüler trotz vieler organisatorischer Schwierigkeiten vorankommt und viele der praktizierten Unterrichtsverfahren in den b-Klassen Anerkennung finden. Wiederholt gelobt werden anders sprachliche Mitschüler sowie die Vielseitigkeit der Klasse, weil viele neue Freunde viele Ansichten [bedeuten] (dt. Schüler, Kl. 9b) und man Einblicke in die polnische Sprache und Kultur bekommt (dt. Schüler, Kl. 9b). Ebenfalls werden viele positive Meinungen in Bezug auf die Organisation der b-Klassen und das Engagement der Lehrer geäußert. Laut der Probanden sollten Exkursionen, praxisbezogener Unterricht (dt. Schüler, Kl. 7b) und teilweise getrennter Unterricht (dt. Schüler, Kl. 7b) sowie Unterrichtsmethoden (pl. Schüler, Kl. 9b) am Gymnasium beibehalten werden. 3 Schüler der Kl. 7b sind der Meinung, dass alles sehr gut geplant wurde. Die Schüleräußerungen: [am besten gefällt mir,] dass wir uns wunderbar verstehen (dt. Schüler, Kl. 7b) und dass die Menschen hoffen, sich dadurch zu integrieren (pl. Schüler, Kl. 9b) bestätigen, dass eines der allgemeinen Ziele des binat.-biling. Bildungsganges bereits in der Praxis umgesetzt wurde: Über das Kennen lernen des Nachbarlandes, seiner Menschen, Kultur und Geschichte zum nachbarschaftlichen Miteinander132 [...]

Eine Fortsetzung der Sprachkenntnisse aus der Grundschule sowie das Erlernen der Sprache des Nachbarlandes scheint für viele der Probanden ein wichtiges Motiv zum Besuch des binat.-biling. Zweiges (je 31%) zu sein. Im Hinblick auf die Nationalität der Probanden ist deutlich erkennbar, dass die Mehrzahl der Polen diese Schule bezüglich besserer Berufsperspektiven besuchen (20 Nennungen). Im Gegensatz dazu ist für die Deutschen Polen als Nachbarland das wichtigste Motiv (11 Nennungen).128 Rund 83% der Schüler würden den Besuch des binat.-biling. Zweiges weiter empfehlen (Frage 3).129 Bessere Berufschancen, bessere Möglichkeiten, eine Fremdsprache zu erlernen sowie die Besonderheit der Lernsituation (Kontakt mit den anderssprachigen Mitschülern) wurden meistens als Begründung genannt. 17% der Probanden (7 von 42 Nennungen130) haben Frage 3 mit nein beantwortet und auf die erhöhten sprachlichen und intellektuellen Anforderungen hingewiesen, die nicht jeder in der Lage ist zu erfüllen. Darauf machte bereits Iluk in seinem Aufsatz aufmerksam.131 Aufschlussreich ist im Weiteren die Schüleräußerung: Nein, weil wir in der 1. Klasse sind und alles sehr ungewiss und problematisch war. Wenn ich in eine der nachfolgenden Klassen gekommen wäre, wäre es vielleicht etwas Anderes, da sie wissen, was auf sie zukommt. Bei uns jedoch ist/war immer alles offen und es war nicht immer ganz leicht (dt. Schüler, Kl. 9b). Solche Äußerungen gab es in der Kl. 7b, die nach dem neuen überarbeiteten Schulkonzept unterrichtet wird, nicht. Dennoch ist durchaus denkbar, dass die geringen Erfahrungen und die nicht ausreichend durchdachten didaktischen Vorstellungen viele organisatorische Probleme und methodische Widersprüche verursachten. Im Zusammenhang mit den Fragen 4 und 5 gibt es relevante Schülerbeobachtungen, die direkt auf die Unterrichtssituation und die Organisation des Bildungsganges zielen. Kritisiert werden der ständige Lehrerwechsel im Fach Geographie und Polnisch sowie die ungleichmäßige Zahl der pl. und dt. Schüler (mehr Polen als Deutsche) in einer Klasse, die einen negativen Einfluss auf deren Zusammenhalt ausübt. Auf eine [...]

Arbeit zitieren:
Wieczorek-Hecker, Justyna Januar 2006: Das Nachbarsprachenmodell in der Praxis, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
bilingual, Mehrsprachigkeit, Motivationsforschung, deutsch-polnisch, Spachenpolitik

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