Wie reagierte die NATO auf den Prager Frühling?
Folgen für Österreich
- Art: Magisterarbeit
- Autor: Dieter Fischer
- Abgabedatum: Juni 2004
- Umfang: 143 Seiten
- Dateigröße: 1,1 MB
- Note: 2,0
- Institution / Hochschule: Universität Wien Österreich
- ISBN (eBook): 978-3-8324-8603-7
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-8603-7 P - ISBN (CD) :978-3-8324-8603-7 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Fischer, Dieter Juni 2004: Wie reagierte die NATO auf den Prager Frühling?, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: NATO, Warschauer Pakt, Tschechoslowakei, Blocksysteme, Sozialismus
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Magisterarbeit von Dieter Fischer
Einleitung:
Als „Prager Frühling“ bezeichnet man den tschechoslowakischen Versuch vom Frühjahr 1968, einen „Sozialismus mit menschlichem Antlitz“ durchzusetzen. Es war der Versuch einer umfassenden friedlichen Systemreform, eines kommunistischen Regimes sowjetischen Typs. Ziel war eine Staats- und Gesellschaftsordnung, die sich vom sowjetischen Modell des Sozialismus befreit hat und eine Synthese von Sozialismus und Demokratie herbeiführt.
Die Reformbewegung wurde getragen von leitenden Parteifunktionären der KPC (Kommunistische Partei der Tschechoslowakei) und einer Schicht von Intellektuellen. Mit der Aufhebung der Zensur im März 1968 wurde die breite Öffentlichkeit informiert und für die Ziele der Reformer, die vor allem politische, gesellschaftliche und ökonomische Umstrukturierungen und Neuordnungen forderten, gewonnen.
Die Sowjetunion, vornehmlich die KPdSU (Kommunistische Partei der Sowjetunion), sah in der tschechoslowakischen Entwicklung eine Gefahr für den Marxismus-Leninismus und für das Bündnis der sozialistischen Länder unter ihrer Führung. Die Reformer stellten die Führungsautorität der KPdSU ideologisch und politisch in Frage, der Sozialismus als Gesellschaftsalternative sollte nicht mehr russisch oder sowjetisch definiert werden, sondern europäische Leseart bekommen.
Die unüberbrückbaren Gegensätze in den Ansichten der Tschechoslowakei und der Sowjetunion und den Bruderparteien mussten eine gewaltsame Lösung finden, da beide Seiten aufgrund der jeweiligen Verstrickungen in ihren Denkmuster und Prinzipien verbal nicht mehr zueinander finden konnten. In der revolutionären Theorie und Praxis des Kommunismus wurde die Verteidigung des Sozialismus immer als höchste Pflicht der „Arbeiterklasse“ und ihrer Partei anzusehen. Dementsprechend ordnete sich der Stellenwert der Armee als spezifisches militärisches Instrument des sozialistischen Staates ein. Die Funktion der Streitkräfte bestand in erster Linie zum Schutz gegen eine Aggression von außen und in der Sicherung innerer friedlicher Aufbau- und Entwicklungsbedingungen.
Die früheren Militärs der Sowjetarmee und –flotte genossen nicht zuletzt aufgrund ihrer Verdienste im 2. Weltkrieg großen Einfluss in entscheidenden Bereichen der sowjetischen Gesellschaft. Ihre Geltung war nach dem Kriege weiter gestiegen, da sie einen bedeutenden Beitrag zum Aufstieg der UDSSR in den Rang einer atomaren Weltmacht geleistet hatten. In diesem Sinne, geprägt von einer grundsätzlich konservativen Denkhaltung, fühlten sich die Marschälle und Generäle der Sowjetarmee offenbar in besonderen Maße für die Geschicke des Sozialismus in der Welt verantwortlich. An vorderster Stelle ihrer Bemühungen lagen dabei die Erhaltung und der Ausbau der bisher erreichten politischen und militärischen Machtposition des sowjetischen Imperiums, die sie ständig bedroht sahen.
Mit der Abschaffung der Zensur und der Rehabilitierung der in den Schauprozessen verurteilten Kommunisten vermehrte Alexander Dubcek den Kreis seiner Anhänger mit reformistischen Gedankengut. Außenpolitisch versuchte er die Beziehungen zu den westlichen Nachbarn zu verbessern und dadurch den Handel zu intensivieren. Nicht zuletzt deshalb fürchtete man ein Ausbrechen der CSSR aus dem östlichen Bündnis. Ein weiteres Indiz dafür war, dass mit der Verfassung von 1960 aus der CSR die CSSR wurde („S“ für Sozialistische).
Zweifellos führte das Politbüro der kommunistischen Partei die Streitkräfte und erteilte dem Militär Anweisungen. Im Selbstverständnis gingen jedoch die Armeeführer davon aus, dass die sowjetische Militärmacht auch eine eigene „historische Mission“ zu erfüllen habe, nämlich als „Verteidigerin aller Fortschrittlichen gegen die Kräfte der Reaktionen und der Aggressionen.“ Diese „edle humanistische Mission“ beschränkte sich ausdrücklich nicht nur allein auf das eigene Volk und das eigene Land.
Inhaltsverzeichnis:
| 1. | Einleitung und Stand der Literatur | 3 |
| 2. | Wie kam es zum „Prager Frühling?“ | 5 |
| 3. | Pressestimmen zum Prager Frühling | 27 |
| 4. | Die NATO | 37 |
| 5. | Der Warschauer Pakt | 51 |
| 6. | Österreich | 63 |
| 7. | Wie reagierte die NATO auf den „Prager Frühling“ und dessenNiederschlagung? | 77 |
| 8. | Welche Folgen und Veränderungen gab es für Österreich durch die Niederschlagung des „Prager Frühlings“? | 97 |
| 9. | Verhältnis der NATO zu Österreich vor, bei und nach der Intervention des Warschauer Paktes in die CSSR | 105 |
| 10. | Veränderungen bei der NATO durch die Niederschlagung des „Prager Frühlings.“ | 112 |
| 11. | Was bedeutete die Reaktion der NATO, während des „Prager Frühlings“ und dessen Niederschlagung, für Österreich und sein Handeln? | 121 |
| 12. | Gegenüberstellung von Ausgangsthesen und Analyseergebnissen | 130 |
| 13. | Literaturverzeichnis | 133 |
Militärdoktrin, die der amerikanische Militärwissenschaftler Garthoff „als einen Größensprung vom Bajonett zum thermonuklearen Zeitalter“ bezeichnete. Für die anfängliche Entwicklung der Militärdoktrin der europäisch sozialistischen Staaten ist es also charakteristisch, dass sie nicht so sehr im nationalen Rahmen des Warschauer Paktes erfolgte. Die Ausarbeitung einer einheitlichen Militärdoktrin aller Teilnehmerstaaten bot bezüglich der Koordinierung der Ansichten über den Aufbau der Streitkräfte und die Methoden der Kriegsführung praktisch keine Probleme. Nach der vom Chef der Politverwaltung der sowjetischen Streitkräfte, General Episev, stammenden Definition in einem Artikel der SME handelte es sich bei der sowjetischen Militärdoktrin um einen Teil der Politik der kommunistischen Partei der Sowjetunion, der die Ziele und Aufgaben des bewaffneten Kampfes der Arbeiterklasse und ihrer Verbündeten um die Errichtung der Diktatur des Proletariats hatte.70 Es steht fest, dass ohne eine Übereinstimmung der nationalen Militärdoktrin mit der gemeinsamen Doktrin eine harmonische Koordinierung der verbündeten Streitkräfte auf Vertragsbasis kaum erreicht werden würde. Solange die sowjetische Militärdoktrin den Verbündeten gegen ihre nationalen Interessen aufgezwungen wird, muss es immer wieder zu offenen oder versteckten Auseinandersetzungen zwischen der Sowjetunion und den kleinen Bündnispartnern kommen. Ein Widerspruch zwischen gemeinsamen und nationalen Zielsetzungen kann im Ernstfall die Schlagkraft eines Militärblockes beeinträchtigen.71 Die Sicherheitspolitik ist die Grundlage der Strategie, mit welcher ein Staat seine Unabhängigkeit zu erhalten und zu festigen sucht. Neben den außenpolitischen und wirtschaftspolitischen Komponenten dieser Leitlinien spielt, vor allem bei den Großmächten und deren Verbündeten, die militärische [...]
militärtechnische Seite ist der politischen untergeordnet. 68 Auf militärischer Seite erfolgte unter Chruschtschow die Aufwertung der strategischen Raketentruppen zur eigenen Teilstreitkraft. Im Verhältnis zu den konventionellen Kräften ergab sich nunmehr gewissermaßen eine Zweiteilung im Rahmen der Militärdoktrin und der Strategie; 1. Das Erreichen des strategischen Zieles unmittelbar, d.h. mit den strategischen Atomwaffen, gefolgt von konventionell/taktisch-atomarer Aktionen und 2. durch Operationen bzw. strategische Operationen mit konventionellen Kräften. Der Begriff strategische Operation für „Kriegstheater“ sollte noch im weiteren besondere Bedeutung gewinnen. Es fand eine Annäherung an das schmale Entscheidungsfeld der „Prävention“, der vorbeugenden eigenen Aktion statt, wie auch der Vorwegnahme. Solches war im gleichen Maße verständlich, wie auch gefährlich.69 Die Kommunistische Partei und die Regierung formulieren die sozialistische Militärdoktrin und verändern sie auch laufend. Als Militärdoktrin der europäisch sozialistischen Staaten galt von Anfang an die sowjetische. Sie basiere bis zum 20. Parteitag der KPDSU auf einigen Thesen Stalins, die man als „geniale“ Entdeckungen pries. Die KPDSU erarbeitete von Mitte der fünfziger Jahre bis Anfang der sechziger Jahre eine neue sowjetische [...]
Die Militärdoktrin der sozialistischen Staaten betrifft im wesentlichen die politische und ideologische Beurteilung eines künftigen Krieges, die wirtschaftliche und politische Vorbereitung des Volkes und des Landes auf den Kampf, die Entwicklung und Ausbildung der Streitkräfte sowie die verschiedenen Thesen über die Methoden der Kriegsführung, umfasst also die Gesamtheit der Ansichten über die wichtigsten Fragen der Führung eines bewaffneten Kampfes. Die Militärdoktrin ist von verschiedenen Variabeln beeinflusst. Sie hängt direkt von der Entwicklung des Militärwesens ab, da entsprechende Neuerungen den Charakter des Krieges verändern können. Die internationale Lage und ihre Hauptentwicklungstendenzen bestimmen die Gestaltung der Militärdoktrin ebenfalls mit. Schließlich wird sie von der strategischen Lage und Aktivität des potentiellen Feindes sowie von der eigenen Möglichkeit beeinflusst. Sowohl die politische als auch die militärische Seite der sowjetischen Militärdoktrin von heute sind streng auf einander abgestimmt. Die [...]
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783832486037
Arbeit zitieren:
Fischer, Dieter Juni 2004: Wie reagierte die NATO auf den Prager Frühling?, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
NATO, Warschauer Pakt, Tschechoslowakei, Blocksysteme, Sozialismus



