Musikvertrieb über das Internet
Eine Analyse der Nutzenpotenziale aus Sicht der Endkunden
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Michael Rudloff
- Abgabedatum: August 2001
- Umfang: 162 Seiten
- Dateigröße: 1,2 MB
- Note: 1,0
- Institution / Hochschule: Technische Universität Carolo-Wilhelmina zu Braunschweig Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-5294-0
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-5294-0 P - ISBN (CD) :978-3-8324-5294-0 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung: Die Studie wurde mit dem 'Michehl-Förderpreis für Wirtschaftswissenschaften' der Technischen Universität Braunschweig ausgezeichnet.
- Arbeit zitieren: Rudloff, Michael August 2001: Musikvertrieb über das Internet, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Musik, Internet, MP3, Konsumentenverhalten, E-Commerce
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Diplomarbeit von Michael Rudloff
Einleitung:
Zahlreiche Autoren und Unternehmensberatungen haben sich mittlerweile mit dem Musikvertrieb über das Internet auseinandergesetzt und die Folgen dieser Entwicklungen für die Musikindustrie dargestellt. Wenig Beachtung fanden dabei meist die letztendlich entscheidenden Konsumenten. So resultierten die hohen Nutzerzahlen von Napster nicht zuletzt aus dem großen kostenlosen Angebot von Musiktiteln, eine nicht zu unterschätzende Hürde bei den Bemühungen der Musikindustrie ein eigenes kommerzielles Angebot aufzustellen und zu etablieren.
Ziel der vorliegenden Diplomarbeit ist es das Nachfrageverhalten der Endkunden eines internetbasierten Musikvertriebs näher zu analysieren. Insbesondere interessieren dabei, welche Vor- und Nachteile die Konsumenten dem Kauf von Musik über das Internet beimessen und welche Faktoren u.U. entscheidend für die Akzeptanz neuer Vertriebswege sind.
Gang der Untersuchung:
In den theoretischen Überlegungen werden dafür zunächst die zentralen Akteure des klassischen Musikmarkts näher charakterisiert. Insbesondere die Tonträgerindustrie, in Gestalt von Herstellern und Handel, steht dabei im Mittelpunkt der Betrachtungen, da sie nicht nur umsatzmäßig eine zentrale Stellung bei der wirtschaftlichen Verwertung des Produkts „Musik“ einnimmt. Vielmehr droht der Branche durch die Virtualisierung der Geschäftstätigkeit der Wegfall ihrer Existenzgrundlage, wenn es nicht gelingt sich auf die neuen Rahmenbedingungen einzustellen.
Anschließend wird der Einfluss des Internet auf den Musikvertrieb dargestellt. Ausgehend von relevanten Entwicklungen der weiteren Umwelt, wie z.B. technologische Entwicklungen in den Bereichen der Datenübertragung, Peer-to-Peer-Netzwerke oder Endgeräte, aber auch rechtliche Neuordnungen und die Ausweitung der Internet-Ökonomie, werden dabei zunächst die klassischen Vertriebsstrukturen und -wege beschrieben. Im Anschluss daran werden die neuen Möglichkeiten, die sich im Zusammenhang mit dem Internet ergeben, wie Online-Handel mit Tonträgern, Digitale Distribution (auch mobil) und Kiosksysteme, sowie die daraus resultierenden Strukturveränderungen beim Vertrieb von Musik dargestellt.
Darauf folgend schließt sich die Analyse eines internetbasierten Musikvertriebs aus der Perspektive der Endkunden an. Dafür werden zunächst grundlegende Überlegungen zur Musiknachfrage und zur Nachfrage im B2C-E-Commerce vorangestellt. Auf der Grundlage dieser Betrachtungen werden dann die für die Konsumenten möglichen Nutzenpotenziale zunächst theoretisch erarbeitet. Sie bilden damit die Grundlage für die sich anschließende empirische Evaluation. Diese beginnt zunächst mit der Darstellung einzelner Ergebnisse bisheriger empirischer Untersuchungen (u.a. GfK „Digitale Aufnahmen“). Den thematischen Schwerpunkt der Arbeit bildet die sich anschließende eigene E-mail-gestützte WWW-Befragung (n=295). Wesentliche Inhalte dabei sind die Internetnutzung, der allgemeine Musikkonsum sowie die Nutzenmerkmale aus Sicht der potenziellen Nachfrager und ihre Akzeptanz für einen internetbasierten Musikvertrieb, die teilweise mittels multivariater Verfahren auf nutzerspezifische Merkmale hin noch näher analysiert werden.
Abschließend werden auf Basis dieser Erkenntnisse erste Handlungsempfehlungen an die Anbieter von Musik gegeben.
Inhaltsverzeichnis:
| INHALTSVERZEICHNIS | I | |
| ABBILDUNGSVERZEICHNIS | III | |
| ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS | V | |
| 1. | EINLEITUNG | 1 |
| 2. | GRUNDLAGEN | 2 |
| 2.1 | Das Produkt Musik | 3 |
| 2.2 | Der Musikmarkt | 4 |
| 2.2.1 | Kernbereiche des Musikmarktes | 5 |
| 2.2.2 | Nebenbereiche des Musikmarktes | 10 |
| 3. | DER EINFLUSS DES INTERNET AUF DEN MUSIKVERTRIEB | 11 |
| 3.1 | Veränderte Rahmenbedingungen für den Vertrieb von Musik | 12 |
| 3.1.1 | Sozio-kulturelle Faktoren | 12 |
| 3.1.2 | Gesamtwirtschaftliche Faktoren | 14 |
| 3.1.3 | Technologische Faktoren | 17 |
| 3.1.4 | Politisch-rechtliche Faktoren | 22 |
| 3.2 | Klassische Vertriebswege und -formen | 26 |
| 3.2.1 | Stationärer Tonträgerhandel | 28 |
| 3.2.2 | Direct Mail | 30 |
| 3.3 | Neue Vertriebswege und -formen über das Internet | 32 |
| 3.3.1 | Online-Handel mit Tonträgern | 33 |
| 3.3.2 | Digitale Distribution | 35 |
| 3.3.3 | Kiosksysteme | 38 |
| 3.4 | Strukturveränderungen durch den Musikvertrieb über das Internet | 40 |
| 4. | DER MUSIKVERTRIEB ÜBER DAS INTERNET AUS ENDKUNDENSICHT | 45 |
| 4.1 | Grundlegende Überlegungen zur Nachfrageseite | 45 |
| 4.1.1 | Die Musiknachfrage | 45 |
| 4.1.1.1 | Tonträgerkaufverhalten | 45 |
| 4.1.1.2 | Struktur der Tonträgerkäufer | 50 |
| 4.1.2 | Die Nachfrage im B2C-E-Commerce | 54 |
| 4.1.2.1 | Internet-Nutzerstrukturen | 55 |
| 4.1.2.2 | Aspekte des Kaufverhaltens im B2C-E-Commerce | 57 |
| 4.2 | Nutzenpotenziale durch den Musikvertrieb über das Internet | 60 |
| 4.2.1 | Neue Qualität der Beschaffung | 61 |
| 4.2.2 | Neue Produkteigenschaften und Produkte | 64 |
| 4.2.3 | Veränderte Preisbereitschaft und neue Preismodelle | 66 |
| 4.2.4 | Erhöhung der Käuferreichweite | 69 |
| 4.3 | Bisherige empirische Untersuchungen | 71 |
| 4.3.1 | Ausgewählte WWW-Umfragen | 71 |
| 4.3.2 | Die MORI-Studie „Rockin’ all over the WWW“ | 76 |
| 4.3.3 | Die GfK-Studie „Digitale Aufnahmen 2001“ | 78 |
| 4.3.4 | Erkenntnisse aus den beschriebenen Untersuchungen | 82 |
| 4.4 | Eigene Erhebung | 84 |
| 4.4.1 | Motivation und Ziel | 84 |
| 4.4.2 | Untersuchungsmethodik | 85 |
| 4.4.3 | Hypothesen | 89 |
| 4.4.4 | Ergebnisse | 90 |
| 4.4.4.1 | Demografie und Internet-Nutzung | 91 |
| 4.4.4.2 | Allgemeiner Musikkonsum | 93 |
| 4.4.4.3 | Nutzung und Akzeptanz eines internetbasierten Musikvertriebs | 98 |
| 4.4.4.4 | Nutzerspezifische Analysen | 106 |
| 4.4.5 | Diskussion der Ergebnisse | 109 |
| 5. | HANDLUNGSEMPFEHLUNGEN AN DIE ANBIETER VON MUSIK | 113 |
| 6. | ZUSAMMENFASSUNG | 117 |
| LITERATUR- UND QUELLENVERZEICHNIS | 120 | |
| ANHANG | 131 |
Der Musikvertrieb über das Internet aus Endkundensicht 4.2.1 Neue Qualität der Beschaffung Internetbasierte Vertriebsformen von Musik wie der Online-Handel, die Digitale Distribution oder Kiosksysteme bieten den Nachfragern gegenüber den klassischen Vertriebswegen entscheidende Vorteile. Im Gegensatz zum stationären Tonträgerhandel kann man beispielsweise zu jeder Zeit direkt von zu Hause seine Musik bestellen. Die bestellten Musiktitel werden dann entweder innerhalb von Tagen offline geliefert oder können bei der Digitalen Distribution innerhalb von Minuten heruntergeladen werden. Darüber hinaus kann die Musik über Kioskterminals auch von anderen attraktiven Orten bzw. mittels mobiler Endgeräte ortsunabhängig bezogen werden.367 Die Gefahr, einen bestimmten Musiktitel aufgrund mangelnder Verfügbarkeit nicht zu bekommen, ist zudem relativ gering. Zum einen können die Konsumenten über das Internet weltweit aus einer Vielzahl von Anbietern wählen, zum anderen übertrifft das Angebot einzelner Online-Anbieter das stationärer Geschäfte häufig bei weitem.368 Die Wahrscheinlichkeit v.a. ältere oder seltene Musiktitel, die im herkömmlichen Handel nicht mehr erhältlich sind, im Internet ausfindig zu machen, steigt damit deutlich. So lassen sich beispielsweise auch über Online-Auktionen Tonträger ausfindig machen, die schon lange nicht mehr von den Herstellern produziert werden,369 und der Reiz von Tauschbörsen wie Napster liegt neben dem bisher kostenlosen Angebot u.a. auch in der enormen Auswahl an Musiktiteln, die durch die Bereitstellung kompletter, persönlicher Plattensammlungen entsteht.370 Durch die Digitale Distribution ist außerdem zu erwarten, dass einerseits weitaus mehr neue Künstler ihre Musik veröffentlichen und andererseits auch die Tonträgerhersteller zuvor unrentable Produktionen niedriger Auflagen erneut zur Verfügung stellen. Das Angebot an Musik wird damit deutlich breiter und vielfältiger.371 Die hohe Angebotsvielfalt im Internet macht die Nutzung von Such- und Filtersystemen für die Nachfrager unabdingbar. Im Gegensatz zur Suche im Geschäft oder Katalog lässt sich bei einzelnen Anbietern sowie anbieterübergreifend schnell und gezielt nach ausgewählten Musiktiteln suchen.372 Darüber hinaus bietet das Internet viele Möglichkeiten, [...]
Der Musikvertrieb über das Internet aus Endkundensicht Online-Handel erfolgt die Lieferung zudem zeitverzögert, und es muss sichergestellt sein, dass diese auch entgegengenommen werden kann.355 Darüber hinaus entfällt beim Einkauf über das Internet der unmittelbare persönliche Kontakt zum Verkäufer.356 Zwar bietet das Internet einige Möglichkeiten zur Kontaktanbahnung, insbesondere per E-Mail. Diese Art der Kommunikation ist allerdings zeitverschoben und läuft damit häufig nur verzögert ab. Insbesondere nach dem getätigten Kauf, wenn vermehrt kritische Fragen oder Reklamationen anstehen, wird daher häufig wieder auf das Telefon zurückgegriffen.357 Die größte Barriere des Online-Einkaufs besteht zudem im noch mangelnden Vertrauen der Kunden in die Online-Anbieter. Dies gilt im besonderen für sicherheitstechnische Aspekte bei der Bezahlung und Geheimhaltung persönlicher Daten sowie in der Einschätzung der Kunden darüber, ob die gewünschte Leistung vom Online-Anbieter zufriedenstellend erfüllt werden kann.358 Als Folge dessen werden bei den Bezahlmethoden bisher die risikoärmeren, klassischen Methoden wie offene Rechnung (82% der InternetNutzer), Lastschrift (34,8%) oder Nachnahme (31,3%) bevorzugt, wie die Ergebnisse der 12. Welle der W3B-Umfrage zeigen.359 Bereits erwähnt wurde auch der kritische Faktor Logistik. Nur wenn die Lieferung schnell und unproblematisch verläuft, wird der Kunde zum Wiederkauf angeregt.360 Das gilt im übrigen auch für die problemlose Rücknahme von gelieferten Artikeln.361 Auftragsbestätigungen per E-Mail und prompte Antworten auf Kundenanfragen oder das Tracking & Tracing der Bestellabwicklung über persönliche Konten sind daher geeignete Mittel, das Vertrauen der Kunden zu gewinnen.362 In diesem Zusammenhang spielt auch die Etablierung von Marken als „Vertrauensanker“ eine wichtige Rolle, da diese bei den Konsumenten meistens mit einer hohen Qualität und Zuverlässigkeit verbunden werden. Gerade bei der Vielzahl von Wettbewerbern im Marketspace wird dieser Faktor weiter an Bedeutung zunehmen.363 [...]
Der Musikvertrieb über das Internet aus Endkundensicht Diese Gründe können allerdings nicht allein ausschlaggebend für die zunehmende Bedeutung des Online-Shoppings sein, denn die genannten Vorteile bietet grundsätzlich auch der traditionelle Versandhandel.346 Die günstigeren Kostenstrukturen der Anbieter und die hohe Zahl der Wettbewerber im Marketspace kann aber beispielsweise dazu führen, dass viele Produkte deutlich günstiger angeboten werden als im traditionellen Handel.347 Entscheidende Pluspunkte bietet das Internet darüber hinaus durch seine hohe Aktualität und Informationsvielfalt gepaart mit einer komfortablen Informationsnutzung.348 Im Gegensatz zur Suche in Geschäften oder Katalogen kann man im WWW mit Hilfe geeigneter Suchmaschinen sowohl detaillierte Produktinformationen als auch die gewünschten Artikel an sich relativ schnell und einfach finden. Besonders vorteilhaft ist dies bei Produkten wie Musik, die in einer unüberschaubaren Menge angeboten werden. Darüber hinaus können bei dieser Suche individuelle Präferenzen berücksichtigt werden, und mit Hilfe von Vergleichsdiensten wie z.B. Dealtime lassen sich die „besten“ resp. günstigsten Anbieter ausfindig machen.349 Letzten Endes werden im Internet auch Produkte angeboten, die nur dort erhältlich sind, wie beispielsweise bei der Digitalen Distribution von Musik.350 Gegenüber diesen Vorteilen des Online-Einkaufs ergeben sich für die Konsumenten aber auch einige Nachteile. So werden z.B. Preisvergünstigungen häufig durch die anfallenden Online- und Versandkosten geschmälert.351 Außerdem sind die multimedialen Darstellungsmöglichkeiten im Internet bisher noch relativ eingeschränkt, so dass Produkte, die ausprobiert bzw. in Augenschein genommen werden wollen, sich weniger gut für den Verkauf über das Internet eignen.352 Vielmehr kann der Kauf eines Produktes in der „realen Welt“ einen Erlebniswert besitzen, der auch durch multimediale oder interaktive Angebote im Internet nicht ersetzt werden kann.353 Ausnahmen bilden hier wiederum Güter, deren Qualität ausreichend bekannt ist bzw. über das Internet hinreichend bewertet werden kann und deren Einkauf u.U. mehr als Last, denn als Lust empfunden wird.354 Beim [...]
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